TRANSATLANTIC, SYLVAN, ...

Anno

13 - November 2009

 

Die Zeit der fallenden Blätter brach an und die Verheißungen der ersten Stürme

des aufziehenden Herbstes lagen in der Luft,

da machten sich die vier Streiter des Wohlklangs wieder auf,

der Welt noch einmal zu beweisen, was geht.

 

Nun - die Blätter sind längst unten, der Sturm zog vorüber, doch der Opus ward geboren ...

 

... lasst Euch fallen ...

 

 

 

 

 

Transatlantic - The Whirlwind 2009

 

Tracklist

1. Overture / The Whirlwind 9,54

2. The Wind Blew Them All Away 6,10

3. On The Prowl 6,03

4. A Man Can Feel 6,35

5. Out Of The Night 4,22

6. Rose Colored Glasses 7,54

7. Evermore 4,10

8. Set Us Free 5,03

9. Lay Down Your Life 5,11

10. Pieces Of Heaven 2,17

11. Is It Really Happening? 8,11

12. Dancing With Eternal Glory / Whirlwind 12,04

Gesamt-Spielzeit 77,56 min

WISSENSWERTES

 

Stil

ProgRock

 

Tendenzen

70er Prog, mehr Europa, weniger Amerika

 

Anspiel-Tipps

natürlich "The Whirlwind" - hahaha

 

Label

InsideOut

 

Die Band

Neal Morse         Gesang, Gitarre, Keyboards

Roine Stolt          Gesang, Gitarre

Pete Trewavas    Bass, Gesang

Mike Portnoy      Schlagzeug, Gesang

EINDRUCK

TRANSATLANTIC - ganz ehrlich, schon der Klang des Namens hat etwas MAGISCHES für mich.

Nicht nur, dass er für 4 Ausnahmemusiker unserer Zeit steht - nein, es ist viel mehr als die Summe ihres Könnens. Länder- und Musikgrenzen-überschreitend, Gemeinschaft, Freundschaft - dies ist genauso ausschlaggebend für mich (nennt mich ruhig NAIV - auch ich weiß, das heutzutage das liebe Geld und der Ruhm eine wichtige Rolle spielen, ja ich gebe es zu - aber lasst mir doch bitte meine rosarote Brille).

 

Nachdem irgendwann Mitte dieses Jahres, uns die Meldung erreichte, dass es ein neues Album geben sollte (womit bei uns keiner rechnete, war doch vor 7 Jahren die Band aufgelöst worden !), waren wir mehr als aus dem Häuschen.

NEAL MORSE himself hatte doch vorher unseren Bericht zu den beiden Frühwerken

(hier nachzulesen) gelesen und kommentiert.

Doch die Meldung ging ja noch viel weiter - es sollte nur EIN Song auf dem Album stehen "Whirlwind" sollte er heißen und über 70 Min dauern.

 

Geradezu begeistert hielt ich dann die Scheibe in der Hand - edles Cover in herbstlichen Farben, Wirbelsturm und hoch über allem das Transatlantic-Ship.

Aus dem "Epic To End All Epics"- Song (O-Ton Neal Morse), wurde eine 78 min Suite, unterteilt in 12 Parts. Dazu gab es noch reichlich Bonus-Material (dazu am Ende des Berichtes mehr).

 

Stürme des Lebens, die es zu überwinden gilt;

Schicksal und Chaos, und die helfende Hand, welche man in all diesen Untiefen des Lebens erfahren kann; Licht und Hoffnung;

dies sind die Eckpfeiler des Mammut-Werkes der Band - der christliche Ansatz von Neal ist natürlich überall zu finden, jedoch längst nicht so plakativ, als auf seinen Solowerken.

 

So weit - so gut. Doch wie klingt es.

Um dieses Werk zu "verstehen" fange ich wohl mit der Bonus-DVD an.

Hier wird auf langen 105 min der Werdegang der Scheibe erzählt.

