Monats-O(h)rgasmus November 2009 - Crescent Shield

 

 

GEDANKEN-BILDER

 

... und ich sitze hier und schaue in die Nacht ...

... vor meinem geistigen Auge ziehen Schemen vorbei, nicht greifbare Schatten

- diffus und substanzlos.
Ich zwinge meinen einst klaren Blick sich stärker zu fokussieren.

Hervor ihr Kreaturen der Nacht - wer seid ihr ?
Und erst zögerlich, dann immer schneller treten sie hervor - aus den Tiefen der Nacht

- aus den Tiefen meiner selbst.

Über Jahre verborgen, begraben, weggesperrt

- als unnötiger Ballast ins dunkle Reich der Vergessenheit verbannt ...

... und ich sitze hier und schaue in die Nacht ...

.. auf zu Sternen, die ich noch nie sah, oder aber längst schon vergass,
verblasst war ihr Strahlen, doch heute erglimmt es wieder um so heller ...

... ferne Gestade voller Zauber und Magie, wo Mythen und Legenden noch wahrhaft existieren,
die Luft geschwängert, ob ihrer bloßen Existenz.

Wo war dieser Zauber all die Jahre ?

... und ich sitze hier und schaue in die Nacht ...

 

 

Aufbruch ...

 

Könnt Ihr Euch noch an Eure Anfänge erinnern.

 

O.K. - da war die viel zitierte NWOBHM, ich gebe zu, dass auch ich die alten MAIDEN angebetet habe, mit den ersten Alben von METALLICA und SLAYER 'gen die lahme Welt gezogen bin.

 

Was kam ich mir ECHT vor und ANDERS.

Ich hatte das alleinige Recht auf musikalische Weisheit - die Welt dort draußen,

vor dem Fenster meines metallischen Paralell-Universums war irgendwie farblos und konturenarm.

 

Nun - aus Maiden wurde Mainstream (wenn auch guter - ich gebe es gerne zu).

Metallica gerieten auf immer neue Wege, wo ich ihnen bald nicht mehr folgen konnte

(auch wenn ich mich bemühte) und Slayer - sind halt Slayer, das ist Energie und Wahnsinn.

 

Doch die Magie in unserer Musik verband ich stets mit anderen Alben.

Was hat mich "Awaken The Guardian" von FATES WARNING berührt (hier nachzulesen),

welche Welten haben mir MERCYFUL FATE mit "Don't break the oath" gezeigt,

HELSTAR mit "Remnants of war" war für mich eine Offenbarung.

 

Dies sind nach wie vor Scheiben für mich, in denen mit Hingabe und dem Glauben an die Musik, BESONDERES geschaffen wurde.


In dieser Musik wurde HERZBLUT vergossen, einem (Un-) heiligem Schwur gleich.

Und wir reden hier von dem hell leuchtenden Blut, dem pulsierenden Lebens-Pol in uns,

nicht von dem verwässerten dunklen Saft, an den sich auch so viele Bands klammern,

die aber so weit weg sind, von ihrer selbst immer und immer wieder proklamierten,

alleinstehenden Kunst, wie LEMMY vom Idealbild des Frauenschwarms.

 

Hier nun also ein (Fast-) Newcomer, wo ich diese Aufbruchstimmung wieder einmal spüren kann ...

 

 

 

 

Crescent Shield - The Stars of Never Seen 2009

Tracklist
1. Under Cover of Shadows   6:54       
2. The Grand Horizon            4:33   
3. Tides of Fire                     4:19   
4. 10,000 Midnights Ago        4:22   
5. Temple of the Empty         6:09   
6. My Anger                         3:24   
7. The Bellman                     3:23   
8. The Endurance                  9:16   
9. Lifespan                            6:34
         Gesamt-Spielzeit       48,49 min

WISSENSWERTES

Stil
US-Metal / Power Metal / True Metal

Tendenzen
Jag Panzer, Omen, Helstar, alte Fates Warning

Anspiel-Tipps
The grand horizon, Temple of the empty

Label
Cruz Del Sur

Die Band
Michael Grant       Gesang
Daniel DeLucie      Gitarre
Melanie Sisneros   Bass
Craig Andersson    Drums

EINDRUCK
Modern ballernd, fett und brachial - aber totproduziert.
Image fördernd gestylt, Cover Art - Vorsicht Täuschung.
Hochgeblubberte Inhalte, Wir-sind-die-Besten Mentalität - in Wirklichleit Ego-Seelen-Monster.
Mainstream Hörigkeit, anbiedernde glatte Songs - jedoch auch ideenlos, teilnahmslos, flach.

