RAGE, InMe, CREED

 

ANNO

09 - März 2010

 

BESTÄNDIGKEIT - eine der Tugenden, die mir wichtig sind.

Konstanten im Leben - verläßliche Eigenschaft.

 

Viele verwechseln dies in der Musik leider auch allzuoft mit Langeweile.

Immer wieder kehrende Gleichförmigkeit.

 

Das dies auch eine Entwicklung beinhalten kann, zeigten und zeigen Bands wie RAGE.

 

Ein gern gesehener Gast, welcher schon zu meinem musikalischen Leben dazu gehört,

wie das alljährliche Fest an Pfingsten

(im Amphitheater, natürlich - nicht im Gotteshaus, wobei ist ja eigentlich fast ähnlich ...)

 

Um so mehr freue ich mich auf einen neuen Output der Band.

 

 

Rage - Strings To A Web 2010

Tracklist CD:
1. The Edge Of Darkness  4,33
2. Hunter & Prey  4,33
3. Into The Light  4,24
4. The Beggar's Last Dime  5,43
5. Empty Hollow  6,20
6. Strings To A Web  3,54
7. Fatal Grace  1,21
8. Connected  2,54
9. Empty Hollow Reprise  1,51
10. Saviour Of The Dead  5,45
11. Hellgirl  4,13
12. Purified  3,48
13. Through Ashes  2,06
14. Tomorrow Never Comes  3,41
Gesamt-Spielzeit   55,00 min

WISSENSWERTES

Stil
Power Metal

Tendenzen
sehr melodisch

Anspiel-Tipps
The edge of darkness, Into the light, The beggar's last dime
Empty Hollow Suite, Saviour of the dead

Label
Nuclear Blast

Die Band
Peavy Wagner     Gesang, Bass
Viktor Smolski     Gitarre
Andre Hilgers       Drums

EINDRUCK

 

"TO HELL AND BACK AGAIN ..." erklingt es im ersten Song "The edge of darkness".

Und schon schwirren die Gedanken, unaufhörlich ... wir fallen in der Zeit rückwärts ...


ROCK PUB ZEUTERN - unsere heiligen Hallen aus tiefster Vergangenheit

- Ort der metallischen Begegnung, aus dem Alltag herausgerissenes Refugium - UNSERE Welt.


Es muss im Jahre 1986 gewesen sein (oder 1987 ? - wer von Euch Versifften aus der tiefsten Vergangenheit weiss es noch genau ? Bitte melden !).
Die Band AVENGER hatte sich gerade nach herausragendem TEUTONEN STAMPF/SPEED ALBUM

in RAGE umbenannt und schickte sich an Deutschland entgültig zu erobern.
Das Folgealbum "REIGN OF FEAR" zementierte den begründeten guten Ruf und die Live Qualitäten der Songs waren phantastisch. So holten wir damals die Band (ich meine zusammen mit Holy Moses) in unsere Kultstätte - auf dass sie uns musikalisch so richtig den Allerwertesten (ach, Quatsch - ARSCH heißt das) versohlten.


Meine Liebe zur Band trug schon zarte Blüten - ich fand sie als AVENGER schon ziemlich gut, doch von diesem Zeitpunkt an sollten SIE nicht mehr aus meinen Gedanken und meinem Herzen weichen.

Über die Jahre haben sie mich immer wieder neu begeistern können - ihre Reise zu beobachten war stets spannend.


Die Jahre der wechselnden Besetzung - die ersten Versuche mit orchestraler Unterstützung den Power Sound zu bereichern - ihr kennt den weiten Weg der Band.

Dann der Einstieg von VIKTOR SMOLSKI, dessen herausragendes Gitarren-Spiel (zumindest bei mir)

im Auftritt auf dem ROCK HARD FESTIVAL gipfelte.
Ein Gitarrist mit Seele spielte sich Emotionen und Power aus dem Leib, dass es nicht nur mir vor lauter Staunen nicht mehr gelang, den Mund zu schließen.
Überall hörte man anschließend BEST FUCKIN' GUITAR PLAYER of the Festival. ZU RECHT.

