NIGHT OF THE PROG 2011 - A HOLE IN THE SKY

Nachdem ich Euch letztes Jahr so euphorisch vorgeschwärmt habe, als ich alleine „On The Rock” war, sind dieses Jahr wieder meine Stuttgart-Connection Hartmut, Bettina und Alex mitgekommen,

am Samstag dann sogar Uli - meine holde Maid.

 

Da wir am Freitag unseren Sohn erst zu meinen Eltern bringen mussten, war schwer Hektik angesagt: Schule gnadenlos bis 12.25 Uhr, dann erst von Greven/Münster Richtung Mainz, wo ich meine Frau und unseren Sohn gegen 15.45 zum Zug bringen wollte, damit sie von dort aus zu meinen Eltern fahren konnten (zwecks Übernachtung und Betreuung - DANKE!), während ich weiter das Rheintal entlang donnerte, um zum Start des Festivals gegen 16.00 Uhr aufschlagen zu können.

 

Timing ist alles, sach ich da nur – Stauprognosen, errechnete Ankunftszeiten des Navis etc.

nur Schall und Rauch. Ich weiß zwar nicht wie viele Punkte ich jetzt in Flensburg auf meinem bisher jungfräulichen Konto habe (werde es allerdings, wie ich befürchte, bald erfahren),

aber geritten bin ich wie der Teufel und es hat gereicht.

Ankunft Mainzer HBF um 15.32, Ankunft NightOfTheProg um 16.15.

Alle Geschwindigkeitsrekorde waren gebrochen (trotz zweimaligem Stau unterwegs),

das treue Gefährt hat zwar schwer geröchelt - doch hey, ICH WAR DA.

Das Wetter war auf drei von vier Wetterdiensten als durchwachsen, mit Regenschauern und/oder Gewitter, gemeldet worden; nur bei wetter.de als tendenziell trocken mit langen sonnigen Abschnitten.

Nun, wir hatten zwei Tage lang DAS perfekte Festival Wetter, fast durchweg Sonne bei angenehmen 25-27° Celsius.

 

Gefühlt allerdings, war es im Rund des Amphitheaters seltsamerweise ganz anders - es sollten Tage voller fühlbarer Wärme für Herz und Seele werden, so fein austariert war die Musik und entspannt die zweitägige Party.

 

Bei jeder Band Superstimmung, relaxt ohne jeglichen Stress (außer bei Hartmut – die arme Socke. Sein Auto machte schon in Stuttgart schlapp, seinem Heimatort, wollte wohl nicht mehr auf Tour in seinem Alter, sodass die schwäbische Family sich erst noch einen Mietwagen besorgen mussten und dadurch erst gegen 19.00 Uhr eintrafen).

 

Wieder einmal die Seele baumeln lassen, Ruhe gönnen und Emotionen aufnehmen, das war angesagt.

Musikalische Farbexplosionen für die elendig grauen Tage des Alltags.

FREITAG, 08. Juli

 

MARTIGAN

Waren ein idealer Opener, mit ihrem old Marillion angelehnten Sound.

Schon hier war das Publikum gewillt zu feiern, immer wieder langer Applaus zwischen den Stücken und entspanntes Abhängen im gut gefüllten Rund.

 

Überhaupt der Zuspruch dieses Jahr sehr viel besser als die Jahre zuvor.

Ich schätze die Menge auf 2500 am Freitag und 4000 am Samstag.

Autokennzeichen auf dem Parkplatz wiesen auf fast sämtlichen europäischen Nachbarstaaten hin, selbst aus dem Osten Deutschlands sollen Leute da gewesen sein (...upps...).

 

SKY ARCHITECT

Brachten dann Frickel-Prog im Handgepäck mit, etwas härter angelegt.

Und das schöne an diesem Prog Publikum – auch wenn einem die Musik nicht unbedingt behagt,

man weiss eine gute musikalische Leistung zu würdigen – fast schon stehende Ovationen werden den „jungen Wilden” aus den Niederlanden entgegengebracht – SO SOLLS SEIN.

