NILE, ALICE IN CHAINS, GHOST BRIGADE
ANNO
16 - März 2010
Die Mystik und das Dunkle hat uns Metaller ja schon immer begeistert,
meist einfach nur irgendwelche Bilder aufgenommen, nachgeplappert.
Verstanden davon haben wir eher wenig - wir sind ja ehrlich,
wollten nur unseren Spass und die Düsternis machte uns eher abstrakt an.
Der Was-Wäre-Wenn Gedanke scheint verlockend,
die Konsequenzen aus diesem Tun - nun, kann man später drüber nachdenken.
Und doch gab es auch immer ernsthaftere Gesellen,
da konnte man auch irgendwie die tiefere Verneigung vor den elementaren Dinge spüren.
Dies war schon anders, als der eigene Umgang mit dem Abgrund.
Von einer dieser Bands gibts neues Futter.
ERBARMUNGSLOS - GNADENLOS - VOLLER DUNKLER FARBEN ...
Nile - Those Whom The Gods Detest 2009
Tracklist
1. Kafir! 6,50
2. Hittite Dung Incantation 3,48
3. Utterances Of The Crawling Dead 5,09
4. Those Whom The Gods Detest 8,07
5. 4th Arra Of Dagon 8,40
6. Permitting The Noble Dead To Descend
To The Underworld 3,32
7. Yezd Desert Ghul Ritual In The Abandoned
Towers Of Silence 2,33
8. Kem Khefa Kheshef 6,18
9. The Eye Of Ra 5,00
10. Iskander D'hul Karnon 6,41
Gesamt-Spielzeit 56,33 min
WISSENSWERTES
Stil
Death Metal
Tendenzen
ULTRA-brutal, meist schnell mit fiesen Doublebass- und Blastspeedattacken,
selten schleppend, mit altem Celtic Frost Einschlag,
immer technisch auf allerhöchstem Niveau
Anspiel-Tipps
Für Kenner - 4th arra of dagon
Für Neugierige - Kem khefa kheshef oder Kafir!
Label
Nuclear Blast
Die Band
Karl Sanders Vocals, Gitarre
Dallas Toler-Wade Bass
George Kollias Drums
EINDRUCK
Meine Lieblinge des Derb-Stoffs sind wieder da.
Das Mantra zum Start der Scheibe "There is no god but god ..." lässt bereits erahnen ...
"Allah Akhbar".
Flugs ist die Schädeldecke aufgefräst - das konvulsivisch zuckende, schon leicht dunkelrote Tropfen blutende Gehirn freigelegt. Die Gesichtszüge aufs
hässlichste verzerrt schaue ich in die Fratze altsumerischer Priester - wohl wissend, Entkommen zwecklos. Eines der schnellsten Todes-Kommandos der Welt übernimmt die Macht über mich.
Brachialer, break-verliebter Death Metal der ultrabrutalen Sorte erwartet Euch. Ein haltloser Ritt durch die wohl anspruchsvollsten Technik-Welten des modernen (seltsamerweise auch kommerziell
erfolgreichen) DEATH. Immer wieder mit leicht orientalisch eingefärbten Gitarrenmelodien versehen.
Seit 1993 nun schon, zeigen uns die Jungs aus South Carolina, ihre Interpretation ägyptischer Schriften und Sagen, die wie immer sehr genau erarbeitet wurden.
Beispielhaft auch wieder die Sorgfalt im Booklet.
Nicht nur umfangreiche Liner-Notes zum Album erwarten den Hörer, sondern auch Erklärungen zu jedem Text - HERAUSRAGEND.
SANDERS - in jüngeren Jahren ...
Was KARL SANDERS hier dann musikalisch zelebriert, scheint kaum kopierbar - ultraschnelle Läufe, auf fetten Riffs - Soli, verquert und höchst anspruchsvoll.
Ich vermute mal, der Meister hat selbst einen Pakt mit den sumerischen Dunkelmächten, über die er singt geschlossen.
SINGEN ist halt auch Definitionssache - hier wird derbst gebrüllt, gekeift, aggressivst geshoutet und gegrowlt.