Diese Band legt nun also ihr neues (eigentlich Jubiläums) Album vor - 25 Jahre Rage

(26, falls man AVENGER mit einrechnet), den Schlüsselsatz gleich zu Beginn:


NEIN - es ist nicht das Beste der Karriere, doch zeigt mir die Band, die permanent ihre Großtaten wiederholen kann - ABER - es ist gar nicht weit von diesen Taten entfernt.
Die ERWARTUNGSHALTUNG ist es wohl, mit der wir alle zu kämpfen haben

- also Ohren wieder einmal frei und aufnahmebereit machen - HERE WE GO!

Ich hatte immer eine Vorliebe für die STIMME.
PEAVY singt halt einfach warm, mit dem nötigen Druck, melodisch und doch voller Power.

Er ist im Gesangsbereich für mich unverwechselbar - ich erkenne IHN, wenn ich ihn höre. Ein unbeschreiblicher Pluspunkt für eine Band. Dazu kommt sein tiefes Bassspiel, welches den Sound zementiert.


Dann kommt mit ANDRE HILGERS, ein weniger extrovertierter Schlagzeuger, als es viele seiner Vorgänger (speziell MIKE TERRANA) waren. Und dies ist gut so. Die Songs werden absolut song-

orientiert bedient. Trotzdem hat der Gute einen starken Punsch.


Nun - und was soll man noch über VIKTOR SMOLSKI sagen.
Er variiert wieder ungemein seinen Stil, spielt verschiedenste Techniken in den Songs.
Macht alles ungemein abwechslungsreich - allein seine Demonstration in "The beggar's last dime"

ist grandios und beispielhaft für die Band im Jahre 2010.

Eingängige, melodiöse Songs, jedoch immer mit dem nötigen Druck und der Power, die es braucht,

um solche Songs auch wirklich zünden zu lassen.
Das TEUTONISCHE, war für mich immer eher zurückhaltend in den Songs der Band.


Und so entwickelt sich dieses Album über die genannten Eröffnungssongs:
mal powervoll röhrend, wie in "The edge of darkness",
mal hoch-melodisch, wie bei "Into the light" - mit ganz starkem Refrain,
mal abwechslungsreich, doch hoch melodisch, und fast schon progressiv (Gitarren-Mittelteil),

wie in "The beggars last dime", hin zum Herzstück des Albums - EMPTY HOLLOW.

YouTube-Video

Die (Prog Metal Classic) Suite besteht aus 5 Teilen und wurde wieder mit dem LINGUA MORTIS ORCHESTRA eingespielt.


Streicher eröffnen den ersten Teil, morbid-düstere Grundstimmung umfängt Dich, bevor Smolski mit brachial, riffender Gitarre loszieht. Die Power des Songs "Empty hollow" treibt voran, bevor die zusätzliche Dimension mit dem Wiedereinstieg der Streicher unweigerlich den ersten Höhepunkt aufzeigt. So pendelt der Song, nach einer kleinen Ruhephase und dem Einstieg von Peavys Gesang immer wieder zwischen orchestralem Bombast, Power-metallischer Härte und melodiöser Eingängigkeit.


Ich empfinde diese Zusammenarbeit noch harmonischer als bisher, alles fließt organisch umeinander, nichts wirkt hier aufgesetzt, der Song ist ungemein packend, und doch nur der Auftakt zur bisher stärksten Leistung der Protagonisten.


Mit "Strings to a web" folgt das Titel-gebende Stück, eine mit Spoken Words beginnende Instrumentalnummer, auf der Smolski einmal mehr sein Können beweisen kann, progressive Strukturen mit Keyboardunterstützung, ungemein treibend, mit immer wieder heftig riffendem Gitarristen, was hat dieser Mann für einen feinen Gitarrenklang.
Ein Weltklasse-Solo zum Ende hin sorgt für weite Melodien, Berg und Tal Emotionen - einfach groß.
Und trotzdem spielt Smolski unspektakulärer (zumindest auf den ersten Höreindruck hin), als die Flitzefinger Konkurrenz. Es bedarf halt manchmal einfach nur der Songdienlichkeit und Gefühls, um seine musikalische Seele auszudrücken.


