ISIS, THE DEVIL'S BLOOD, MASTODON ...
ANNO
10 - November 2009
ISIS - altägyptische Priester-Göttin,
welche ihren zerstückelten Mann (und Bruder!), dessen Leichnam übers ganze Land verteilt war,
wieder zusammensetzte, um mit dem kurz Wieder-belebten, ein Kind zu zeugen.
Sie steht einerseits für eine Art ägyptisches Marien-Bild (Isis und Horus - der geborene Sohn),
Forscher halten hier übrigens Teile der Ursprünge des Christentums für möglich, aber auch später
in der römisch-germanischen Welt die Herrin der Unterwelt und Überwinderin des Todes.
LICHT und SCHATTEN - auf engstem Raum, was könnte besser die Gestalt der Band darstellen ...
Isis - Waving Radiant 2009
Tracklist
1. Hall Of The Dead 7,39
2. Ghost Key 8,29
3. Hand Of The Host 10,,43
4. Wavering Radiant 1,48
5. Stone To Wake A Serpent 8,31
6. 20 Minutes / 40 Years 7,05
7. Threshold Of Transformation 9,53
Gesamt-Spielzeit 54,04 min
WISSENSWERTES
Stil
Ein Konglomerat von Doom- / Noise- / Progressive Metal
Tendenzen
Tool - Psychedelische Momente - Post(core) Rock - Mastodon
Anspiel-Tipps
Hand of the host, Stone to wake a serpent, Hall of the dead
Label
Conspiracy Records
Die Band
Aaron Turner Gitarre, Vocals
Michael Gallagher Gitarre
Jeff Caxide Bass
Aaron Harris Drums
Bryant Clifford Meyer Programming, Vocals
EINDRUCK
Eine zarte Ahnung von Erhabenheit liegt in der Luft,
wenn die ersten Akkorde zur neuen Offenbarung von Isis erklingen.
Komplexität - harsche Riffs - Tool'sche Hypnose-Rhythmik, dann öffnen Sie ein Fenster
- aus dieser bedrohlichen Paralell-Welt - mitten hinein in lichte, zeitlose, sanft dahingleitende Sphären.
Diese Abwechslung ist es die fesselt - dazu die tonnenschweren Riffs, welche Dich schier zu erdrücken scheinen.
"Hall of the dead" - der Opener, weist den Weg - langsam, dahin mäandernde Riffs, sanft pumpende Basslinien, ein abwechslungsreiches Drum-Spiel, immer wieder
neue, komplexe Formen erfindend.
Aaron Turner growlt dazu in Death-Metal-Manier Textzeilen voller Tiefe, immer wieder aufgebrochen von kleinen clean gesungenen Passagen und TOOL's ADAM JONES steuert gar noch
Gitarrenfragmente bei. Berauscht von einer ausgefeilten Laut-Leise Dynamik werden einem immer wieder wütende Eruptionen ins Gesicht geschleudert. Dazu kommen die typisch lang gezogenen
Melodien der Band.
Die Alternativ Band der Stunde ist wieder da - mit ihren einzigartigen Sound-Landschaften, Klangbildern voller verstörter Emotionalität. Sie sind die Großmeister der subtilen Bilder, wähnen Dich
in Sicherheit, bevor urplötzlich wieder diese bedrohlichen Akkordfolgen erklingen.
Natürlich erst einmal wenig zugänglich und keinesfalls leicht verdaulich - ABER DANN ...
Das Grundgerüst des neuen Albums ist im Mid-Tempo angelegter Doom- / Post(core) Metal.
Doch darauf bauen sie Noise- / Post-Rock / Alternative Gebäude voller Schönheit
- und doch scheinbar immer ganz nahe am dunklen Abgrund.
Das Schlagzeug-Spiel ist abwechslungsreich und unglaublich präzise - hier sitzt jeder Schlag perfekt, meist verhalten, den Songs Form gebend - der Puls der die Welt von ISIS
durchzieht.
Der Bass wummert gnadenlos in der tiefsten Tiefe - trifft voll ins Nervenzentrum - greift die Sinne an, sorgt für diese hypnotische Grundstimmung.
Darauf wachsen immer mächtiger werdende Riffs, bedrohlich, hypnotisch, kraftvoll
- hochaufragende, schier unüberwindliche Soundwände, schroff und mächtig.
Der Gesang pendelt zwischen tiefen Growls und cleanem, harmonischem Gesang, setzt immer wieder melodische Momente, im fast undurchdringlichen Soundwall der Band.
