MISERY SPEAKS, JOE BONAMASSA, HEART OF CYGNUS
ANNO
12 - August 2009
Münster - Du Stadt meiner Träume.
Schmelztiegel bedächtiger, erzkonservativer Leisetreter, sowie jungem, intellektuellem Studiervolk.
Eine Schippe Umweltschutz, etwas Hoch-Geistiges und fertig ist das Konstrukt.
Was hier alles momentan so sprießt !?!
LONG DISTANCE CALLING - fast instrumentale Ambient/Avantgarde/Post-Rock Vorreiter
NEAERA - Extrem Metal Wutklumpen
H-BLOXX - Live-Rock-Monster und jetzt das "MISERY SPEAKS".
Ich persönlich habe ja die Theorie, das viele Fahrradfahren und die damit verbundene Open Air Luft-Zufuhr, fördert ungemein den schöpferischen Geist,
wie sonst ist die Anzahl gutklassiger Bands in dieser Stadt zu erklären?
AUF GEHT'S ...
Misery Speaks - Disciples of Doom 2009
Tracklist
1. Out Of The Unknown ... 1:49
2. Burning Path 4:45
3. End up in Smoke 4:01
4. A Road Less Travelled 6:22
5. Disciples Of Doom 6:01
6. Obsessed 3:54
7. Misery Speaks bzw. Black Garden 8:16
8. Fragile 4:33
9. The Swarm 4:22
10. Into The Unknown 4:58
Gesamt-Spielzeit 49,09min.
Wissenswertes
Stil
Melodischer Death Metal
Tendenzen
+ Thrash und Rock’n’Roll, YEAH - BABY - YEAH !!!
Anspiel-Tipps
A road less travelled, End up in smoke, Misery Speaks, Into the unknown
Label
Sony Music/Drakkar
Die Band
Przemek Golomb Vocals
Florian Füntmann Gitarre
Stephan Gall Gitarre
Martin Grossmann Bass
Janosch Rathmer Drums
Eindruck
Jau – Spass inne Backen und ab.
Die Rock Sau prescht durchs beschauliche Münster.
Respekt, Jungs – hier beweist wieder einmal jemand eine gehörige Portion Mut. Gestartet als deutscher Ableger der Schweden Death Fraktion, hat man sich nach gerade einmal zwei Alben um eine Kurskorrektur bemüht. Die Zeit dazu war ideal, da man sowieso einen neuen Sänger einarbeiten musste.
Und mit Przemek Golomb hat man einen Mann in Reihen, der das Growl Element genauso beherrscht, wie die angerauhte Attitude eines Thrash Sängers. Dazu kommt eine Veränderung im instrumentalen Bereich.
So öffnet man sich auf dem Album verstärkt dem Flair solcher Bands,
wie Down (Südstaaten Dreck und Flair), Entombed (der Roll’igkeit ihrer Mittelphase),
sowie den Harmonien solcher Bands wie COC (Doom).
Trotzdem bleibt der Unterbau Melo Death, mit einer Prise Thrash.
Aber die Kombination dieser Einflüsse macht tierischen Spass. Es ist dynamisch, manchmal richtig eingängig – aber immer mit dem nötigen Punch.
Überhaupt bauen die Gitarren einen enormen Druck auf und die Produktion tut ihres dazu.
Produziert hat das Ganze übrigens Jonas Kjellgren (u.a. Scar Symmetry), der Sound ist schön fett und organisch geworden, aber es wurde nicht überproduziert.
Diese Kombination ist gigantisch. Das ist mehr als spannend und ungemein originell.
Mit "Black Garden“,(der komischerweise bei mir in der Playlist als Misery Speaks angezeigt wird),
gibt es einen Longtrack, der geschickt Vergangenheit (Death) und Zukunft ? (Stoner Rock-Sludge) verbindet.
"The Burning Path" und "End Up In Smoke" machen einfach nur gute Laune.
"Disciples Of Doom" ist dann Titel-gerecht eher slow and deep.
Bei "The Swarm“ wird erst einmal, nach kurzem Vorspiel, mit garstigem Blast-Speed und abwechselnd schnellem, als auch gebremsten Riffing eröffnet.
Und gekrönt wird das Ganze durch solch einen Über-Song, wie „A Road Less Travelled“, der verhalten beginnt, um dann im wuchtigem Midtempo vor sich hin zu stampfen, bevor etwas Gas gegeben wird, nur um in einen mächtig erhabenen Part überzuleiten. Danach folgt immer wieder ein dynamisches Wechsel-Spiel zwischen atmosphärischen Parts und Power-Groove - RESPEKT.
