JOE BONAMASSA, DREDG, MAGELLAN ...
ANNO
11 - Oktober 2009
Es gibt Menschen, die sind mir auf Anhieb sympatisch.
Sie haben etwas, was mir gefällt -
sei es Ausdruck, Ausstrahlung oder einfach nur dieses gewisse Etwas.
Solche, die sich die Lorbeeren hart erarbeiten müssen, haben meinen tiefsten Respekt.
Denen, die sich der Maschinerie bis auf einen gewissen Grad verweigern, zolle ich Tribut.
Joe ist so einer - dazu noch gesegnet mit einem Talent, wie man es nur sehr selten zu sehen bekommt, eine Mischung aus Auserwählter und Working Man.
Ihm möchte ich eine Review widmen ...
Joe Bonamassa
- The Ballad Of John Henry 2009
Tracklist
1. The ballad of John Henry 6,27
2. Stop! 6,48
3. Last Kiss 7,15
4. Jockey full of bourbon 5,22
5. Story of a quarryman 5,00
6. Lonesome road blues 3,09
7. Happier times 6,40
8. Feelin' good 4,44
9. Funkier than a mosquito's tweeter 5,00
10. The great flood 7,39
11. From the valley 2,24
12. As the crow flies 3,59
Gesamt-Spielzeit 64,23 min
WISSENSWERTES
Stil
Blues Rock
Tendenzen
Einflüsse eines frühen Gary Moore, Led Zeppelin, Rory Gallagher und noch viel mehr alter Blues Helden, und doch durch Produktion nicht knochentrocken, sondern modern
Anspiel-Tipps
The ballad of John Henry, Happier times, The great flood,
Label
Mascot
Die Band
Joe Bonamassa Gitarre, Gesang
Carmine Rojas Bass
Bogie Bowles Drums (unterstützt von Anton Fig)
Rick Melick Keyboards
Blondie Chaplin Rhythmusgitarre
David Woodford Saxophon
Lee Thornburg Arrangements, weitere Blasinstrumente
EINDRUCK
Eine kurze, fast metallische Impression einer Gitarre, bevor der Blues Rhythmus des Titelstücks einen ereilt - ein Banjo ertönt, ein kurzer Streichersatz, verquerte Rhythmik eines LED ZEPPELIN, erdig - wuchtig - mächtig.
Der Sound drückt (produziert hat wieder Kevin Shirley, u.a. Aerosmith, Led Zeppelin)- das Stück stampft - ungemein kraftvoll, immer wieder
aufgebrochen von den reduzierten Banjo-Teilen oder der LED ZEPPELIN-artigen Rhythmik. Ein Slide-Guitar-Solo auf wuchtigen Schlagzeugschlägen, Südstaaten-Flair.
"Take this hammer carry it to the Captain , Tell him i'm goin' home
- Take this hammer carry it to the Captain , Tell him why i'm gone"
John Henry war ein farbiger Bergbauarbeiter, der im ausgehenden 19. Jahrhundert lebte.
Im Angesicht der industriellen Revolution, trat er "bewaffnet" mit Schaufel und Pickel, im Wettstreit gegen eine "neuartige" Bergbaumaschine an. Er gewann
! Und fiel anschließend tot um. Tragik, aber auch kraftvolles Aufbegehren - so kann man auch den Grundtenor dieser CD beschreiben.
Die ultimative Geschichte vom WORKING CLASS HERO
Bonamassa erklärt im Booklet selbst die Situation, in der er sich zum Zeitpunkt der Entwicklung dieser CD befand. Einerseits hatte er "... die beste Zeit seines Lebens ... " - diese Songs stehen
am Anfang der CD. Andererseits befand er sich in einem absoluten Tiefpunkt, zweifelte, zerstörte Gitarren im Studio, war deprimiert - diese Songs setzte er ans Ende der CD.
Und doch überwiegt bei weitem das musikalische Licht auf dieser Scheibe - die Wunderwelt des emotionalen Spiels von JOE BONAMASSA
Die Songs selbst sind wieder eine Ansammlung eigener Songs, aber auch wieder Interpretationen von Fremdkompositionen.
"Stop!" - der zweite Song, ist ein solcher (ehemals von SAM BROWN interpretiert), eine Ballade.
