5th NIGHT OF THE PROG - 03. + 04. September 2010

5 Jahre Enthusiasmus - 5 Jahre Risiko - 5 Jahre Überzeugung


Vom Tagesfestival führte der Weg über Samstag/Sonntag Doppel

und 3-Tages-Festival hin zur Freitag/Samstag Veranstaltung.
Seit Festival Nummer 2 sind wir dabei, in wechselnder Zahl und Zusammenstellung zwar, aber immer mit gleichbleibender Freude.
Freude an der Musik - an den Leuten - an der Aussergewöhnlichkeit des Events - an der Einzigartigkeit der Location.


Natürlich gibt es Dinge, die man(n) verbessern könnte

- das Essen beispielsweise macht es nie allen Recht - stimmt.
Der Eintritt ist recht hoch, mit 95€ an der Schmerzgrenze - stimmt auch

und der Einlass könnte schneller gehen.


ABER - dies ist alles in Eigenregie entstanden, man trägt sich selbst, ohne großartige Werbeunterstützung. Zeit DANKE zu sagen - wo sonst hätte ich die letzten Jahre diese gemeinsamen hochemotionalen Momente erleben dürfen.
Ob große (und manchmal auch alte - hahaha) Helden,

wie NEAL MORSE - ASIA - JETHRO TULL - RODGER HODGSON,
hochwertige, eigenständige Nischenbands,

wie RIVERSIDE - ARENA - PENDRAGON - IQ - PAIN OF SALVATION,
natürlich die Dauergäste FISH, SYLVAN und GAZPACHO,
oder Entdeckungen, wie MOONGARDEN, QUIDAM und MAGENTA etc. etc.


Wir haben dieses Festival lieben gelernt, wie kaum ein zweites in Deutschland.
Die Atmosphäre, die Entspanntheit - der Friede, den dieser Felsen im Abendlicht ausstrahlt.


Und wieder war es soweit ...

Orientierung - LOS! oder Orientierungs-los?


Kartenlesen ist was für ewig Gestrige, NAVI rules.
Jau - entspannte Anfahrt, bei gleichzeitig gereichter Restfahrtzeit - einfacher geht's wirklich nicht.
Die Woche vorher war so voller Stress (Arbeit und Privat), das ich mich gedanklich zurücklehnen wollte - Landschaft und begleitende Musik (diesmal KINGSBANE, DOOMSHINE, aber auch PHIDEAUX) genießen, langsames Wegdriften aus dem Alltag, die Loreley willkommen heißen, mich an ihren Busen drücken - danach stand mir der Sinn.

Als ich über Höhenzüge fahrend, immer wieder den Hinweis auf St. Goarshausen las wurde mir schon leicht mulmig, nach der Abfahrt ins Rheintal die Gewissheit: Kürzeste Strecke heißt natürlich FÄHRÜBERFAHRT - Hauptgewinn, explodierende Freude, Glück kaum fassbar.
Das Miststück war auch gerade abgefahren - 15:50 zeigte die Zeit, scheinbar mich höhnisch angrinsend. Wenigstens standen die ersten Mitbesucher auch in der Warteschlange - an Shirts, langen grauen Haaren und ersten Holländisch, Spanisch, Italienisch-Wortfetzen erkennbar.


Die Autoschlange kam kompakt auf die Fähre, ich in der dritten Reihe - erster Startplatz - Bolidencheck,

neue Reifen aufgezogen - wird schon - Euch verbrat ich auf der anderen Seite.
Drüben um 16:10 angelegt - Standgas hochgefahren, Bremse leicht lösen und ... die ersten zwei Reihen durften zuerst - geht doch nicht - Puls kracht mittlerweile durch die Schädeldecke.
Endlich raus, links abfahren - letzte Anstiege bis zum ELYSIUM.

 

Nur ein Auto vor mir, aber der will wohl in meine Richtung, doch warum qualmt der so.

