PRIMORDIAL, GALAHAD, FUNERAL

 

 

ANNO

20-MÄRZ 2009

 

Heute war mir irgendwie nach etwas Gehaltvollem.

 

Die Plattheiten der Welt sollten ohne mich, ihren immerwährenden Rhythmus von Dummheit und Arroganz (eine sehr gefährliche Mischung), hinaus posaunen (was Sie leider auch tun).

 

So begab ich mich auf die Suche - zu Finden, was mein Herz begehrte.

Was ich fand war zugleich der Seele auch zugetan.

 

Ein schon etwas älterer Klassiker des Leids ... doch einer der Besten!

 

So folgt mir in eine weitere Welt der DUNKELHEIT ...

 

 

 

Primordial - The Gathering Wilderness 2005

 

 

 

Tracklist
1. The golden spiral  8:03
2. The gathering wilderness  9:13
3. The song of the tomb  7:57
4. End of all times (Martyrs fire)  7:43
5. The coffin ships  9:58
6. Tragedy´s birth  8:31
7. Cities carved in stone  8:07
Gesamtspielzeit  59,30 min

 

 

 

Wissenswertes


Einordnung
Pagan / Viking / Folk / Black

Tendenzen
Ein leidender, emotionaler Sänger
Rasanz, Wildheit, Ungestühmes in der Musik
Aber auch Urkraft, Erdung

Anspiel-Tipps
The coffin ships, Tragedy's birth

Label
Metal Blade

Die Band
A.A. Nemtheanga    Vocals
Ciáran MacUiliam    Guitars
Michael O'Floinn      Guitars
Pól MacAmlaigh       Bass
Simon O'Laoghaire  Drums

 

Eindruck
Als sich im Jahre 1987 diese Band aus der Umgebung Dublins gründete, konnte man noch nicht ahnen, was einmal daraus werden würde.
Nachdem zunächst Coverversionen gezockt wurden und viele Namen für die Identitätsfindung herhalten musste, war es erst 1992 so weit, sich Primordial (im Englischen für urzeitlich) zu nennen.

War man in den Anfängen eher dem Black Metal verfallen, wurde bald dieser musikalische Rahmen um Zutaten aus Pagan- und Viking Elementen, sowie traditionelle Instrumente ergänzt.
So entwickelte sich recht schnell der heutige unnachahmliche Stil der Band heraus.

Ein Stil, welcher zwar immer noch im Black Metal verwurzelt ist, gerade der Sänger mit seinem Kreischstil erinnert daran, obwohl er immer stäker mit Pathos agiert.
Durch Hinzunahme von düsteren Keyboards und folkloristischen Elementen wird der Stil weiter verfeinert. Die Epik zieht in die Songs ein.


Auch wird der Gesangsstil weiter verfeinert. Offener, weniger verzerrter Klargesang wird mit eingebracht. Nun ist man entgültig sehr eigenständig geworden - Vergleiche werden nicht mehr zu anderen Bands gezogen - eher werden die Sounds anderer Bands  mit Primordial verglichen.

So erscheint also 2005 dieses Werk "The Gathering Wilderness".

Schon die Aufmachung der CD: Ein Bild Grau in Grau, Schwarze Vögel fliegen über unbekanntes düsteres Land. Die ersten Gitarren Riffs branden ans Ohr, wie die dunklen Fluten an Irlands Steilküste.


"The Golden Spiral"
zeigt uns den Weg - Epische, mächtige Gitarrenwände, in geradezu hypnotischer Weise werden sie immer und immer wieder vorgetragen.
In Midtempo gehalten, durch subtile Melodien von Bass und Gitarre erweitert, das Schlagzeug in immerwährendem Puls, den Takt vorgebend.

Dies erzeugt einen geradezu hypnotischen Sog, ist majestätisch, aber brachial - eine Mischung aus Power und Härte, aber verbunden mit der eigenen Epik des Liedguts.


