KINGSBANE, BIFFY CLYRO, BLIND GUARDIAN

ANNO

09 - Oktober 2010

 

Es gibt diese besonderen Tage - wo die Erinnerung an vergangene Zeiten überhand nimmt,
schöngefärbte, rein positive Wahrnehmung von Situationen oder Begebenheiten - NOSTALGIE

- und man sagt, dies nehme im Alter zu.
Ich gebe es gerne zu - manchmal lasse ich mich in diese Momenten fallen, fordere sie geradezu heraus.

In der Musik gibt es momentan einen stark ausgeprägten Hang neuerer Bands hin zu längst vergessenen Musikformen innerhalb der Szene - RETRO STYLE.
Ob IN SOLITUDE die Hochphase von MERCYFUL FATE mit integrieren, ENFORCER an die NWOBHM erinnern, oder eine ganze Herrschar von Bands sich an die großen Werke des THRASH heranwagen.
Meist gut, manchmal sehr gut, oft aber auch halbgar gemacht (da einfach der Background fehlt,

welchen diese Bands damals halt hatten - UND der meiner Meinung nach immens wichtig ist.

ABER - wichtig ist sie wohl - die Rückbesinnung auf alte Werte.

Manchmal aber sind die Schicksalsfäden derart verworren, das es Bands wieder an die Oberfläche spült, die selbst schon fast aufgegeben hatten. Dann werden kleine Perlen des wahren Untergrunds wieder an Land gespült, welche schon längst verschollen geglaubt ...

 

 

Kingsbane - Kingsbane (1991) 2010

Tracklist
1. The wages of sin  6,10
2. Lost in time  4,38
3. Dreamscape  7,50
4. Baroque  0,38
5. Destiny awaits  4,29
6. Rite of passage  6,08
7. The edge of abyss  6,52
8. Into the light  1,11
9. The moment  4,17
10. Gypsy's way  5,12
11. Dusk  5,27
12. Altered states  4,44


Gesamt-Spielzeit  57,31  min

WISSENSWERTES

Stil
Progressive Metal

Tendenzen
Fates Warning der Mitt-Achziger
Dream Theater zu Beginn der Karriere
etwas Rush
eine Brise Queensryche

Anspiel-Tipps
The wages of sin, Lost in time, Gypsy's way, Dusk

Label
Stormspell Records

Die Band
Fabien Madeleine       Gesang
Mark Stewartson        Gitarre
Matt Draper               Gitarre
Tom Rokicki               Bass
Dan Russell                Drums
Claude Allard             Keyboards (Songs 1-3)

EINDRUCK
Wie so oft wurde einfach mal auf der High-School 'ne Band gegründet (MARK, MATT, TOM, DAN und JERRY SCHREINERT als Sänger) - wir schreiben das Jahr 1986.
Schnell kristallisierte sich die Liebe zum Progressive Metal heraus, und der Ansatz dieser hochkomplexen Musikform einzigartige Melodien zu schenken. Doch bereits nach zwei Jahren trennte man sich vom damaligen Sänger und fand in FABIEN einen neuen Vocal-Akrobaten.

Nun begann eine Phase der hoch konzentrierten Proberaumtätigkeit - 3 mal pro Woche, je 4 - 5 Stunden (waren das schöne Zeiten - sollte manche Band heutzutage auch einmal ausprobieren).
Alle teilten die gleiche Vision - Songs formen und reifen lassen.

So entstand 1991 das KINGSBANE-Demo.


Tape-trading war angebracht und über die Stationen METAL BLADE und NUCLEAR BLAST schaffte es die Band immer größere Berühmtheit im Untergrund zu erlangen. Die Reaktionen auf das Demo waren großartig bis euphorisch und so war eigentlich der Weg vorgezeichnet.
Doch das Glück war der Band nicht hold - Bands wie DREAM THEATER, FATES WARNING oder QUEENSRYCHE hatten die großen Deals eingefahren, der GRUNGE brach unwiderstehlich in die Musiklandschaft ein und Bands wie KINGSBANE verschwanden so schnell von der Bildfläche,

das man ihnen nicht mal mehr hinterherwinken konnte.

Man änderte den Namen in SEVEN YEARS, nahm ein weiteres 4-Song-Demo auf, später folgte sogar unter dem Namen IN THE NAME ein Full-Lenght-Album in Japan, welches einiges an Erfolg einfahren konnte. Doch das RockHard war wohl mit Schuld an der Wiederveröffentlichung des vorliegenden Albums, welches aus den zwei Demos (KINGSBANE/SEVEN YEARS) besteht. Denn dort war das KINGSBANE Demo als bestes demo des Progressive Metal bezeichnet worden und so weit weg liegen die Jungs damit nicht.