Uralter Mercedes, 4 Insassen, kommt den Berg nicht hoch - HÖLLE UND VERDAMMNIS.
Endlich nachzuckelnd oben angekommen schlägt die Turmuhr gerade 16:20 Uhr.
Tür zu - MENSCH, ICH HABE AUCH NOCH KEINE KARTE (da ich nicht wusste, ob ich es dieses Jahr überhaupt schaffe). Abendkasse angelaufen, noch schnell nach Win (Veranstalter) gefragt, der mir ganz unkompliziert einen Photo-Ausweis genehmigt (dazu später mehr), jetzt noch die Schlange am Einlass - 16:27 Punktlandung.


Bei der Kontrolle meines Rucksacks höre ich die ersten Töne der ersten Band - Jubel, Verbeugung

- Dauergrinsen, schnell meine Pfunde die Stufen hochgewuchtet, der Blick öffnet sich

zum natürlichen Rund, Sonne und entspannte Menschen - ICH BIN ZU HAUSE ...

 

TAG 1:
GALAHAD / 16.30 - 17.30
Es dauerte etwas bis das Publikum auftaute, doch beim dritten Song ("Empires never last"), war es dann so weit.

Die sympathischen Engländer, mit den wohl auffälligsten Schuhen des Festivals (die Orange-lackierten Treter von ROY/Gitarrist blendeten selbst am hellichsten Tag), brachten eine Mischung aus alten (sogar vom Erstwerk NOTHING IS WRITTEN aus dem Jahre 1991) und neuen Songs, waren mir live allerdings etwas zu dominant auf Keyboards aufgerichtet, während die starken Gitarren des letzten Albums etwas runtergemischt wurden.
Sogar ein neues Stück wurde vorgestellt, vom im Frühjahr 2011 erscheinendem neuen Output, welches zwischen klassischem Prog und epischen Tracks angesiedelt wird, wie mir der Sänger bei einer kleinen Plauderstunde am Promo-Stand steckte.
STUART/Sänger, war zwar stets bemüht, sehr agil und kommunikativ, hatte allerdings nicht seinen besten Tag erwischt und traf doch mehrfach die höheren Tonlagen nicht.
Trotzdem war der Auftritt ein Erfolg, da die Band mit Spass inne Backen agierte, was durch starken Applaus bekundet wurde.

ARS NOVA / 17.45 - 18.45
Da das Festival auch immer wieder Newcomern und aussergewöhnlichen Bands eine Plattform bietet,
wurde man dieses Jahr in Japan fündig - zwei bunte, weibliche Paradiesvögel an Bass und Keyboards,
sowie ein männlicher Drummer, brachten die wohl ungewöhnlichste Performance des Festival auf die bezaubernde Bühne überm Rhein.

Die beiden fernöstlichen Blumen an der Front sind in farbenprächtige Kimonos gekleidet, bringen ihre instrumentalen Stücke, eher in einer Bandprobe, als einem perfekten Konzert dar, immer wieder durch, in radebrecherischem Englisch vorgetragenen Ansagen, unterbrochen.
Das hat Kultstatus, ist naiv-unterhaltsam, höchst einzigartig und mit Sicherheit der exotischste Auftritt des Festivals. Tage später habe ich immer noch das immer lächelnd vorgetragene "Thank You" der Keyboarderin im Ohr.

Sie halten sich danach fast den gesamten Nachmittag am Promo-Stand auf, geben Autogramme, lassen sich mit den Fans photographieren oder plaudern in verschiedenen Sprachen (inkl. der Gebärdensprache), mit STUART von GALAHAD.

Mächtig sympathisch - sehr exotisch - ein schöner Farbtupfer.

 

Das Publikum ist aufgeschlossen, agiert und kommuniziert mit der Band. Eine schöne Entspanntheit tritt ein - die Sonne lacht und wärmt, so wie die Musik.