DALLAS TOLER-WADE ist kongenialer Partner von Sanders. Er ist für die abgrundtiefen Growls zuständig. Ansonsten auch als Fingerverknoter vor dem
Herrn.
GEORGE KOLLIAS schlägt alles nieder mit seinem Spiel, was noch irgendwie im zu zerstörenden Weg steht.
Ein normaler Mensch kann das nicht mehr sein.
CHRIS LOLLIS ist für den tiefen Unterbau der Songs zuständig. Der Bass dient hier als Gegenstück zur Gitarre - auch meist pfeilschnell in den Strukturen der Riffs
eingebettet.
Ansonsten, in den langsameren Parts nur als Zwilling der Gitarre - die absolut federführend ist.
Überhaupt wird hier geschreddert, gerifft, und verdroschen, als ob die in Schreck erstarrte Welt kein Morgen kennt. Eine musikalische Gewalt-Orgie, wie sie nicht oft zu vernehmen ist.
Der Erfolg liegt wohl in den "Zutaten", wenn sie diesmal auch etwas rarer gesetzt sind,
als in der Vergangenheit, was leider etwas zu Lasten der Nile typischen Atmosphäre geht.
Immer wieder werden die Technikabfahrten aufgebrochen durch Sprachsamples, Muezin-Rufe
- wie in der Eröffnungsnummer "Kafir!", ägyptischen Melodien und atmosphärischen Düsterparts.
Der Percussion Part zu Beginn des Instrumentals "Yezd Desert ...", in Verbindung mit Sprachfetzen und Gesang, dazu Hintergrundstimmen und akustischer
Instrumente.
Und der immer vorhandenen verrotetten Düsternis der Songs.
"Kem khefa kheshef" ist dann Gitarren-technisch fast schon straight ausgerichtet - für NILE Verhältnisse.
Mit "4th arra of dagon" und "Iskander d'hul karnon" finden sich auch zwei tendenziell schleppende Nummern auf dem Album,
was für die nötige Abwechslung sorgt.
Gerade erstgenannter Song ist für mich das Lehrbeispiel für die technischen und kompositorischen Fähigkeiten der Band.
Die Mystik, die von den Texten ausgeht ist unbestritten.
Wie schon immer, beschäftigen sich die Hobby-(eher Besessen-)Ägyptologen mit Begräbnisriten, Tod, sumerisch-ägyptischer Kultur der dunkleren Seite.
Dies übt schon eine gewisse Faszination aus - gerade, weil es nicht flach, sondern zutiefst kenntnisreich wirkt - und BEDROHLICH.
FAZIT
Nicht das beste Album der Band
- da sollte man meiner Meinung nach mit "in Their Darkenest Shrines" starten.
Und doch wieder ein Lehrbeispiel für TECHNISCHEN DEATH METAL - KOMPROMISSLOS
Darauf noch die ägyptischen Einflüsse - EINZIGARTIG
NUR FÜR GRENZ-GÄNGER, EXTREM-SUCHER UND DERBSTSTOFF-LIEBHABER
Webpage der Band
DARKEN TOM
ANNO
09 - März 2010
Weinerlich und zu emotional ausgerichtet,
er tötet die Musik, wie man sie bisher kannte - GRUNGE.
Was wurde nicht alles versucht, um eine aufkommende Stilrichtung,
Anfang der 90er Jahre zu verunglimpfen.
Die musikalische Welt stürtzte sich auf neue Helden,
die Normen innnerhalb der Rockmusik wurden neu erfunden.
Viele Bands der Bewegung blieben letztendlich auf der Strecke,
und die (nicht selbst gewählten) Helden, gaben oft selbst schon auf.
Manchmal tragisch, manchmal unwiederbringlich,
manchmal einfach am Leben und am Erfolg erstickt.
Eine dieser Geschichten soll hier erzählt werden ...
