NEGURA BUNGET

ANNO

20 - Oktober 2010

 

Es gibt Welten, die betritts Du nicht einfach nur mal so.

 

Selbst wenn Du glaubst - gefestigt und stark zu sein - es wird Dich verändern.

Schleichend - Subtil - im Verborgenen.

 

Erfahrungen können niemals schlecht sein - nein, Sie bergen doch stets Wissen.

Verändern Dich als Mensch, ja - aber, ob zum Vorteil oder dem Gegenteil ... ?

Wer mag die Beurteilung dessen vornehmen, ausser Du selbst.

 

Letztendlich bist Du es, der den Weg bestimmt,

wo immer er Dich auch hinzuführen vermag ...

 

Kommt mit mir ein weiteres Mal auf eine kleine, dunkelgefärbte Reise,

welche ich vor ziemlich genau 2 Jahren hier begann.

 

Das Album "OM" der Band NEGURA BUNGET war meine erste dunkle Kritik auf dieser Seite.

Und nun das letzte Werk dieser Band in der Stammbesetzung,

sowie der Neuanfang, die WIEDERGEBURT ...

 

... DER KREIS BEGINNT SICH ZU SCHLIESSEN ...

 

Begebt Euch noch einmal auf eine Reise mit DARKENSTORM ...

möglicherweise der schicksalshaften letzten

- dazu mehr im MONATS-THEMA des Winter-Vorbotens November.

 


 

Negura Bunget - Maiestrit 2010

Tracklist
1. Vremea locului sortit  7,38
2. În-zvîcnirea apusului  10,03
3. A-vînt în abis  6,14
4. Al locului  10,26
5. Bruiestru  9,45
6. Plecăciunea morţii  11,12
7. A-vînt în abis (Acoustic Version)  8,22
8. Plecăciunea morţii (Acoustic Version)  9,46


Gesamt-Spielzeit  73,24 min

 

 

 

WISSENSWERTES
Stil
Black Metal

Tendenzen
Folk

Anspiel-Tipps

A-vint in abis


Label
Prophecy Productions

Die Band
Hupogrammos     Vocals, Guitars, Keyboards, Folk Instruments
Sol Faur              Guitars, Bass
Negru                 Drums, Percussion, Archaic Instruments

EINDRUCK
Bevor die Rumänen zu der Ausnahmeband wurden, als die wir sie heute wahrnehmen - diese einzigartige Mixtur aus Folk-, Pagan- und Black Metal, hatten sie bereits im Jahre 2000 einen Klassiker der aggressiveren Form des Black Metal eingespielt -"Maiastru Sfetnic" (sprichwörtlich: BEISTAND).

10 Jahre später beschloss man, quasi als Vermächtnis, diese Songs noch einmal mit besserem Sound (das Original ist unterirdisch im Sound)  und ergänzt um zwei Akustik-Versionen, neu einzuspielen und sie umzuarrangieren, angefangen hatte dieser Prozess bereits 2 Jahre vorher und während dieser Zeit kam es dann bekanntlich zur Trennung der Band.


Doch eigentlich sind die Songs schon viel älter, komponiert wurden sie nämlich in der Zeit von 1996 bis 1998. Und so erstrahlt nun unter dem Titel "Maiestrit" (sprichwörtlich: ERFÜLLUNG) eine der besten und ungewöhnlichsten Black Metal Scheiben in der Geschichte des Genres.

Es ist grimmiger, räudiger, rasender und SCHWÄRZER,

als der spätere Backkatalog der Band.
Der Folkanteil der Songs ist zwar latent vorhanden,

aber sehr dezent. Die weiten, flächigen Keyboardsounds, die diese unnachahmliche Atmosphäre verströmen,

sind da, aber nicht überpräsent. HUPOGRAMMOS haucht, röchelt, keift, growlt und wispert sich durch die überlangen Kompositionen.

