MONATS-O(H)RGASMUS MAI 2010 - WHILE HEAVEN WEPT

 

Es gibt seltsamerweise immer wieder Alben, welche ich erst nach Jahren wieder neu, oder überhaupt erst wieder richtig entdecke. So geschehen mit WHILE HEAVEN WEPT - OF EMPIRES FORLORN

aus dem Jahre 2003.

 

Hier an dieser Stelle muss ich auch einmal - EHRE, WEM EHRE GEBÜHRT, den SMM (Achtung Insider) erwähnen, welcher mich erst wieder über sein grandioses Board SACRED METAL

zu dieser Scheibe führte, welche ich bereits 2003 mein Eigen nannte. Seltsam - aber wahr.

 

Als die Gerüchte von einem Nachfolger sprachen, habe ich dieses Album neu entdeckt und lieben gelernt. Da ich über die Jahre, immer ein Stückchen stärker vom inzwischen (zumindest teilweise) "mainstreamiger" gewordenem Metal abrückte (Ausnahmen bestätigen die Regel - ich gebe es gerne zu), waren diese Bands des UNTERGRUNDS wieder stärker in meinen Fokus geraten.

 

Es mag nicht bei all diesen Bands der Fall sein, aber ich bilde mir doch ein, dass hier noch Alben

(und vor allem bei WHILE HEAVEN WEPT) über längere Zeiträume entstehen, mehr Seele und Herzblut einfliesst, es einfach wichtiger für die Bands ist - IHRE FANS zu erreichen.

 

Das so allerdings, meiner Meinung nach, einer der größten Klassiker der gesamten metallischen Bewegung entsteht, hätte ich niemals zu träumen gewagt.

 

Wir bewerten hier ja bekanntlich keine Alben, sondern versuchen nur sie dem geneigten Hörer näher zu bringen - entscheiden müsst IHR schon selbst, aber hier möchte ich ganz bewußt mal eine Ausnahme machen.

 

Dieses Album VAST OCEANS LACHRYMOSE steht für mich auf der gleichen Stufe, wie Götterwerke von PSYCHOTIC WALTZ oder FATES WARNING und damit müsste ich unweigerlich die Höchstnote jeder denkbaren Bewertungs-Skala geben, und nichts anderes.

 

Doch lasst uns zunächst erst noch einen kleinen Blick auf die Band werfen, welche zu solchen Taten fähig ist. Danach folgt noch ein kleiner Blick auf den direkten Vorgänger des neuen Albums, welches dann am Ende dieser Seite besprochen wird.

 

Wer genügend Zeit mitgebracht hat, liest nun weiter, wer hetzen möchte

(und dies ist bei so einer Band eigentlich verboten), scrollt nach unten.

 

Hier folgt Wahrheit, zumindest die Version, wie ich sie verstanden habe.

 

LEBEN - LEID - VISION - HINGABE

 

 

 

OVERTURE
Gegründet als Projekt im November 1989 von TOM PHILLIPS / Gitarre und CHRIS GALVAN / Gitarre,

in VIRGINIA / USA. Der Sound der Band war dem Power Metal angelehnt, sollte aber zukünftig schwerer werden und vielfältiger.
Nachdem BRENDAN GALVAN / Gesang (Bruder von Chris), JIM CHAPPELL / Drums und  CHAD PEEVY / Bass einstiegen, war die erste Grundformation gefunden – der Bandname jedoch wechselte ständig und wurde erst nach einem schicksalshaften Abschnitt im Leben von TOM zu WHILE HEAVEN WEPT.

TRAGÖDIE

Bruch mit der Freundin – das Überwerfen mit dem Elternhaus, fehlende Orientierung durch Schule und Umfeld. Als Ausweg dann die Flucht in Alkohol und Drogen, Gedanken an Selbstmord, tiefe Verzweiflung.
Unnötig zu erwähnen, dass die Musik sich in dieser Zeit weg vom traditionellen, hin zum ausgeprägt Emotionalen und Düsteren bewegte - DER DUNKLE SCHATTEN des Lebens wurde übermächtig.

 

Tom Phillips

TOM, der den Bruch mit seiner Freundin nie akzeptiert hatte, ja - immer noch an die Fortführung der Beziehung glaubte, bekam eines Tages, - es war der Jahrestag ihres Zusammen-

seins - einen Brief der die Endgültigkeit dieser Entscheidung ihm klarmachte.

Der endgültige Bruch - die tiefe Ablehnung - das Verlassen-sein - die Zerrissenheit und Verzweiflung mussten sich Bahn brechen.

Es war Herbst, ein klarer Tag und als er nun endlich hemmungslos weinend, die Tatsache des Alleinseins zu akzeptieren begann, da öffnete der Himmel seine Schleusen, als ob er den tiefen, verzweifelten Schmerz mit ihm teilen wollte.