 

THREE FRIENDS / 19.00 - 20.45
sind eigentlich zu sechst und Freunde scheinen Sie auch nicht zu sein, zu sehr wird verquert geproggt, gegeneinander instrumentiert. Spinett-artige Keyboard-Fragmente treffen auf zwei gegensätzlich spielende Gitarren. Bass und Drums legen kein Gerüst unter die Songs, sondern wandeln auf eigenen, aber verschiedenartigen Spuren. Frickelei trifft auf höchst fragile Vocals, manchmal auf feinen zwei- oder dreistimmigen Chorgesang.
Im Publikum bewegen sich End-sechziger, sowie der Zigaretten-Mann zu einem stillen, eigensinnigen Ausdruckstanz. Es ist das Erbe der GROOOSSEN GENTLE GIANT, welches hier beschworen wird.

Schließlich sind es drei Gründungsmitglieder, welche hier das hochkomplexe Erbe verwalten.

Feingeist - hoch frickelig - zerbrechlich harmonisch - alles drin, dazu passend geht langsam die Sonne unter, färbt einzelne Wolken, am hereinbrechenden Abendhimmel zart orange, die Band ist ungemein tight, die Songs Lehrstücke, der Sound (auf den ich später noch näher eingehe) gleichzeitig gigantisch und transparent, ohne den solche Musik nicht funktionieren kann.
Das Publikum erweist sich als Kenner der Materie und der wohlverdiente tosende Applaus am Ende des Sets honoriert eine fabelhafte Mannschaftsleistung.
Langsam bricht die Nacht heran - die ZWÖLFTE, um genau zu sein.

TWELFTH NIGHT / 20.45 - 22.45
Pleiten, Pech und Pannen ...
Früher wurde eingestöpselt und losgerockt, heute werden erst einmal Computereinstellungen ein-, aus- und auch mal weggelesen. Dazu ein Sänger, der mir zu sehr Rockstar und Entertainer sein will, einfach zu viel Getänzel und große Posen. 2/5tel der Mannschaft sind übrigens aus den Jungs von Galahad rekrutiert.


Trotzdem ist der Auftritt recht kurzweilig, was an den Songs der Band liegt. Das Korsett bilden die Songs des Jahrhundertwerkes FACT AND FICTION (z.B. "We Are Sane", "Fact And Fiction", "Lovesong"),

auch hier wieder bei blendendem Sound - ein gut ausbalancierter Bass, trifft auf ein tief angelegtes Schlagzeug-Fundament, die Gitarren sind wuchtig, die Keyboards, als auch die Stimme schön transparent ... so feiern wir uns allmählich dem Headliner ...

PALLAS / 23.00 - 01.00
... entgegen, und da ist es - das Gefühl, welches sich den gesamten ersten Tag nicht so richtig bei mir einstellen wollte (zu viel Stress im Vorfeld...) - GÄNSEHAUT PUR.
Ich finde mich in der ersten Reihe wieder, das erwartungsvolle Strahlen in den Augen, Körperspannung - VORFREUDE.

Der alte Pallas Backdrop der SENTINEL Ära wird vor der gesamten Bühne ausgebreitet - 25 Jahre (sowie der alte Sänger ALAN REED) sind vergangen - JUBILÄUMS-ZEIT.


Der Rahmen ist gesteckt - das Werk kann beginnen und bei Bombensound, (noch mal die Vorgänger Bands getoppt), schaffen "The Cross And The Crucible"

und "The Greater Glory" sofort eine solch erhabene Atmosphäre - Power Prog mit Eiern und melodischen Streicheleinheiten versehen, das mir schier trunken wird, vor musikalischer und songwriterischer Klasse.


Die Setlist wandelt über "Midas Touch" zum neuen Album XXV, welches Anfang 2011 als THE SENTINEL Pt. 2 erscheinen soll.
Die Songs sind weniger episch, eher rockig, mit einer gehörigen Portion Groove und doch scheinen die "alten" Sentinel Songs, welche im Anschluss gespielt werden, eher zu zünden.


Der neue Sänger PAUL MACKIE trifft jeden Ton, die Gesangseinlagen des Bassisten und heimlichen Herrschers der Band GRAEME MURRAY sind Gänsehaut - voller Inbrunst und Überzeugung singt er sich die Seele aus dem Leib.