FAZIT
Ich habe in letzter Zeit selten eine Hartmetaller-Scheibe gehört, die so einen Drive hat, grooved wie Sau, Spass macht und gute Laune verbreitet – dat Teil ROCKT !
Außerdem wächst es mit jedem Durchgang, ist abwechslungsreich und dynamisch.
Die Leidenschaft der Beteiligten ist in jedem Song zu spüren – darf man die Scheibe eigentlich gefühlvoll nennen? Die eigene Identität in greifbarer Nähe, wenn nicht sogar schon gefunden.
Treibende Mörder Grooves treffen auf Dreck-Rock-Vibes
Hochexplosiv und trotzdem Party-kompatibel.
DARKEN TOM
ANNO
28 - MAI 2009
Die Sonne brennt unbarmherzig hernieder, der feine Staub, der in der Luft liegt,
setzt sich in jeder Pore ab, dringt in Nase und Mund, legt sich auf die Lunge.
Im Flirren der Hitze erkenne ich die heruntergekommene Tankstelle nur ungenau,
abgewrackte Zapfsäulen ragen wie Mahnfinger einer langen vergangenen Zeit in den
wolkenlosen, auf mich niederstrahlenden Himmel.
Durst - ist alles, was mich bewegt, jetzt einen Whiskey, dafür würde ich töten.
Aus dem kleinen Gebäude, am Rande der plattgewaltzten ebenen Fläche,
dringt leise Musik an mein Ohr.
Je näher ich komme, umso lauter werden die Songs,
die ein unbekannter Künstler seinem Publikum zum Besten gibt.
Lasst uns nähertreten ...
Joe Bonamassa - Had To Cry Today 2004
Tracklist
1. Never make your move too soon 4,06
2. Travellin' south 3,51
3. Junction 61 0,49
4. Reconsider baby 6,52
5. Around the bend 5,11
6. Revenge of the 10 Gallon hat 2,54
7. When she dances 4,54
8. Had to cry today 6,50
9. The river 5,30
10. When the sun goes down 2,45
11. Faux Mantini 2,27
Gesamt-Spielzeit 46,02 min
WISSENSWERTES
Stil
Blues Rock
Tendenzen
Wuchtiger Blues mit Einflüssen von Country, mit Mundharmonika und Hammond Orgel
Anspiel-Tipps
The River, Had To Cry Today, Reconsider Baby
Label
Mascot Rec (rough trade)
Die Band
Joe Bonamassa Guitars, Lead Vocals
Eric Czar Bass
Kenny Krame Drums, Percussion
Benny Harrison Hammond B-3
Jon Paris Harmonica
Eindruck
Knackige Gitarrenriffs, treibende Drums, pumpender Bass und eine kräftige, rauhe und reibende Blues-Stimme. Das hier ist BLUES-ROCK in
Reinkultur.
Omnipräsente Gitarren - mächtige Blues Chords im Power Stil, Slide-Gitarren, lange Solo-Kabinettstückchen von der starken, druckvollen Produktion perfekt in Szene gesetzt.
Die pfeilschnellen Anschläge von Bonamassa werden mit gefühlvollen Leads und zeitlosen Sounds angereichert. Äußerst präzise ist sein Spiel.
Joe Bonamassa wurde schon mit 4 Jahren auf die Musik eines STEVIE RAY VAUGHN aufmerksam und dies ist auch ein guter Vergleich. Der erst 32
jährige Amerikaner, in Utica - Staat New York geboren, transportiert die Songs sehr druckvoll, baut immer wieder neue Varianten in sein Spiel ein.
Hier nun also sein 4. Studio-Album.
Ist "Travellin' South" fast schon eine vertonte Zugfahrt durch den heißen Süden, im Stile einer Band wie ZZ
TOP zu Blues Zeiten, angereichert mit Rock-a-billy Einflüssen, werden auch Country Elemente verarbeitet, wie in der Instrumental-Nummer "Revenge Of The
10 Gallon Hat".
So manchmal lugt gar ein JIMI HENDRIX hinterm Whiskey-Fass hervor.
Bei "Reconsider Baby" wird man sachte an Glanz-Zeiten eines GARY MOORE erinnert, Zeiten, die wohl bei Gary
leider vorbei zu sein scheinen. Weinende, leidende Gitarren, die dann Ausdruck der Seele sind.
Werden jedoch balladeske Töne angeschlagen, wie in "When She Dances", kann man sich relaxt, zurückgelehnt den Tagträumereien hingeben. Ruhige, äußert gefühlvolle
Gitarrenharmonien und seine schmachtende, einfühlsame Stimme tragen diesen Song. Im Gegenlicht des warmen Abends kann man quasi die Frau sehen, sich langsam im lauen Wind drehend, der seine
Liebes-Erklärung gilt.