THRESHOLD

Doch dann geht der Freitag so richtig ab, als DAMIAN – äh, meine THRESHOLD die Bühne betreten. Nur HITS und ein Sänger der permanent in den Photograben oder ins Publikum sprintet, um von dort aus eine höchst energiegeladene Performance anzubieten.

 

Setlist:

1. Slipstream

2. Pressure

3. The ravages of time

4. Long way home

5. One degree down

6. Hollow

7. The art of reason

8. Pilot in the sky of dreams

9. Mission profile

Der war auch anschließend noch lange Zeit im Publikum, ließ sich ohne Berührungsängste mit den Fans ablichten, hielt Smalltalk und schaute sich danach noch mitten in der Menge RIVERSIDE an.

Nee – wat hatten die Spass.

Das Publikum ließ sich sofort mitreißen und das bei zunehmend exzellentem Sound.

EXKURS – DER SOUND

Ich weiß, ich habe dies schon häufiger gelobt, aber ich kenne wirklich KEIN Open Air Festival,

wo der Sound so erstklassig ist, nicht zu laut, aber mächtig drückend, dabei sehr differenziert.

Sämtliche Nuancen sind vernehmbar, bei den Texten verstehst Du jedes Wort,

die Instrumente ausgewogen abgemischt.

Es gab nur wenige Ausnahmen, wo dies nicht komplett hingehauen hat (z.B.: ANATHEMA – da zu Bass-lastig und zu laut), und doch war auch bei diesen Bands der Sound immer noch gut.  

DIES IST UND BLEIBT EINE DER PHANTASTISCHSTEN ELEMENTE DES FESTIVALS

– neben der Musik natürlich.

 

Und die wurde dann bei einem der beiden absoluten Festival-Gewinner richtig einzigartig.

 

RIVERSIDE

betraten die Bühne und spielten mühelos das bisher vernommene an die nicht vorhandene Wand.

EMOTIONAL auf solch schwindelerregendem Niveau.

KOMPOSITORISCH so einzigartig in ihrer Vierer-Besetzung.

Musikalische VOLLKOMMENHEIT kombiniert mit der LEICHTIGKEIT des Seins.

Schlicht einer der GANZ GROßEN Momente dieses Jahr.

 

Setlist:

1. After

2. Living in the past

3. Ultimate trip

4. Conceiving you

5. Egoist hedonist

6. Left Out

7. Loose heart

8. O2 Panic room

9. Second life syndrome

Zugabe: The curtain falls

 

Nicht wenige hatten Tränen in den Augen ("Conceiving You"), drifteten langsam an den Grenzen der Wirklichkeit entlang oder fühlten sich einfach auf einmal ganz schön klein in Gegenwart der Urgewalt der auf einen einstürmenden, musikalischen Emotionen ...

Stehende Ovationen durch das gesamte Publikum sind der Lohn.

 

Auch der Abgang der Band erfolgt stilvoll – zuerst steigt der Gitarrist aus dem Song aus,

legt die Gitarre ab, verbeugt sich und geht ab. Danach folgen in der gleichen Weise Sänger und Bassist, danach der Drummer und zum Schluß lässt der Keyboarder noch einen Schlussakkord nachhallen, während er sich verbeugt und in die Nacht verschwindet.

 

Es sollten nur noch 2 Bands folgen, welche diesem KOLOSS annährend nahe kommen konnten,

eine davon allerdings auf Augenhöhe – doch diese beide Bands folgten erst am Samstag.

 

Vorher beschließen noch

 

ELOY

den Freitag – mit einem auch soundmäßig hervorragenden Auftritt.

Sie nahmen den Set für eine DVD-Nachlese auf, sind überraschend stark, da sie es auch nicht versäumen, solche Prachtwerke wie „Poseidons Creation” von der OCEANS-Scheibe auszupacken, haben sogar zwei Background- und eine Leadsängerin zur Unterstützung dabei.