Alice In Chains
Black Gives Way To Blue 2009
Tracklist
1. All Secrets Known 4,42
2. Check My Brain 3,57
3. Last Of My Kind 5,52
4. Your Decision 4,43
5. A Looking In View 7,05
6. When The Sun Rose Again 4,00
7. Acid Bubble 6,55
8. Lessons Learned 4,16
9. Take Her Out 4,00
10. Private Hell 5,38
11. Black Gives Way To Blue 3,03
Gesamt-Spielzeit 54,11 min
WISSENSWERTES
Stil
Alternative Rock/Metal
Tendenzen
gaaanz leichte Grunge Einflüsse
Anspiel-Tipps
All secrets known, Your decision,
When the sun rose again, Check my brain,
Black give ways to blue
Label
Virgin/EMI
Die Band
William Duvall Gesang, Gitarre
Jerry Cantrell Gitarre, Gesang
Mike Inez Bass
Sean Kinney Drums
DAS SCHWERE ERBE
Ungemein kraftvolles, heavy Riffing - dies ist unweigerlich der Eindruck der haften bleibt.
Waren Alice In Chains nicht einmal Grunge? Oder doch nicht?
Eine Betrachtung:
Die Band gründete sich 1987 in Seattle und vollzog recht schnell eine Kurskorrektur ihrer Musik, die zu Beginn eher dem Glam / Hair Metal zugetan war.
In der Hochburg des Grunge beheimatet, kam durch den Einstieg von Layne Staley, eine Kraft in die Band, welche sie später zerstören sollte.
Zunächst wurde die Musik der Band immer schwerer, heavier und düsterer.
Man lehnte sich eher den schweren Riffs an, als den weinerlichen, psychedelischen Grunge Bands.
Die Stimme Staleys und seine depressiven Texte, welche sich oft mit seinem Innenleben beschäftigten sorgten dennoch für eine gewisse Nähe zum Grunge. Trotzdem waren sie eher Exoten auf dieser
Welle.
Nach dem Debut "Facelift" im Jahre 1990, einem Auftritt in Camerons Film "Singles" und
dem Folgealbum "Dirt" 1992, ist der Aufstieg der Band nicht aufzuhalten. Die E.P. aus dem Jahre 1994
"Jar Of Flies" strandet gar auf der Pole Position der amerikanischen Charts.
Doch zum ersten Mal kursieren auch die Gerüchte über die Drogenabhängigkeit des Sängers.
Konzerte sind selten und überhaupt erscheint die gesamte Band nicht so häufig in der Öffentlichkeit. 1995 erscheint jedoch das nächste Album "Alice In
Chains" und erreicht wiederum Platz 1 der Charts. Doch auch hier folgt keine Tour - die Gerüchte um Layne machen wieder die Runde.
Dem Manne sah man schon seine Dämonen-behaftete Aura an, um Ihn lag bereits ahnungsvoll der dunkle Schatten einer Bedrohung.
Doch es folgt eine umjubelte MTV-Unplugged Show 1996
und wenige weitere Shows.
Danach folgt ein Solo Projekte des Gitarristen, welches eigentlich von der Besetzung ganz Alice In Chains bedeutet - Ausnahme, der Sänger fehlt. 1999 dann noch einmal eine 4 Box CD mit alten
Songs und 2 neuen Stücken, wieder von Staley eingesungen. Doch ein neues Studio Album bleibt die Band schuldig - es bleibt ruhig.
Plötzlich jedoch macht die Meldung die Runde, dass der Leadsänger der Band Alice In Chains tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Wir schreiben den 20. April 2002, Layne Staley kommt durch einen
Cocktail aus Heroin und Kokain ums Leben
- er wurde 34 Jahre alt.
Die Band löst sich auf. Was blieb, war eine beeindruckende Klasse ihrer Musik, eine Eigenständigkeit - und Fassungslosigkeit.
Doch leider war der Weg ohne Wiederkehr des Sängers schon lange vorgezeichnet - wer sich tiefer informieren möchte findet hier einen kleinen Bericht.
Bei verschiedenen Benefiz-Veranstaltungen tritt die Band ab dem Jahr 2005 sporadisch wieder auf,
findet 2008 mit William Duvall schließlich auch wieder einen festen Sänger und beschließt ein neues Album aufzunehmen.