 

Grundsätzlich sollte man wissen, dass Neal bereits vor Monaten einen ca. 40-50 min dauernden Song mit Namen "The Whirlwind" geschrieben hatte.

Seiner Auffassung nach klang vieles in dem Song nach einer Umsetzung durch Transatlantic.

Nachdem er mit Mike telefoniert hatte, ihm den Song vorspielte und dieser die Sache genauso sah, kontaktierte man die beiden anderen ehemaligen Mitstreiter und die Wiedergeburt war vollzogen.

 

Man vereinbarte, die Aufnahme-Session ins ländliche Haus von Neal nach Nashville zu legen

und im April 2009 war es dann soweit.

Die DVD gibt nun (sehr breit ausgewaltzt) Zeugnis ab, von diese Tagen.

Die Herren ruhen in sich selbst - hier muss sich keiner mehr etwas beweisen - das spürt man.

Und doch drängt sich mir manchmal auch der Gedanke auf, das der fehlende "Hunger" Auswirkungen auf die vorliegenden Scheibe hatte.

Denn in gerade einmal zwei Wochen wird das Grundgerüst gelegt und die Songs vervollständigt

(Ausnahme-Musiker - oder doch zu wenig Zeit?).

 

Und so ist die CD entspannt geworden, hauptsächlich ruhig und getragen.

Natürlich gibt es elegische, ausufernde (Götter-) Melodien zu bestaunen.

Natürlich gibt es musikalische Kabinett-Stückchen zu bewundern.

Natürlich hat sie mehr Substanz, als die meisten Prog-Bands unserer Zeit zu schaffen vermögen.

 

Angesiedelt im eher europäischen Prog.

Es gibt kaum Beatles-Remineszensen, wie auf der ersten Scheibe "SMPTe" und die

euphorisch-rockenden Stücke von "Bride Across Forever" sucht man vergebens.

Diese lebensbejahenden Zucker-Balladen im "We All Need Some Light" Stil sind auch nicht vertreten.

 

Dafür bekommt man einen ganzen Haufen voller Stolt'scher Wohlfühl-Harmonien,

ganz im "Wir zeigen dem nahenden Winter das Kaminfeuer" Stil.

Amerikanischer Pathos bleibt nahezu aussen vor. So wirkt die Scheibe sehr rund, sehr harmonisch, eventuell aber auch eine Spur zu defensiv, fast etwas gebremst.

 

Möglicherweise liegt dies auch an der Herangehensweise einen 40/50 Min. Brocken auf 78 Min. zu "strecken". Dies könnte dann auch so manche Jam-artige Struktur im 12 Song/1 Song Gerüst erklären, welche für mich nicht immer schlüssig sind.

 

Das dies trotzdem eine ganz wunderbare Scheibe geworden ist, liegt an den Fähigkeiten der beteiligten Musiker selbst, an dem Kompositions-Genie der Herren NEAL MORSE und ROINE STOLT und an der wirklich hörenswerten Produktion - die ist nämlich zu jeder Zeit wirklich ausgewogen, bringt sämtliche Instrumente glasklar rüber (mit leichtem Übergewicht beim sehr warmen Bass des Mr. Trewavas).

 

Wir steigen mit der "Overture" ein - die musikalischen Hauptthemen der Scheibe werden vorgestellt.

Analog einer breit angelegten Theater-Inszenierung erfahren wir die Grundthemen.

Der Bass ist stets präsent, die ersten Gitarren-Harmonien tragen bereits Trost und Zuversicht in sich - alles wird gut. Das gesangliche "Whirlwind" Thema wird vorgetragen - sehr positiv, und doch mit der Ahnung von Veränderung - von Gefahr?

 

Der Übergang zum zweiten Teil "The wind blew them all away" ist kaum wahrnehmbar,

wie überhaupt die einzelnen Teile des Ganzen sehr schön miteinander verwoben sind.

Die Gitarre Stolts jauchzt emotionale Harmonien, die Hammond Orgel untermalt gekonnt mit Wärme.

