KATATONIA, COUNT RAVEN, RIVERSIDE

ANNO

14 - Februar 2010

 

Die amerikanisierte Welt versucht uns wieder einmal den "Tag der Verliebten" nahe zu bringen.

Der kommerzialisierte Traum der ultrafiesen Dollar-Augen-Comic-Figuren,

überrollt zunehmend auch die letzten Bastionen des Wiederstands.

 

Ein bischen (un-)echter Herzschmerz, viel Schmalz und noch mehr Kitsch

- echte, tiefgehende Gefühle FEHLANZEIGE !

 

Zum Glück habt Ihr UNS.

Denn das es auch anders geht - hier der untrügliche Beweis.

 

Pures, reines, sphärisches Strahlen,

inmitten einer Welt voller Düsternis - das ECHTE LEBEN sozusagen.

 

Lasst Euch führen - hinab, in die Tiefe der menschlichen Seele.

Wo Seelenpein und Schmerz noch Ausdruck des Selbst sind ...

 

WOLLT IHR ES WIRKLICH WAGEN ...

 

 

Katatonia - Night Is The New Day 2009

Tracklist
1. Forsaker  4,04
2. The Longest Year  4,38
3. Idle Blood  4,21
4. Onward Into Battle  3,50
5. Liberation  4,16
6. The Promise Of Deceit  4,16
7. Nephilim  4,25
8. New Night  4,26
9. Inheritance  4,28
10. Day And Then The Shade  4,27
11. Departer  5,27
Gesamt-Spielzeit   48,33 min

WISSENSWERTES

Stil
Düster / Dark Metal

Tendenzen
mit progressiven Einschüben
Opeth, Anathema

Anspiel-Tipps
Idle blood, Onward into battle, Liberation, Departer

Label
Peaceville Records

Die Band
Jonas Renkse         Vocals
Anders Nyström     Guitar
Fredrik Norrmann   Guitar
Mattias Norrmann   Bass
Daniel Liljekvist      Drums
Frank Default         Session Keyboards
Krister Linder         Gesang bei "Departer"

EINDRUCK
KATATONIE, die Krankheit, nach der sich die Band benannt hat,

wird u.a. mit "Anspannung - von Kopf bis Fuss" bezeichnet.
Abgesehen von der unschönen Tatsache, dass diese Krankheit durchaus tödlich enden kann, trifft die Umschreibung ziemlich genau den gegenwärtigen Zustand der musikalischen Ausrichtung der Band.
Mit allen Sinnen, fordernd, vielschichtig, sich kaum davon lösen können, Wiederhall im gesamten Körper auslösend - auch dies ist das neue Album.

Die Schweden, nun im 18. Jahr ihres Bestehens, und mit dem 8. Studioalbum am Start, hatten die schwere Aufgabe ein nahezu perfektes Album des Dark/Düster Metals - "The Great Cold Distance" von 2006 zu toppen, bzw. diesem Album zumindest etwas gleichwertiges entgegenzustellen.

Wie ist es nun geworden?

Sie bleiben sich und ihrem entwickelten Sound treu - und doch ist es anders. Wie das geht fragt Ihr?

Nun - zuerst kann man feststellen, dass sich die Band ihrem Wechselspiel von ruhigen, melancholischen, schwermütigen, akustischen oder zumindest ruhigen Melodiebögen, in Verbindung mit aus diesem langsamen Strom ausbrechenden Gitarren Eruptionen treu geblieben ist.
Sie setzen wieder mal auf ihre tiefergehende, kaum von anderen Bands erreichte Atmosphäre, die einerseits zum Träumen einladen kann, manchmal auch schwer lastend auf einem zu liegen vermag.
Renkse singt so einfühlsam, so elegisch, so betrübt, so behutsam, wie kaum ein Sänger ähnlicher Stilrichtung - und er wird immer besser. Seine schwermütigen Texte scheinen ein ums andere Mal auf den Kompositionen zu schweben, werden mit viel Hall in Szene gesetzt.