"Fatal grace" verzaubert mit eben dieser - ein kurzes Instrumentalstück voller Gefühl.
"Connected" zieht das Tempo wieder leicht an, Spoken Words ertönen ein weiteres Mal, die Keyboards schaffen eine weite Atmosphäre, auf der zuerst Smolski jubiliiert, bevor Peavy seine ruhigste Gesangsleistung des Albums abruft, eine entspannte, melodiöse Nummer mit Charme, aus der weiten Welt des ruhigen, atmosphärischen SPACE-ROCK/METAL.


In der Gitarrenarbeit erinnert mich der Song sogar an entspannte Joe Satriani Nummern.
Hymnisch wirkende Keyboardtupfer führen den Song weiter, bevor Smolski wieder das Hauptriff aus "Empty hollow" ertönen läßt - "Empty hollow reprise" ist erreicht.
Das Thema der Suite wird wiederholt und steigert sich zum Ende.
Großes Kopfkino.

Danach bewegt sich das Album auf einen weiteren Höhepunkt zu: "Saviour of the dead" beginnt, wie eine sehr fette OZZY/ZACK WYLDE Nummer, unheimlich groovende Gitarren, doch wieder die stimmliche Gewalt von Peavy und ein erneut sehr eingängiger Refrain, welcher sich dann wieder mit den groovenden Riffs von Smolski ablöst. Unwiederstehlich.

Bis hier finde ich das Album sehr stark und nach mehrmaliger Einfuhr hat es absolut einen Spitzenplatz in der Musikhistorie der Band inne.
Das die Songs danach etwas schwächer ausgefallen sind - nun, damit muss man eben leben.
Und etwas schwächer bei Rage, heißt immer noch gut genug, um zu gefallen.

"Hellgirl" ist ein eher simpler, aber guter Rock'n'Roller.
"Purified" eine doch gute Ab-geh Nummer.
"Through ages" ist eine ruhige akustische Ballade, eher ungewöhnlich im Rage Kontext.
"Tomorrow never comes" noch einmal ein absolut songdienlicher, eingängiger Rocksong, mit leichtem Power-Riffing, der in der Mitte noch mal herrlich Gitarren-Gas gibt und mit kleinen elektronischen Spielereien aufwartet - wieder sehr gut.

Doch die ultimative Steigerung erfährt der neue Output der Band durch die Limitierte Edition.
Denn was die Band hier noch zusätzlich anbietet, wird oft genug von anderen heutzutage als vollwertige DVD Veröffentlichung vermarktet. Einen 75 Minuten dauernden Silberling gibt es hier nämlich als Zugabe.


Alleine der WACKEN AUFTRITT ist das Geld der CD wert.
Doch er wirft auch Fragen auf:
WARUM sieht SCHMIER neuerdings so "geschmiert" aus?
WARUM kannte ich bisher die phantastische JEN MAJURA noch nicht?

und WER sind die BLACK THUNDER LADIES?
WARUM ist RAGE and FRIENDS (bzw. mit LINGUA MORTIS) noch nicht fürs ROCK HARD FESTIVAL bestätigt?

Eine klasse Zusammenstellung von Songs aus den verschiedenen Phasen der Band,

inkl. "Prayers of steel" vom Avenger Album. Dazu eine wahrlich herausragend agierende Dame im Mittelteil des Konzerts - eben diese, mir unbekannte JEN MAJURA. Hier merkst Du die Spielfreude und die Überzeugung, die diese Musik transportiert und die den beteiligten Musikern auch anzusehen ist.

Tracklist DVD:
OFFICIAL FESTIVAL BOOTLEG - WACKEN OPEN AIR (with friends) 2009
1. Carved in stone  2. Higher than the sky 
3. Set this world on fire  4.  All I want  5. Invisible horizons  - 3 Songs mit HANSI KÜRSCH (Blind Guardian)
6. Lord of the flies  7. From the cradle to the grave  - beide mit JEN MAJURA (Black Thunder Ladies)
8. Prayers of steel  9. Suicide  10. Down  - dreimal SCHMIER (Destruction)
11. Soundchaser

weitere Songs:
12. Set this world on fire  13. All I want - beide vom MASTERS OF ROCK 2009 (Tschechien)
14. Carved in stone - LIVE IN SOFIA
15. Never give up - vom RAGE RACE, Rennveranstaltung mit Viktor Smolski
insgesamt noch einmal 75 min geballte RAGE POWER

FREUNDE - mehr VALUE FOR MONEY geht nicht ...