Nach etwas mehr als 4 Minuten dann die Hinführung zu einem der Gott-Momente des Albums

- eine Mörder-Gitarren-Melodie erklingt, Ausdruck der emotionalen Seele des Musikers und des Songs - GAAANZ GROSS. Diese wahnsinnigen Harmonien führen zum nächsten Song.

 

Die erste Jam-artige Instrumentalpassage erklingt - "On the prowl", das Zusammenspiel der Beteiligten ist zugleich unaufgeregt und bei näherer Betrachtung gleichzeitig atemberaubend.

PETE TREWAVAS führt in einen fast schon SANTANA beeinflußten Part

(siehe auch Bonus CD Song 8).

Irgendwo zwischen Jazz und Prog - verschachtelte Rhythmik, groovende Drums mit Hammond Orgel, sphärischen Klangteppichen und akzentuiertem Gitarrenspiel. 

Ein weiteres Trademark sind die hymnischen Keyboard-Passagen von Neal.

Überhaupt:

NEAL MORSE singt charismatisch, wie eh und je, war sowieso stets einer der besten emotionalen Sänger, die ich kenne.

ROINE STOLT spielt in seiner eigenen (Flower Kings) emotionalen Wohlfühl-Gitarren Welt.

PETE TREWAVAS ist Bass-technisch schön im Vordergrund, spielt aber eher zurückgenommen, zeigt jedoch in manchen Passagen dann ganz unaufgeregt sein filigranes (Marillion) Können.

MIKE PORTNOY variiert sein Spiel einmal mehr auf unnachahmliche Art, virtuos, akzentuiert,

auf den Punkt und fast immer (Dream Theater) songdienlich.

 

Im weiteren Verlauf fallen immer wieder die fein arrangierten mehrstimmigen Passagen auf, die aufs Eindringlichste zeigen, wie gut die Herren zusammen agieren können - singen können sie alle. 

Dazu immer wieder diese sehr feinen, entspannten Gitarren-Melodien von Stolt.

 

Das wirkt alles, wie aus einem Guss, begleitet einen durch die 78 Min,

umschmeichelt, umgarnt, verwöhnt den Stress Geplagten - Ruhe formt sich im Geist.

 

Die wunderhübsche Ballade "Rose colored glasses" sei hier exemplarisch genannt.

Ein wieder einmal zutiefst emotional singender Neal Morse, welcher begleitet

von Background-Harmonien, auf einen der herausragendsten Momente der CD zuarbeitet.

Sphärische Atmosphäre und die singende, erzählende Gitarre von Stolt,

dazu die göttliche Melodie zwischen Keyboard und Gitarre, hymnisch, positiv,

dann der erneute Refrain - das hat bestes PINK FLOYD Niveau, nur eben im TRANSATLANTIC Stil.

 

"But through the dark years - there are tears and suffering - but as the pages turn

  - one day we'll burn like lightning - in the city in the sky!"

 

Da ist diese laaaanggezogene Stimme von Morse, die dann in die Höhe gezogen wird - erstrahlt, um dann als Harmonie von der Gitarre in noch höhere Höhen gehievt zu werden - phantastisch.

 

Alles in Allem ist das Album stets sehr Song-dienlich aufgezogen, nicht so "verspielt", wie gewohnt, trotzdem mit jeder Menge "herausragender" Musik bestückt.

Es erzählt ausladende, musikalische Weisen - zumeist in eher ruhiger, elegischer oder zumindest hochmelodischer Art und Weise. 

 

Mit "Pieces of heaven" ist auch ein kurzes Instrumentalstück vertreten.

Bei "Is it really happening" kommt gar PINK FLOYD'sche "The Wall" Ahnung auf,

hier wird auch noch einmal instrumental vom Leder gezogen, Temporeich und irrwitzig

- Spielwiese der Ausnahme-Könner.