Band und Publikum haben immensen Spass, treiben sich zu weiteren Höchstleistungen an, ich hänge mit Ohren und Seele an der Band - erblicke ATLANTIS ...
"Sanctuary" und "Cut and Run" beenden den Auftritt zur 25 Jahr Feier des SENTINEL und den ersten Tag zum 5 jährigen des Festivals.


Ein würdiger Headliner bei Wahnsinns-Sound, relaxt und gelassen, Energie geladen und rockend, wuchtig und elegisch - ÜBERLEGEN ...

 

DIE BILDER ZUM ERSTEN TAG ...

 

ZWISCHENSPIEL:

DIE CHOREOGRAPHIE DER WIRKLICHKEITS-SUCHER ...
Ich hatte schon erwähnt, das ich dieses Jahr erstmals in den Photograben wollte, um ein paar Augenblicke der Wirklichkeit festhalten zu können. Ganz unkompliziert bekam ich am Freitag auf den letzten Drücker noch schnell einen Photo-Ausweis (Danke Win).
Welch irrige Annahme, ich kleiner Pimpf könnte mal eben ...


Die Armada der Photographen übertraf dieses Jahr meine naive Annahme - dazu gesellten sich noch drei aufgestellte Kameras, welche organisiert von den Bands, die Auftritte mitfilmten. Dann diese geschätzten 20 Meter Objektive - ich habe dagegen einfach nur eine winzige Digitalkamera mit kleinem optischem Zoom. Was soll ich lange drumherum reden - ICH HABE MICH NICHT GETRAUT!

Doch bald schon nahm ich Besonderheiten wahr - das gegenseitige Belauern der Protagonisten im Graben vor der Bühne, der wohl über Sein und Nicht-Sein entschied. Das Abtasten - DA, der Schnappschuss

- noch einer, aber der Kerl links hat's verpasst - Verärgerung, Verzweiflung - bis hin zur Demütigung

- ist ER nicht gut genug.

Hier einer, der sich einfach rücksichtslos dazwischendrängelt, oder sogar vors angesetzte Objektiv des Konkurrenten wirft. Man sieht plötzlich einstudierte Gesten, Aktionen - das Ballett beginnt!


Einer springt auf - da die Bühne kurz hell erleuchtet wird, ist die Menge im Scheinwerferlicht zu sehen

- strahlend, feiernd - JETZT ein Bild von diese Menge - nur wenig Zeit ...
... alle anderen beobachten die Aktion - und JETZT springen Sie auch auf - hinterher,

dieses Bild möchte ich auch - doch da, die Bühnenspots werden wieder dunkler - Chance verpasst.
Doch zwei Minuten später wiederholt sich das Ganze - einfach zu schön, auch mal hier etwas zu verweilen und einfach nur zu beobachten ... VERWACKELTE EMOTIONEN EINER SCHEINWELT.

 

Das 5. Gesetz der Trägheit
Der geneigte Fan des gut abgehangenen Prog ist wohl meist schon etwas älter

- liegt wohl in der Natur der komplexeren Musik. Jugendkultur geht anders.
Familienväter - weit herumgekommene individuelle Menschen - Einzelgänger, WAS WEISS ICH ...

Wie sonst ist es zu erklären, dass am Freitag gerade mal ca. 900 und am Samstag ca. 1500 Besucher zu verzeichnen waren - geradezu UNVERSTÄNDLICH
- ob die Szene schon darniederliegt, siechend dem TOD entgegen starrt?

HAT EIGENTLICH JEDER DA DRAUSSEN BEGRIFFEN WIE VIEL MUSIKALISCHES HERZBLUT HIER JEDES JAHR AUFS NEUE VERGOSSEN WIRD???

Überwindet endlich diese Trägheit und fragt Euch warum man früher zu der Musik stand, begeistert Konzerte besuchte, das Live-Feeling ist doch so einfach nicht ersetzbar - dies solltet ihr mal wieder bedenken und dieses Gefühl neu entdecken- es lohnt sich wieder mal einzutauchen.