Ein nahezu perfektes Beispiel für den Sound der Band stellt das gerade eben veröffentlichte Video zu
"20 Minutes/ 40 Years" dar - Atmosphäre pur - der stetige Wechsel im Gesang (Growls/Clean)
- lange instrumentale Passagen voller Druck und Kraft, Bedrohung im steten Blick,
aber auch die Ahnung von unglaublicher Schönheit - der Hauch von etwas Größerem, Erhabenerem.
Das Monster "Hand of the host" verzaubert mit immer neuen Dynamik-Wechseln, ist treibend,
ungemein atmosphärisch-dicht, dabei enorm druckvoll.
Endzeit-Stimmung und Verzweiflung drängen sich unweigerlich auf.
Nach der kurzen instrumentalen Verschnauf-Nummer "Waving radiant" wird in "Stone to wake a serpent" etwas einfacher
"gerockt" - die Riffs sind nicht mehr ganz so verstörend und bedrohlich, wie in den ersten drei Nummern des Albums und es kommen sogar orientalisch anmutende Hammond-Orgel Töne im Soundbild
vor.
Bei "Threshold of tranformation" wird dann noch einmal die ganze Verzweiflung und der Abgrund vor einem ausgebreitet - im Mittelteil dann sogar mit im
Hintergrund mitschwimmenden Dämonen-Stimmen.
Der härteste Track des Albums hat atmosphärische Klangfragmente im Hintergrund zu bieten, auf denen immer wieder diese monotonen Riffs ihre ganze Kraft entfalten, bevor der Song am Ende fast
schon positiv rüberkommt.
Ein absolut kontrastreiches Album voller Dynamik, welches von tief-emotionalen Gefühlen erzählt.
Verzweiflung, Trauer und Tod - aber auch die Schönheit der Melancholie.
Pendelnd zwischen der dunklen Tiefe und den lichten Weiten - aufwühlend und vielschichtig.
Die wahren Reiter der POSTAPOKALYPSE heißen ISIS ...
FAZIT
Blei schwere Riffs in langsam, dahintreibender Monotonie
- brachial-melodisch und massiv-fragil zugleich
Kraft und Anmut in inniger Umarmung schaffen erhabene Epen
voller musikalischer Komplexität
Ein Gesamt-Kunstwerk, welches sich erst nach mehrmaligem Hören in seiner ganzen Pracht zeigt - BERAUSCHEND.
In dieses Album kannst Du Dich fallen lassen, musst aber
aufpassen, dass Du danach wieder aufzustehen vermagst, zu intensiv ist das Erlebte
Für ALLE, die sich nicht nur musikalisch "unterhalten" lassen wollen,
sondern nach WAHRER KLANG-KUNST suchen ...
Webseite der Band
DARKEN TOM
ANNO
24 - Oktober 2009
Untergrund und kommerzieller Erfolg - wie passt das zusammen.
Bei der letztjährigen E.P. sprach ich von dem schmalen Grad auf dem solche Bands stets wandeln.
Ob das seltsam anmutende Booklet mit unleserlichen Texten als Aufmachung das Verweigern des Mainstreams bereits darstellt ?
Auf jeden Fall ist sich die Band wohl der Gefahren bewusst, schafft sich ihre eigene Welt, in der auch mal Interviews verweigert werden, in der spirituelle Thesen höher stehen, als
allgemeine Text-Plattheiten.
Hier werden die Songs "empfangen", fließen durch einen hindurch, man ist nur Mittler der Botschaften - man glaubt an eine Form der
Kunst.
Man kann dazu stehen, wie man will - interessant ist dies allemal ...
Doch genug geschwafelt ... Folgt uns erneut ... auf dem Weg in die EWIGKEIT ...
Devil's Blood, The
- The Time Of No Time Evermore 2009
Tracklist
1. The Time Of No Time 2,18
2. Evermore 3,10
3. I'll Be Your Ghost 4,12
4. The Yonder Beckons 6,04
5. House Of 10.000 Voices 5,11
6. Christ Or Cocaine 5,13
7. Queen Of My Burning Heart 3,55
8. Angel's Prayer 4,32
9. Feeding The Fire With Tears And Blood 5,10
10. Rake Your Nails Across The Firmament 3,44
11. The Anti-kosmik Magick 11,11
Gesamt-Spielzeit 54,35 min
WISSENSWERTES
Stil
Okkulter Rock
Tendenzen
70er Jahre Rock, Classic Rock, Hard Rock, NWOBHM Melodik
mit Einflüssen von Jefferson Airplane, Iron Maiden, Black Sabbath, Blue Öyster Cult, Wishbone Ash
mit einer Prise Southern Gitarren Style
Anspiel-Tipps
The Yonder Beckons, Christ Or Cocaine, The Anti-Kosmik Magick
Label
Van Records
Die Band
Selim Lemouchi an der Gitarre
Farida Lemouchi mit ihrem Gesang
+ weitere ungenannte Band-Mitglieder
EINDRUCK
Lasst uns über die Musik reden ...