 

So pendelt die Band zwischen Longtracks der ausufernden Sorte und fast schon Pop-orientiertem Material, kommen auch oder gerade deswegen sehr gut an und vollenden einen wunderbaren Freitag.

 

Das der Samstag in seiner Gesamtheit noch stärker werden wird hoffen zwar einige, doch die wenigsten gehen wohl davon aus – wie Unrecht sie doch haben. Obwohl mit RIVERSIDE eines der beiden absoluten Festivalhighlights und mit THRESHOLD der Partymacher schlecht hin schon durch sind, wird der Samstag ein Genuss ohnegleichen, wo dann sogar eine Band wie IQ

– trotz klasse Vortrag und super Setlist, fast schon zu den Verlierern gezählt werden muss.

Doch zuerst muss ich noch fast 2 Stunden Fahrtzeit hinter mich bringen, um am nächsten Morgen meine Frau mit auf den Weg zum musikalischen Elysium nehmen zu können.

 

In Gedanken noch bei all dem Erlebten cruise ich durch die laue Nacht und ich tue dies stilvoll mit der neuen SUN CAGED und BLOTTED SCIENCE.

 

 

SAMSTAG, 09. Juli

 

Nach kurzer Nacht (mein 8-jähriger Sohn hält nämlich allgemein nichts von Zeitplänen, und im speziellen dann nicht, wenn er wirklich mal schlafen könnte) und ein paar netten Gesprächen,

geht die Fahrt zurück zum Tal der langhaarigen, blonden Schönheit.

 

Verabredet mit unseren Freunden hatten wir uns für 11.30 Uhr.

Diese Zeit hatten wir locker drin, und nachdem der erste Willkommensgrunzer aus schnell heruntergekurbeltem Fenster erfolgte, denn meine Frau entdeckte sie bei der Anfahrt zum Gelände auf dem Fußmarsch dorthin,

 

Originaldialog:  

Weib: „Warum hälst Du nicht an? Wir können die doch mitnehmen.”

Kerl: „Mitfahren ist was für Weicheier. Die wollten laufen – also sollen Sie auch!,”

 

waren WIR auch pünktlich am Tor.

 

Auffallend viele Musikfreunde wollten wohl recht früh aufs Gelände

– es bilden sich doch beachtlich lange Schlangen für die Uhrzeit – unerwartet!

 

Genauso unerwartet wie der Anblick eines doch recht langhaarigen Mannes am Kartenhäuschen.

Ich schaue genauer, „Hey – das ist doch der Andy”.

So kann der Samstag beginnen denkt sich meine Holde,

gleich mal den Sänger von VANDEN PLAS vorm Auge – MIR reicht das nicht.

 

Gut, mal schnell und laut „Hey, Andi – hier steht Dein treuester Fan” rausproletet,

und als der sich umdreht, natürlich elegant auf meine erschrockene Frau gedeutet.

ANDY kommt sofort rüber - kurzer Smalltalk und ein paar Photos – so soll’s sein, sehr sympathisch.

 

Noch besser allerdings sein Abgang, ein herausforderndes „Na, wenigsten EIN Fan”

– als sich in der Menge, die um uns herumsteht rein gar nichts tut.

 

Am besten allerdings das Gespräch direkt nach seinem Verschwinden, welches zwei „Musikfreunde” hinter uns führen, nachdem sie wohl aufgeschnappt hatten, was ich mit Andi gesprochen habe.

Ich fragte nämlich, ob sie heute ihre Videoauskoppelung aus dem neuen Album spielen würden

– den Song HOLES IN THE SKY.


Musikfreund I: „Wer war das denn?”

Musikfreund II: „Kennst Du den denn nicht? Der Sänger von RPWL!” – KÖSTLICH.

HAKEN

eröffnen den Reigen – musikalisch wertig.

Ihre langen Instrumentalpassagen fordern – genauso wie ihr wilder Stilmix.