Und darüber dann Alan - ergreifend, einfühlsam, schwermütig, charismatisch. Fast nur noch mit seinem (etwas weinerlichem, klagendem) Gesang.


Er lebt diese Songs! Wer Sie einmal Live gesehen hat, wird es bestätigen können.
Der Mann leidet bei den Songs mit - mit Gesichtsbemalung, weiß geschminkt, mit Schlieren und Streifen von Schwarz und Rot, tätowiert, glatzköpfig - ein Krieger.
Jedoch nicht in Kampf, sondern in Klage, steht er an den fernen Gestaden und singt von

Schuld, Trauer, Schwärze.

Bestes Beispiel wohl "The Coffin Ships" - hier wird die große Tragödie in Irlands Vergangenheit aufgegriffen - die Grosse Hungersnot.


Als es dort zwischen 1845-1849 zu der Flucht von Abertausenden von Iren kommt, die versuchen auf völlig überfüllten Schiffen nach Amerika zu entkommen, sterben die Menschen durch den Untergang dieser Schiffe zu Tausenden. Seuchen und Krankheiten sind ein weiterer Begleiter dieser Schiffe und führen nicht selten zum Tod. Davon handelt der Song.
Insgesamt versuchten wohl über 2 Millionen Menschen Irland zu verlassen, auf Grund von Kartoffelfäule waren den davon abhängigen Iren kaum weitere Nahrungsquellen gegeben.
(gut nachzulesen hier: HUNGERSNOT IRLAND).

So entwickelt sich hier ein großartiges Meisterwerk der Dunkelheit - einer Dunkelheit geboren durch Leid, Trauer und Schmerz, tiefen Gefühlen.
Oft melancholisch, abgrundtief, stets gefühlvoll, immer dramatisch.
Majestätische Melodien ergreifen das Herz, gehen in die Tiefe, führen fast zur Trance.
Eigenwillig und unnachahmlich werden diese Soundwände emporgehoben, unüberwindlich, anklagende Mauern.

Der Sound der Scheibe lässt sich wohl mit den Attributen erdig, rauh, etwas dumpf und kantig beschreiben und passt damit genau zur textlichen und musikalischen Ausrichtung der Band.
Nicht perfekt produziert, wie so manches Hochglanzprodukt der Szene - doch das hätte hier auch nicht gepasst.

Oft werden die Songs durch langsame Parts aufgelockert, sind sowieso fast durchgängig im mittleren Tempo gehalten.


Bei "Tragedy's Birth" wird zum ersten und einzigen Mal das Tempo etwas erhöht, singt Alan teilweise wieder in Black Metal Kreisch Art, während im Abschluß Track das Tempo eher einer Ballade entspricht - einer Weise in Doom-Moll.

So singt Alan von dem Bund mit den alten Göttern, der Spirale des Lebens "The Golden Spiral".
Von alten Helden der Geschichte "The Song Of The Tomb".
Philosophisch über die aktuelle Weltlage "End Of All Times"
Über Weltschmerz "Tragedy's Birth", über Melancholie und Verzweiflung "Cities Carved In Stone"
und eben den Tragödien des wahren Lebens "The Coffin Ships".


Und dann ist da noch das Titelstück "The Gathering Wilderness", die Welt wird immer düsterer, die Hoffnung schwindet, alles verliert an Halt.
Es ist nicht mehr an uns, unseren selbst verschuldeten Untergang aufzuhalten - Verzweiflung überall, das alte Europa und die Welt ohne Weg, hinaus aus dieser abwärts gerichteten Spirale.
Und doch entwickelt sich dadurch in unseren Herzen eine Wildheit, Glaube ans Überleben.

Stolz und in Würde wird hier über das Leben philosophiert.
Beschwörend und theatralisch, verzweifelt und schmerzhaft in seiner Anklage.