Ganz leise aufkommendes ätherisches Dimensionsrauschen im Hintergrund eröffnet die CD,
bevor die Band mit der Weiterführung des wunderschönen Akustik-Songs,
welcher bei der E.P. "Come Reap" von 2008 hier ist der Bericht,
Übrigens betrachte ich die E.P. immer noch eine Spur hochwertiger, als auch essentieller.
ABER: das Auftauchen ist immer einfacher, als das Bestätigen.
als Outro diente, diesen neuen Output eröffnet "The Time Of No Time" - der ewig währende Kreis ...
... und leitet über in den ersten Song "Evermore" - schon hier zeigen sich wieder diese herrlichen Gitarren Harmonien, gerne gedoppelt, genauso auch die
Stimme von Farida, überhaupt DAS Stilmittel der Band, neben den sehr harmonischen Gitarrenspuren, die manchmal gar mit kleinen orientalisch
anmutenden Schlenkern daherkommen.
Eine Leadstimme, die noch gefestigter wirkt, als schon auf der E.P., wird kombiniert mit stark eingesetzten, unterstützenden Background-Chören und Stimmen, so schafft man gesanglich eine
ausufernde Vielfalt, die gleichbedeutend mit den Instrumenten agieren kann. Oft singt Farida auch mit zu Ende der Wörter einsetzendem, fast schon waberndem Vibrato in ihrer weichen
Alt-Stimme.
"I'll Be Your Ghost" - wurde vorab als Single ausgekoppelt und tönt erst einmal recht unspektakulär, auf geradezu "poppig-fröhliche" Art durch die
Speaker.
Ein straighter Rhythmus trägt den klassischen Rocksong, bevor im Mittelteil ein Break in einen variierten Teil mündet und dann die Gitarren im Hintergrund immer wieder schnellere Soloteile,
melodische Läufe und Riffs einbringen - wächst mit der Zeit und offenbart sich nach und nach.
Doch das erste richtige Highlight bekommt man mit "The Yonder Beckons" serviert.
Nun kommen fast schon Southern Rock Gitarren zum Tragen, eine entspannte Nummer mit weichem Gesang. Der Song wandelt sehr gekonnt auf Gesang und Gitarre, ist sehr angenehm zu hören, sehr catchy,
ohne platt zu sein. Doch nach knapp 3 Minuten verliert der Song dann seinen bisherigen Aufbau, nur noch wenige Bass-Töne sind zu hören, ansonsten Stille.
Gitarre und Gesang setzen wieder kurz ein, bevor das erste gefühlsstrotzende Solo der Scheibe einen umfängt, dann wie in bester THIN LIZZY
Manier zweistimmig wird - sehr gelungen.
Mit "House Of 1000 Voices" bleibt man sehr atmosphärisch - etwas psychedelisch.
Fast schon Tribal-artige Schlagzeug- und Percussion-Rhythmen sind auszumachen - eine wieder einmal sehr melodische Gitarrenspur, Farida mit mächtig Background-Voices - hahaha -
SPOOKY.
Wieder ein Break im Mittelteil, der Song verändert sich, komplett andere Gitarrenarbeit, aprubte Riffs und im Hintergrund immer wieder kleinere Produktions-Details. Dazu immer wieder Farida mit
AHAA-AHAA-AAAAHHH Chören - wohlige, leicht gespenstische Atmosphäre.
"Christ Or Cocaine" - eine straighte Nummer, treibender Schlagzeug und Gitarren Druck,
einfache, aber starke Riffs - eher simpel gehalten.
Darauf breitet Farida ihre wohl stärkste Gesangs-Strophe aus - sehr eingängig.
Wieder einmal ein sehr feines Solo - welches mich allerdings schon wieder fast an Bands der Southern Rock Szene erinnert. Überhaupt werden hier sehr schöne mehrspurige Gitarren-Melodien
verbraten, ein zweites Solo erklingt, rein instrumental geht es weiter, das hochmelodische Hauptthema beendet den Song - ganz stark.
