OVERHEAD, SCHANDMAUL, OVERHEAD
ANNO
21 - Juni 2009
Wir haben das finnische Chamäleon bereits mit ihrer Vorgängerscheibe
hier auf dieser Seite besprochen.
Doch der Weg, den die Band einschlägt birgt immer wieder Entwicklung und Überraschung
in sich. Spannend ist es die Jungs zu beobachten.
Und interessant zu sehen, wie Sie trotz Stilveränderung gleichbleibend hohe
Qualitäten abliefern. Hier nun also der neueste Streich aus ihrem Schaffen.
Selbsterfahrung und Hingabe erwarten Euch ...
Overhead - And We're Not Here After All 2008
Tracklist
1. A Method ... 4.13
2. ... to the Madness 7.44
3. Time Can Stay 8.08
4. The Sun 1.09
5. Lost Inside 11.47
6. Entropy 6.41
7. A Captain on the Shore 9.47
Gesamt-Spielzeit 49,29 min
Wissenswertes
Stil
ArtPop, ArtRock, Progressive Rock
Tendenzen
Neuere Sylvan, Marillion der Hogarth Ära,
leise Retro Anklänge
Label
Musea
Anspiel-Tipps
Time can stay, Lost inside
Die Band
Alex Keskitalo vocals, flute
Jaakko Kettunen guitars
Janne Pylkkönen bass
Tarmo Simonen piano, Polysix, keyboards
Ville Sjöblom drums
Gast
Petra Oksa vocals auf Song 7
Eindruck
Nach zwei Alben, welche man ohne zu zögern, einem von der Vergangenheit beeinflußten Progressive Rock zuordnen konnte (auch Pink Floyd - besonders bei "Metaepitome" - hier weiter unten nachzulesen), mischt die finnische Band mit ihrem neuen Output die Karten komplett neu.
Es sind 3 Jahre vergangen, seit mich das Vorgängeralbum so ziemlich umgehauen hat
- und diese Zeit hat die Band genutzt, um ihren Stil zu verändern.
CD eingelegt und zurückgelehnt - nach wenigen Augenblicken fühle ich mich an irgendetwas erinnert, kann es aber noch nicht zuordnen, sanfte Stimme schwebt auf fein perlenden
Keyboardklängen,
fast jazz-artig gestreicheltes Schlagzeug, ein paar eingestreute Gitarren Akkorde
- doch dann das Erkennen - TWIN PEAKS, Angelo Badalamenti.
Die ersten drei Minuten von "A method ..." klingen verdammt nach einer Verneigung vor der Musik
der Serie - irgendwo versteckt an der kanadischen Grenze steht ein verborgener Club,
Halbschatten-Gestalten treiben durch die Nacht - lasziv, sinnlich, unausgesprochene Wünsche schweben in der Luft, fast greifbar und doch weit entfernt.
Doch dann kommt der Bruch und feinster New ArtRock füllt den Raum. Pumpende Bass-Spuren übernehmen, Rock Schlagzeug Rhythmen - vertrackt sind die Rhythmus-Figuren, Sprechgesang -
"... to the madness" hält uns im Bann. Der Song wirkt dank seines Grundgerüstes sehr hypnotisch.
Immer stärker wirkt der Druck der Rhythmus-Fraktion - und immer kumuliert er in einem starken Refrain. Am Schluss wieder die Abwechslung durch den Einsatz von Sprechgesang, einer Rede gleich
- spannungsgeladen ist der Beginn der Scheibe.
Insgesamt sind sie aber ruhiger geworden - die jungen Finnen, aber nicht leidenschaftsloser - nein, ganz im Gegenteil. Gefühlvoll ist sie geworden, die neue Scheibe, und wunderschön.
"Time can stay" - der dritte Song, beginnt getragen, balladesk, fast leidend. Im Mittelteil dann flirrende Keyboards, Akustik-Gitarre, feine Gesangsharmonien.
Dann der Bruch mit E-Gitarre und fast verzerrtem Gesang, das weitere Wechselspiel dieser Elemente im Song schafft Atmosphäre.
Auch können hier immer wieder feine Spielereien zwischen Gitarre und Keyboards entdeckt werden.
Die Musik zaubert ein ums andere Mal Wärme in Deine Welt.
Fesselt durch Sprech- und Flüstergesang, wie überhaupt die Stimme des Sängers betont eigenständig klingt, fast zu wenig dominant und doch merkt man hier nach wenigen Songs wie passend und doch
variabel der Junge singt, hier wird alles den Songs untergeordnet, fein strukturierte Akzente werden gesetzt. Und dies gilt auch für die Musik.