Eine geile Band, welche meine hochgesteckten Erwartungen und die der meisten Anwesenden wohl erfüllten. Allerdings auch meine Bedenken – der Sänger hängt der Entwicklung der Band etwas hinterher, ansonsten aber entwickelt sich hier eine ungemein spannende und hochwertige Band. Interessant auch das der Sänger während des gesamten DT-Konzertes neben der Bühne steht und Fanboy-like die Band und ihren Auftritt bewundert – macht ihn schon wieder ungemein sympathisch.

 

VANDEN PLAS

sind für mich eine der unterbewertesten Bands Deutschlands.

Tight, immer in Balance zwischen Härte, Melodie und Emotion – sowieso zählt ANDY KUNTZ

zur Spitze der nationalen Sängerschar, gefühlvoll und gleichzeitig mit mächtig Ausdruck.

 

Bei der Wertigkeit ihrer Veröffentlichungen, ihrer Projekt-Beteiligungen (z.B.: Missa Mercuria)

und der eigenen Nebenbaustellen (z.B.: Abydos, LUDUS DANIELIS - The Play Of Daniel),

ist es für mich immer noch ein kleines Rätsel, wieso diese Band nicht bekannter ist.

 

Und so boten sie einen Überblick über ihr neues Album „Seraphic Clockwork”, ergänzt durch weitere Stücke ihrer Schaffensphase. Ich stehe mit meiner Frau in der ersten Reihe und als ANDY uns dort entdeckt, muss er erst einmal grinsen wie ein Honigkuchenpferd – schön, dass auch Rockfronter Emotionen zeigen können – so feiern wir gemeinsam eine Party und ham Spass.

 

Wärend des gesamten restlichen Tages ist ANDY auch immer wieder im Publikum anzutreffen

– ohne Berührungsängste, genießt die Atmosphäre und die anderen Bands – feine Sache.

RPWL

werden vom Publikums-Einpeitscher mit den Worten „... die machen irgendwie NewModernProg ...”

ins Rennen geschickt – ausgerechnet die Band, die sich dem Wort Prog so gerne verwehrt.

Und als dann auch folgerichtig YOGI LANG die Bühne mit den Worten

„... NewModernProg? Das werd ich mir merken, darüber wird noch zu sprechen sein ...”

betritt, hat die Band irgendwie schon gewonnen.

 

Was nun folgt ist einer dieser seltenen Momente, wo sich eine greifbare Energie zwischen Band und Fans aufbaut – so und nur so kann etwas MAGISCHES entstehen.

Die Jungs zocken so unnachahmlich entspannt und relaxt ihre ausufernde, seelenwärmende Musik ins Rund, sind so unspektakulär unaufgeregt und „normal”, das es eine echte Wohltat ist.

YOGI erwähnt immer wieder das „verteufelte” Wort und zaubert neben seinem Ohren-schmeichelndem Gesang auch noch mächtig intensive Manfred Mann Gedächtnis Keyboards in die nachmittäglichen Sonnenstrahlen.

 

Alles erscheint einfach so passend und als nach einem wahnsinnig eleganten „The Gentle Art Of Swimming” folgerichtig DAS, durch eine kongeniale Videoshow fein abgerundete, Statement „This Is Not A Prog Song” rausgehauen wird, wo die Band augenzwinkernd die Musikpresse auf die Schippe nimmt, ist so ziemlich jedem Besucher ein fettes Grinsen ins Gesicht gemeißelt.

 

Der Triumphzug des Songs wird in der Mitte durch ein lautes „STOP ...” unterbrochen, die Band verharrt einen Moment, um dann mit „... in the name of love” überzublenden.