Wir müssen an dieser Stelle einmal von LEIDENSCHAFT sprechen.
Das ist für mich eine unabdingbare Beigabe, die bei guter Musik zwingend erforderlich ist. Dies kann ich hier in diesen feinen Kompositionen spüren - hier ist eine Band mit Überzeugung bei der
(eigenen) Sache.
Ob ich Anhänger der Kosmischen Antithese - des Chaos werden kann, wage ich zu bezweifeln, aber dies ist auch nicht Anliegen der Band. Vielmehr wird immer wieder betont, dass die Texte losgelöst
betrachtet werden sollen - und damit natürlich die Musik auch.
Und dies funktioniert einwandfrei - die Musik steht hier für mich eindeutig im Vordergrund.
Diese sehr harmonischen Gitarren Parts, diese oft sehr emotionale Stimme von Farida,
alles verpackt in einer warmen, unaufdringlichen, fast schon antiquiert anmutenden Produktion,
die aber trotzdem sämtliche Details klar zum Ausdruck bringt. Denn auch das ist ein Markenzeichen der Band - hier werden immer wieder kleine Details im Sound eingestreut.
Musik - die eine gewisse ZEITLOSIGKEIT ausstrahlt, die auf einen einzuwirken vermag,
sich manchmal nahezu hypnotisch zeigt, in die man sich fallen lassen kann.
ABER - das Auseinandersetzen damit ist vorgegebene Pflicht - für den schnellen Konsum ist dies nicht gedacht.
Die weiteren Songs der CD sind auf gleichbleibend hohem Niveau, haben mit "Feeding The Fire With Tears And Blood" ein eher bedrohlich klingendes Stück,
bei dem dann durchaus mal etwas Dunkelheit zu erahnen ist.
Mit "Angel's Prayer" kommt gar eine (fast) klassische, unschuldig klingende Ballade, ohne Kitsch, aber wieder mit ganz feinem Solo.
Und wenn dann zum Abschluß "The Anti-Kosmik Magick" ertönt, kann man das Gefühl der Zeitlosigkeit dieser Musik nicht mehr leugnen. Denn diesen Stempel
darf und muss man diesen Arrangements verleihen.
Es ist wieder dieser relaxte, entspannte Eindruck, der diesen Song prägt - einfach ein Stück schöne Musik. Und wenn dann die Gitarre zum ausufernden Soloteil ansetzt (mit fast schon BOLERO-artigem Schlagzeug-Spiel, interessant) - die Melodiebögen immer weiter treibt, dem Kosmos entgegen strebt, Dich emotional packt, die Töne direkt
in Deine Seele pflanzt - dann bin ich weiterhin ein großer Anhänger dieser wichtigen Band und freue mich umso mehr,
das in unserern wilden Herzen auch Platz ist für diese Art der Musik, ja - PLATZ SEIN MUSS.
FAZIT
Ein würdiger Nachfolger einer grandiosen E.P.
Leidenschaftlicher Gesang und musikalische Vielschichtigkeit
Ein Album, welches man auch noch in vielen Jahren hören kann
Hört Euch die Songs in relaxter Stimmung, bei abgedunkeltem Raum an ...
... und Ihr werdet verstehen.
Webseite der Band
DARKEN TOM
ANNO
27 - August 2009
Urzeitliche Größe - Ehrfurcht gebietende Erscheinung.
Aus dem Nebel der Zeit erscheinende Schemen.
Ahnungen - Versprechungen - Verlockungen,
und doch auch das Wissen einer tiefer gehenden Verbindung.
Mit den höheren Gewalten der Transzendenz
sollen Sie in Verbindung gewesen sein.
Angebetet - Gefürchtet - Verehrt.
Seid IHR Unwürdigen wirklich bereit Kontakt zu suchen ...