Die Gitarrenfraktion nimmt wieder eine weitere tragende Rolle im Gesamtsound ein - ruhige, melodische Passagen, hauchen den Songs unendliche Schönheit ein, nur um wenige Takte später, brachial-krachende Wutausbrüche hinein zu zementieren, undurchdringlichen Mauern gleich, dunklen Bergen gleich - möglicherweise sogar massiver produziert als bisher, wenn auch die Scheibe insgesamt ruhiger wirkt. Manchmal gar in OPETH Manier werden so den Songs überaus wuchtige Momente mitgegeben, harsche Riffs.

Dies, zusammen mit einer klaren, transparenten Weltklasse-Produktion, schafft schon eine mächtig komplexe Atmosphäre. Und doch sind die Melodien wieder einmal eine Klasse für sich, strahlend-schöne Momente, denen doch immer diese Band-typische Schwermut und Melancholie innewohnt.

Doch die stilistische Änderung im Sound, ein verstärkter Einsatz von Keyboards; flächigen, unaufdringlichen, weiten Klangteppichen, bringt noch eine weitere, subtilere Atmosphäre in die Songs.
Vielschichtiger geht es kaum noch - schon so braucht man durchaus mehrere Durchläufe, um die ganze Schönheit der Songs zu begreifen.
DANN ABER ... dann aber, geht dieses Album unweigerlich in ein Gesamtkunstwerk über, einer dieser wenigen Alben, die einen (siehe unsere Einleitung) komplett vereinnahmen, uns ihr Wesen aufdrücken.

Schon der Opener "Forsaker" schafft nach den ersten wuchtigen Gitarren Eruptionen, den Spagat zwischen wunderbaren Melodien des Sängers (bereits nach 20 Sek. !), sowie angenehmer Härte - natürlich darf auch eine schon fast schwebende Solo-Gitarren-Melodie nicht fehlen.

So etwas nennt man wohl REIFE. Dieser Song erinnert auch am ehesten noch an den Vorgänger.

Natürlich kommen auch wieder Streicher-Einlagen im Sound vor,

so wie zu Beginn der zweiten Nummer "The longest year" beispielsweise.
Dann getragenes Midtempo, starker Chorus, atmosphärischer Part mit elektronischen Spielereien, wieder bratende Gitarren, wuchtige Drums, die langgezogenen Worte von Renkse,
fast schon orientalische Zwischenmelodie, und wieder zum Abschluß der zwingende Chorus

- Songwriting der Düsterschiene par exellence - Willkommen in der Welt von KATATONIA.

"Idle blood" dann mit einem Füllhorn von Melodiebögen, sehnsuchtsvollem Gesang, breiten Keyboardflächen, fast schon Percussion-artiger Rhythmik - ein Song, der so weit wirkt,
schwebende Hoffnung, urplötzlich akustische Zwischentöne offeriert, sehr zurückgenommen wird, nur noch getragen von der im Hintergrund laufenden Stimme Renskes und einer ganz subtilen Melodie

- langsam klingt der Song aus.

Dies alles scheint zerbrechlich, offenbart jedoch gleichzeitig auch eine immense Kraft.
Dieses Element des Verloren-Seins, diese Depression, diese Schwere, all dies ist immer noch Trademark der Band, was allmählich jedoch klar wird, ist die Tatsache das die Band die vorherrschende Kälte, welches das letzte Album auszeichnete, gewandelt hat.
Diese, mit Keyboardspuren aufgewerteten Songs, lassen einen plötzlich auch ein Form von Wärme spüren, berühren dadurch möglicherweise noch stärker als in der Vergangenheit.

Der Refrain von "Onward into battle" ist einfach Weltklasse, der ganze Song fast komplett ruhig,

mit einem Overkill an guten Melodien und Harmonien, die jedoch durch das komplexe Schlagzeug nie überladen wirken.