Bei der Nummer "Had To Cry Today" - einem Cover einer Steve Winwood Nummer wird wieder Druck aufgebaut. Erstaunlich, wie variantenreich sein Spiel ist, er schafft
es aus der Nummer einen eigenen Blues-Rocker Bonamassa'scher Prägung zu machen.
Überhaupt ist selbst die Rhythmus-Arbeit auf dieser Scheibe oft nicht von simplen Riffs geprägt, sondern bietet komplexe Läufe an, auf denen dann mächtig soliert wird - ein absoluter Genuss für jeden
Liebhaber von Gitarrenmusik!
Ein weiteres Highlight ist "The River" - schon das Intro des Stückes - eine kleine akustische Einleitung, offenbart eine Verneigung vor den alten Helden, wie
JOHN LEE HOOKER.
Doch dann kommt wieder die mächtige weltklasse Slide-Guitar des Meisters zum Einsatz, verbunden mit prägendem Harmonica Einsatz. Dieser Midtempo-Stampfer gehört einfach gehört - you
Blues Brothers out there!
So verbindet Joe Bonamassa alle diese Einflüsse zu einem eigenen Sound, welcher auf Grund seines Talentes absolut abwechslungsreich ist. Dazu gesellen sich mit punktgenauem Spiel - Kenny
Krame, der durch geschickt eingestreute Breaks im Schlagzeug-Spiel, enorm viel zur Abwechslung beiträgt.
Eric Czar wuchtet mit seinem Bass sämtliche Soundlücken zu, pumpt warme Läufe in den Sound und die Hammond Orgel Sounds von Benny Harrison sorgen für angenehme,
weiche Momente im ansonsten mächtig drückenden, rockenden Sound.
FAZIT
Eine leidenschaftliche Scheibe - Für Gitarren Freaks Pflicht
Für alle anderen Musik Liebhaber zumindest ein Muss!
Diese Gitarren drücken - bluesen - rocken - aber vor allem erzählen sie Geschichten.
Somit eine der besten Blues Rock Scheiben der letzten Jahre.
Urwüchsig und unkommerziell - so wie es sein soll.
Joe Bonamassa im Netz
DARKEN TOM
ANNO
29 - APRIL 2009
Die Macht des Schicksals, oder das Schicksal selbst in die Hände nehmen ?
Wer entscheidet über den richtigen Weg, wenn nicht wir selbst.
Mut, Entschlossenheit - vielleicht auch eine Vision, treiben uns voran.
Hohe Berge - Tiefe Täler - Untiefen, nein - sie schrecken UNS nicht ab.
SEID IHR DABEI ...
Heart Of Cygnus - Over Mountain, Under Hill 2009
Tracklist
1. Over Mountain 6:06
2. Under Hill 6:04
3. Black Riders 4:16
4. The King And His Steed 3:21
5. Lost At Sea 8:25
6. Erik 3:36
7. Blue Planet 3:54
8. The Mountain King 9:02
9. Revelations 6:55
Gesamtlaufzeit 51:39
Hier erst mal ein "Fettes Danke Schön" an die Jungs, die es uns erlaubten einen Ihrer Songs
- und wie ich finde, den Besten - hier einzustellen.
Hi Jeff - Hi Jim,
Heavy Thanxx for letting us use this incredible song !
May always be the Power with you - haha
Wissenswertes
Einordnung
Hard Rock / Progressive Rock / NWOBHM
Tendenzen
ältere Rush, Iron Maiden Gitarren-Harmonien
Anspiel - Tipps
Lost at sea, The mountain king, Black riders, Revelations
Label
Eigenproduktion
Die Band
Jeff Lane - Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards
Jim Nahikian - Drums
Eindruck
Die Farben haben sich verändert.
War das Debut "Utopia" (zur Besprechung) - ein Konzeptalbum im Stile von Orwell's 1984
- ein bläulich-silbern schimmerndes, die Zukunft behandelndes, fein geführtes Storyboard, mit Samples und Zwischenspielen. Ein 30 Minuten dauernder Longtrack, unterteilt in verschiedene Abschnitte
(+ 2 weitere alleinstehende Longtracks).
So haben wir es diesmal mit einem erdig bräunlich-grünen Werk zu tun, einem Album mit einzelnen, eigenständigen Songs, die alle für sich stehen (Ausnahme das Eröffnungs-Doppel), voller Fantasy und Abenteuer Elementen und eher in einer Welt des Bodenständigen angesiedelt.
Willkommen zurück , Jungs.
Jeff und Jim nehmen uns ein weiters Mal mit in Ihre Welt.