Stormspell Records schickten die Songs zum Remix und Remastering und nun ist das Teil also in sehr guter Soundqualität zu haben (auch wenn die Auflage sehr gering ist! - Suchen lohnt...).

Die Songs selbst atmen diesen, damals vorhandenen, einzigartigen Zeitgeist, wie sie auch von PSYCHOTIC WALTZ' "A Social Grace", DREAM THEATER's "When Dream And Day Unite"

oder FATES WARNING's "Awaken The Guardian" ausgingen.
Die Gesangharmonien erinnern ein ums andere Mal an JOHN ARCH zu eben AWAKEN THE GUARDIAN Zeiten (z.B. "The wages of sin" - absolut genialer Opener).


Der Sound wird in den ersten drei Songs auch durch Keyboards aufgepeppt (besonders stark bei

"Lost in time"). Aufgelockert durch Zwischenspiele ("Baroque" und "Into the light"), entwickelt sich ein extrem abwechslungsreiches Album, welches zum Ende hin fast schon "modern" tönt ("Dusk").

Ich würde zwar nicht ganz so hoch greifen und sofort THE BEST DEMO EVER ausrufen,
und doch ertappt man sich dabei, das die Songs einen nicht zu schnell satt machen, man immer wieder die CD rotieren lässt. Dies liegt wohl an den eher subtilen, niemals aufdringlichen Melodien,

dem komplexen Songwriting und der immer vorhandenen notwendigen Grundhärte.

Hier darf man dann auch getrost von einem inflationär verwendeten Begriff Gebrauch machen

- ZEITLOSIGKEIT - denn dies ist es tatsächlich, was solchen Alben einfach anhaftet.

Habt also teil an einer dieser Geschichte, wie sie unsere Musik auch, leider allzu oft, schreibt.
Talent im Übermaß, Können und die richtigen Emotionen in den Songs, doch widrige Umstände,

oder einfach fehlendes Glück in den Momenten, wo es drauf ankommt.
Eine dieser Bands, welche nie den verdienten Erfolg einfahren konnten

- also SUPPORT THE REAL UNTERGROUND ... wenn auch leider sehr schwer zu bekommen.

FAZIT
EINE DIESER LANG VERLOREN GEGLAUBTEN PERLEN
ERZÄHLT VOM AUFBRUCH - VON WAHRHEIT - VOM WESEN DER MUSIK

ANBETUNGSWÜRDIG ...

Webpage der Band  

                                                                                                                         DARKEN TOM

 

ANNO

19 - September 2010

 

Beständig zwischen den Stühlen, alternative Weiterentwicklung,

Ecken und Kanten - und damit Wiedererkennungswert.

 

Wenige Bands gehen diese Wege so konsequent,

viele Bands scheuen einfach das musikalische Risiko.

 

ERFRISCHEND und WERTIG,

dies sind Attribute, denen ich schon immer folgen konnte ...

 

WOLLT IHR DIES AUCH ?

 

 

 

Biffy Clyro - Only Revolutions 2009

Tracklist
1. The Captain  3,43
2. That Golden Rule  3,50
3. Bubbles  5,01
4. God & Satan  3,10
5. Born On A Horse  2,49
6. Mountains  3,21
7. Shock Shock  3,04
8. Many Of Horror  4,19
9. Booooom, Blast & Ruin  3,17
10. Cloud Of Stink  2,56
11. Know Your Quarry  3,29
12. Whorses  3,56


Gesamt-Spielzeit   42,48 min

WISSENSWERTES

Stil
Alternative Rock

Tendenzen
Indie/Emo/Rock/Mainstream

Anspiel-Tipps
The captain, The golden rule, Bubbles, Mountains

Label
14th Floor/Warner

Die Band
Simon Neil          Gesang, Gitarre
Ben Johnston       Bass, Gesang
James Johnston   Drums, Gesang

EINDRUCK
Die Band aus Schottland gründete sich bereits 1995, doch erst im Jahre 2002 schuf man den Erstling "Blackened Sky", eine Mischung aus Alternative Rock mit Emo-Einfluss. Über die Jahre und diverse Tonträger, veränderte man den Sound Richtung Progressive Rock und (leichte) poppigere Einflüsse.
Die Grundsubstanz ist allerdings immer noch Energie und Power.

Doch aus dem Geheimtipp der Szene ist längst ein Anwärter auf den Stadion-Rock Thron geworden.
Waren es ehemals die verschachtelten, fast sperrigen Arrangements, welche die Band ausgemacht haben, so ist es nun, garniert mit einer ungemein hohen Eingängigkeit und kompaktem Songwriting,

der Reiz des wertigen Alternative Rock mit gehörigem Tiefgang.