Würde Schwermut einen neuen Titel brauchen, hieße er fortan "Nephilim" im Sprachgebrauch von KATATONIA. Ein Doom Song mit gespenstischer Atmosphäre.
"Inheritance" bringt dann ein organisch eingespieltes Cello in den Sound ein

- Leere und Verzweiflung werden hörbar.
Bei dem treibenden Stück "Day and then the shade" zeigen Katatonia noch einmal einen Refrain der Extraklasse, ganz melodische Strophen, akzentuiertes Spiel im Wechsel mit ruhigen, atmosphärischen Momenten und härter werdenden Gitarren, samt wuchtigem Bass/Schlagzeug Spiel.

Danach folgt noch mit "Departer" der zerbrechlichste Moment des Albums.
KRISTER LINDER als Gastsänger haucht diesem Song geradezu besinnlich-nachdenkliche Töne ein.

Ein Album, welches so passend für die dunkle Jahreszeit, so emotional in die Tiefe zu führen vermag,

gibt es ganz selten. Ganz und gar unkitschige Gefühlswelt der Extraklasse.


Erfreulich ernst in Anspruch und Sound, angenehm unverkrampft in Songwriting und Durchführung.
 
FAZIT
Melancholie - Schwermut - Depression - Finsternis
Eingängig-dynamisch und spannungsgeladen-melodiös
Ruhiger und wärmer, aber auch massiver in den Gitarren

In so ein Album musst Du Dich einfach fallen lassen

unterm Kopfhörer - Augen geschlossen, denn dann kannst Du die ganze Tiefe spüren

die dunklen Schatten vor Deinem Fenster - aber auch die zarte Hoffnung.


SUCHTGEFAHR


Webpage der Band  

                                                                                                                                                                                                                                               DARKEN TOM

 

 

ANNO

10 - Februar 2010

 

Mit liebgewonnenen Dingen gehe ich meist sehr zaghaft um,

möchte ich doch nicht den ihnen innewohnenden Reiz zerstören.

 

Zu schnell, zu oft, zu intensiv;

mindert allmählich doch nur die seelische Nahrung - auf lange Sicht.

 

Schon als Kind, mussten wir lernen,

dass das Warten auf etwas - kaum auszuhalten, aber auch sooo spannend sein kann.

 

Falls nach langer Zeit, dann die Belohnung gefällt,

nun - umso aufgeregter und zufriedener der Geduldige.

 

Doch nach 13 Jahren ! - Ein anderer Zustand kommt ins Spiel.

Das VERGESSEN ... also erinnern wir uns.

 

SEID IHR BEREIT ...

 

 

 

Count Raven - Mammons War 2009

Tracklist
1. The Poltergeist  4,30
2. Scream  5,06
3. Nashira  5,11
4. The Entity  7,02
5. Mammons War  5,46
6. A Lifetime  10,47
7. To Kill a Child  8,22
8. To Love, Wherever You Are  3,17
9. Magic Is ...  4,22
10. Seven Days  8,50
11. Increasing Deserts  5,04
Gesamt-Spielzeit  68,10 min

WISSENSWERTES

Stil
SloMo Doom Metal

Tendenzen
Black Sabbath, ruhige elegische Candlemass,

atmosphärische Key-Space Elemente

Anspiel-Tipps
A Lifetime, Mammons war, To kill a child, Increasing deserts

Label
I Hate Records

Die Band
Dan Fondelius     Guitar, Vocals
Jens Bock           Drums
Fredrik Jansson   Bass

EINDRUCK
Satte, einfache Riffs - eine Stimme, die an alte, selige Black Sabbath (mit Ozzy) Zeiten erinnert,

doomige Erhabenheit und trotzdem dynamisches Spiel.


"The Poltergeist" - der erste Song des Albums, bringt das Spiel der Band schon direkt auf den Punkt.

Es ist von Melodien geprägt - gleichzeitig jedoch von wuchtigen Gitarren Riffs und natürlich von der Stimme des Masterminds - DAN FONDELIUS.