FAZIT:  EIN DURCH UND DURCH UNGEWÖHNLICHES WERK
            TIEF UND NATURVERBUNDEN - EXISTENZIELL - UNBESCHREIBLICH
            EINES DER TRAGISCHSTEN, VERTRÄUMTESTEN UND ATMOSPHÄRISCHSTEN EPEN             DER LETZTEN JAHRE


PRIMORDIAL im Web

P.S.: Auf der Special Edition, bekommt man per beigelegter DVD, noch einen 20-minütigen guten                 Einblick in die Entstehung des Albums.
        Man sieht die (ganz normalen) Jungs im Studio, bekommt per Interviews weitere Einblicke.

                                                                                                                              DARKEN TOM

 

So werden Leid und Geschichte in die Musik transportiert ... fühlt Euch eingeladen zu Entdecken ...

... BIS ZUM NÄCHSTEN MAL

 

 

 

 

ANNO

20-JANUAR 2009

 

Hallo, Ihr Narren,

habt Ihr geglaubt das Leben ist einfach - unkompliziert?

So manchen "Wolf im Schafspelz" habe ich gesehen. Weit reicht mein Blick.

Die Dinge sind oftmals nicht die, die sie scheinen.

 

Und so gibt es Musik, die auf den ersten Blick - melodisch und froh, Spass verbreiten könnte.

Doch im Unterbewusstsein wissen wir - DA IST MEHR.

 

Und so möchte ich Euch mitnehmen, zu einem Ort, welcher voller Düsternis steckt.

Oh, er verbirgt sein Wesen geschickt, aber dennoch ...

 

... WER KANN UNS SCHON BLENDEN ...           ... also, folgt Ihr mir? ...

 

 

 

(3) Galahad - Empires Never Last 2007

Tracklist
1.     De-Fi-Ance                                5,46
2.     Termination                               7,15
3.     I Could Be God                         14,01
4.     Sidewinder                               11.04
5.     Memoirs Form An African Twin     4.07
6.     Empires Never Last                     9.07
7.     This Life Could Be My Last          10,23
                            Gesamtlaufzeit      61:41 min


Wissenswertes

Einordnung
Neoprog, Ambient, Progressive Rock/Metal

Tendenzen
In der Stimme manchmal IQ, musikalisch auf Threshold Niveau - und doch anders

Anspiel-Tipps
Sidewinter, Empires Never Last, I Could Be God

Label
Avalon Records

Die Band
Stuart Nicholson         Vocals
Spencer Luckmann     Drums, Percussion
Lee Abraham             Bass, Backing Vocals
Dean Baker               Keyboards
Roy Keyworth            Guitars

Eindruck
Ich kann es kurz machen:
Eine der BESTEN PROGRESSIVEN SCHEIBEN des Jahres 2007,

und überhaupt der Jahre seit der Begriff NeoProg für Bands wie IQ, Pendragon oder Jadis verwendet wird. Warum dies so ist? Nun, lest selbst!

Wir wollen langsam vorgehen. Die Band gibt es nun seit 1985 - geprägt von unzähligen Besetzungswechseln. So hatte man wohl nie die Konstanz, die es braucht.

Nun ging man also daran die Fehler dieser Szene allesamt auszumertzen, die Bewegung auf ein neues Level zu hieven.

Die Produktionen dieser Musik sind oftmals zu zahm.
ERGO: Die Band holte sich KARL GROOM (Shadowland, Threshold) als Produzenten ins Studio.
Der wuchtete eine Produktion aus dem Studio, die es so in der Szene bisher nicht gab.
Absolut detailreich, ausgeklügelt mit vielen Feinheiten, dynamisch.