Mastodon - Crack the Skye 2009
Tracklist
1. Oblivion 5:47
2. Divinations 3:39
3. Quintessence 5:27
4. The Czar 10:54
I. Usurper
II. Escape
III. Martyr
IV. Spiral
5. Ghost of Karelia 5:25
6. Crack the Skye 5:54
7. The Last Baron 13:01
Gesamtlaufzeit 50:07
Wissenswertes
Stil
Progressive Metal, Mathcore, Sludge, Alternative
Tendenzen
Die Schrägheit von VoiVod, die Macht von Neurosis, das Epische von Devin Townsend, Tool'sche Rhythmik, Maiden und Black Sabbath Reminiszenzen, Classic Rock Versatz-Stücke
Anspiel-Tipps
Oblivion, The Czar, The last baron
Label
Reprise/Warner
Besetzung
Troy Sanders Gesang, Bass guitar
Brent Hinds Gitarre, Gesang, Banjo
Bill Kelliher Gitarre
Brann Dailor Drums, Percussion, Gesang
Gastmusiker
Scott Kelly Gesang bei "Crack the Skye"
Rich Morris Mellotron, Synthesizer
Eindruck
Es gibt Alben, die kannst Du dir nur anhören, wenn Du mit Dir selbst im Reinen bist, zentriert und voller Ruhe. Dazu gehören für mich auf jeden Fall sämtliche Mastodon Werke.
Zu intensiv das Erlebnis - zu vielschichtig und komplex die Musik.
So würde auch der neue Monolith der Band Dir nur Kopfschmerzen, Unwohlsein und nervöse Anfälle bescheren, solltest Du Dich ihm in ungebürlicher Verfassung zu nähern versuchen.
Es handelt sich um den (abschließenden?) 4. Teil ihrer Elemente-Saga.
FEUER - das Album REMISSION aus dem Jahr 2002
WASSER - das Album LEVIATHAN aus dem Jahr 2004
ERDE - das Album BLOOD MOUNTAIN aus dem Jahr 2006
Und nun folgt die, nach dem griechischen Philosophen Aristoteles, die Quintessenz der Elemente
AITHER - CRACK THE SKYE.
Es handelt sich um ein Konzeptalbum, welches die Reise eines querschnittsgelähmten Jungen beschreibt, der in der Zeit zurück reist - ins Russland des 17. Jahrhunderts, dort durch eine Sekte zur
Seelenwanderung in Rasputins Körper gebracht wird. Nach Rasputins Ermordung, versucht dessen Seele, die Seele des Jungen zurückzubringen - in den Körper des Jungen.
Das Titellied selbst ist als Hommage an Brann Dailors Schwester Skye angelegt, welche mit 14 Jahren Selbstmord beging.
HARTER TOBAK, der auch dementsprechend musikalisch komplex und anspruchsvoll vertont wurde.
Die Musik von MASTODON ist äußert kreativ.
Eher im Midtempo angesiedelt, oft sogar mit Doom Einschüben - mächtige Riffs drücken in die Magen-Gegend.
Da gibt es eine gehörige Portion MatschMetal (Sludge) zu entdecken.
Die Gitarren sind sehr präsent, oft eher dem Doom oder Stoner Rock anzusiedeln, zäh und schwer fließende Riffs prägen das Bild (The Czar).
Abgerundet mit jeder Menge 70er Einflüsse - etwa der feinen psychedelischen Rush/King Crimson Strukturen dieser Zeit (Quintessence).
Dann klingen sie wieder episch und weit (The Last Baron) - herausragend.
Die früher eingesetzten Drum-Eskapaden weichen, einem zwar immer noch komplexen Spiel,
Figuren voller Dynamik - abwechslungsreich und vertrackt.
Und doch ist das Spiel Dailors songorientierter als früher - zurückhaltender.
Der Gesang kommt diesmal von (siehe oben "Die Band") drei Protagonisten, ist kaum noch brüll-kreischig, sondern vielmehr klar und/oder sphärisch. Abwechslungsreich und immer wieder neu zu entdecken.
Speziell dann auch der Gast-Auftritt im Titelsong von NEUROSIS Sänger Scott Kelly.
Ab und an gibt es auch warme Synth- bzw. Mellotron Klänge, die die Songs dann episch gestalten, oder kleine Synth-Spielereien, die kaum auffallend, die Songs ergänzen (unbedingt das Teil unterm
Kopfhörer reinpfeiffen!).
Allgemein kann man sagen, dass das Album oft mit langen Instrumental-Passagen und Soli glänzen darf - und das ist genau mein Ding.
Und doch sind es für mich die abgefahrenen Gitarren-Parts, welche dieses Album in Sphären hievt, welche nicht viele Bands überhaupt zu Gesicht bekommen.
Das Solo von "Oblivion" (siehe oben der Clip) - dem eher zähfließenden Album-Opener.
Die Bridge von "Divinations" - einzigartige Ideen in jedem Song.
Die sich umschwirrenden Gitarren-Parts in "Quintessence", dazu der sphärische Chor-Part, und dem dann folgenden, psychedelisch angehauchten Rock-Part.