Hier wird die Weiterentwicklung seines Sounds vorangetrieben - wir hören Bläsersätze in Verbindung mit seinem einfühlsamen Spiel - ergreifend.
Überhaupt schafft es das Duo Bonamassa und Shirley weiter zu gehen, als jemals zuvor. Bonamassa singt besser, als auf sämtlichen vorangegangenen Alben - und dies ist schon sein 7-tes Werk !
Er variiert ständig sein Spiel - singt rauh und kraftvoll, dann wieder sanft und emotional - ungemein wandlungsfähig.
Bei "Jockey full of Bourbon", einer TOM WAITS Nummer, werden sehr geschickt die alte jazzige Atmosphäre
des Stücks, mit dem Blues Rock Stil Bonamassas gekreuzt, inclusive verschiedener Hintergrundinstrumente.
Man hört Banjo, Harmonica, Westernklavier - der staubige Saloon ersteht vor meinem inneren Auge - TOM WAITS und JOE BONAMASSA sich gegenseitig stützend, die halbleer getrunkene Flasche Bourbon
zwischen sich, die Augen wild rollend 'gen den imaginären Himmel blickend.
Man muss sich wirklich daran erinnern, dass der Junge gerade einmal 32 Jahre alt ist - Wunderkind - Shootingstar - Ausnahme-Könner. Und doch hat er bereits mit 12 Jahren als Support für
B.B. KING gespielt - eine außergewöhnliche Karriere und somit jetzt schon sein 20-jähriges Bühnen-Jubiläum (hier mehr davon: seine DVD aus der Royal Albert Hall).
Dann folgt mit "The story of the quarryman" der nächste Song voller Power.
Druckvolle Riffs mit gewaltigem Punch, schweißtreibend.
"Das Album soll für die hart arbeitenden Leute sein - IHNEN will ich ein Denkmal setzen"
so der New Yorker.
Interessant hier auch zu erwähnen, dass sich JOE bisher immer noch den Major-Labels verweigert und lieber auf kleineren Labels veröffentlicht - das spricht wohl für sich.
Dann die Songwriting-Perle des Albums "Happier times" - wir sind in der blauen Stunde angekommen.
Langsamer Beginn, sphärischer Keyboardteppich - ein hypnotischer Rhythmus, der sich durch den gesamten Song zieht. Seine sanfte Stimmung erzählt von dunklen Gefühlen - aufgewühlten, schmerzenden
Momenten. Der Song weist immer wieder kleinere Soloeinlagen auf, welche Sounds dieser Gitarrenarbeit innewohnt - es ist weit, erklingt aus dunklem Zimmer, klagend, zutiefst emotional -
schmerzlich. Ab und an wird der Song kurzzeitig dynamischer, nur um wieder zurückzufallen - in diese hypnotische, lähmende Stimmung - irgendwie trägt dieser Song für mich viel
von den besten DIRE STRAITS / PINK FLOYD Momenten in sich.
Zweifellos einer der herausragendsten Momente dieser großartigen CD.
Dann erklingt "Feelin' good", ein Song, der durch die Interpretation von MICHAEL BUBLE berühmt wurde.
Eher langsam und halbakkustisch angesetzt, erklingt doch im Mittelteil wieder eines dieser herrlichen Slide Guitar Solos.
Dann bei "Funkier than a mosquito's tweeter" ein abartig guter Bläsersatz, unterlegt mit mächtig hallender Gitarre - der funkige Wahnsinn.
TOWER OF POWER oder stärkste BLUES BROTHER Songs im Blick, freue ich mich immer wieder
wenn dieser abgrundtiefe Ton des Saxophons die Gläser im Schrank tanzen lässt.
Der nächste ganz große Song folgt mit "The great flood" - schwermütige Orgelklänge, träge dahinfließende Noten - zu Boden ziehende Klänge voller
Schmerz.
Es geht um die Aussprache mit einer Jugendliebe - das gebrochene Herz - die Enttäuschung - Depression. Bereits der erste Soloteil der Gitarre birst geradezu vor emotionalem Spiel, doch beim
zweiten Ansatz - diesmal beim Wechselspiel mit Saxophon, wird die Ausnahmestellung und die Klasse dieser Komposition mehr als greifbar. Dieser Song berührt - in der richtigen Stimmung ist er
geradezu allmächtig - mit Glockenklängen klingt er aus.