IHR SCHAFFT DAS - IHR ALTEN SESSELPUPSER - WETTEN!

 

IMPRESSIONEN ...

TAG 2:
Ein Paradoxon: etwas tritt ein, was eigentlich unmöglich ist ...

MOONGARDEN / 12.45 - 14.00
a) treten bei strahlendem Sonnenschein auf (was hatten wir Glück - vor dem Festival gefühlte 2 Jahre lang Regen, danach auch wieder, aber die zwei Tage waren gesegnet ...)
b) wieso kannte ich diese Band bis dato nicht???

Massive Gitarrenwände eröffnen schon fast "metallisch", dazu gesellt sich ein variables, akzentuiertes Schlagwerk, ein Sänger mit warmer, leicht angerauhter Stimme, welcher zu jeder Zeit in der Lage ist dem Ganzen seinen Stempel aufzudrücken. Die Italiener bringen Schwung in den noch jungen Tag, sind nach der Eröffnungsnummer zwar eher episch, denn übermässig hart, doch immer wieder werden als Stilmittel kräftige Riffs eingebracht, werden komplexe Drumstrukturen - und dies mächtig cool - in die Songs eingeflochten. So spielt sich das Ganze in einer Schnittmenge von NeoProg und New ArtRock ab.


Der Sänger besitzt ein unglaubliches Charisma, ab und an wird sogar eine Violine mit integriert,

um noch weitere fragile Harmonien in den vorzüglichen, atmosphärischen Sound zu weben.
Warum allerdings die gesamte Band in Tarnhosen auftritt erschließt sich mir nicht so ganz

- scheinbar Paradoxon Numero c).


Die Band spielt sich zunehmend in einen farbenprächtigen Rausch, das Publikum ist während der epischen Passagen mucksmäuschenstill. Zum Ende des Sets erklingen plötzlich epische Sternenglanzgitarrenharmonien, welche bereits ungeahnte Gänsehaut erzwingen,  doch der Sänger feuert ungefragt eine der ergreifensten, göttlichsten Gesangsharmonien des gesamten Festivals hinterher - ob des erstrahlenden musikalischen Glanzes, werden doch glatt meine Augen zur Produktion von Tränenflüssigkeit angeregt (...zur Gegenwehr natürlich, oder was dachtet IHR ...).


Ein ERLEBNIS - eine DEMONSTRATION - ein SIEGESZUG ohnegleichen - stehende OVATIONEN sind der gerechte Lohn ... für mich persönlich die Gewinner des Festivals, gleichzeitig Gradmesser und Taktgeber für die nachfolgenden Bands, welches leider zumindest von

SOLSTICE / 14.15 - 15.45
... nicht gehalten werden kann, denn die Entschleunigung folgt auf dem Fusse.
Sympathisch sind sie, musikalisch sind sie, doch irgendwie ohne den rechten Drive, um nach einer Band, wie MOONGARDEN auftreten zu können.
"Ätherischer Gesang" meets "Flower Power und World Klamotten Style" meets "Fiddle" meets "entspannte Rockgitarre".
Mir insgesamt etwas zu zahm, aber trotzdem kein Ausfall und ein weiterer Aspekt der geliebten Musik, welche dann von

SYLVAN / 16.00 - 17.30
wieder einmal in Herz-, Seelen-zerreissende Momente geführt wird.
Wie immer eigentlich sind sie eher Töne zelebrierende, ruhige Zeitgenossen, denn Rampensäue, aber wie diese Musik dann spricht ...


Mit welcher Leichtigkeit MARCO die anspruchsvollen Songs rüberbringt, dabei wieder einmal mitleidet, jeden Ton trifft - PHANTASTISCH.


"Vapour Trails" ganz am Ende des Sets katapultiert das Publikum unisono an den Rand der Anbetung,
doch vorher schon werden mir mal wieder mit den dargebotenen Songs aus dem Jahrhundertwerk "Posthumous Silence" sämtliche Formen der inneren Gefasstheit zertrümmert, mir meine emotionalen Grenzen aufgezeigt. Ein schöner Bogen um die letzten Alben wird gespannt, die musikalischen Pfeile treffen oft direkt ins Herz.