Es folgen gefühlte 20 kurz angespielte „PROG-SONGS”, welche aneinandergereiht den Mittelteil des Songs ausfüllen (u.a.: Kayleigh (Marillion), Owner Of A Lonely Heart (Yes), Heat Of The Moment (Asia), Roundabout (Yes), Das Model (Kraftwerk), I Was Made For Loving You (Kiss), Firth Of Fifth (Genesis), I Wanna Know What Love Is (Foreigner), Knocking On Heavens Door (Eric Clapton), Another Brick In The Wall (Pink Floyd), Stairway To Heaven (Led Zeppelin), Kashmir (Led Zeppelin), Invisible Touch (Genesis), Smoke On The Water (Deep Purple) und Rock’N’Roll All Night Long (Kiss), bevor die Band den Song beendet.

 

Stehende Ovationen, doch RPWL ziehen weiter an, denn „Roses” wird mit der Unterstützung des gesamten Publikums angestimmt - der kleine „Hit” der Band. Alles singt und tanzt und feiert, und als der Song zu Ende geht, weiß man, irgendwie etwas ganz besonderem beigewohnt zu haben, doch erst danach FOLGT DER MOMENT FÜR DIE EWIGKEIT.

 

Die Band packt wirklich noch "HOLE IN THE SKY" obendrauf.

Ich blicke tief in mich, meine Gedanken schweifen langsam ab – ich denke an gute Freunde, an eine Nacht in Madrid, an den Zauber der Musik (zum besseren Verständnis – siehe hier), ergriffen sind wir alle irgendwie und als das elegische Gitarrensolo scheinbar mühelos Gänsehaut am ganzen Körper zaubert, glaube ich unerschütterlich an die heilenden Kräfte der Musik - EPOCHALE TONKUNST.

 

Setlist:

1. Sleep

2. Start the fire

3. Breathe in, breathe out

4. Silenced

5. Stranger

6. Gentle art of swimming

7. This is not a prog song

8. Trying to kiss the sun

9. Roses

10. Hole in the sky


IQ

können da wirklich gar nichts für – sie spielen einen richtig edlen Set, wo wir neben „Darkest Hour” oder „Frequency” sogar einen der großen Klassiker – „The Last Human Gateway” in gewohnt musikalisch hochwertiger Form präsentiet bekommen, aber sie sind fast schon so etwas wie der Verlierer des Tages.

 

Das muss man sich erst einmal vorstellen. Auch sie haben nur Songs der Extraklasse dabei und doch wirken sie heute in der Zusammenstellung der Bands etwas farblos (was sie nicht herabsetzen soll, viel eher wird hier noch einmal das vorher Erlebte gewürdigt), eigentlich nicht zu glauben.

So nutzen viele den Auftritt um sich gedanklich (und körperlich) etwas zurückzulehnen, die Sonne zu genießen, die Seele etwas baumeln zu lassen - musikalischer Balsam als Zubrot.

 

Setlist:

1. Eloko Bella Naechi

2. Outer limits

3. The darkest hour

4. Stronger than friction

5. Born brilliant

6. Frequency

7. State of mine

8. Human nature

9. Guiding light

10. The wake

11. The last human gateway

 

Den T-Shirts nach zu urteilen kommen die meisten der Zuschauer wegen der folgenden Band.

Exklusiver Deutschland Gig – neuer Schlagzeuger – neuer Song vom neuen Album.

Die ganzen Diskussionen im Vorfeld scheinen uninteressant zu werden, als die Bühne für

DREAM THEATER

umgebaut wird, doch zunächst müssen wir uns einem längeren Soundcheck ergeben,

LABRIE entschuldigt sich später und spricht von technischen Problemen.

Whatever: der Sound ist Bombe – laut, transparent, hart, voll – GEIL.


Jedenfalls kommt die Band nahezu 20 Minuten zu spät auf die Bühne, was leider die eigentliche Zugabe „Learning To Live” kostet, doch dies bleibt so ziemlich der einzige Aufreger.

Die Songauswahl ist weder spektakulär, noch zu hart ausgerichtet,

bietet Songs aus allen Schaffensphasen und doch scheint es so,

als ob es die Songs sind, bei denen LABRIE sehr melodisch singen kann.