FAZIT
Power - Melodie - Harmonie - Riffs
Alte Säcke - die wieder einmal frisch und unverbraucht klingen,
dazu eine kleine Gitarrenlehrstunde in Sache Stilvielfalt und Abwechslungsreichtum.

Dazu die bisher BESTE (weil absolut gleichberechtigt) Zusammenarbeit
mit dem LINGUA MORTIS ORCHESTER, runden eine sehr starke Power-musikalische Reise ab.
Eine der authentischsten, und mir sympathischsten Bands Deutschlands.


Webpage der Band
  

                                                                                                                  DARKEN TOM

 

ANNO
24 - Januar 2009

Sie umtanzen das Licht - den kleinen Raum, der Leben verspricht; doch den Tod bringt.
Mit ausgebreiteten Flügeln, den eigenen Untergang umarmend.

Ist es das Vertrauen auf Erlösung - das Hoffen auf Elysium,
ist es Todes-Sehnsucht - das Streben nach dem Ende, von Leid und Schmerz.

Auf den Schwingen der Nacht, schweben sie lautlos durch die Dunkelheit, nichts ahnend,

was das Licht ihnen bringt - die Umkehrung unseres Wissens vollzieht sich schleichend.

Das Licht ist Bringer - das Dunkle Nehmer ? Die Akzeptanz des Mysteriums - der Schlüssel.
Veränderte Wahrnehmung, verwobene Grenzbetrachtung - dafür steht auch folgende Band ...

SEID IHR BEREIT ?

 

InMe - Herald Moth  2009

Tracklist
1. You won't hear from me again  4,56
2. Belief revival  3,49
3. Nova armada  4,09
4. All terrain vehicle  3,46
5. Captain Killjoy  4,22
6. The art of moderation  4,48
7. Single of the weak  3,46
8. Ferocity in desire  3,54
9. Happy to dissapoint you  5,01
10. I will honour you  4,36
11. A mouthful of loose teeth  4,40
12. Master storm  5,49
13. Love's heartless jest  3,33
14. Secret tragic fiction  4,19
Gesamt-Spielzeit   61,19  min

WISSENWERTES

Stil
Alternative Rock / Progressive Rock/Metal

Tendenzen
leichte Emo Einflüsse, Coheed & Cambria

Anspiel-Tipps
All terrain vehicle, Secret tragic fiction, I will honour you, Belief revival

Label
Graphite

Die Band
Dave McPherson        Gesang und Gitarre
Ben Konstantinovic    Gitarre
Greg McPherson        Bass
Simon Taylor             Drums

EINDRUCK

Ein Cello erklingt über Akustikgitarre und Glockenklang ähnlichen Synthietönen. Alternativ Rock ertönt, immer wieder elektronische Einsprenksel, zwischen Garage Rock/Schrammel/Alternativ Gitarren, dazu ein komplexeres Bass/Drum-Spiel, und obenauf ein Sänger, welcher typisch englisch die Texte interpretiert (und ausspricht), oft zweistimmig agiert.

 

Immer wieder überraschen leichte Wendungen in der Gitarrenarbeit, Du bemerkst,

das die vorgetäuschte Einfachheit des Materials überhaupt nicht einfach ist.
Breaks, Rhythmikwechsel und nach rund 2 einhalb Minuten urplötzlich harsche schwere Riffs, Schreie und Growls, bevor ein Solo auf komplexem Gitarrenspiel aufgezogen wird.


Willkommen in der Welt, die nicht sein darf.

Schubladen-Denker können hier aufhören zu lesen.

Die Band InMe kommt aus Brentwood, Essex / Great Britain und agiert auch schon seit 1996

(damals noch unter dem Namen DROWNED). Auf ihrem nun mehr 4ten Album, setzen Sie uns ein phantastisches Gemisch aus vielen verschiedenen Stilrichtungen und Stimmungen vor.


Benannt nach der Zackeneule, einer Mottenart, welche so widerstandsfähig ist, dass sie sogar kurze Perioden in tiefgefrorenem Zustand überleben kann. Diese Kraft braucht man selbst auch erst einmal,

um Zugang zu diesem Werk zu erhalten - denn leicht ist es nicht.