Sie ist verspielter geworden, moderner, teilweise lockt sie mit Bombast, teilweise verführt sie mit sinfonischen Strukturen. Manchmal gar werden Pop- und/oder Wave Elemente mit eingeflochten.
Über "The sun" einer kurzen Hinführung erreichen wir das Herzstück des Albums "Lost inside".
Keyboards, Flöten, sanftes Bass-Spiel führt uns ins "Innere" - der Scheibe, und uns selbst. Hingebungsvoller Gesang.
Diese Hingabe wurde aus dem Konzept der Scheibe geboren. Reflexionen über Höhen und Tiefen eines jeden Menschen. Es geht darum seinen Platz im Leben zu finden, den eigenen Weg zu gehen, um dort
anzukommen, wo man hingehört - diese Erfahrung sollte jeder für sich selbst machen.
Das Gefühl des Verloren-Seins, der Einsamkeit - um zu erfahren, das es für alle Probleme eine Lösung gibt. Dies ist Grund-Tenor der Scheibe - so verwundert die fast durchgehend vorhandene Melancholie
der Songs nicht weiter, die dann teilweise einen hypnotischen Sog entwickeln, in den man sich wunderbar fallen lassen kann.
Und so entwickelt sich der Track vom hymnenhaften Beginn hin zum Bombast Rocker, immer abwechslungsreich - klare Pianopassagen, kräftige Keyboardfarben, plötzlich treibende, drückende Gitarrenläufe.
Getragene Gesangslinien münden in einen von Piano und E-Gitarre dominierten Instrumental-Teil, welcher plötzlich wieder von lyrischem Flötenspiel unterbrochen wird. Ganz stark.
Und so vermittelt die Scheibe dem geneigten Musik-Liebhaber, der das Zuhören noch nicht verlernt hat, eine Vielzahl an Ideen, relaxte Harmonie, wunderbare Melodiebögen - eher unaufdringlich, dafür
lang anhaltend und ohne große Abnutzungs-Erscheinungen, abwechslungsreiche Rhythmen und feinen Gitarrenspielereien. Alles durchdacht, aber nicht mit Plattheiten versehen.
Nein - dies ist die Stärke der Band, sie arrangieren ihre Musik mit Hingabe.
Und dies merkt man der Scheibe auch an.
"Entropy" - danach ist fast Hard Rock lastig, die Keyboards wirbeln, die Gitarrenspuren werden breiter. Der Song versprüht eine positive Stimmung - Alles wird
gut, der Weg ist erkannt.
Mit der Abschlußnummer "A captain on the shore" klingt das Album weiter sehr positiv und stimmungsvoll aus. Eine, wieder ruhigere Nummer mit
Background-Sängerin.
Sanft schweben die Piano- und Flötenklänge über dem Song.
Breitwand-Sound, mit hahaa und huhuu Chören - wunderhübsch.
FAZIT
Eine hochmelodische, immer aber abwechslungsreiche ArtRock Scheibe.
Fein durchdachte Kompositionen, kluge anspruchsvolle Arrangements.
Tolle, variantenreiche Instrumental-Abteilung, trifft auf eigenständigen,
variantenreichen Sänger.
Ein wahres Kleinod in der aktuellen Prog Landschaft, weil eben nicht nach dem Prinzip schneller - höher - weiter gestrickt - sondern eher durchdacht - songdienlich - stimmungsvoll.
Auf seine Art ganz feine Kunst ! Ein Seelen wärmendes Erlebnis zum Entdecken !
DARKEN TOM
ANNO
20 - MAI 2009
Die Welt wurde erneuert, die Tage werden wieder länger.
Bis zum erneuten Vergehen der Welt wird es mit Sicherheit wieder unzählige Feste und Märkte geben.
Eine Form dieser Märkte ist der Mittelalter-Markt.
Immer wieder gerne besucht, sofern mit Anspruch und Stil,
leider nur allzu oft auch nur noch Kommerz.
Als vor Jahren, dies alles noch Untergrund und Ursprung bedeutete, Freude, Treffen,
Kunst, Kultur, waren so manche Spiel-Leute aus Passion dort anzutreffen.