Der Einstieg in "The Czar", das überlange Herzstück des Albums, dann mit fast schon Kirchen-Orgel-ähnlichem Spiel, bevor die Gitarre übernimmt, erst ein
kleiner leichter Solo-Lauf, bevor Schlagzeug und feines Bass-Spiel mit eingebracht werden.
So wabert der Song dahin, man vernimmt beinahe Uriah Heep Keyboard-Sounds, spürt gleichzeitig aber ein Brodeln und Vibrieren. Dann kippt der Song, fordernde Riffs, Stoner Feeling und eine feine
Melodieführung zeigen MASTODON anno 2009.
Hier darf ruhig mit einer unaufdringlichen Eingängigkeit gearbeitet werden.
Aber diese Riffs im Mittelteil - ANBETUNGSWÜRDIG.
Dräunende, wuchtige Stukturen lassen mächtige Gebilde vor meinem inneren Auge entstehen
- wolkenverhangene Ahnungen, schwere Nebelvorhänge und dann öffnet sich der Blick,
mit der nach 7,45 Minuten gesungenen Textzeile
"...Spiraling up through the crack in the sky - Leaving material world behind
- I see your face in constellations - The martyr is ending his life for mine"
auf eine Verheißung ? auf Vergebung ? auf Hoffnung ?
Ein Tony Iommi Solo Part zerrt an meiner Selbstbeherrschung, bringt mich emotional immer weiter in diesen kompositorisch grandiosen Song.
Leidende gedehnte Gesangs-Stimme, orientalisch anmutende abschließende kleine Melodie.
Es passiert soviel in diesen Songs - wir wohnen wahrlich GROßER KUNST bei.
"Ghost Of Karelia" ist dann ein eher kurzer Power-Song mit mächtigen und schweren Riffs.
Danach kommt die Zeit für Scott Kelly von Neurosis.
Er bringt mit seinem rauhen, kehligem Gesang eine weitere Facette in das Album.
"Crack The Skye" beginnt wieder mit einer dieser Tony Iommi Anleihen in der Gitarrenarbeit.
Wir haben einen verzerrten Gesangsteil, der geradezu von ELO sein könnte, wären da nicht die überragenden Gitarren-Parts.
Der Abschluss folgt mit dem zweiten Longtrack "The Last Baron", eher treibend mit schnellen Schlagzeug-Figuren und flirrenden Gitarren.
Hier zelebrieren Mastodon den Schulterschluß zwischen Vergangenem und der Zukunft. Hier sind sie wieder mächtig drückend, fahren den Technik-Anteil hoch.
Und doch kommen immer wieder Eingängigkeit und Harmonie in den Song - diesmal jedoch meist durch die Gesangs-Harmonien, während die Gitarren Stakkato-artige Riffs durchs Trommelfell jagen.
Dazwischen folgen immer wieder raumgreifende, epische Gitarren - Chords.
Und dann klingt das Album mit einem dieser exzellenten Instrumental-Passagen aus - zurück bleiben wir kleinen Menschen.
Demutsvoll aufblickend in die musikalischen Welten von MASTODON.
Mastodon bündeln ihre gesamten Einflüsse und kreiren ein eigenes Universum.
Sie überschreiten musikalische Grenzen und sind somit im besten Sinne progressiv.
Sie schaffen Kontraste und vermengen viele Farben in ihrer "neuen" Welt.
Als Einstieg sei empfohlen dieses Album mal nicht am Stück zu hören, sondern nur, immer mal wieder, einen Song herauszupicken (dabei auf "The Last Baron" verzichten) und man erkennt recht schnell die
einzigartige Atmosphäre und Klasse der Songs.
So kann man sich mit der Zeit Zugang verschaffen.
FAZIT
Musikalisch und stilistisch absolut vielseitiger und an Grenzen gehender bunter Flash.
Zäh und düster - episch und fragil, filigran und fein akzentuierte Songs.
Starke Emotionen wühlen durch die Songs, wollen aber erarbeitet werden.
Zu fordernd sind die Songs - die Strukturen, obwohl zugänglicher, als bisher.
Ein kunstvoller Monolith der Szene, schwer zu besteigen, doch wer Zugang gefunden hat und es geschafft hat, wird diesen Brocken als einen seiner Highlights einsortieren
- unweigerlich, unumstösslich, unabänderbar - für wahrscheinlich lange Zeit.
DARKEN TOM