Die Band aus Schweden gründete sich bereits 1989, hatte in den ersten Jahren 3 absolute Ausnahme-Alben der Szene geschenkt: "Storm Warning" - 1990, "Destruction Of The Void" - 1992 und "High On Infinity" - 1993. Sie besaßen damals schon Kultstatus - der kometenhafte Aufstieg innerhalb der kleinen, aber feinen Doom Metal Szene schien in ungeahnte Höhen zu führen.
Doch 1997 kam relativ unerwartet die Auflösung der Band (nachdem es 1996 zu einem nicht mehr ganz so starken, aber immer noch gutklassigen Album, "Messiah Of Confusion" kam) - die Musiker kamen untereinander nicht mehr klar, Dan warf der restlichen Besetzung mangelnde Einstellung vor.

Der Mantel des Vergessens senkte sich unaufhaltsam auf das Andenken der Band.

Doch im Jahre des Herrn 2005 kam urplötzlich die Reunion, einige aufregende Konzerte folgten

- der Rabe flog wieder ...


... und machte erneut eine herbe Bruchlandung. Alte Streitigkeiten brachen wieder auf, die Band zerfiel, das angekündigte Comeback-Album rückte in weite Fernen.
Doch diesmal ließ sich Dan "Fodde" Fondelius nicht mehr beirren.
Nach einem Plattenfirmen-Wechsel und dem Rekrutieren einer neuen Besatzung, machte die Ankündigung die Runde, dass nun also endlich die lang ersehnte Scheibe in Angriff genommen wird.

Und hier isse ... "MAMMONS WAR"

Schon das, dieser Musik hervorragend angepasste, Cover zeigt ein wenig die Richtung.
Ein Feld aus Schädeln, zwischen denen Banknoten liegen - eine Ruine im Rücken, wandert eine Frau (Engel ?) über diesen Weg des Todes, verharrt und legt eine Rose nieder - rechts sehen wir einen Mann (Gott ?), der ein Kind auf den Armen hält - Willkommen in der Welt der Schwermut ...

Es geht um die Vergötterung und die Allmacht des Geldes - um die, die stets verlieren,

niemals eine Chance haben - die Armen der Gesellschaft.
Mahnend, aber nicht aufdringlich werden die Texte gestaltet. Und die Musik dominiert eine schwermütige Atmosphäre, innerhalb eines traditionellen Doom Metals.
Dazu dürfen auch gerne einmal Keyboardflächen ausgebreitet werden.


Das Titelstück beispielsweise basiert einzig auf solchen Keyboard-Sounds, überraschend und sehr eindringlich und doch urtypisch Count Raven.

"Everyone started to do the dance - around the golden calf in trance
  - they have to hurry and hurry fast - cos they all know they will never last."

Doch danach folgt das, was einzigartig, was alleinstehend, was den Zauber dieser Band ausmacht.


"A Lifetime" -  für mich der Übersong dieses Albums, einer jener Songs, die ein Gesamtwerk hervorheben, es zu etwas Besonderem machen.
Ein ruhiges Doom Stück mit Pathos, nach durchaus wuchtigem, zähem Lava-Beginn, danach mit absolut zwingenden Melodiebögen, doch nach 4,30 min ereilt die, die noch richtig zuhören können,

unweigerlich die Gesamt-Körper-Gänsehaut.
Ein aus dem Song heraus geborenes, vollkommenes Gitarren-Solo, einfache Noten - wenige Noten,

aber es atmet - ES ATMET.
Lebendig perlt es durch den wabernden Raum, den die Band mit ihrem Spiel heraufbeschworen,

füllt diesen mit einem Zauber jenseits unserer alltäglichen Welt.
Eine schier unglaubliche Magie geht davon aus und beweist wieder nur mal eines

- die beste Technik des Gitarristen nützt rein gar nichts, wenn er das Feeling nicht beherrscht.