Verwirrend - unzusammenhängend - verschiedenste Stile beinhaltend.
Diese Gedankengänge begleiteten mich unweigerlich beim Anhören der Scheibe.
Doch plötzlich ertönt Song 4 "All Terrain Vehicle", das Cello und Streicher sind wieder am Start,
epischer Hintergrund, darauf ein getragener, wundervoll melodischer Gesang,

die Steigerung in der Stimme - pure Emotion und Melancholie.
Piano- und Synthiläufe, hymnenhafter Anstieg im zweiten Teil des Songs, bevor ein einfaches, aber furchtbar passendes Solo eingeworfen wird - KLASSE.

Immer stärker treten die verwirrenden Gedanken in den Hintergrund, man erkennt die Stärke der Band, die diesen Stilmix aus Alternativer Rockmusik, progressiven Strukturen, (manchmal) metallischem Druck und Rhythmus, etwas MathCore sowie Screamo-Parts zu "IHREM" Stil bündeln.


Je länger das Album dauert, um so interessanter scheint diese Musik, hier etwas MUSE, DREDG oder THRICE, ein wenig MY CHEMICAL ROMANCE,  in der Stimme etwas THE CURE oder gar REM (und doch anders), und immer ein wenig in der Gasamtheit an COHEED & CAMBRIA erinnernd.

YouTube-Video

Im Albumtext verarbeitet McPherson seine persönliche, unglückliche Vergangenheit, möchte uns an seinen durchlebten Gefühlen teilhaben lassen. Fast durchgehend mit leichtem Vibrato in der Stimme, bringt er alles von emotional-melancholisch, über brüchig-fragil, leidenschaftlich, bis zu aggressiv-screamo und growlig.

Track No. 6 "The Art Of Moderation" dann ein lupenreiner Progressive Metal Song, inklusive Gitarrenabfahrt und mächtig drückenden Riffs.
Danach folgt ein Stück mit musikalischem MUSE Touch "Single Of The Weak", hört nur die Eröffnungs-Sequenz der Synthies und den treibenden Drums, dazu die elektronischen Spielereien und die geniale Textzeile - "What's that shit on the radio?". Elektro-Pop.

„Wir wollten viele verschiedene Ebenen mit Ecken und Kanten zu harten und dennoch melodischen Songs verweben” erklärt Sänger/Gitarrist Dave McPherson.

 

„Mit ‚Daydream Anonymus’ (dem Vorgängeralbum) hatten wir endlich unseren eigenen, gereiften Sound gefunden und unsere Fähigkeiten als Musiker vertieft. Mit dem neuen Album haben wir diese Entwicklung weiter verfolgt, das Album ist dunkler und epischer und zeigt uns so gut wie nie zuvor.”


So kommen stets auch balladeske Momente vor, werden die elektronischen Spielereien fast schon gleichberechtigt neben bratende Gitarren platziert. Immer wieder gibt es Momente in den Songs, die unweigerlich aufhorchen lassen - diese Aha-Momente, die nur herausragende Scheiben liefern können.


Das Tapping Solo in "Happy To Disappoint You" mit dem anschließenden wunderbaren Solo

- für diese Momente möchte ich immer wieder Musik neu entdecken.
Die Ballade "I Will Honour You", mit überragender musikalischer Begleitung aus Streichern, Synthies, Akustik-Gitarre - Breitwand-Wohlfühl-Kino. Im Kontext des Albums fast schon einfach zu nennen.
Trotzdem spürt man förmlich durchgehend eine Form der Unruhe, die Gitarren jaulen, die Breaks,

die kraftvolle Rhythmik der Songs - all dies fordert ungemein und ist doch so vielseitig.

Überhaupt - DIE RHYTHMIK.
Dieses überaus kraftvolle, aber songdienliche Schlagzeug, der unauffällige Bass,

der dennoch jedwede Löcher im Sound stopft. Dieses Fundament ist enorm stark,

erinnert gar eher an metallische Prog-Helden, denn an "einfache" Rock Bands.