Und wieder ist es eine Eigenproduktion, wurde im Alleingang komponiert und eingespielt - mit bemerkenswertem Sound. Weder glatt, noch kalt, nicht steril - sondern etwas roh belassen, natürlich und differenziert. Gerade im Gesangs-Bereich kann man die Verbesserungen deutlich erkennen.
Es sind zwar an allen Ecken und Kanten die Einflüsse eines Geddy Lee (Rush) zu erkennen
- und doch klingt Jeff inzwischen eigenständig, selbstsicherer als auf dem Vorgänger, direkter
- wie er überhaupt die hohen Screams eines Geddy Lee nicht anwendet.
Für ein Debut Album hast Du ewig Zeit, für den Nachfolger nicht mehr.
So dauerte es gerade mal ein knappes Jahr bis HoC ihr Zweitwerk stemmten. Und diese kurze Zeit war wohl sehr fruchtbar.
Das Album geht weiter als Utopia - die straighteren Stücke, wie "Black Riders" (klasse Gitarren Solo) oder das stampfende "Erik" betonen noch stärker das hart rockende Element.
Mit "Blue Planet" steht eine Nummer mit starkem AOR Einschlag auf dem Silberling.
"Over Mountain" und "Under Hill" sind noch vertrackter als gewohnt, sehr progressiv, mit langer Instrumental-Passage - KLASSE
Und die beiden anbetungswürdigen Longtracks "Lost at sea" und "The Mountain King" sind epischer und verspielter als auf dem Debut.
Die Instrumental-Nummer "The King And His Steel" rundet zusammen mit der Iron Maiden Coverversion "Revelations" das Werk ab.
Und doch ist das Album sperriger, möchte erarbeitet werden - und das ist gut so. Nach mehrmaligem Anhören erkennt man dann die ganze Klasse der Kompositionen. Hier wird eine nahezu perfekte Symbiose von Hard Rock und Metal zelebriert und zwar mit einer Leichtigkeit, die nicht zu begreifen ist. Meistens wirkt es so leichtfüssig, dass man die wahnsinnige Leistung, die hier geboten wird, gar nicht bemerkt. Es wirkt sehr dynamisch, bietet Dramatik und epische Strukturen.
Als Beispiel mag der bis dato beste Song der Band "Lost at Sea" dienen.
Eine kleine akustische Gitarrenweise, unterlegt mit den ersten Textfragmenten eröffnet, doch dann der Break, und ein famoses Riffing treibt den Song an, immer wieder mit phantastischen Leads aufgelockert, immer neue Gitarrenspuren, epische Höhen, doppelläufige Harmonien, langer Instrumentalpart, der in bester Iron Maiden Manier kumuliert - das ist aussergewöhnlich, das ist grandios.
Dann wird der Song balladesk, wehmütig, die nächsten Melodien für die Ewigkeit werden eingestreut, und zwar locker aus dem Handgelenk. Das Ganze wird durch den traurigen, wehmütigen Text unterstützt, nur um am Schluß wieder beim akustischen Anfangsthema auszuklingen.
Eine irre, abwechslungsreiche Achterbahnfahrt voller grandioser Momente, mit wahrlich großer Gesangs- und Spiel-Leistung.
Und dann "The Mountain King" - große Momente der Musik sucht man oft vergebens, hier gibt es sie zu Hauff. Ein durchweg ruhiger Song mit Gänsehaut-Melodien, wieder diese Doppel-Leadgitarre - ergreifend, berührend, spirituell.
Dies ist souverän und selbstbewusst, so selbstbewusst das man sich als Abschluss-Nummer an "Revelations" von Iron Maiden versucht.
Dicht am Original gehalten wird hier eine meiner Lieblings-Nummern dargeboten.
Interessant, wie hier der latente Rush Einfluss in Jeffs Stimme mit den Maiden Harmonien verflochten wird. Ich bin beeindruckt.
Beeindruckt von dieser Hommage an die Band, Ausdruck von Verbundenheit und Liebe zur Musik.
Von der musikalischen Reife der Beiden - dem Selbstverständnis der Leistung und dem Können.
Hier blitzt an allen Ecken immer wieder musikalisches Genie durch - glaubt es und verbreitet das Wort
- "Over The Mountain, Under The Hill".
FAZIT
EIN ALBUM, WELCHES MIT JEDEM WEITEREN DURCHGANG MEHR OFFENBART,
IMMER STÄRKER WÄCHST UND DICH BELOHNT.
ABWECHSLUNGSREICH - EPISCH - ROCKIG - EINZIGARTIG
und auf MySpace
P.S.: Sollten die richtigen Musiker gefunden werden, wird man sich wohl schnell ergänzen. 2010 wird man auf dem KEEP IT TRUE Festival spielen - Infos zum Festival hier,
bis dahin sollten die weiteren Musiker gefunden sein.
DARKEN TOM