Ihr erwartet solche Dinge, ihr braucht stets den neuesten Kick, die neueste musikalische Macht im Metal. IHR SEID HIER FALSCH.

Herrlich altmodisch, mit einer kleinen Brise Kautzigkeit versehen,

wird hier eher das alte, als das neue Testament des Metal gelesen.


Konsequent den Traditionen sich bewußt, welche erst durch Bands, wie FATES WARNING geformt

- hört Euch nur mal den Song "Temple of the empty" an, welche Erhabenheit in den Gesangslinien (Erinnerungen an John Arch werden wach, das ich das noch erleben darf), mit Back-Chören verfeinert, kleinen Akustik Gitarren Einlagen, aber eben auch den galoppierenden Riffs, die den Song vorantreiben.


OMEN oder HELSTAR werden in den Songs der Marke "My Anger" wach, gerufen zum metallischen Tanz - US-Metal der 80er Jahre Spitzenklasse, dieser schneller werdende Gitarrenteil in der Mitte, herrlich.

Geboren aus Feuer und Stahl sind diese Songs, geschmiedet in den tiefsten Tiefen der Erde.


Diese Streiter der reinen Lehre sind nicht unbekannt, haben doch Sänger MICHAEL GRANT

(ex Onward), Gitarrist DANIEL DELUCIE (ex Destiny's End), Basserin MELANIE SISNEROS

(ex Eden, Sinergy) und Drumer CRAIG ANDERSSON (ex Engine), bereits zuvor in vielbeachteten Bands gezockt.


Doch erst jetzt, auf dem zweiten Album der Band - der Vorgänger erschien 2007

- findet entgültig zusammen, was zusammen gehört.

Trotz der möglichen Eingruppierung in den US-Metal der 80er Jahre ist die Scheibe abwechslungsreich geworden, bietet außer den bereits oben erwähnten Stücken, so manche Querverweise auf Bands der Marke MANILLA ROAD oder JAG PANZER, die sich durch die oft episch, angehauchten, manchmal theatralischen Gesangsharmonien ausmachen lassen.


Überhaupt formt GRANT mit seinen Gesangs Harmonien die Songs ähnlich stark, wie JOHN ARCH damals die FATES WARNING Welt rund um den "GUARDIAN" ( hier nachzulesen).


Manchmal erinnert er auch an ERIC CLAYTON (Saviour Machine), da er ähnlich leidend singen kann.

Es gibt leicht progressive Strukturen zu entdecken, melodische Gitarrenharmonien der älteren Maiden, wie in "Lifespan" und hymnische Momente, z.B. "The Bellman".


Bei den Gitarrenspuren lohnt das genaue Hinhören, wurden doch zahlreiche erstklassige Harmonien und Solos eingearbeitet, immer wieder abwechselnd schnell und dynamisch übers Griffbrett gespurtet, oder aber powervoll und erhaben gerifft, manchmal im Wechselspiel mit akustischen Einlagen.

Es gibt zweifelsohne sehr viel zu entdecken.

Diese Vielseitigkeit klingt selbstverständlich und nicht aufgesetzt. So strahlt jeder Song für sich selbst, muss erarbeitet werden, um sich dann nach mehreren Durchläufen festzusetzen - konsequent und voller Ehrlichkeit.


Auch in der Produktion (von Bill Metoyer) verzichtet man auf modernen Overkill, bietet zwar durchaus druckvolle Arbeit, jedoch ohne die modernen "Standards".
So schafft man einen "Klassischen", organischen Sound, weit jenseits der heutzutage üblichen Sterilität und Gleichförmigkeit.

Eines der hervorstechendsten Kriterien der Scheibe, die vielen Anhängern dieser Musik sehr gefallen dürfte, ist die Tatsache, das sich mit Sicherheit nicht viele heutigen Metal-Konsumenten mit dieser Scheibe überhaupt anfreunden werden können - zu speziell ist die Stilart von CRESCENT SHIELD.

FAZIT
Bodenständiger US-POWER METAL der Mitt-Achtziger Schule, weit jenseits der Trends.
Für Nostalgiker ebenso geeignet, wie für Jungspunde,

die wissen wollen, wo ihre Musik eigentlich herkommt.


Spannungsgeladen und oft etwas melancholisch,

sind die Tracks manchmal herrlich gerade heraus, manchmal verwinkelt und episch.


MUSIK FÜR KENNER


Crescent Shield im Netz  

                                                                                                              DARKEN TOM

 

 

... und ich sitze hier und schaue in die Nacht.