 

MANGINI fügt sich nahtlos ein, ist weniger „aufdringlich” (im positiven Sinne), als es PORTNOY war, PETRUCCI, RUDESS und MYUNG duellieren sich in den Soloparts.

Technisch natürlich wieder auf allerhöchstem Niveau, emotional wie immer etwas weniger aufregend, aber deswegen gehen wohl inzwischen die wenigsten Fans zu DT.


Der Set ist auf jeden Fall sehr gut aufeinander aufgebaut, die vielen Einspielungen auf der Videowand – hier vor allem die Kamerafahrten über die Finger der beteiligten Musiker und deren Fähigkeiten sind phantastisch.

 

„Forsaken” wird natürlich mit gewaltigem Chor mitgesungen und als am Ende zwei Songs von "METROPOLIS" im Set auftauchen, ist sogar spürbar mächtig Feeling im Set.

Doch das eigentliche Highlight bietet dann die (ausserplanmäßige) Zugabe „The Count Of Tuscany”, welche in voller Länge in den zunehmend dunkler werdenden Abendhimmel gezockt wird.

Das mehrminütige Gitarrensolo am Ende bringt die Möglichkeiten, in welche sich diese Band entwickeln könnte auf den Nenner – GEFÜHL, GEFÜHL, GEFÜHL.


Hier erkennt man dann doch das gerade PETRUCCI solche einzigartigen Fähigkeiten besitzt, wie kaum ein anderer Gitarren Shredderer – hoffentlich ruft er diese in Zukunft auch wieder verstärkt ab – „On The Back Of Angels” jedenfalls, der neue Song vom kommenden Album scheint in die richtige Richtung zu gehen.

 

Man weiß inzwischen was man von DT erwarten und bekommen kann und genau dies haben sie hier ausgepackt. UND DOCH – irgendwie machten sie mir einen zugänglicheren und entpannteren Eindruck als zuletzt. THUMBS UP.

 

Setlist:

1. Under a glass moon

2. These walls

3. Forsaken

4. Endless sacrifice

5. Drum Solo

6. The Ytse Jam

7. Peruvian Skies

8. The great debate

9. On the back of angels

10. Caught in a web

11. Through my words

12. Fatal tragedy

Zugabe: The count of Tuscany


 

In der Tradition des Festivals kommt nun nach dem eigentlichen Headliner noch ein Schmankerl.

 

ANATHEMA

Wer meine Vita kennt, weiß wie sehr ich diese Band vergöttere.

Intelligentes Songwriting, emotionaler Gesang (mit weiblicher Unterstützung der wunderbaren LEE DOUGLAS), immer wieder überraschend und so voller SEELE. Das gibt es nicht oft.

 

Und so werden die Übersongs des aktuellen Outputs „We’re Here Because We’re Here”

mit wenigen älteren Stücken, sowie dem PINK FLOYD Cover „Comfortly Numb”, kombiniert.

Das Licht der Bühne, hauptsächlich in Violett-Tönen kommt phantastisch, das Publikum

(was ich eigentlich dachte) ist nicht schon nach DT aufgebrochen (wirklich nur wenige)

und die Band wird gefeiert.

 

Trotzdem begehen ANATHEMA meiner Meinung nach einen großen Fehler.

Denn sie übernehmen fast gänzlich den ungemein lauten, druckvollen Sound von DT.

Was ja eigentlich nicht so schlecht ist, aber im Falle von ANATHEMA sind es zum einen eher die leisen Töne, die einen ergriffen zurücklassen. Außerdem ist der Bass an manchen Stellen im Amphitheater dermaßen dominant und wuchtig, das der Sound fast schon Schmerzen in Ohren und Bauch verursacht.

 

Zugegebenermaßen sehen dies nicht alle so und es ist Meckern auf hohem Niveau – denn die Songs sind nun mal einsame Klasse, aber es wäre hält auch das i-Tüpfelchen gewesen auf diese ansonsten natürlich wunderbare Performance.