Kein Wunder, dass dann auch folgerichtig die bisher stärksten Resonanzen des Festivals zu bewundern sind.


So wird ArtRock/ProgRock lebendig, auf natürliche Art rübergebracht - was sich dann auch am Aufeinandertreffen wenige Minuten später an den Promoständen zeigt, welche dieses Jahr schön oberhalb des Geländes installiert wurden.


Dort treffe ich auf MARCO und JAN (Gitarrist),

plausche ein wenig, mache Photos und freue mich an der ungezwungenen Art der Musiker und des Festivals an sich.

GAZPACHO / 17.45 - 19.45
danach, haben ob der Leistung der Vorgängerband einen schwierigen Stand. Und obwohl es unheimlich viele Gazpacho-Shirts im Publikum zu bewundern gibt, schafft es die Band nicht ganz den hohen Standard von SYLVAN zu halten. Monitorprobleme auf der Bühne tun ihr übriges dazu ...

und doch ist der Auftritt kurzweilig, unterhaltsam und hochklassig.


Die Band präsentiert einen neuen Schlagzeuger, hat ein neues Album im Gepäck "Missa Atropos" (Veröffentlichung im November - auf der Loreley jedoch schon für die Fans erhältlich), und außerdem ein Ersatzmitglied an der Gitarre da der Etat-mäßige Saitenquäler Nachwuchs erwartet ( ... ich hoffe ich habe das so richtig verstanden... ), welcher wohl aus dem Umfeld des weiten Heavy Metal zu kommen scheint.

Lange Haare, typische Banger-Posen - herrlich anzusehen, offensichtlich mit Spass inne Backen - sympathischer Blickfang, den selbst JAN-OHME mehrmals während des Konzerts anschauen muss (mit Grinsen - Erstaunen etc.), um es wirklich zu glauben, was der Junge da, als Kontrast zum Rest der Band,  abzieht.
Ein ruhiger, besinnlicher Auftritt - wie es die hereinbrechenden Abendstunden auch vermitteln, die Songs pendeln auffallend stark um das NIGHT Album, welches natürlich hier auch hervorragend passt.
Dazu werden natürlich auch neue Songs gereicht, ein wertiges Menue und als am Ende der Song "The Secret" (vom ersten Album) in eine Schlagzeugsession mündet, sind die Zuschauer doch mehr als begeistert. Tanzende, friedlich lächelnde Gestalten huldigen den melancholischen Songs der Band.


Und da ich vom Headliner eigentlich nichts mehr erwarte bin ich zufrieden über die starken Auftritte des bisherigen Tages, sodass ich mich ganz relaxt

MARILLION / 20.30 - 22.30
widmen kann - DENKSTE.
Ich tue seit dem Buße - auf Knien verharrend oder flach auf dem Bauch im Staub liegend.
Selten hat mich etwas so unerwartet getroffen, wie der folgende Auftritt. Es dauerte nur einen halben Song, bis ich mich immer weiter nach vorne begebe - staunend, überrascht - bis in die zweite Reihe. Dort verweile ich andächtig und werde wieder zum Jünger der Band, der ich einst war.

Welcher SOUND - welches CHARISMA - welche ELEGANZ - welche PRACHT.
Die Band kommt meiner Vorstellung von Musik an diesem Abend so nahe, wie selten zuvor eine andere Truppe,

und ich habe im Laufe der letzten 30 Jahre wirklich

schon viel gesehen und erlebt - doch dieser Abend ist einer der magischsten Momente ...


Wer nicht dabei war soll im Boden versinken, den dies ist unweigerlich unwiederbringbar - SCHANDE ÜBER EUCH!