Überhaupt ist dies wohl der Unterschied zu "nur" guten Doom Bands - ein Feeling, fast ohne Vergleich, welches da aus der Gitarre spricht.
Zusammen mit dieser Stimme, die an die besten Tage von Ozzy zu Black Sabbath Zeiten erinnert,

wird ein Klangkosmos der besonderen Art erschaffen.
Helfend zur Seite steht eine wirklich warme, doch drückende Produktion, die einerseits das Schlagzeug trocken erscheinen lässt, es aber gleichzeitig schafft, der Gitarre und den ab und zu unterstützenden Keyboards, die Kraft und Wärme zu geben, die den Sound des Albums ausmachen.

Es gibt die getragenen Songs, es gibt das Zermalmende, es gibt Akustik-Breaks, es gibt SloMo Riffs in Reinform, es gibt bedrohliche Momente - und oft all dies in einem einzigen Song.
Ein Gesamtkunstwerk - ein Ausdruck der alltäglichen Verzweiflung, die Schwermut - die Melancholie,

aber auch die Hoffnung - die Erlösung.

Dazu recht interessante, emotional tief gehende Texte - z.B. die Gedanken eines Vaters, zum Umgang der Gesellschaft mit seinem autistischen Kind - "To kill a child".
Sehr finster, sehr heftig und betroffen machend - Dan hat selbst ein autistisches Kind.

Bei "Magic is ..." wird dann die Geschwindigkeit etwas angezogen, ein härterer Rocker im Doom Gewand und klasse Wah-Wah Lead-Gitarre am Ende.
Die vorletzte Komposition "Seven days" wurde von Basser Fredrik alleine komponiert

- das Novum der Scheibe, sehr zäh und dunkel, bevor am Ende Gitarre und Tempo angezogen wird.

Den Abschluss bildet dann das zweite Keyboard Atmosphärenstück "Increasing deserts",
welches mit einem Gastbeitrag von Peter Norlinder an der Trompete aufwartet

- ungewöhnlich, spacig, warm, mit der Stimme des Herrn versetzt und Dan lebt den Song.

"Here you are after all your travelling - and have you found your way ?

  ... You say there  is no tomorrow - I urge you to be brave

  - I beg you, love each other - turn night into day.
  Although increasing deserts - decrease all your land

  - you are only losing - unless you take my hand."

Wer würde sie ihm schon verweigern - eine urchristliche Botschaft zum Ende des Albums - ein sanftes Wellenrauschen beschließt ein ganz wunderbares, überwältigendes Album.

FAZIT
Massiv - Schwer - und doch dynamisch
Atmosphäre - Mystik - und dabei sehr erhaben
Groovende SloMotion Riffs in Verbindung mit feinen Melodien


Ein Schatz des Untergrunds - ein Grund sich zur Lehre des Dooms zu bekennen
Wie eine dunkle Lava Höhle bei Nacht,

durch die immer wieder das Strahlen einer heiligen Präsenz dringt.


Einzigartig - Magisch - COUNT RAVEN.


Webpage der Band

                                                                                                     DARKEN TOM

 

  ANNO

09 - Dezember 2009

 

DAS LEBEN IST EIN LANGER RUHIGER FLUSS ...

... und lange hat es auch gedauert bis sich die Band RIVERSIDE

von ihrem selbst auferzwungenen Konzept lösen konnte.

 

Waren doch Anspruch und Konzept zur Last geworden.

Über 3 Alben hinweg dominierte eher der Verstand und weniger die Emotion.

 

Hochklassige Alben waren es trotzdem - der Beginn sogar ein Klassiker,

und doch verlor man auf dem Weg etwas die Orientierung.

 

Nun - losgelöst von allen Zwängen, dominiert wieder diese einzigartige Atmosphäre,

wie sie nur die Band RIVERSIDE hinbekommt.

 

Definitiv - eines meiner ALBEN DES JAHRES !