Diese Songs strahlen häufig eine extrem erhabene, majestätische Atmosphäre aus, gerade der zweite Song "In-zvicnirea apusului" gleicht einer Achterbahnfahrt. Immer wieder erheben sich die Melodiebögen zu ungeahnten Höhen, werden dort sphärisch oder weit klingend mit Keyboardflächen aufgesetzt. Die Gitarren rasen dazu, sind trotzdem hochmelodisch in Teilaspekten des Sounds, der Bass spielt wenige warme Töne in diese Raserei, während der Sänger permanent schreiend-röchelnd-keifend ALLES gibt - einer der Ausnahmesongs des Albums - die letzte Minute gleicht einem sphärischen Soundtrack.

Die Produktion des Albums sorgt für die eigentliche Verbindung zu den späteren NEGURA BUNGET. Allzu schroffes, kantiges wurde zu Gunsten eines "Gesamt-Flows" weggelassen, dafür wurde alles recht natürlich und warm angelegt. Dazu kommt die nötige Differenzierung, die es ermöglicht alle Instrumente auch einwandfrei auszumachen, eine Leistung, die das Urwerk nicht schaffte. Dieses Ungestüme mag sich in den Jahren verloren haben, dafür erschafft die Band nun allerdings eigentümliche und einzigartige Landschaften der Klänge und Töne - nennen wir es ruhig KUNST.

Durch die Aufwertung des Albums, indem zwei Songs in weiteren (Semi-) akustischen Neueinspielungen (und rein instrumental) mit drauf gepackt wurden ("A-vint in abis" und "Plecaciunea mortii"), erfährt das Album noch deutlicher die Werte, die man schon während des Hörens der anderen Songs unterschwellig aufnimmt.


NEGURA BUNGET waren auch damals schon sphärisch, mystisch und mythisch, Natur verbunden und strahlen ihre eigene Form von Schönheit aus.
Nur wurde dieser Aspekt hier wesentlich reifer ausgearbeitet als auf dem Original.

FAZIT
Eine schwarz-metallische Klangreise voller Urkraft
Weniger rasend als das Original - dafür mehr Struktur, Details und Spiritualität

Gleichzeitig zerbrechlich und fragil - voller Schönheit
Dann aber auch rasend, klirrend und aggressiv
Immer aber erhaben und majestätisch

AUSSERGEWÖHNLICH - ALLEINSTEHEND - KUNSTVOLL

 


 

Negura Bunget - Vîrstele Pamîntului 2010

Tracklist
1. Pãmînt  6,58
2. Dacia Hiperboreanã  8,52
3. Umbra  3,32
4. Ochiul Inimii  8,05
5. Chei de Rouã  5,51
6. Cara de Dincolo de Negurã  5,54
7. Jar  4,29
8. Arborele Lumii  7,37
9. Întoarcerea Amurgului  8,22


Gesamt-Spielzeit   59,35 min

WISSENSWERTES
Stil
Negura Bunget

Tendenzen
Folk - Pagan - Black

Anspiel-Tipps
Dancia Hiperboreana, Jar, Arborele Lumii

Label
Code 666/Soulfood

Die Band
Corb                   Gesang, Gitarre
Spin                    Gitarre
Gadinet                Bass
Inia Dinia             Keyboards
Ageru Pamintului  Gesang, Percussion, Xylophone, Panpipe
Negru                  Drums, Percussion

EINDRUCK
Kuhglocken tönen am Ohr, fast schon leicht entfernt entführt uns eine kleine Pan-Flötenweise in die Welt jenseits der üblichen Konstanten - jenseits unserer Hektik, jenseits unserer aufgeblasenen Wichtigtuerei. Friede erfüllt mein Herz, die ersten Worte in rumänischer Sprache erklingen, Akustik Gitarren begleiten den entrückten Gesang, leichte Percussion Elemente ergänzen.
Nach 5 Minuten erst wird uns bewusst, dass nicht alles so friedlich sein kann - die ersten Schreie ertönen, die E-Gitarre steigt ein, mit mächtiger erhabener Melodie, welche bereits andeutungsweise in den vorangegangenen Tönen leise mitschwang.