Als Erholung gibt es mit "From the valley" eine kleine, nur mit einer Gitarre gespielte, Akkustik-Instrumentalnummer, bevor noch ein rockiger Blueser das
Album stilvoll beschließt.
Ich habe selten eine so abwechslungsreiche, dabei aber zutiefst runde Scheibe gehört. Und durch die klasse Produktion kann man das Album auch herrlich laut hören ( ... aber denkt an meine
Warnung: DIE GLÄSER ... ).
Wer auch nur in Ansätzen etwas mit Blues am Hut hat, MUSS hier zugreifen - ALLE anderen lassen sich bitte von der kleinen Kritik hier überzeugen.
FAZIT
Es ist weitaus weniger traditionell, als die modernisierte Fortführung eines Genres,
welchem scheinbar stets das Etikett "Vorsicht Antiquiert" anhing.
Wahnsinnig abwechslungsreich und reif - virtuos, aber nicht selbstverliebt.
Technisch auf allerhöchstem Niveau und doch äußerst gefühlvoll.
Beseelte Allegorie auf das Leben - auf die Arbeit - und auf die Menschen dazwischen.
Eine Blues Rock Offenbarung.
Joe Bonamassa im Netz
DARKEN TOM
ANNO
16 - September 2009
Den Blick stets nach Vorne gerichtet ...
... zu entdecken die Wunder abseits des Weges.
Das Funkeln im Verborgenen suchend ...
... aufzuzeigen welche Wunder uns erwarten könnten.
Kaum eine andere Band versteht es so gekonnt
in verschiedensten Stilen zu wildern, zu transportieren, zu Eigen zu machen.
DREDG sind zurück - MAGIER des Wohlklangs,
ERBAUER der Komplexität, DENKER der Andersartigkeit.
Willkommen in IHRER Welt ...
Dredg - The Pariah, The Parrot,
The Delusion 2009
Tracklist
1. Pariah 4,08
2. Drunk Slide 1,28
3. Ireland 3,42
4. Stamp Of Origin - Pessimistic 0,50
5. Lightswitch 3,31
6. Gathering Pebbles 4,59
7. Information 5,45
8. Stamp Of Origin - Ocean Meets Bay 0,31
9. Saviour 3,57
10. R U OK? 2,12
11. I Don't Know 3,45
12. Mourning This Morning 5,42
13. Stamp Of Origin - Take A Look Around 0,59
14. Long Days And Vague Clues 1,53
15. Cartoon Showroom 4,19
16. Quotes 6,05
17. Down To The Cellar 3,41
18. Stamp Of The Origin - Horizon 2,21
Gesamt-Spielzeit 59,34 min
WISSENSWERTES
Stil
Alternative / ProgRock / ArtPop / ArtRock
Tendenzen
Indie Pop
Anspiel-Tipps
Pariah, Information, Quotes
Label
Ohlone/Universal
Die Band
Gavin Hayes Gesang, Gitarre
Mark Engles Gitarre
Drew Roulette Bass
Dino Campanella Drums
EINDRUCK
Im sonnigen Los Gatos, Kalifornien wird diese Band 1993 gegründet.
Die Jungs lernten sich an der Highschool kennen, waren heiß darauf gemeinsam Musik zu machen
und stellten erst einmal fest - Wir wollen etwas Neues bieten.
Schon die Namensfindung - dredg (von to dredge) bedeutet soviel wie baggern, im Sinne von etwas ausbaggern - man wollte tiefschürfender sein als die anderen Bands.
Nach diversen Demo Aufnahmen und noch bevor ihr erster Longplayer "Leitmotif" 1998 erscheint, wird die Band von einer Stadtzeitung in Los Gatos
bereits zur "Rockband of the year" gekürt.
2001 wird dieses Debüt dann auch in Deutschland auf den Markt geworfen -
Live hatte man sich inzwischen schon einen herausragenden Ruf erspielt.
Nach "El Cielo" - dem Prog Monolithen der Band im Jahre 2002 und "Catch Without Arms" dem eher Pop-orientierten Werk von 2005, kam nun also nach 4 Jahren der lang ersehnte Nachfolger in die Läden.