 

Setlist:

1. Thin air

2. Summernight horizon

3. Dreaming light

4. Everything

5. Closer

6. A natural disaster

7. Angels walk among us

8. Deep

9. Flying

10. Universal

11. Fragile dreams

12. Comfortably numb

 

HEIMWÄRTS:

So ist mein Resümee eindeutig: RPWL und RIVERSIDE haben abgeräumt.

DREAM THEATER, THRESHOLD und ANATHEMA knapp dahinter.

Eine schlechte Band gab es nicht mal in der Ferne am Horizont auszumachen.

 

Vollkommen zufrieden, eigentlich schon mehr als platt – und dies eher geistig als körperlich

(die gebotene Musik war so faszinierend, aber gleichzeitig auch so fordernd), machen wir uns langsam auf den Weg in die Nacht – die Augen wie kleine Scheinwerfer glänzend, mit eher wenigen Worten

– tief beeindruckt und berührt.

 

Wir haben unisono das wohl beste Festival in der Geschichte des NightOfTheProg gesehen.

 

 

Vielen Dank an die Veranstalter – hauptsächlich natürlich an Win,

mit dem ich mich die letzten Jahre immer wieder per Mail ausgetauscht habe.

Seine Ängste und Sorgen, das Festival betreffend (nahezu unabhängig, ohne große Werbepartner), kennen lernen durfte.

 

Wie viele Besucher kommen diesmal?

Klappt die Organisation? Steht die Finanzierung? Kommen die Bands auch an?

UndUndUnd...

 

Als ich ihn diese Jahr kurz nach dem Auftritt von Riverside traf, musste ich einfach nachfragen.

Ich schlenderte gerade mit meinem Freund Hartmut über den oberen Rand des Geländes,

als uns Win in die Arme lief.

 

Auf meine Frage hin, ob er zufrieden sei, nickte er nur und es folgte ein fast schon schüchternes Ja. Doch als ich ihn dann fragte, ob der Samstag noch besser besucht sei, da glänzten seine Augen plötzlich selig, fast schon in sich gekehrt, kam ein weiteres über die Schulter gehauchtes JA.

 

Wir haben zwar nie darüber gesprochen, doch das Festival welches über die Jahre mit FISH zum europaweiten Aushängeschild und gut besuchtem Magneten wurde, hatte die letzten Jahre doch sehr unter dem Zuschauerschwund gelitten und ich weiß nicht, ob es gar dieses Jahr vor dem Aus gestanden hat – welche Schande wäre dies gewesen

– eine Schande für uns unbeweglich gewordenen „FANS”, die nicht einmal mehr zu solch hochwertigen Veranstaltungen kommen – ganz ehrlich, VIEL BESSER GEHT ES NICHT.

 

Dieses Jahr fand es auch hier zur alten Größe (oder sogar darüber hinaus) zurück.

Alleine um mein Auto herum parkten Leute aus Belgien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, England oder sogar Polen.

Die Liebe zur Musik hat uns für zwei herrliche Tage verbunden – DAFÜR UNSEREN DANK.

 

Wir werden, sofern es stattfindet, auch im nächsten Jahr wieder vor Ort sein, egal wer spielt

– darauf mein Wort.

 

P.S.:

noch eine augenzwinkernde Bemerkung sei erlaubt.

Die Messlatte für die Bands wurde dieses Jahr schon ziemlich hoch gelegt.

So stünde mein Wunschprogramm trotzdem schon fest.

 

Wer nicht zu bekommen sein wird: DAVE MATTHEWS BAND

– und falls doch schwimme ich den Rhein hinab bis zur Loreley.

 

Aber ernsthaft könnte man natürlich über PORCUPINE TREE und FATES WARNING als Headliner nachdenken – den Abschluss würden sicherlich KATATONIA bilden können.

 

OH LIEBLICH-GEFÄHRLICHE LORELEY – DU REGST ZUM TRÄUMEN AN ...

 

 

                                                                                                                 DARKEN TOM