BLACK GIVES WAY TO BLUE erschien im September 2009
EINDRUCK
Schweres, heavy Riffing, fast an Endzeit Sirene erinnernd
- und dann die ersten Worte des neuen Sängers:
"Hope, a new beginning - Time, time to start living - Like just before we died
There's no going back - To the place we started from."
... wer Sie kannte bekommt unweigerlich Gänsehaut, ob der Verneigung vor der Vergangenheit und dem klaren Statement für die Zukunft. Und ja - Duvall ist nicht so weit von Staley entfernt.
Ebenso charismatisch, manchmal diese langgezogenen Silben und Betonungen der Worte
- die Erinnerung ist da. Da ist die Wut - aber vor allem das Gefühl,
welches die düsteren Songs erst so richtig erlebbar machen - intensiv ist es.
Und doch ist BGWTB überhaupt kein Abklatsch, nein - zu stark sind die Songs.
Gleich im erwähnten Opener fordert das Riffing - es fesselt, ist zäh, umschmeichelt einen plötzlich im Mittelteil mit eingestreuten leicht orientalisch angehauchten Melodien.
Doch der zweite Song "Check my brain" ist es dann, der unweigerlich an Großtaten denken lässt.
Leicht angeschrägtes, schweres, hypnotisches Riffing, dumpf-wummernder Bass,
trockene Schläge der Drums. Dazu ein griffiger, fast schon Ohrwurm-Refrain.
Die Band hat ihre Trademarks erwachsen werden lassen - die Songs sind mächtig dicht, fett arrangiert und produziert, üben Druck aus - ja, drücken Dich, ob ihrer Gitarren-Power schier in den Sitz.
Der Gesang erfolgt oft in feinen, zweistimmigen Arrangements - hier ist Cantrell der kongeniale Partner.
Bei "Last of my kind" folgt dann fast schon Mid-Tempo Stakkato-Riffing der Marke METALLICA, und ein feiner Soloteil am Ende.
"Your decision" ist dann die erste Ballade des Albums, eher fragil und verträumt, mit Akustik Gitarre
- sanften Strophen und melancholischem Refrain.
Danach folgt gleich mit "A looking in view" wieder die Urgewalt dunkler, drückender,
hypnotischer Riff-Akkorde - meine Güte, solch einen Gitarrensound hört man selten.
Dazu die zweistimmigen Gesangs-Arrangements - ein weiteres Highlight des Albums.
Hier, etwa in der Mitte des Albums, fällt die Klasse der Songs zunehmend ins Gewicht,
hier ist nichts halbgares untergebracht.
Cantrells Spiel weist eine Nähe zu Riffgott Tony Iommi (BLACK SABBATH / HEAVEN&HELL) auf,
die Gesangsharmonien winden sich durch diese Riff-Monster.
Die Songs sind eher von gedrosselter Geschwindigkeit, zäh, düster, tonnenschwer - mit diesem Druck, der hier entwickelt wird, muss manch einer erst einmal klarkommen. Dazu steuert das
Rhythmus-Duo diese betont schweren Grooves bei, die den Songs das unverwechselbare Fundament geben.
Zeit zum Erholen bietet danach das akustische, mit Percussion Spiel versehene
"When the sun rose again", bevor mit "Acid bubbles" ein SloMo-Monster aus den Boxen kriecht.
Urplötzlich folgt im Mittelteil ein leicht angezogenes Riffing, die Stimmung schlägt in einen
Mid-Tempo METALLICA Song um, nur um anschließend wieder fies in SloMo zu werden.
"Lesson learned" kommt im Kontext des Albums dann schon fast zügig daher, etwas euphorischer klingend, mit Alternative Rock Schlagseite und einem Refrain, der fast schon Hit-orientiert
ist.
"Take her out" bietet einmal mehr ein heavy Riffing und feinen zweistimmigen Gesang.
"Private hell" ist betont atmosphärisch, hat eine ganz feine Strophenführung,
ein klasse, relaxtes Gitarrensolo, welches zu schweben scheint.
Die Abschlussnummer, der Titeltrack bietet dann noch einmal eine Überraschung.
Sir ELTON JOHN himself unterstützte die Band im Studio mit seinem Pianospiel.