Das eigentliche Album endet mit "Master Storm", doch ihr solltet unbedingt nach der Version mit den beiden Bonus-Songs Ausschau halten. Da wäre zuerst "Love's Heartless Jest" - einer wunderschönen Ballade, danach folgt mit "Secret Tragic Fiction" noch einmal ein Lehrbeispiel ihrer Musik.
Eine Progressiv-Abfahrt, voller technischer Finessen, mein Gott hört Euch diese feine Gitarrenarbeit an; die moderne Rhythmik, den leidenschaftlichen Gesang,  die wunderbaren Gesangsmelodien,

die MathCore Elemente - ICH BIN SCHWER BEEINDRUCKT.

WAS BLEIBT? - Ein Album ohne schlechte Songs. Musik, die mit der Zeit immer stärker wachsen kann.
Die Zukunft der progressiven Musik? Ich denke zumindest eine Modernisierung, die für das Genre nur gut sein kann. Möglicherweise wieder neue Wege aufzeigt, ermuntert und weiter geht, als viele Bands sich wagen - Mut gehört dazu.

Ihr müsst diesem Album unbedingt die nötige Zeit einräumen, möglicherweise mal für einige Zeit aus der Hand legen, um ein paar Tage später wieder einen Anlauf zu wagen.
Aber dieses Ding ist VERDAMMT GROSS.

... inzwischen wieder ein Trio ...

FAZIT
Moderne, alternative NEUE ProgressivRock Musik
Sehr hohes technisches Niveau, gepaart mit Songwriter Klasse und Hingabe
manchmal sperrig - manchmal wunderbar melodisch - manchmal alles auf einmal.


Verspielt, verschachtelt - aber in den Melodien auf den Punkt
Ein Album, welches als homogenes Werk zu verstehen ist.


Möglicherweise wahnsinnig machend

und gleichermassen ein wahnsinnig intensives Album.

Webpage der Band

                                                                                                           DARKEN TOM

 

  ANNO

10 - Januar 2010

 

Wir haben Sie nicht gerufen, und doch plagt Sie uns - DAISY.

Eingeschneit in meiner kleinen Hütte am Rande der Welt bleibt mir wenig.

 

Mit klammen Fingern schreibe ich nun diese Zeilen,

hoffe auf Euer Vertrauen, Eure Bereitschaft.

 

Wieder einmal soll im neuen Jahr ALLES besser werden.

Beurteilt selbst und folgt mir zu einer, der ehemals größten Bands,

Spielball der Musikindustrie, Goldesel, aber auch Ausdruck eines gewißen Anspruchs.

 

Nach Jahren der Trennung wieder vereint, sind wir angehalten zu bewerten und abzuwägen ...

 

Creed - Full Circle 2009

Tracklist
1. Overcome  3,47
2. Bread of shame  3,57
3. A thousand faces  4,55
4. Suddenly  3,31
5. Rain  3,28
6. Away in silence  4,41
7. Fear  4,05
8. On my sleeve  4,14
9. Full circle  4,08
10. Time  5,55
11. Good fight  3,55
12. The song you sing  4,08
Gesamt-Spielzeit   50,39 min

WISSENSWERTES

Stil
Hard Rock, Alternative, Rock

Tendenzen

mit mehr Wucht und knackigen Gitarren

Anspiel-Tipps
Overcome, A thousand faces, Rain, On my sleeve

Label
Wind Up

Die Band
Scott Stapp            Gesang
Mark Tremonti        Gitarre
Brian Marshall         Bass
Scott Phillips           Drums

EINDRUCK
CREED waren der Traum jeder Plattenfirma - die berüchtigte Gans, die goldene Eier legt.
Grammy Award Gewinner 2001 für den Song "With arms wide open".
Die Trennung 2004 war eher überraschend, auch weil die gesamte Instrumentalfraktion unter dem Namen ALTER BRIDE einfach weitermachte.
Im Kopf immer noch solche Megaseller, wie "Human Clay" lege ich die Comeback Scheibe auf.

Irgendwie erscheint mir alles ein wenig erdiger und brachialer im Gitarrenbereich.
Hat das ALTER BRIDGE Zwischenspiel wohl doch seine Spuren hinterlassen.
Einen Songbeginn, wie bei "Bread of shame" - Brachial-Riffing, quitschende Saiten,

fast Nu-Metal tief gestimmte Gitarrenarbeit - WOW,  es brät der Sound, es wuchtet der Groove.