Lasst uns darüber reden ... Auf geht's
DIE MUSIKANTEN SIND IN DER STADT
Schandmaul - Anderswelt 2008
Tracklist
01. Frei 4,07
02. Krieger 3,50
03. Anderswelt 3,55
04. Königin 4,06
05. Zweite Seele 3,40
06. Die Braut 4,51
07. Missgeschick 3,26
08. Sirenen 4,09
09. Stunde des Lichts 3,47
10. Fiddlefolkpunk 1,49
11. Augen Auf! 3,26
12. Wolfsmensch 3,20
13. Drei Lieder 4,06
14. Prinzessin 3,30
Gesamt-Spielzeit 51,58
Wissenswertes
Stil
Mittelalter Folk Rock
Tendenzen
Etwas Rock - Etwas Metal - Etwas Funk - Eine mittlere Portion Pop - Und Viel Viel Folk
Label
F.A.M.E. Artist (edel)
Anspiel-Tipps
Königin, Stunde des Lichts, Wolfsmensch, Frei
Besetzung
Thomas Lindner Gesang, Akustik-Gitarre
Anna Kränzlein Geige, Drehleier, Bratsche, Gesang
Birgit Muggenthaler Schmack - Dudelsack, Flöten, Schalmeien, Gesang
Martin Duckstein Gitarren, Gesang
Matthias Richter Bass, Kontrabass
Stefan Brunner Schlagzeug, Percussion, Gesang
Eindruck
Die Heerscharen der Mittelalter-Märkte gebar auch Heerscharen von Spielleuten, Musikanten und genretypischen Bands. Als die Spielwiese dieser bald überwucherten Märkte zu klein wurde, kam es zum
Exodus - zum Auszug aus dem gelobten Land der Narren und Gaukler.
Das Manna konnte nicht mehr alle ernähren - viele planten ihre Evolution selbst.
Die Weisen wurden exotischer, derber, ausufernder oder härter.
So bildete die ursprüngliche Keimzelle nun den Lebensquell für innovative (manchmal mehr, manchmal weniger) Weiterentwicklung. Wer kennt nicht die Namen der "Großen":
- In Extremo, Subway To Sally, aber auch Bands wie Corvus Corax oder eben Schandmaul wurden über die Märkte hinaus bekannt, erstürmten Konzerthallen und
notierten sogar in den Charts.
"Und Ich hoffe und ich lache und ich laufe und ich lebe
- und Ich hoffe und ich lache und ich laufe und bin frei"
So die ersten Textzeilen der ANDERSWELT
SCHANDMAUL aus München, die hier schon ihr 6tes Album präsentieren sind auch diesen Weg gegangen und das nun schon seit mehr als 10 Jahren.
Wobei diese Band seit je her ihr Augenmerk auf feine Geschichten legt, manchmal märchenhaft, manchmal einfach etwas entrückt - sind sie wahre Geschichten-Erzähler vor dem Herrn.
Diese Texte laden zum Miterleben ein, malen Verse ins Musikbild, die einfach "schön" sind, aber ohne flach zu sein. Das Ganze vorgetragen und interpretiert, von einer der zu dieser Spielart
passendsten Stimmen Deutschlands - Thomas Lindner, fast mehr Barde, als plumper Sänger. Mit den ab und zu eingestreuten Frauenstimmen, besonders hervorzuheben ist hier sicherlich "Stunde des Lichts".
Ihre Musik ist eher in den bekannten Folk-Wurzeln beheimatet, näher an der Basis der ursprünglichen Marktmusik. Sie klingen frisch und ambitioniert, sind vielfältig und trotzdem klingt das Album wie
aus einem Guss.
Es kommen Cello (gespielt von Benni Cellini - Letzte Instanz) genauso wie Dudelsack, Flöten etc. zum Einsatz - das alles aber so natürlich, das es als zwingender Bestandteil der Musik akzeptiert
wird. Hier wird nicht mit Soundgewalten erdrückt, sondern immer wieder zur Ruhe zurückgeführt, auf dass die mittelalterlichen Weisen ihre ganze Kraft und Schönheit entfalten können.
"Dreimal tanz im Sonnensinn, um die alte Stätte hin!
Beim dritten Mal wird offen stehen, die Anderswelt - Du wirst sie sehen!"
Sie sind sympathisch, herrlich unaufgeregt, nachdenklich - bieten manch lockere, einfache Kost,
für Bauch und Seele - so entwickeln sie ihren eigenen Charme.
Sie brauchen keine "neue Härte" in ihren Songs, auch wenn mal die Gitarren druckvoll und hart werden wie in "Krieger".
Nein das Zusammenspiel von Geige und Flöte berührt, lässt eine wahnsinnig feine Stimmung entstehen, welche Einen einfängt und in die Anderswelt
zieht.