Dredg mögen den Rummel nicht, geben spärlich Interviews, Photo Termine sind IHNEN ein Graus.
Getreu dem Motto "WIR SIND ANDERS", werden wieder einmal verschiedenste musikalische Welten miteinander verwoben.
Hypnotische Strukturen im Rhythmusbereich, wie man sie von solchen Bands, wie Tool kennt, treffen auf sphärische oder psychedelische Soundscapes a la Pink
Floyd.
Pop oder ArtPop Melodien treffen auf progressive Rock Spielereien.
GRENZENLOS und VIELFÄLTIG ist das musikalische Universum dieser Band.
Ruhige Momente, wie sie Bands wie MUSE spielen, treffen auf einen fast schon zerbrechlich wirkenden Gesang, der Gefühle zu transportieren vermag.
Und wenn Gavin Hayes in manchen Songs seine Melodien klar und hoch angesetzt in den leeren Raum hinaushaucht, die Töne lange hält, findet man sogar Querverweise zu solch einer Band, wie
A-HA.
Und so bleiben sie wieder einmal unberechenbar - öffnen erneut eine Wundertüte voller Songperlen, atmosphärische Zwischenparts und unverschämt poppiger Rockmusik - gleichzeitig mit mancher
ModernMetal Rhythmik, aber auch ruhigen Soundwelten zum absoluten Wohlfühl-Feeling.
Warm und tröstend ist diese Musik- voller Farben und Bilder.
Eines noch vorweg - je öfter ihr diesem Album eine Chance gebt, umso stärker wird Eure Beziehung zu dem Klangwunder DREDG.
Bereits der Opener zeigt die Songwriter-Klasse der Band.
"Pariah" eröffnet mit einem Kinderchor, der eine irgendwie strange Melodie darbietet, spärliche Keyboard Anschläge übernehmen, zusammen mit schweren Riffs, bevor diese reduzierte Klangwelt sich plötzlich öffnet, ganz weit wird und mit sanften, sphärischen, warmen Sounds der erste Götter-Refrain ausgepackt wird.
Dann dieser geradezu unverschämt gute Song "Information" zum Beispiel. Gesegnet mit einem Refrain, welche so schnell nicht mehr von Einem lässt. Und getragen
von einer kleinen Tonfolge, die erst von Piano und später von Gitarrentönen getragen wird, ein einfacher immer wiederkehrender Rhythmus, Sprechgesang, abwechslungsreiches Bass-Spiel, dann aber wieder
nur auf Gesang stützend, bevor ein Whoo-Whoo-Whoo Gesangsteil wieder zum Refrain führt. Einfache, großartige, abwechslungsreiche Kompositions-Kunst.
Und so erkennt man oft erst in der immer wiederkehrenden Session unterm Kopfhörer (bei diesem Album zwingend empfohlen), die Vielschichtigkeit und das Besondere dieser Scheibe.
Immer wieder werden begangene Pfade in den Songs schlagartig verlassen, hier ertönt plötzlich funkiger Groove, dort werden Streicher ins Soundbild eingepasst, Weltklasse Refrains treffen auf
Chartuntaugliche Epik.
Ein Sound-Wohl-Schauer jagt den anderen, vorsicht - erhöhter SUCHT FAKTOR.
Wenn Erinnerungen an "BESTE" U2 Zeiten heraufbeschworen werden, wie in "Cartoon Showroom" - einer absoluten Weltklasse-Ballade, Gesangsharmonien auf Dich einwirken, die Bono nie besser gesungen hat, und doch die Musik spannender und komplexer ist, dann wird klar, was diese Band ausmacht.
Ein Song der Marke "Quotes" etwa schwebt leichtfüssig auf weichen Sounds daher, bevor er plötzlich das Tempo verliert, kurz innehält, atmet und plötzlich in einen
Refrain mündet, den so nicht viel Bands hinbekommen - ein innerlicher Farbenrausch erschlägt mich, dann aber wird er urplötzlich zur komplexen Instrumental-Session mit mächtig Atmosphäre, bevor
er wieder in diese genialen Harmonien mündet, um sich am Ende noch einmal mächtig groovend neu erfindet - AUSSERGEWÖHNLICH !