NeoProg der ROCKT, die Gitarren sind fett, oft fast schon metallisch (siehe Threshold), abwechslungsreich, dürfen ausufern, solieren, sind voll und wuchtig.
Der Bass spielt druckvoll, stets präsent, groovt - mit Finesse.
Die Drums sind punktgenau, abwechslungsreich, setzen Breaks mit Verstand, führen die Songstrukturen zum Ziel.
Die Keyboardsounds variieren, je nach Bedarf und Song, von modern über altertümlich, unterstreichen, heben hervor, sind majestätisch, oftmals mit einer leichten Düsternis versehen - welches zum Textkonzept der Scheibe passt.


Missstände der Menschheit und der Religion werden angeprangert, sind unbequem, fordern heraus, zynisch und klagend. Und über diese Missstände singt, leidet, flüstert und schreit Stuart Nicholson, die Seele der Songs in eine graue Welt.

Die Songs selbst sind ALLESAMT kleine Meisterwerke des Prog.
Manchmal ausufernd, manchmal verspielt, manchmal emotional, manchmal ergreifend -
immer aber kompakt, auf den Punkt, nie zu lang, entwickeln sie einen eigenen kleinen Kosmos der einen gefangen nimmt.

Begonnen wird mit einem Intro.
"De-Fi-Ance" (schon über 5 min lang), eine klare Frauenstimme ist zu hören, angenehm,

die Untermalung ist melodisch, um im zweiten Teil des Songs, fast schon Industrial-Sounds transportierend, ins Album überzuleiten.

Danach "Termination" - eine kleine Piano Melodie, danach metallische Gitarren, IQ Sprechgesang, Female Voice im Wechsel mit dem Sänger, bevor zum ersten Mal zum Refrain geleitet wird,

danach moderne Sounds, verzerrter Gesang, und das Spiel beginnt von Neuem, bevor im Mittelteil ALLES miteinander verwoben wird, GENIAL das zusammenweben der PianoMelodie mit den Gitarren - ein Stück, welches bereits in die Zukunft des Prog weist.

Dann "I Could Be God" - raffinierte Struktur, Dramatik, ein ruhiger Mittelteil mit Sprach-Samples von Martin Luther King unterlegt, ansonsten sehr einprägsam, atmosphärisch sehr dicht,

ein anschließender Instrumentalteil zeigt dann noch einmal die kompositorische Klasse dieses Albums - packend und mitreissend.
Textauszug: "Which way shall I go? - It really depends on how I feel - Am I happy or am I sad - Am I rational or am I mad,
It's all a matter of perspective - Yes I guess it's all relative - It's for someone else to deceide

...I COULD BE GOD"

"Sidewinder"  - eine flüsternde Frauenstimme, führt in eine gleichförmige, unbequeme Harmonie, die Keyboards malen, um erst nach fast 3 min in den Gesang zu leiten, wuchtige Gitarren tragen zum Hauptthema, MAJESTÄTISCH wird das "Promised Land" heraufbeschworen, wo dann mit  dümmlichen Zitaten vom Meister des Verdrängens "Präsident Bush" gearbeitet wird, welche in einen stoischen Gitarren-Lick eingebunden werden, die am Schluss in ein klasse Solo mündet. Dazu ein toller Refrain. MEISTERLICH - SCHÖN - DÜSTER - EMOTIONAL - ERGREIFEND
Textauszug: "Now, let me take your hand - I'll lead you to the promised land - You know you can trust in me - I'll be right behind you, just wait and see"

 "Memories from an Africa Twin"
  ist dann ein Instrumentalstück zur Erholung.

Eher schlicht, aber schön. Und genau an der richtigen Stelle.

Denn dann legt die Band episch nach.


Zuerst der Titeltrack "Empires Never Last" - eine kleine Hymne.
Slap-Bass Spuren, elektronisch verzerrter Gesang, dann schwebt der Keyboard Sound heran,

man wartet förmlich auf den Break, auf den zwingenden Bruch, hypnotisch ist das Spiel,

die Keyboards steigern, das Schlagzeug treibt, die Gitarren werden eingesetzt, treiben weiter,

heftig rockend - UND DANN - nach 2.30 min kehrt Ruhe ein, nachdenklicher Gesang, bevor der Refrain aufgeworfen wird.