Die klasse Bands vorher werden mühelos getoppt,

durch Charisma und Seele - und aus welchem Universum auch immer STEVE ROTHERY die Töne herholt, ist mir an diesem Abend unbegreiflich.
Es ist als ob die Seele aus dem angestammten Körper ausbrechen möchte, um mitzuschwingen im Atem des musikalischen Universums.
Ich begreife hier und jetzt, dass diese Band die "alten" Songs der "Fish"-Ära gar nicht mehr nötig hat.

Bei der Zugabe werden einfach mal die Rollen getauscht und ROTHERY spielt Bass, während TREWAVAS die Gitarre übernimmt, doch der eigentliche Zeremonienmeister ist HOGARTH - wie dieser durch den Abend und die Songs führt - EINZIGARTIG.


Er flüstert, unterstreicht mit Gesten, fordert, kommt zum Publikum, nutzt jeden Zentimeter Raum der Bühne, verkleidet sich, spielt Keyboards zur Unterstützung, schmeisst auch schon mal eine Bühnenkamera um

- und singt dabei im besten Stile unterhaltend, als ob es nichts wäre - einfach, voller Lockerheit,

und doch sooooo emotional - das ich dies erleben durfte.


... und als zum Abschluss "Easter" erklingt, nein - erstrahlt, denke ich an meine Frau (welche zu Hause bleiben musste - wg. Kind), und wie sie jetzt wohl bittere (Freuden-)Tränen vergiessen würde,

und habe dabei alle Hände voll zu tun, es ihr nicht gleichzutun ... einen Rest Contenance zu bewahren.
Ein wahrhaft würdiger Headliner - EIN ÜBERIRDISCHES ERLEBNIS.

THE ENID / 23.00 - 01.00
beschließen dann diesen Abend.
Die Mischung aus Orchestrierung (per Keyboard und Samples), Filmsoundtrack-artigen Sounds und zeitloser Rockgitarre, kommt nach einigen technischen und Absprache gebundenen Problemen recht gut.


Sir ROBERT JOHN GODFREY ist der Hingucker, kokettierend, witzig - ein wahrer EHRWÜRDIGER.
Trotzdem bin ich von dem vorangegangenen Auftritt so emotional angefüllt, dass ich kaum noch etwas aufnehmen kann - die Band möge es mir verzeihen.

 

In Erinnerung bleiben mir der schöne elegische Sound, die warmen Farben und ein GRANSEIGNEUR, welcher als Ü-60er, stilvoll diesen Abend zu Ende bringen darf.

 

DIE BILDER ZUM ZWEITEN TAG:

 

Den imaginären Hut ...

Erwähnt werden muss dieses Jahr allerdings auch der bombastische Sound.
Fast unvergleichlich für ein Open-Air Konzert (und selbst Hallen-Events sind nicht oft besser),
war er transparent - brachte jede Nuance zur Geltung, aber auch voller Kraft und Wucht

- fuhr in Magen und Seele, fast ungebremst.
Alle Instrumente waren klar und deutlich auszumachen - UND doch, sehr wichtig, nicht zu laut

- es war ein eigentlich perfektes Paket - großer RESPEKT an die Tonleute - a la Bonne heure.

 

 

POST SCRIPTUM
ZUR GUTEN NACHT ...
Ich schleppe mich (körperlich geht es mir eigentlich gut - eher mental) mit letzter Kraft zu meinem Navi-regierten Auto.


Durch meine nicht mögliche Vorplanung, hatte ich dieses Jahr auch keine Unterkunft besorgt und so fuhr ich noch, wie am Tage zuvor, zu meinen Eltern (2 Stunden einfache Fahrt!), wo ich übernachtete, um dann am Sonntag wieder 'gen eigenen Wohnsitz (4 weitere Stunden Fahrt) zu reisen.


Angefüllt mit Eindrücken, musikalischen Highlights und emotionalen Momenten en masse,

träumte ich mich in die besänftigende Nacht. Und mir war als ob eine langhaarige, blonde, ätherische, wunderschöne Maid, mich sanft in ihren Armen wiegte, und in den Schlafe sang ... OH, LORELEY

 

                                                                                                                            DARKEN TOM