Und so kann man hier mit jedem neuen Durchlauf wieder und immer wieder auf Entdeckungsreise gehen, neue Facetten für sich erschließen, sich den freien Kompositionen der Band aufs Neue nähern.
Oder wenn bei "Down To The Cellar" ein an TWIN PEAKS erinnerndes Bass-Spiel erklingt, bevor mit Gitarre und warmen Keyboard-Sounds ein Instrumental Song zum Ende hin überleitet.
Dies ist hohe Kompositionskunst - Anspruch, Tiefe und "Die Leichtigkeit des Musikstück-Seins" gehen hier ganz selbstverständlich Hand in
Hand.
Dieses Album gibt den Weg nicht vor, sondern überrascht von vorne bis hinten.
DER TIPP für aufgeschlossene Musik-Liebhaber, für all jene, die das Aussergewöhnliche suchen.
Es ist unglaublich, wie dieses Album wirken kann, ein Ohren- und Seelenschmeichler in nahezu Vollendung.
Dreht Eure Anlage 'gen 10, reißt Eure Fenster auf, schreit Euer Leid und Euren Schmerz in die Welt hinaus, gewährt den überschäumenden Emotionen Zugang und ergebt Euch dem Funkeln dieser Scheibe, aber seid gewarnt, dieses Album könnte Euch innerlich zerreissen, gerade wenn gegen Ende der Scheibe gar kein Verschnaufen mehr möglich ist.
FAZIT
Ein eingängiges Album voller Komplexität - ein Rockalbum voller Sanftheit.
Absolut facettenreich, phantastisch - fordernd und entspannend zugleich.
Atmosphärisch dicht, aber unkonventionell
- stilistisch scheinbar ohne Anker, und doch fließend und leicht.
Kompositionen, welche Träumen gleich, schwebend an Dir vorüberziehen.
Einer der besten und schillerndsten Bands der modernen Musiklandschaft
- scheinbar GRENZENLOS kreativ.
DARKEN TOM
ANNO
12 - August 2009
Pathos - breite Sounds - vielleicht sogar etwas schwülstig.
Wer hiermit nichts anfangen kann, braucht eigentlich nicht weiter zu lesen.
Denn die Gardner Brüder standen immer schon für "Amerikanisierten Sound".
Dieses Süßliche in den Gesangs-Harmonien, diese melodischen Sounds,
elektronische Spielereien und Produktions-Gimmicks.
Trotzdem hatten Sie immer sehr interessante Songs, oft lange Epen, manchmal zu verspielt und frickelig,
zu viele Ideen manchmal in nur einem Song.
Warum Sie diesmal ein ureigenes Werk schufen und trotzdem ganz anders klingen - lest selbst ...
Magellan - Innocent God 2007
Tracklist
1. Invisible Bright Man 6.19
2. My Warrior 6.52
3. Innocent God 9.21
4. Found 6.55
5. Who To Believe 5.13
6. Sea Of Details (Instr.) 6.01
7. Slow Burn 4.42
Gesamtlaufzeit 45:23 min
Wissenswertes
Stil
Progressiv Rock
Tendenzen
eine Prise AOR,
eine Prise Kansas Eingängigkeit
Label
Muse Wrapped Records
(Eigen-Label und Eigen-Vertrieb)
Anspiel-Tipps
My Warrior, Innocent God, Found, Slow Burn
Die Band
Trent Gardner Vocals, Keyboards
Wayne Gardner Bass
Robert Berry All Instruments
Eindruck
Ich gebe zu - ICH HABE EINE SCHWÄCHE FÜR DIESE BAND.
Hochbegabte Instrumentalisten - oft längere Stücke mit Wendungen und feinen Nuancen des Prog.
Ich finde sie immer hochmelodisch, interessant komplex, trotzdem eingängig, aber nie zu soft.
Im Gegenteil, die ersten Alben (1991 erschien das Debut, inzwischen sind wir bei Album Nummer 7),
waren eher verschachtelte Prog-Gourmet Happen, mal mehr - mal weniger verfrickelt.
Immer sehr anspruchsvoll angelegt, gipfelte dies in dem 2002er Album "Hundred Year Flood",
in dem Mastermind Trent Gardner über den Tod seines Bruders in Vietnam schreibt; alleine der Titeltrack bringt es auf über 34 Minuten.