Ein ruhiges, melancholisches Stück zum Ausklang der Scheibe, welches an Layne Staley erinnern soll.
"Lay down, black gives way to blue - Lay down, I'll remember you"
Die bleischwarze Düsternis, welche Staley ausmachte und die ihn leider auch in seine eigene Katharsis führte ist wohl vorhanden. Das Depressive, die Schwermut - und doch funkeln ab und an
helle Lichtblicke durch den schweren Sound der Band.
Um noch einmal die Worte der Eröffnungsnummer zu zitieren
"Calm, all wounds are healing - Strong, truth is worth saying - I want to feel alive again"
Black Gives Way To Blue - erinnert und zeigt den weiteren Weg der Band,
gereift, wieder am Leben - unter der Oberfläche positiv gestimmt - den Blick nach Vorne gerichtet.
FAZIT
Schwermütig, melancholisch wirkende Melodiebögen
Ultradichtes, fettes Gitarren Riffing
Zweistimmige Gesangs Arrangements
Verpackt in eine extrem starke Gitarren Produktion,
wird hier ein erwachsenes Rock/Metal Album zelebriert.
Webpage der Band
DARKEN TOM
ANNO
21 - Februar 2010
Gott sei Dank - ENTSCHULDIGUNG - der Musik sei Dank,
gibt es sie noch - die Momente, wo einen die Töne wieder berühren.
Neu entfachte Leidenschaft, überraschende Bands, aus dem Nichts aufgetaucht.
Wo das Erbe der Tradition hochgehalten, aber neu verwebt wird.
Diese Band wurde erst 2005 gegründet,
und, O.K. - es ist schon das zweite Album - das erste "Guided By Fire" erschien 2007.
Doch schafft es dieses Werk, mich wieder einmal neu zu entflammen.
Für meine große Liebe - DIE MUSIK.
Folgt mir nach, in eine der schönsten Düsterscheiben der neuen Generation.
Ghost Brigade - Isolation Songs 2009
Tracklist
1. Suffocated 5,29
2. My Heart Is A Tomb 4,28
3. Into The Black Light 5,27
4. Lost In A Loop 5,03
5. 22:22 - Nihil 5,48
6. Architect Of New Beginnings 4,33
7. Birth 9,01
8. Concealed Revulsions 5,30
9. Secrets Of The Earth 5,04
10. A Storm Inside 6,21
11. Liar (Bonus) 4,00
Gesamt-Spielzeit 60,40 min
WISSENSWERTES
Stil
Melodischer Dark/Death Metal
Tendenzen
Progressive Schwermut und Macht von Opeth, Melodien der frühen Amorphis
Melancholie von Katatonia, die emotionale Wucht von Neurosis
prägnante Leadgitarre der Paradise Lost Hochphase
Anspiel-Tipps
Suffocated, Into the black light, 22:22, Birth
Label
Season of Mist
Die Band
Manne Ikonen Vocals
Tommi Kiviniemi Gitarre
Wille Naukkarinen Gitarre
Janne Julin Bass
Veli-Matti Suihkonen Drums
Aleksi Munter Keyboards
EINDRUCK
Ruhe umfängt uns, leise Akustik-Gitarren Harmonien - eine melancholische Weise am sehnsüchtig lauschenden Ohr.
Doch dann - Break, schwere Riffs, fordernder Rhythmus - eine kreischende, keifende Stimme durchschneidet das Band - wild und ungestüm.
Danach folgt eine feine Gitarrenharmonie, die den Refrain unterstützt - "Suffocated",
der Eröffnungshammer der Scheibe weist den Weg.
Im zweiten Song "My heart is a tomb", wird dann der Klargesang ausgepackt, Erinnerungen an OPETH werden wach.
Ein ruhiger Beginn, mit einer weiteren Akustik-Gitarren Einleitung, die melancholische Stimme erzählt von Schwermut, von Befreiung und dem eigenen Schicksal, welches es gilt zu meistern.
Verlasse Dich nicht auf Andere, lass Dich nicht fallen - hilf Dir selbst.