"Only Revolutions", das inzwischen 5. Album,  ist nun der vorläufige Endpunkt dieser Entwicklung. Bereits der Vorgänger "Puzzle" barg unheimliches Potenzial in sich und nur der "Test Of Time" wird letztendlich zeigen, welches Album nun das bessere ist, denn auch "Only Revolutions" wirbelt mächtig Staub auf.

Energiegeladen und treibend - dies sind Attribute, die Du auf den Sound anwenden kannst,

dazu immer noch ausreichend Rhythmus- und Tempiwechsel.
Doch zugänglicher und eingängiger, auch kompakter sind sie geworden (der Major im Rücken?).
Doch solange damit eines dieser aussergewöhnlichen Alben herauskommt - mir soll's Recht sein.

Schon der Opener "The captain" kommt im eingängigen, druckvollen Breitwand-Format daher und groovt wie Hölle. Großer Chorgesang auf einer Energy-Rock-Hymne, dazu ein feiner Bläsersatz - immer schön dynamisch angelegt, mit guter Reduziert-Abgeh-Dynamik und Whoaah-whoaah Stadion Refrain.
Die Gitarren klingen recht bratzig, was sich im zweiten Song noch verstärkt. Dies begegnet einem auf diesem Album des öfteren und hat seinen Grund in Hinzunahme des Produzenten Garth Richardson

(u.a. RAGE AGAINST THE MACHINE, RED HOT CHILI PEPPERS).
"The golden rule" ist nach dem Opener die zweite Single, die das Album abwarf - eine eher untypische, da recht hart gehalten. Am Schluß werden Streicher-Salven abgefeuert, die seltsamerweise weder das Tempo, noch die Härte des Songs beeinflussen - ziemlich beeindruckend. Das Ende wirkt gar wie eine kleine LED ZEPPELIN Reminiszenz.

"Bubbles" ist ungemein eingängig, ohne platt zu sein, wird unterstützt von ein paar Gitarrenparts von JOSH HOLMES (Queen Of The Stone Age).
Ein weiteres Highlight, bevor mit "God & Satan" ein erster ruhiger, philosophischer Song zum Zuge kommt:
            "I talk to god as much as I talk to satan, 'cause I want to hear both sides ..."

Mit "Born on a horse" hat man einen weiteren ungewöhnlichen Song aufzubieten

- mit Elektro-Beat versehen, tuckert der Song vor sich hin, erinnert mehr an Disko, denn an Rock, bevor am Ende einem die harte Rock-Eruption überrascht.
Dann "Mountains", ein Song mit (dem Titel angepassten) Riesen-Refrain,

der Dich vollkommend überraschend trifft - erhaben, episch, groß.
"Shock Shock" ist reiner FOO FIGHTER Station Rock, mit gegen Ende hin herrlichen Melodiebögen.
Mit "Many of horror" kommt dann die zweite ruhige, fast romantische Nummer zum Zuge, nachdenklich und wieder mit einem unwiderstehlichen Refrain ausgestattet, der noch durch unterschwellige Streicher im Hintergrund aufgewertet wird, sich dann zur Epik-Hymne steigert und instrumental immer "größer" wird, bevor noch mal das Whooah-Whooah ausgepackt wird, um in diesen grandiosen Refrain überzuleiten, womit der Song dann langsam ausklingt - von einem letzten Streicherakkord getragen - welch Songwriting.

Danach wird's wieder rockiger ("Booooom, blast & ruin"), bevor mit "Cloud of stink" gar der (moderne) Punksound ausgepackt wird.
"Know you quarry" ist fast kitsch-besetzte Zone, mit seinen Streicher-Arrangements, und doch schaffen BIFFY CLYRO auch diesen Spaghat ohne Schaden zu nehmen.
Und mit der Nummer "Whorses" werden dann noch einmal gesangliche Eingängigkeit mit Power Druming, wenigen Riffs und leichten elektronischen Spielereien verknüpft, bevor der druckvolle Sound zuschlägt, mächtige Gitarren-Riffs im absoluten Breitwandsound übernehmen und recht komplex zu Ende gespielt wird.