 

 

 

 

Riverside - Anno Domini High Definition 2009



Tracklist
1. Hyperactive 5,47
2. Driven To Destruction 7,06
3. Egoist Hedonist 8,57
4. Left Out 10,59
5. Hybrid Times 11,55
Gesamt-Spielzeit   44,44 min

WISSENSWERTES

Stil
ProgMetal, ProgRock

Tendenzen
New ArtRock, Retro Prog, Anathema, Opeth,
70er Deep Purple (im Hammond Orgel Spiel)

Anspiel-Tipps
Egoist hedonist, Left out, Hybrid times

Label
Inside Out

Die Band
Marius Duda           Gesang, Bass, Akkustik Gitarre
Piotr Grudzinski      Gitarre
Michael Lapaj         Keyboards, Hammond Orgel
Piotr Kozieradzki     Schlagzeug


EINDRUCK
Eine Piano-Melodie eröffnet das Album mit leicht melancholischem Flair, ein sich wiederholender Lauf auf den Tasten und wenigen Akkorden dazu, dann wummert der Bass los und die Drums beginnen Fahrt aufzunehmen, geben Form - Gitarren Riffs in Opeth Manier, schwer verzerrt UND Hammond Orgel im Hintergrund.
"Hyperactive" - eine eher härtere Nummer im Riverside-Backkatalog, entsprechend der Aussage dieses Songs, nimmt gleich mächtig Fahrt auf - ist temporeich und hart rockend.

ANNO DOMMINI HIGH DEFINITION
- kurz ADHD bezeichnet auch im Englischen die Krankheit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom oder halt Attention-Deficit Hyperactivity Disorder).
Es geht um die Hektik unserer Zeit, um die beständige Angst nicht mehr up-to-date zu sein, um Schnelllebigkeit, den rasenden Fortschritt.

"It's just an another day of my life ..." singt Marius Duda ins Mikro - wie selbstverständlich werden Riff-betonte Songfragmente vor uns ausgebreitet, bevor mit einem Break wieder alles auf Anfang gedreht wird.

Der Bass ist grandios - die Produktion sowieso - bereits hier herrscht ein Ideen-Reichtum vor, den andere Bands nicht ansatzweise erreichen und doch ist es erst der Beginn einer phantastischen Reise in die Weiten des ProgMetal - jawoll, RIVERSIDE sind härter geworden.

Erinnern, ob der Stimme immer wieder an härtere Tracks der Neuzeit solcher Bands,

wie PORCUPINE TREE, ANATHEMA oder eben OPETH.
Und doch verbinden sie neue Härte mit reichlich RetroProg Charme, wie eben die Hammond Orgel,

die ein ums andere Mal an Bands wie DEEP PURPLE erinnert. Sie setzt den warmen Kontrast zu der distanzierten Riffgewalt, die eher technischer Natur - distanziert und kühl wirkt.

Das nun 4-te Album der 4 Jungs aus Warschau, mit 44,44 min Länge und aus 4 Worten im Titel bestehend (allerdings 5 Songs, hier stimmt etwas nicht - das sollte den Jungs mal jemand erklären ), markiert also einen Neubeginn.
Die drei vorherigen Album folgten einem Konzept, waren miteinander unweigerlich verwoben.
Nun befreit von diesen "Fesseln", wird wesentlich lockerer komponiert, als noch auf dem etwas angespannt wirkenden Vorgänger.

Das Tempo wird etwas angezogen - die zweite Nummer pulsiert und der Mittelteil

in "Driven to destruction" erinnert mit seinen Bassläufen und einigen zeitlos gespielten Gitarrenläufen an MARILLION, bevor wieder eine Porcupine Tree-artige Melancholie Einzug hält.
Dazu kommt gegen Ende eine Art Voice-Box zum Einsatz - detail-verliebte Sounds für Liebhaber.

Doch nun fängt das Album einen erst richtig ein.
Kopf zurücklegen - Augen zu - "Egoist hedonist" erstrahlt. Der Song beginnt mit komplexen,

Bauch-streichelnden Bassspuren und dem phantastischen Schlagzeug-Spiel von Piotr.
Im Hintergrund wabern sphärische Keyboard-Sounds mit leisen Space-Synthie-Einschüben

- sehr harmonisch und angenehm.