Willkommen in der NATUR-MYSTIK der (alten und neuen?) anderen NEGURA BUNGET

- „Vîrstele Pamîntului” („Die Zeitalter der Erde”).

Das Konzept handelt von verschiedenen "Welten", welche Schranken überwindend, auf uns einwirken. Orte und Plätze der Spiritualität, die uns lehren. Dies können durchaus reale Welten der Antike sein, aber auch Welten, welche als Tor zwischen unserer Welt der Lebenden, sowie der Welt der Toten fungieren.

 

Auch der zweite Song beginnt mit sphärischen und ruhigen Tönen, diesmal auf dem Synthie dargeboten, zaghaft kommen Gitarren-Töne dazu - Du beginnst Dich wohlzufühlen im Klangkosmos ...


... doch plötzlich bildet sich der halb verborgene Gedanke im Hinterkopf - wann geht die Urgewalt los, wann schreien, keifen, groweln die Jungs - war da nicht mal was.


Doch weiter geht die entspannte Klangreise, eine immer wiederkehrende Melodie führt durch den Song, Gesang setzt ein, wird allmählich aggressiver, Growls, Frauengeschrei, die Dunkelheit scheint sich am Horizont zu erheben, immer noch in Zaum gehalten, doch ahnbar - die Düsternis der Rumänen, sie zeichnet sich ab.
Zum Ende dann langsam kräftigerer Sound, die Drums setzen erstmals richtig ein, schaffen Druck

- die Stimme fast nur noch anklagend-schreiend - aber weiter mit dieser ganz starken Gitarren-            Tonfolge

- entrückt und Erd-verbunden zu gleich - die Kunst der Emotion.

Mit sphärischem (simuliertem) Chor blendet der Song, wie in einer Filmmusik, aus.

"Umbra" wartet - mit Horn, als wenn man über den Wäldern Rumäniens steht und den Morgen begrüßt

- was er uns wohl bringt?
Immer weiter färbt sich das Klangbild 'gen Dunkelheit - unmerklich nur, doch stetig. Fast schon Tribal ähnliches Druming trifft auf wieder sphärische Klänge der Synthies. Ein rein instrumentaler Song,

welcher nur von einigen sphärischen Chorpassagen ergänzt wird.

Dann reisen wir mit "Ochiul Inimii" allmählich in die Spirale der Schwärze, bedächtig zunächst,

"normal" gesungene Wörter und Textzeilen,  doch bald schon kippt das Bild.

Aus Midtempo wird losgelösteres Tempo, die Stimme keift, die Gitarren werden progressiv abgefahren, Wucht und Erhabenheit paaren sich mit wieder eingesetzten Synthieflächen, der folkloristische Ansatz, den die ersten 3 Songs ausstrahlten, wird fast gänzlich zurückgeschraubt.

Doch immer noch werden die Fesseln nicht gänzlich abgestreift.

Im nächsten Song haben wir einerseits folkloristischen Gesang, als auch die Keif-Stimme parallel, Keyboardflächen treten zurück, werden nur noch spärlich eingesetzt, räudige Gitarren übernehmen,

die die Atmosphäre weiter ins Reich der Schwärze verschieben.
Und doch bleibt das Album viel eher einer folkloristischen Variante der PAGAN Musik verwandt,

denn einem abgründigen Black Metal Brocken. Dies wird auch so bleiben.


Die Wurzeln der Band waren nie reine Raserei - waren nie misanthropisch oder Gewalt predigend.
Sie hatten immer einen zutiefst der Natur verbundenen Charakter, versetzt mit leichter Mystik und Elementen aus dem Black Metal. Dies wird hier deutlicher, denn je zuvor.

"Jar" ist wieder einer dieser rein instrumentalen, grundsätzlich ruhigen Songs der Scheibe,

doch stets mit einer latent vorhandenen Bedrohung versehen.
Fast nur auf Synthieflächen aufgebaut, meinst Du Dich unter freiem Nachthimmel, meinst das Lagerfeuer prasseln zu hören, und am Ende des Gesichtskreises, dort wo das Licht in die Dunkelheit übergeht, dort siehst Du die seltsam form-verändernden Schatten lauern ...