FAZIT
Straffes, kompaktes und doch musikalisch verspieltes Songwriting
kumuliert in ideenreichen, äußerst abwechslungsreichen,

mit der nötigen Leichtigkeit versehenen Nummern mit Tiefgang

Klasse (aber nicht über-) produziert - groß angelegtes Epos

Webpage der Band  

                                                                                                                         DARKEN TOM

 

ANNO

08 - September 2010

 

Ich gebe es gerne zu, denn ich bin ein (o.k. - ich arbeite täglich daran) ehrlicher Mensch.
Ich habe mich die letzten Jahre immer weiter von BLIND GUARDIAN entfernt, habe sie aus meinem inneren Zirkel ausgeschlossen. Der ewige Fantasy Bombast und Kitsch störten mich zusehends, die Chöre zu aufgebauscht, die Kompositionen zu verwinkelt und zugekleistert. Der Gesang und vor allem die Chöre zu hoch angesetzt, die Musik und die Stimme auf zu vielen Spuren ausgebreitet - Quantität vor Qualität.

Und auch die neue Scheibe tut alles dafür erst einmal in genau diesen Kategorien zu punkten.
In der mir vorliegenden Lim.Edt. kommt zunächst das Cover zum tragen - wieder mal Fantasy Ansatz, aufgemacht erscheint sogar ein aufgeklappter Drache der sich aus einer Ecke erhebt, wie niedlich. "Coole" Fantasy Zeichnungen in fettem Farbenrausch überall - Mann, Mann, Mann.

Warum ich trotzdem diesmal meinen Frieden mit der Band zu schließen vermag

und dieses Album sogar als Highlight der langen (gegründet 1984) Karriere der Band betrachte?
Auf geht's ...

Blind Guardian - At The Edge Of Time 2010

 

Tracklist
1. Sacred worlds  9,17
2. Tanelorn (Into the void)  5,58
3. Road of no release  6,30
4. Ride into obsession  4,46
5. Curse my name  5,52
6. Valkyries  6,38
7. Control the divine  5,26
8. War of the thrones  4,55
9. A voice in the dark  5,41
10. Wheel of time  8,55
Gesamt-Spielzeit  63,58 min

Bonus-CD der Lim.Edt.:
1. Sacred Worlds (Pre-Production Version)  6:49    
2. Wheel Of Time (Orchestral Version)  8:55    
3. You're The Voice (Radio Edit)  3:36    
4. Tanelorn (Into The Void) (Demo)  5:59    
5. Curse My Name (Demo)   4:42    
6. A Voice In The Dark (Demo)   5:40    
Gesamt-Spielzeit             35,38 min

und zwei Videos:
Sacred - Video-Clip (Fantasy Spiel Animation)   6,17
A Journey To The Edge Of Time (Studio-Dokumentation)  19,18

weiter gibt es bei dieser Version einen Download Code, mit dem Du bei NUCLEAR BLAST noch Bonus Material anschauen kannst:
1. die beiden Videos, welche allerdings auch bei der Bonus CD vorhanden sind
2. Valkyries als Demo-Version
3. eine kleine Bilder-Galerie
4. Wallpapers

WISSENSWERTES

Stil
Power Metal

Tendenzen
oft hochmelodisch, mit Orchestereinsatz
manchmal endlich wieder mit Speed

Anspiel-Tipps
Sacred worlds, Tanelorn, Wheel of time

Label
Nuclear Blast

Die Band
Hansi Kürsch      Gesang        
André Olbrich     Gitarre
Marcus Siepen    Gitarre
Frederik Ehmke   Drums, Percussion, Flöte, Bagpipes

Gäste
Oliver Holzwarth    Bass
Matthias Ulmer      Keyboards
Eberhard Hahn      Flöte
Klaus Marquardt    Violine
Dirim Ceseroglu     Violine
Irish Heartbeat      Stepptanz-Gruppe (Rhythmus bei "Curse my name")
Bach Choir Bremerhaven
Orchester

EINDRUCK
Die Orchestrierung des Albums, plus die vielen beteiligten Musiker (siehe oben) passen nun mal zum Sound der Band, wie Topf auf Eimer.
Wenn das orchestrale Intro zu "Sacred Worlds" erklingt, welches dann von (Gott sei Dank) wieder kräftigerem Gitarrenspiel der Band abgelöst wird, ahnst Du schon etwas von der kommenden Stunde Musik. Die Verschmelzung von Band und Orchester ist nahezu perfekt gelungen, dabei die Band eher im Vordergrund, wenngleich das Orchester bei seinen Parts oft tragende Rollen übernimmt.
Dabei kommt natürlich die Produktion ins Spiel, welche alle Intrumente transparent abzubilden vermag (einzig das Schlagzeug könnte mir manchmal etwas wuchtiger daherkommen - maybe next time).

Doch die Scheibe klingt endlich wieder kraftvoll, basischer und nach METAL.