"Once in the middle of the crowd - I stopped ..."

Auch wir befinden uns nun in der Mitte des Albums - Zeit innezuhalten. Deep Purple Hammond Orgel Spiel - Atmosphäre, sehr melodisch - harmonisch. Der heimliche Hit der Scheibe ertönt hier - dann rhythmisches Zwischenspiel - kräftige Gitarren-Riffs, und urplötzlich ertönt ein Bläsersatz !


Diese abwechslungsreiche Komposition pendelt immer wieder zwischen diesen eher ruhigen Parts, die mit diesen sphärischen Keyboard-Flächen ausgekleidet werden und härteren Keyboard-Sounds, im Mittelteil dann urplötzlich ein Harfen-ähnliches Zwischenspiel und wieder härtere Gitarren, dann ein feines Solo mit verschiedenen Gitarren-Sounds und wieder diesen bei Riverside scheinbar immer latent vorhandenen orientalischen Melodieführungen - alleine dieser Song lohnt die Anschaffung.

Trotz diesen vielen kompositorischen Feinheiten wirkt das Album straff und nicht ausufernd. Es entwickelt eine enorme Kraft - und die röhrende Hammond Orgel im Sound der Band ist geradezu grandios.

"Left out" - der erste Longtrack über 10 min., ein Melodien Monster, immer wieder werden neue Harmonien ins Ohr gepustet, Wiederstand zwecklos.
Die Hammond Orgel röhrt wieder - ruhige Flächen verschaffen etwas Entspannung, bevor knackige Riffs weiterführen - spätestens hier ist der wahnsinnige Sog des Albums nicht mehr zu leugnen.
Die Stimme von Duda variiert, singt kräftig, haucht auf Porcupine Tree Niveau, nimmt sich zurück.
So variantenreich das Spiel der Band (wohl immer noch eine der versiertesten Rhythmus-Fraktionen der aktuellen Prog Welt), so ausdrucksstark der Sänger.

Wenn dann zum Abschluss "Hybrid times" mit einer schnellen Piano-Melodie und ruhiger Stimme erklingt, die erste Strophe aber dann in dem Ausbruch der Hammond Orgel und kräftigen Riffs eskaliert, Duda dazu die Worte

"OBSESSION - OBSESSION - OBSESSION"
  herauspresst,

dann wird noch einmal klar, wie stark dieses Album wirklich ist.
Der Song führt sehr kraftvoll zum Ende der Scheibe, bringt so manche Instrumentalpassage mit,

rifft komplex vor sich hin, der Bass knallt, die Drums sind einmal mehr sehr anspruchsvoll,
Duda schreit und singt -  und doch kommen dann wieder diese elegischen, verträumten Gitarren Spuren zum Genießen.

Überhaupt bleibt festzuhalten, dass es trotz dieser sehr energischen, kraftvollen Songs immer wieder Momente voller Magie im Sound gibt, wo Melodien voller Sehnsucht aus den Gitarren Harmonien herauszuhören sind.

Die Special Edition überrascht zudem noch mit einem Konzert aus Amsterdam, vom 10. Dez. 2008,

40 Minuten lang kann man der Band hier beim Musizieren zusehen, und das in ausgezeichneter Bild- und Tonqualität - spätestens hier in BILD UND TON sollte man die absolute Klasse der Band erkennen.


FAZIT
Verzerrte aggressive Gitarren, röhrende Hammond Orgel,

komplexe Rhythmik, variabler Gesang,
alles sehr druck-, anspruchs- und gehaltvoll,

wundervolle Melodie-Bögen gepaart mit "neuer" Prog-Härte.


Dazu immer wieder entspannte Momente und ruhige, atmosphärische Passagen,
kompositorische Tiefe findet wieder zu arrangierter Leichtigkeit.


Eines der ganz großen Alben in der Prog Welt des Jahres 2009 (und darüber hinaus)


KOMPAKT - DYNAMISCH - KRAFTVOLL


Webseite der Band   

                                                                                                                            DARKEN TOM