 

Und im Abschluss-Song "Dancing with eternal glory" wird noch einmal mit ganz grosser Schöpf-Kelle das Melodien-Füllhorn über uns ausgeleert. Breitwand-Musik zum Abheben.

 

Ich gebe zu, bei manchen Momenten des Albums hatte ich Probleme die Grösse zu erkennen

(und habe sie teilweise noch).

Etwas mehr Drive an manchen Stellen, etwas mehr Härte in den Songs, hätte mir gefallen.

Und doch bleibt zu akzeptieren, was der Künstler uns mitteilen wollte - einzutauchen in diese geschaffenen Welten ist stets eine Herausforderung.

 

Und natürlich ist es ein Album, welches musikalisch und harmonisch, über den meisten Bands unserer Zeit schwebt - TRANSATLANTIC eben.

 

Eines der grössten Komplimente, welches man dieser Scheibe machen kann, ist wohl die Tatsache, dass keiner der Musiker "herausragt" - nein, sie schafften wirklich ein "Zusammenspiel" auf diesem hohen Niveau - Chapeau.

 

Und diejenigen, welche sich dann wirklich durch die ganze Strecke der DVD getankt haben,

werden tatsächlich belohnt. Wenn man Neal Morse beim Cruisen über Deutschlands Autobahnen zusehen kann (Frankfurt taucht kurz auf einem Schild auf), einen Stereo-Kopfhörer überm Schädel, eine Seite zum überfüllten Autoinneren umgeklappt (Kids/Frau/etc.), die andere Seite überm eigenen Ohr, das Album bei 120 km/h hörend, scherzend, lachend, einfach sympathisch -

ja, dann weiss ich - ES HAT SPASS GEMACHT - und das ist und bleibt für mich wichtig.

 

Ein absolut herausragendes Werk ...

Alleine die Fähigkeit, solche Epen zu "erfinden", fordert Respekt ...

Das Talent, das musikalische Genie und der Wille zur Umsetzung - PHANTASTISCH ...

 

Und doch sitzt mir eine kleine Frage, meist direkt nach Einfuhr dieser CD, dicht neben dem Ohr,

und flüstert dann ganz leise ...

 

"Was wäre, wenn die 4 es endlich einmal schaffen würden, über Monate hinweg, eine gemeinsame Scheibe zu komponieren?"

 

MUSIKGESCHICHTE? - THE REAL EPIC TO END ALL EPICS? - WHO KNOWS, MR. MORSE?

 

Der Vollständigkeit wegen, sei hier noch kurz die Edition mit zweiter CD und DVD erwähnt.

 

Bonus CD

1. Spinning (09:58) 

2. Lenny Johnson (04:20) 

3. For Such A Time (05:22) 

4. Lending A Hand (08:43) 

5. The Return Of The Giant Hogweed (08:26) (Genesis cover version) 

6. A Salty Dog (04:59) (Procol Harum cover version) 

7. I Need You (04:39) (America / The Beatles cover version) 

8. Soul Sacrifice (08:38) (Santana cover version)

 

Wieder einmal ein netter Zug - VALUE FOR MONEY

Auch wenn nicht jeder Track ein Treffer ist (z.B. Santana), so ist es doch nett Kompositionen von Stolt (Spinning) oder den Gesang von Trewavas (Lending a hand) zu vernehmen.

Die Covers von Genesis und Procal Harum sind klasse. 

 

Bonus DVD

Making of ...  ca. 105 min

 

FAZIT

Ein harmonisches Ganzes - ohne (allzu) große Längen

Ausladend-episch, eingängige Melodien, Homogenität

Grosse Refrains, hymnische Harmonien, instrumentaler Glanz

Möglicherweise nicht das beste Transatlantic-Album, aber ungemein wertvoll.

 

Webpage der Band

 

                                                                                                                     DARKEN TOM

                                                                ANNO

                                                         23 - Oktober 2009

Da machen sich meine Helden auf einen Nachfolger zu schreiben (eigentlich zu "PRESETS" - ich weiß)

zu der Scheibe, die mein musikalisches Weltbild verändert hat "POSTHUMOUS SILENCE" (Bericht hier).