Mit "Arborele Lumii" folgt der wohl zugänglichste Song des Albums,

da er am ehesten einer Strophen-Refrain Thematik folgt. Eingängige Gitarrenharmonien,

treibende Drums (jedoch wie auf dem gesamten Album - nie zu schnell, nie verwaschene Raserei), Keyboardflächen und eine Stimme zwischen sämtlichen Schattierungen.
Dynamisch lockt ein ruhiger Part in der Mitte, ehe der Sound wieder angezogen wird.

Der Abschluss-Track "Intoarcerea amurgului" zeigt dann noch einmal die kompositorische Bandbreite der Band: gesprochene Parts, Akustik Gitarren, Synthies, gesungene Parts, Flöte, veränderte Tempi etc.

Natürlich kommen diese typischen Melodiefolgen, wie man sie so oft im Black Metal serviert bekommt auch hier vor, Kälte hervorrufend, doch ergänzt um diese stark folkloristischen Ansätze und die immer wieder kehrenden starken Synthie Einsätze (allerdings nicht platt, sondern der Klangfarbe wegen), sowie der Panflöte (allerdings auch nicht die Fussgänger-arme-Südamerika-Einwohner-Variante, sondern auch wieder eher als zusätzliche Klangfarbe), bekommt man eine sehr eigenständige und einzigartige Musik vorgesetzt.


Niemals leicht konsumierbar, ohne großen Strophen-Refrain Aufbau, aber auch ohne Kitsch und klebrigen Pathos. Dies ist Musik für lange Winternächte unterm Kopfhörer, ein Wagnis einer immer "aussen" stehenden Band, zum Entdecken für diejenigen unter Euch, die schon weit gereist in unseren vielfältigen Musiklandschaften und trotzdem immer noch neugierig auf neue Erfahrungen sind.

FAZIT
Rumänisches Schamanentum mit archaischen Zügen
Spirituelle Erfahrung - aufwühlende Urwüchsigkeit

 

EINE ABSOLUT EIGENSTÄNDIGE UND ALLEINSTEHENDE BAND

 

INTENSIV - SPIRITUELL - VISIONÄR


 

Sie schaffen es immer wieder mich mit ihren Werken einzufangen, nicht beim Nebenher-hören, dazu ist die Musik zu komplex und eigen. Aber in Momenten der Einsamkeit, unterm Kopfhörer - wenn die Lichter gedimmt sind, das Glas Rotwein in der Hand - beginnt für mich oft die Transzendenz-Erfahrung.


Weit weg von Alltag und alltäglichen Gedanken führt mich dann diese unkonventionelle, fast meditative Musik, öffnet mir einen archaischen Kosmos voller Dunkelheit - selbstverständlich, aber hauptsächlich auch aufwühlender Schönheit, emotionalem Tiefgang und faszinierender Einmaligkeit.


Die Welten die NEGURA BUNGET erschaffen, haben ausser der Musik viel weniger mit Black Metal zu tun, als gedacht. Sie nutzen nur die Stilelemente, die diese Musikform bietet, um ihre Visionen von Musik anzureichern.


Und doch gibt es viele Definitionen von Black Metal:

- die der Freigeister, des sich nicht reglementieren und limitieren lassenden Bands,

   trifft auf NEGURA BUNGET allemal zu.

oder um in den Worten von NEGRU:

 

"Ich sehe Black Metal als ein universelles, überweltliches Konzept, eines,

  welches mein Leben komplett verändert hat, und was mein Leben ständig weiter verändert."


Und so fordern Bands, wie NEGURA BUNGET letztendlich den Hörer auf, diese Schranken und Schubladen in unseren Köpfen niederzureissen, sich nur dem zuzuwenden, was wirklich zählt

- der MUSIK.

 

Webpage der Band

 

                                                                                                                       DARKEN TOM