Überhaupt ist die Erwartungshaltung der Schlüssel zum Erschliessen dieser Scheibe.
Wer es schafft sich von den "alten" Creed zu lösen, der wird wohl am besten warm

mit der vorliegenden Scheibe. Die Härte stammt nämlich eher von der Nachfolgeband ab.

Zum Start gibt es schon mit "Overcome" den Schulterschluß zwischen beiden Bands,

waren CREED doch DIE Hitschmiede des ausgehenden Jahrtausends im amerikanischen HardRock-Zirkel, so besticht auch dieser Song mit genügend Ohrwurm-Potential,

und doch ist er durch die Gitarren- und Rhythmusarbeit recht knackig - ein perfekter Opener.

Im dritten Song dann erst die bekannten balladesken Strukturen - "A thousand faces".
SCOTT STAPP - auch als Solokünstler mit erstaunlich guter Scheibe unterwegs gewesen

("The Great Divide" 2005), trifft mit seiner immer leicht nöligen, aber dennoch ausdrucksstarken Stimme genau den richtigen Ton, um diese Nummer zu transportieren. Aber der wirkliche Killer ist die zweite Stimme, die Stapp über den Refrain legt, WAS FÜR EINE OFFENBARUNG, WELCHE KLASSE.
So etwas habe ich lange nicht mehr gehört, dann das Solo gegen Ende des Songs und der Akustikgitarren-Ausklang - eine WELTKLASSE-KOMPOSITION.

Nachdem die Band Ende der 90er so ziemlich ALLES erreicht hatte, Mega-Seller an der Spitze der Rockparade, so hatten sich gerade die Instrumentalisten um MARK TREMONTI über ihre Befreiungs-Combo ALTER BRIDE zu leicht korregiertem Ufer aufgemacht.

Etwas weniger Pomp und Gloria, etwas weniger Kommerzialität, etwas weniger hochauflösendes Kino. Dies merkt man dieser Scheibe Gott sei Dank auch an.

YouTube-Video

Die Produktion ist längst nicht so aufgeblasen, wie befürchtet.
Im Gegenteil - ERDIG ist sie geworden, mit warmem Bass und trockenem Schlagzeug. Die Gitarren sind omnipräsent und wechseln schön zwischen ruhigen Akustikpassagen und bratenden Riffs ab.


Hier darf als schönes Beispiel die Nummer "Rain" herhalten, eine eher traditionelle Creed-Nummer, aber wieder mit exzellenter Gitarrenarbeit.
Eigentlich eine Happy Time Nummer im amerikanischen Rock Stil - mächtig eingängige Gesangslinien, welche ruhig beginnen, dann aber rockig Fahrt aufnehmen. Aber auch hier gibt die Gitarren später immer stärker Gas, inklusive einer einfachen, aber genialen Solospur gegen Ende des Songs.

Erst bei Song Nummer 6 "Away in silence" kommt die unweigerliche Ballade, die einfach zu CREED dazugehört, aber auch hier gilt festzuhalten - nicht zu platt.
Doch schon die nächste Nummer drückt wieder mächtig, kräftige Riffs dominieren.

Dann noch einmal eine richtige große Hookline Mitsing Nummer - "On my sleeve".
Kraft und gleichzeitig Epik, dann fast schon LED ZEPPELIN artige Rhythmik in der Mitte,

ein Refrain zum Niederknien, wie wenige Bands sind dazu in der Lage.

Der Titelsong punktet plötzlich mit Southern Style, Steel Guitar und leicht stampfender Rhythmus.

Die Band variiert ihren Sound.

Und mit "Time" folgt gleich noch einmal eine dieser zeitlosen (Hard-) Rock Nummern.
Balladesker Beginn, ruhige Akustikgitarre, später aber wieder losbratende Gitarre, dazu die großen Harmonien eines Scott Stapp.

FAZIT
Weit weniger Pathos als früher - mehr Erde und Gitarren Dreck im Sound
Satte Rocknummern, mit ausgezeichneter Gitarrenarbeit und starken Hooklines
Diese Wieder-Entdeckung lohnt definitiv 
Ein Album ohne Ausfall - und definitiv eines der besten Rockalben momentan

Webpage der Band

                                                                                                          DARKEN TOM