Neu ist der verstärkte Einsatz von Düsternis und Melancholie in Musik und Text, eine der Moderne entfremdete Mystik trägt uns. Dieses kombiniert mit ihrer bis dato besten Produktion, klar und
transparent, lässt geradezu einen Sog entstehen.
Das Liedgut baut textlich und musikalisch so stark aufeinander auf, als wäre dies unabdingbar,
nach jedem Song wartet man förmlich auf die Fortführung der Geschichten, die sich um Krieg - Verrat - Legenden und Mythen drehen.
Und doch ist auch Platz für Liebes-Reigen und Tanz - hier als Beispiel die lockere Instrumental-Nummer "Fiddlefolkpunk".
Dies ist unaufdringliche und damit nur noch stärker zu bewertende Arrangement-Kunst. Es scheint alles simpel gestrickt, ist aber letztendlich so ausgereift und damit um so genialer.
Die Anderswelt entführt einen langsam, aber unaufhörlich in ihre eigene farbenprächtige Dimension.
Die Refrains sind einmal mehr grandios, hymnenhaft - "Königin" möge als gutes Beispiel dienen - welch ein Song. Die Songs sind kompakt und
abwechslungsreich - "Zweite Seele".
Und am Schluss wird mit "Prinzessin" ein Schlaflied auf die Scheibe gestellt
- nie peinlich, aber emotional berührend (für alle, die das Zuhören noch nicht verlernt haben).
"Es ist die Idee von Farben - und die Schönheit ihrer Welt
- die wie die Klänge eines Liedes - hallen übers freie Feld.
Es ist wie Klang der Brandung - wie der Felsen, der sie bricht
- die Natürlichkeit der Dinge - die Ursprünglichkeit, die spricht!"
So entstand eine schöne warme Scheibe, welche Einen für geraume Zeit fort zu führen vermag.
Ohne SCHNELLER - HÖHER - WEITER Anspruch.
Immer gehe ich mit positiver Grundstimmung aus meinen Treffen mit der ANDERSWELT.
Dies kann nicht hoch genug bewertet sein. Bezogen auf das wunderschöne Cover, rate ich:
Lass auch Du Dich führen und vertraue - das Ziel lohnt den Weg.
FAZIT
HANDGEMACHTE, ERDIGE, ORGANISCHE MUSIK,
MIT IHRER EIGENEN TIEFEN EMOTIONALITÄT UND DRAMATIK
FÜR JEDEN URSPRÜNGLICHEN MITTELALTER-MUSIKFAN BEDINGUNGSLOS ZU EMPFEHLEN
EIN ALBUM OHNE AUSFALL - ABER MIT VIEL GEFÜHL
P.S.
Die limitierte Digi-Pack Auflage ist wunderschön gestaltet, mit wirklich passendem Artwork.
Sie beinhaltet nicht nur ein Faltposter, sondern auch ein ausgezeichnetes Booklet mit persönlichem Text der Band, und einer Video-Beigabe.
Schandmaul im Netz
DARKEN TOM
Overhead - Metaepitome 2005
Tracklist
1. Metaepitome
19:40
2. Warning: Ending (Without Warning) 7:57
3. Point of View
5:17
4. Butterfly's Cry 7:04
5. Arrival of the red Bumblebee 2:16
6. Dawn 16:22
Gesamtlaufzeit
58:36
Wissenswertes
Stil
Progressive Rock, Art Rock
Tendenzen
Einflüsse von Manfred Mann (Keyboard), Dire Straits (Gitarre), Pink Floyd
Label
Musea
Anspiel-Tipps
Metaepitome, Point of view
Besetzung
Alex Keskitalo Gesang, Gitarre
Jaakko Kettunen Gitarre
Tarmo Simonen Piano, Keyboards
Janne Pylkkönen Bass
Ville Sjöblom Drums
Gastmusiker
Paavo Seppälä Gitarre bei Song 1
Eindruck
Dies ist bereits die zweite Veröffentlichung der Band aus Finnland. Die Mitglieder sind allesamt noch keine 30 und doch wird hier ein Sammelsurium an Prog-Ideen verwurschtelt.
Angelehnt an eine Retro-Prog Schiene der 70er und 80er Jahre, werden doch immer wieder auch modernere Sounds mit ins Klangbild verwoben.
Namen wie: Pink Floyd, RPWL, Marillion, Manfred Mann, Rush oder Dire Straits treten einem unweigerlich immer wieder vors geistige Auge.
Bereits der Eröffnungs-Song "Metaepitome", mit gut 20 Minuten bietet er auch genügend Freiraum, wird immer wieder von Remineszensen - gerade im
Gitarrenbereich, aufgelockert.