Überhaupt zeigt dieses Werk der jungen Finnen immer auch Auswege auf, erzählt vom Leben selbst - depressiv, aber mit den nötigen Sonnenstrahlen verbunden.
Bei einem der Highlights des Albums "Into the black light", dann eine große Portion KATATONIA.
Ruhige Strophen, schwermütig vorgetragen, fast kombiniert mit einer PORCUPINE TREE artigen Stimmung, dann aber wütende Ausbrüche, heftig bratende Gitarren, nur um nach 3,30
min urplötzlich auf ein neues Niveau gehoben zu werden.
Eine feine Lead-Gitarre spielt eine prägnante Melodie in den Gefühlsorkan des Liedes - gibt Halt, wirkt episch, führt Dich immer weiter zum Refrain ... zum Ende.
"From the shadows - Into the black light." - pure Emotion, unverfälscht und mitreissend.
Hier wird vieles verwoben, was gut und richtig ist.
Wir haben emotionale Momente, hauptsächlich dunkel gefärbt, melancholisch, wie Sie Bands wie Opeth groß gemacht haben. Dazu ein Melodien-Verständnis, meist durch die Leadgitarre ausgedrückt, wie
Sie bei Bands, wie der alten PARADISE LOST Schule, SENTENCED oder AMORPHIS angefunden wird.
UND die MACHT - verzerrte, schwere Riffs der härteren MelodicDeath Schule.
Es werden Cello, wie bei "Lost in a loop" eingesetzt. Dezente Keyboards unterstützten ab und an die Songs, um sie atmosphärischer werden zu lassen. Dies ist
doch recht vielschichtig geraten, meist tieftraurig, immer jedoch mit einer Spur Hoffnung versehen.
Interessant der Track "22:22 - Nihil", eine Instrumental-Nummer, die im Booklet seltsamerweise einen eigenen Text aufweist.
Es sind sehr persönliche, interpretierbare Gedanken des Sängers, die er hier niederschrieb.
Eine starke Nummer, die auch auf die extrem gut geratene Produktion hinweist - die Gitarren klingen einfach famos, fräsen sich unaufhaltsam durchs Kleinhirn.
Dann das nächste Highlight "Architect of new beginning", wieder diese führende Lead-Gitarre,
die sich durch den Song windet, episch-melodiös.
Zwingendes Songwriting, spannungsgeladen und mit mehreren Ebenen versehen.
Dann "Birth", das längste Stück des Albums.
Eine schwere Nummer, brachial - und wieder diese durchschimmernden Gitarrenharmonien.
Nach langsamen und ruhigem Beginn, wird an der Härteschraube gedreht, die Growls des Sängers erschaffen ein mächtiges, ungezähmtes Wesen.
Die Akustik-Breaks, der ruhige Mittelteil, der nur von wenigen Akustik Tönen und leisen Keyboard-Sounds untermalt wird, die sehnsüchtige Gitarrenmelodie und das ausufernde, melodische Finale des
Songs zeigen die Klasse der Band - so spannend kann ein Klang-Monolith sein.
Dieses Songwriting geht bei der Zielgruppe unweigerlich unter die Haut, fesselt und birgt eine phantastische, düstere Atmosphäre in sich. Viele ruhige Momente schaffen Kontrast, kontrapunktieren
die Kraft und die Macht der wuchtigen Eruptionen des Band-Sounds.
Zusammen mit der, scheinbar ureigenen, finnischen Melancholie erzählt dieses Album in unnachahmlicher Art von den Tiefen der Seele.
Gebündelt findet man all diese Trademarks noch einmal in der eigentlichen Abschluss-Nummer
"A storm inside" - wunderhübsch, ergreifend, zu Tränen rührend und doch voller tröstlicher Momente.
Diese Band wird groß - nein, sie ist es schon ...
FAZIT
Eines der stärksten Düster-Alben des Jahres 2009
Melancholisch - Hoffnungsvoll - Tieftraurig - Erhaben - Einfach Vielschichtig
Voll dunkler Schönheit ... ergreifender, vertonter Seelenschmerz
Webpage der Band
DARKEN TOM