Trent Gardner, immerhin auch bei Exxplorer's Club tätig, war u.a. mit James LaBrie (Dream Theater), Tony Levin (King Crimson), als auch Steve Walsh (Kansas) am Musizieren - fungiert als Taktgeber.
Bei jedem Album sind mehrstimmigen Gesangsteile zu finden. Schöne Arrangements, meist getragene Stimme - melodisch, die Töne lang haltend - so entsteht oft eine gewisse Art von feierlicher Stimmung.
Er hat wirklich nicht die beste Stimme, klingt immer etwas gepresst - aber er ist unverwechselbar und geradezu Garant für den ureigenen "Magellan-Sound".
Bei diesem Album nun wurden Veränderungen vorgenommen. Die Band aus Kalifornien hat sich aus ihrem Plattenvertrag gelöst und produziert und vertreibt dieses Album selbst.
Wayne Gardner (Trent's Bruder) bedient den Bass, oft eher zurückhaltend, den Song als solchen nur stützend, doch ab und zu wird er auch mal von der Leine gelassen.
Und Robert Berry, als Multi-Instrumentalist und musikalisches Genie, bedient sämtliche Instrumente,
die zusätzlich so gebraucht werden.
Und auch die Musik wurde "entschlackt", stärker auf den Punkt gebracht, wirkt fast durchgängig straight. Wo früher noch eine Idee auf die nächste getürmt wurde, wird heute der Song einfacher gehalten
- aber, halt - wir sprechen von Magellan, d.h. immer noch sind genügend Produktions-Gimmicks, Gesangsharmonien, Gitarrenparts vorhanden, um den Song locker aus dem Einheitsbrei der "normalen" Rockmusik herauszuheben.
ABER - die Songs wirken straffer und klarer, sind eher dem Melodic Rock (mit teilweise AOR Einflüssen),
als dem komplexen ProgMetal der frühen Tage zuzuordnen.
Sie klingen "Amerikanisch" und "Mainstream" - für wen dies keine Schimpfwörter sind, der wird sich bestimmt reinhören können. Zu gut sind die Kompositionen.
Man legt Wert auf nachvollziehbare Melodie-Bögen, und dies funktioniert in Verbindung mit den meist sphärischen Keyboards ganz hervorragend.
Getragene Kompositionen, oftmals sanft und eingängig. Atmosphärisch dichte, geschmackvolle Stücke.
Trotzdem ist das Album in erster Linie ein Gesangs-, Keyboard- (auch mal gerne als Piano eingesetzt)
und Gitarren-Album. Die Drums allerdings, nun ja - wie soll ich's sagen, der Angelo war's.
Sie setzen auf dem Album auch einen Drum-Computer ein - Pfui Deibel - hör ich Euch zu recht sagen.
Und trotzdem - wer es nicht weiß, wird es möglicherweise gar nicht erkennen,
auf jeden Fall werden so teilweise recht interessante Beats mit eingebracht.
Das Album ist modern produziert, hat einen homogenen, durchaus druckvollen Sound
(baut beim Lautstärke-Regler-nach-rechts-drehen-Hörvergnügen nicht ab).
Und man bekommt viel Abwechslung geboten:
- Bombastische Sounds in "Found", incl. afrikanisch angehauchter Percussions und wirklich großer Melodie
- Blues verfeinerter Rock bei "Slow Burn"
- ein Instrumentalstück "Sea Of Details", welches stets abwechslungsreich mit vielen Sounds und Stimmungen aufwartet
- mit dem Titelstück "Innocent God", ein langes, eher proggies Stück, mit vielen Wandlungen
- ein feiner Rock-Song, wie "My Warrior", mit klasse Refrain im Ohrwurm-Gewand
FAZIT
Wer sich nicht daran stört, dass Keyboards und Gesang federführend sind,
dass allerlei elektronische Beats zu finden sind, wer Wert legt auf gute Instrumentalarbeit,
auf weiche, sanfte Stimmung im Rock/Melodic-Bereich, der wird mit einer warmen Scheibe belohnt,
die man herrlich unterm Kopfhörer genießen kann.
Kein Jahrhundert-Album, kein Klassiker des Genres - aber trotzdem - feine, ausgereifte Musik.
DARKEN TOM