Sanft beginnt der Song, rein akustisch gehalten, mit der warmen Stimme von Alex - und erst nach
3 min. folgt der Break, es wird komplexer, elektrischer und dann wieder fast träumerisch.
Ist das Grundgerüst wohl eher einer Band wie Pink Floyd zuzuordnen, werden im Verlauf des Songs Gitarrenriffs der "The Wall" Schule eingestreut,
aber auch einmal Dire Straits-mäßig soliert (dazu gesellt sich witzigerweise der Rhythmus des DEEP
PURPLE Klassikers "Child In Time"), die Keyboards im Stile von Manfred Mann
gespielt, Marillion Farbtupfer zu Hogarths Zeiten im Gesang eingestreut, hier und da meint man sich sogar an selige Arena "The Visitors" Zeiten zu erinnern, und wenn nach ca. 13 min gar Dream Theater durchschimmern,
dann lässt sich die Klasse der Band erstmals richtig einordnen.
Und was so nicht zu vermuten ist - dies funktioniert ganz großartig. Immer wieder findet ein Wechsel in Dynamik und Ausprägung des Songs statt. Das alles wirkt fast wie eine Erzählung, die
Beschreibung von Landschaften - einer Geschichte oder eines Gemäldes.
Es ist wendungsreich, verschachtelt - mit ruhigen Passagen, genauso wie aggressiveren Parts.
Dazu die oben bereits erwähnte variantenreich vorgetragene Gitarrenarbeit. Ein augenzwinkernder Monolith, welcher immer wieder nach großen Momenten der Prog Schule sucht, um dort kurz zu verweilen,
bevor er weiter dem langsamen Fluss der Musik folgt.
Bei "Point Of View" wird es noch gitarrenlastiger und rockiger - hört nur einmal das Talent des Gitarristen im abschließenden Gitarren Solo des
Songs. Hier treffen wunderbare Seelen-Schmeichler-Melodien auf eine gepflegte Rock-Attitude.
In "Butterfly's Cry" liegt das Augenmerk dann verstärkt auf den druckvollen Keyboard-Passagen von Tarmo Simonen.
Das abschließende "Dawn", auch wieder mit mehr als 16 min ein Monster-Track, präsentiert sich dann sehr atmosphärisch und elegisch.
Dies ist äußerst kurzweilig, pendelt immer wieder von Retro auf leicht Modern, ohne sich anzubiedern. Alles klingt in der Entwicklung homogen, kompakt und organisch - KOMPLIMENT.
Und immer dann, wenn man den Einfluss klar zuordnen möchte, gelingt es den Finnen, dies mit eigener Komponierkunst und Klang aufzubrechen, so erreichen Sie eine sehr eigenständige Note, ohne
ihre Vorbilder zu leugnen.
Durch den durchaus dominanten Bass zusammengehalten, entwickelt sich der Sound - auf unauffälligem Schlagzeug aufbauend, welches jedoch absolut zwingend dazugehören muss, um die Komplexität des
Materials zusammenzuhalten.
Gitarre und Keyboards variieren ständig, sind stets präsent und dominieren den Sound, ohne zu unterdrücken.
Der Sänger flüstert und singt oft melancholische Spuren in dieses Erzählkino, bringt so manche Peter Gabriel'sche Flöten-Passage mit ins
Spiel.
Dazu gesellt sich eine Leichtigkeit in den Arrangements, eine leicht folkige Attitude, als wären stellenweise auch die Beatles Pate
gestanden.
Und dennoch ist dies alles sehr sorgfältig arrangiert, mit einer Leichtigkeit und einem Selbstverständnis, wie es bei der zweiten CD einer Band, wohl nur sehr selten vorkommt.
Ihr merkt schon, wie mitreißend dieses Album sein kann.
Man sollte trotzdem nicht vorschnell einen Klassiker erwarten - denn die Finnen gehen das Ganze so locker an, daß sich einem manches erst nach und nach als große Kunst zu erkennen gibt.
Aber dann hat man ihn wirklich am fernen Horizont sichtbar- den Semi-Klassiker, der dieses Album wirklich für Einen sein kann.
FAZIT
INNOVATION
DURCH ZUSAMMENWIRKEN VIELER RETRO PROG ELEMENTE IN DEN EIGENEN SOUND
EINE WUNDERTÜTE VOLLER ZITATE UND EIGENEM STEMPEL
LEICHTFÜSSIG UND ELEGANT
OVERHEAD im Netz
DARKEN TOM