Einer Scheibe, die so gekonnt all jene Trademarks verbindet, welche mir an der Musik wichtig sind:


                               Anspruch - Musikalität - Magie, und ich habe Angst.


Wohin kann der Weg nur führen - den Gipfel bereits erklungen, geht es auf sämtlichen Wegen nur bergab - kann es ja nur. Oder auf schmalem Grat wandelnd nur wiederholend, was bereits vorhanden.

Ich gebe zu - ich brauchte ein paar Durchläufe um mich dem Album zu nähern.
Beim ersten dachte ich immerzu an den Vergleich mit der Posthumous Silence.
Beim zweiten gestand ich der Band zumindest Veränderungen zu

und erst beim dritten Mal begann ich zu begreifen ...

 

 

 

Sylvan - Force Of Gravity  2009

Tracklist
1. Force of gravity  5,12
2. Follow me  4,39
3. Isle in me  6,00
4. Embedded  3,29
5. Turn of the tide  6,52
6. From the silence  5,42
7. Midnight sun  5,10
8. King porn  7,31
9. Episode 609  6,00
10. God of rubbish  4,01
11. Vapour trail  14,30
Gesamt-Spielzeit  69,06 min

WISSENSWERTES

Stil
ArtRock, Rock, Breitwand-Melodik

Tendenzen
Einflüsse von Moderner Alternativer Gitarren-Härte, NeoProg, Bombast

Anspiel-Tipps
Isle In Me, Vapour Trail, Turn Of The Tide

Label
Eigenverlag

Die Band
Marco Glühmann     Gesang
Matthias Harder       Drums
Sebastian Hasnack  Bass
Jan Petersen           Gitarre
Volker Söhl             Keyboards

Weitere Mitspieler
Miriam Schell          Vocals auf "Midnight Sun"
Ida Fan                  Violine
Maike Mader           Violine
Joachim Kelber        Viola
Ann-Katrin Eishold   Cello

EINDRUCK
Ungewöhnlich und mutig - nicht nur das der Titel-Track die Scheibe eröffnet, das hatte man schon einmal. Aber das DER Track am Anfang steht, der zum einen ruhig und getragen daherkommt, wie eine leicht bedrohlich wirkende Ballade, während rockigere Songs erst später eingestreut werden.


Zum anderen allerdings die Tatsache, dass dies der am leidenschaftlichsten gesungene Song ist, nahe am übersteuerten Limit - fast schon überdreht, mit zu viel Pathos und damit gewöhnungsbedürftig.

Er erinnert dann auch schon etwas an die POSTHUMOUS SILENCE Scheibe - möglicherweise steht er deswegen gleich am Anfang.
Doch auch Songs, wie das sehr ruhige "Turn Of The Tide", oder "From The Silence", ein ruhiges Stück mit gezupften Violinklängen, Dire Straits-Gedächtnis Solo Gitarre und sich steigerndem Refrain, könnten auf erwähnter Scheibe gestanden haben.


Danach wird es dann modern rockig - "Follow Me" erklingt.
Nachdem ja Kay Söhl ausgestiegen ist, ward mit JAN PETERSEN an der Gitarre Ersatz gefunden worden. Und er zeigt hier gleich die Neuerung im Sound der Band. Wuchtige, modern klingende Gitarren Riffs prägen den Song, fast schon metallisch progressiv, auf jeden Fall brachial.

Das Album pendelt fortan zwischen diesen "modern" angerifften Stücken und den sinfonisch "orchestrierten" Stücken. Dies sind die Songs 3,5,7 und 11. Hier werden dann mit weitem, großen Sound (ergänzt durch Violine, Viola und Cello), die getragenen Epen ausgepackt.