Latent vorgebrachte wuchtige Gitarren-Eruptionen lassen nur erahnen, wie es weitergeht - sind präsent, doch nicht Hauptthema.
Im Instrumentalteil dann ein Gitarrenthema, Keyboardsounds, Solo - und wieder Slap Bass zum Abschluss.
Textauszug: "When I look at you, I see nothing at all - just a big black hole - where there should be a soul..."

Beschlossen wird dieses Werk mit "This Life Could Be My Last ..." - eine knisternde Piano-Melodie eröffnet den letzten Song, mit einem Knacken produziert, als ob eine alte Vinyl Platte laufen würde, dazu der Gesang - Muse-like leidend.
Dann wechselt der Sound in eine harte Klavier Stimmung, moderne Keyboard Sounds lösen ab - der Song ist angekommen. Ein leidender Abschluss in IQ - nein, in GALAHAD Manier.

Dies alles sind Songs, welche als Lehrbeispiel gelten können, für eine spannungsgeladene Progscheibe. Emotionalität ist wichtig - aber auch zwingend, unbequem manchmal.
Eingebettet in ambitionierte Lyriks, abseits des Üblichen.

So ist man Erneuerer, Lehrer und Leitziel zugleich.

Man umgeht so die oft etwas langweiligen, weil nicht zu Ende gebrachten,

oder zu ausufernd vorgetragenen Songstrukturen des NeoProgressiven,

wie es leider bei Bands wie IQ, Jadis, oder auch Pendragon, ab und an leider vorkommt.

KURZ: EIN REFEREZWERK

FAZIT: ERFRISCHEND MODERN, PERFEKT PRODUZIERT, SPIELFREUDIG UND                                         AMBITONIERT. EIN ALBUM, WELCHES IMMER WIEDER DETAILS ANBIETEN KANN

            LAUT HÖREN!!!

Galahad im Netz

                                                                                                                              DARKEN TOM


Erschöpft werde ich nun etwas IQ hören, auch deren Alben haben Klasse, und ich Ihnen unrecht getan ... BIS ZUM NÄCHSTEN MAL.

Anno

12-Februar 2009

 

 

Schwermütig, ohne Hoffnung, verzweifelt und einsam im Leid,

hier erwartet Euch absolute Hingabe...

 

 

... WER ES WAGT; MÖCHTE MIR FOLGEN ...

 

 

 

(4) Funeral - As The Light Does The Shadow 2008

Tracklist
  1. The Will To Die  6,18
   2. Those Fated To Fall  7,31
   3. The Strength To End It  7,31
   4. The Elusive Light  6,33
   5. In The Fathoms Of Wit And Reason  8,20
   6. Towards The End  7,14
   7. Let Us Die Alone  6,59
   8. The Abscence Of Heaven  8,14
   9. Hunger  9,18
   10. Fallen One  4,18
                                 Gesamtspielzeit  72,13 min


Wissenswertes

Einordnung
Funeral Doom

Tendenzen
Orchestrales Backgroundkino trifft auf todtraurige Epen

Anspiel-Tipps
In The Fathoms Of Wit And Reason, The Absence Of Heaven, Hunger, Fallen One

Label
Indie Recordings

Die Band
Frode Forsmo Vocals, Bass
Mats Lerberg  Guitars, Backing Vocals
Erlend Nybo   Guitars
Anders Eek    Drums

Eindruck
Die trauernde Gemeinde steht am Wegesrand, schwarz verhüllt - nicht nur die gebeugten Körper, nein auch die wunden Seelen. Zu Boden gerichtet ist der Blick, erstarrt in Ausweglosigkeit.

Das Gemüt ist schwer - Hoffnung fern, Träume sind schon lange verschwunden.
Gemächlich ist der Schritt, verhalten und wohl überlegt. Und so beginnt der Zug der hoffnungslosen Prozession - in Trauer und Melancholie.