Die Aufnahmen dauerten von November 2007 - April 2010 und wurden somit zum ersten Mal seit langer Zeit fristgerecht zu Ende gebracht.
Die Detail-verliebtheit der Band, als auch das hauseigene Studio sorgt für lange Produktionszeiten.

Doch ausschlaggebend für meine Hochachtung und vor allem meinen Annäherungsprozess zur Band sind andere Dinge. Endlich hat es die Band geschafft, wieder weniger epische, überladene - dafür treibendere, härtere Stücke in eine Scheibe zu integrieren. Da kommen wieder Speed-/Poweransätze durch, wie man sie in der Hochphase der Band zuhauf hatte.

"Tanelorn (Into the void)" ist so ein Beispiel, oder die vorab ausgekoppelte, wieder speedige Nummer

"A voice in the dark", die fast durchweg nach vorne prescht, bei eingängigem Refrain.

Noch wichtiger ist die Tatsache, das die Refrains endlich wieder packend geworden sind, nachvollziehbar, mit Größe und dem richtigen Schuss hymnischer oder epischer Melodie. So werden Songs wieder zu Songs und nicht zu eigenverliebten Guckt-mal-wie-toll-wir-arrangieren-können Stücken. Die Gesangsspuren werden auch nicht mehr bis zum Exzess gedoppelt, sondern HANSI darf wieder stärker SEINE ureigene Stimme zur Geltung bringen.

Zugegeben - es gibt (für mich) auch schwächere Songs auf dem Album - die Ballade "Curse my name" zum Beispiel ist mir zu sehr auf Mittelalter-Folk-Markt ausgelegt (gegen Ende sogar mit aufgenommenen irischen Stepptänzern versehen - o.K. Pluspunkt für Details, aber wen kümmert das schon, ausser das eigene Ego?) und hat natürlich mit "Bard's song" wesentlich stärkere Vorgänger, wenn sie auch nicht stört oder aus dem Rahmen fällt. Doch ansonsten spielt sich alles in klar vorgegebener Form ab, wirkt zielstrebig und niemals zu überladen.


Das Orchester, vor allem beim Opener und der grandiosen Abschlussnummer "Wheel of time" präsent, schafft eine neue Dimension im Sound.
Manchmal gar mit Abschnitten, welche angelehnt an große Filmsoundtracks erscheinen - da wird zum einen Spannung für das seit ca. 250 Jahren erwartete Orchester-Werk der Band geschaffen.
Noch interessanter erscheint mir hier jedoch der Ansatz möglicherweise die Filmmusik zur Verfilmung von TOLKIENS "Der Hobbit" beisteuern zu dürfen - mal sehen, was geht.

Gerade die Nummer "Wheel of time" ist es, die mich schwer überzeugt.
Eine sehr gut gelungene Verschmelzung von Band und Orchester, schafft Raum für beide Protagonisten, welche sich auf ihre ureigene Art und Weise darin austoben dürfen.
Das Stück ist durchwoben von orientalischen Melodien, wartet mit Percussion-Samples eines, zwar in Kanada lebenden, aber aus dem Mittleren Osten stammenden Künstlers auf (FAYEZ SAIDAWI),

hat Aufbau, Dramatik, Spannung, etwas Progressivität und diesen mächtigen Chorus, welchen man kaum weiter übertreffen kann - eine wirklich würdige Abschlussnummer.

Insgesamt stört auf diesem Album kein Song wirklich, sondern im Gegenteil - die abwechslungsreichen Kompositionen ergänzen sich im Gesamt-Kontext sehr gut, schaffen ein rundes Album, auf dem Du sehr viel entdecken kannst und an dem man sich nicht so schnell satt hört.

Gegner der Band finden mit Sicherheit genügend Stoff, um weiter zu wettern.
Fans der Band werden das Album in den höchsten Tönen abfeiern.
Doch am interessantesten ist es wohl für die Gruppe der Zweifler (wie mich also), mit offenem Herzen, offenen Ohren und genügend Zeit (die man hier unbedingt aufbringen sollte),
werden Sie sich wohl wieder ein Stück begeistern lassen, für eine Band und einen Sound, welche (zugegebenermassen) einen ziemlichen Alleinstellungs-Wert innerhalb der Szene inne hat
- wie viele haben das schon.

FAZIT
Immer noch mächtig bombastisch, aber wieder geradliniger im Ansatz
Unheimlich facettenreich, aus (nahezu) allen Phasen der Bandgeschichte
Voller Eingängigkeit, aber wieder mit Kraft und Power

Eine in allen Belangen GROSS geratene Scheibe

Webpage der Band  

                                                                                                                       DARKEN TOM