Trotz aller verschiedenartiger Stilmittel klingt das Album allerdings niemals zerrissen,

es ist nur mächtig variabel.


Geprägt wird es immer noch von den elegisch-lyrischen Gesangslinien eines Marco Glühmann,

der möglicherweise ab und zu etwas übertreibt, nichts desto trotz höchst emotional singt.


Jan Petersen bringt neue Gitarren Ausdrücke mit in den bisherigen SYLVAN Sound.
Und Volker spielt häufig mit reduzierten Piano-Passagen, welche den jeweiligen Song eine ungemein zerbrechliche Atmosphäre mitgeben.


Bei "Turn Of The Tide" gar werden Piano Klänge, wie sie üblicherweise TORI AMOS nutzt

- kräftig, brachial genutzt, bevor Jan eben jene Klangbilder in Riffs umsetzt - KLASSE.

Hervorzuheben sind sicherlich "Isle In Me" - eine wunderschöne Ballade mit packendem Refrain,

wo die Keyboards dann auch mal nach Waldhörner klingend, Akzente setzen.

Ganz weit und licht der Sound - eine herrliche Gitarren-Harmonie im Soloteil - das Album ist angekommen. Textlich geht es wohl um die Erinnerung an einen geliebten Menschen, der nicht mehr ist:

"There I see the ocean, deeper than the pain I feel

- Though endless miles apart I will meet you in my heart"

Ergänzt werden diese Songs durch weitere "Experimente":
"King Porn" bietet gar Gitarren Eruptionen, welche an selige Grunge Zeiten erinnern, wenn auch der Song ansonsten damit wenig zu tun hat - einer der Songs, der stetig wächst.
"God Of Rubbish" besitzt eine fast schon punkige Attitude. Ein treibendes Stück mit Modern Punk Riffs.
Bei "Midnight Sun" gibt es dann ein Duett mit Miriam Schell zu bewundern - sehr ruhig gehalten, aber leider auch eher eine Spur zu pathetisch.

So bietet das Album eine abwechslungsreiche Performance - ist komplex, aber auch eingängig,
bietet oft ruhige Momente - direkt neben rockigen Ausbrüchen.

Und wenn am Schluß "Vapour Trail" erklingt, ein 14,30 min dauerndes Epos, sinke ich versöhnt in meinen kuscheligen Sessel. Ein progressives Lehrstück mit sehr geilem, ausuferndem Gitarren-Solo am Ende.

 

Seelen ergreifend - himmelwärts ziehende Melodiebögen - immer weiter die Töne ziehend - GRANDIOS.

Und jetzt hier beim Verfassen dieser Zeilen schaffen Sie es tatsächlich mit diesem Stück mich mächtig zu packen ( es dürfte nun der 5te Durchlauf sein): - verwirrt fühle ich diese verdammten,

feinen Staubkörner in meinen Augen, die einem das Auge tränen lassen - kennt ihr das  ...


Und wenn Marco dann von normaler in Kopfstimme gehender Stimme die Textzeile singt

"In my eyes where the wind provokes my tears of shame

- In my eyes where the memories take my fuel away,
  In my eyes rage the storms that make my landing fail

- in my eyes see the shadows of my vapour trail"

ja ... dann bin in ZUHAUSE.

FAZIT
Sylvan loten ihre Extreme aus - der typische Wohlfühl-Sound der Band wird mit "modernen" Mitteln aufgepeppt.

Von fragilen, zerbrechlichen Passagen, über verspielte Rhythmus-Vielfalt

- bis hin zu brachialen, modernen Gitarren-Sounds und gar punkigen Einsprenkseln.

 

Sicherlich nicht der einfachste Weg, den die Band da beschreitet,

etwas überbordert manchmal - aber ein absolut interessanter Weg - lohnend.

 

Wer immer noch nicht begriffen hat, das dies eine verdammt wichtige und herausragende Band in Deutschland ist, nun - dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

 

Webseite der Band

 

                                                                                                                  DARKEN TOM