Willkommen im Reich des FUNERAL DOOM.
Getragenes, episches Liedgut wird hier kombiniert mit leidenden Texten voller Schwermut.

Die Band stammt aus Norwegen, ist seit 17 Jahren an der Perfektionierung ihrer vor sich hin walzenden Songs interessiert. Unterstützt von oft eingestreuter Orchester-Untermalung,

wird hier doch oft recht wuchtig der Langsamkeit gehuldigt.

Die Songs sind lang, entwickeln so oft einen fast hypnotischen Sog nach Unten.
Getragen von einem Bass- und Schlagzeug Fundament, welches durchaus den nötigen Punch aufweist, um Druck in den Songs aufzubauen, werden die Songs von den Gitarren mit schier erdrückenden Riffs beflastert, unverrückbare Wucht, um dann wieder dezent und edel,
in Verbindung mit den wenigen Keyboard Tupfern, sowie dem untermalenden Orchesterparts, zu epischer Größe zu wachsen. Kleine melodiöse Passagen und Soli tragen zur düsteren Aura bei.

Mit einem echten Orchester werden dann diese Songaufbauten veredelt, Streicherpassagen vertiefen die Klage, Hörner führen in eine emotionale Weite.

Darauf aufbauend werden Gesangsharmonien gelegt - Ausdruck von Trauer und Seelenpein.
Fast schon sakral klingend, ohne Growls etc., sondern mit klarem und tiefem Gesang, manchmal schon fast etwas schief, immer aber verzweifelt, schwermütig - pendelt er zwischen zart und zerbrechlich, bis hin zu kraftvoll und schreiend.

Was man der Band vorwerfen kann ist die Art ihrer Kompositionen, ähnlich oft der Songaufbau,
lang (atmig?) die Songs, zu traurig, ohne Hoffnung, monoton.

Und doch sind dies nach mehrmaligem Hören die Stärken - der Sog ist unwiederstehlich, der von dieser Musik ausgeht. Man kann sich fallen lassen in diese Stimmung, eine gewisse Zeit schwelgen in der eigenen Klage, verbunden mit der Band.

Und so depressiven Menschen wirklich nicht zu empfehlen.

(Und so verwundert es dann auch nicht, lesen zu müssen, dass zwei frühere Bandmitglieder Selbstmord begingen) DIES ist eindeutig ein Nischenprodukt. Hier aber eines der BESTEN.

Trotzdem, oder gerade deswegen hat die Band mit Rob Lowe (Candlemass, Solitude Aeturnus) für die Nummer "In The Fathoms Of Wit And Reason" einen Gastsänger verpflichtet,
der mit seinem sehr kraftvollen Stil, hier einen anderen Farbtupfer zu setzen vermag.
Und mit dem nur von Gesang getragenem A cappella Abschluss der Scheibe "Fallen One"

eine zweite sehr aussergewöhnliche Nummer geschrieben.

Und so offenbart sich diese CD wirklich erst nach mehrmaligem Hören, die Feinheiten erschließen sich nach und nach, und dann lernt man dieses Werk erst richtig einzuordnen, findet wirklichen Zugang in diesen Kosmos voller Leid - und leiser Hoffnung.

Alles in Allem eine sehr getragene, emotionale CD - authentisch, traurig, verletzlich, vielschichtig, wuchtig, verzweifelt, aber immer mit echtem Gefühl. Oft mit erhabenen Momenten - choral, symphonisch, bombastisch, atmet man hier dennoch vorwiegend überall Tristesse und Schwermut.

FAZIT: FÜR SUCHER ABSEITS DER ÜBLICHEN WEGE

            MUTIGE, DEM LEID ZUGETANE HÖRER

            FÜR DIE ES ABER DANN EIN FEST DER SINNE WERDEN DÜRFTE

Funeral im Netz


                                                                                                                              DARKEN TOM