Später sollte dies als die wahre Geburtsstunde

von WHILE HEAVEN WEPT gelten.


TOM selbst gibt zu, dass er diese Zeit ohne die richtigen Freunde nicht überstanden hätte

– eine gebrochene Figur, von Gott und der Welt verlassen.

VERARBEITUNG
Trost fand er in der Musik – sie gab ihm Antworten, sie war einfühlsam, sie trug ihn,

bettete ihn auf Flügeln der Phantasie.


„So wurde WHILE HEAVEN WEPT meine Mission, meine Religion und mein ganzes Dasein”,

beschreibt er diese Zeit.


Ganz offen erklärt er das erste geplante Album „Sorrow Of The Angels” zum Epitaph. Er bringt seinen emotionalen Zustand in die Musik ein, behandelt sein Beziehungs-Chaos und spielt mit dem Gedanken, anschließend sterben zu wollen. Doch die Scheibe sollte noch lange auf sich warten lassen.

Die Zeit heilt viele Wunden und so kommt es nicht dazu. Doch fällt die Band mehr oder weniger auseinander. 1992 schließt TOM die High School ab,  arbeitet mit anderen Musikern zusammen.
Man experimentiert mit verschiedenen musikalischen Ansätzen, wie Death Metal Vocals, erkennt aber, dass die Emotionalität der Musik darunter leidet.

Um den Freunden der Band, die nun wieder an eigenem Material arbeitet, etwas geben zu können, wird 1993 eine Single (500 Exemplare) - „Into the wells of sorrow” eingespielt und 1994 veröffentlicht.
1994 folgt eine Promo-Copy „Lovesongs of the forsaken”, welche weltweit auf hervorragende Resonanzen stößt, so dass sie 1995 als E.P. veröffentlicht wird.
Der sehr atmosphärische und dunkle DOOM METAL kommt überall gut an.

Und wieder wird das Line-Up durcheinandergewürfelt. Mit neuen Leuten und neuem Mut machte man sich endlich an die Aufnahmen zum Debut „Sorrow of the angels”, welches wieder nicht zu Ende gebracht wurde – zu negativ die Stimmung im Studio und in der Band. Tom kapituliert erst einmal, nimmt sich eine Auszeit und spielt eine Weile bei TWISTED TOWER DIRE und SOLSTICE.

1998 erscheint dann endlich das Album – doch auf Grund von finanziellen Grenzen und Zeitdruck,

wird es letztendlich nur ein Kompromiss der wahren Fähigkeiten der Band.
Trotzdem bekommt das Album fast überall euphorische Reaktionen.
Der Name WHILE HEAVEN WEPT wird schnell zum Synonym für EPIC DOOM.
Seelenschmerz, Trauer, Melancholie sind die Synonyme ihrer Welt.

INTERLUDE
Wie zuvor kommen und gehen weitere Musiker. Man beginnt Keyboards zu integrieren.

MICHELLE SCHROTZ tritt erstmals der Band bei. Die Jahre vergehen mit vielen Rückschlägen und Querelen. TREVOR SCHROTZ / Drums spielt ab und an in der Band.

Ende 2000 steht Tom einmal mehr vor dem totalen Kollaps. Anwaltskosten, Geldstrafen und erneut seine Alkohol-Exzesse zwingen ihn in die Knie.
Immer wieder sind WHILE HEAVEN WEPT in der Versenkung verschwunden.

Und immer wieder braucht er die Band um seelische Kompensation zu betreiben.

Im Jahre 2002 geht man das Nachfolge-Album „Of Empires Forlorn” an. Tom singt die Tracks anders als in der Vergangenheit mit cleanen Vocals ein und prägt so den veränderten Stil der Band.


Bevor das Album im Jahre 2003 erscheint, wird die Aufnahme jedoch wieder unterbrochen (die zur Verfügung stehende Zeit wird überdehnt, so dass das Studio wieder geräumt werden muss, andere Künstler haben sich eingebucht) und zunächst erscheint die Single „The Drowning Years”.
Ausserdem wird eine Compilation der ersten Jahre „Chapter One: 1989-1999” veröffentlicht.

 

CREATION AND CHAOS
Die Fortführung der Aufnahmen zu „Of Empires Forlorn” gehen dann recht schnell, für Band-Verhältnisse. Im Frühjahr 2003 erscheint die Scheibe und erhält weltweit hervorragende Kritiken.


Bei darauf folgenden Live Aktivitäten ist auch Michelle wieder an den Keyboards mit dabei.

Die geplante Europa Tour wird dann jedoch zu einer höchst unterhaltsamen Achterbahnfahrt.
Einige der Musiker können / wollen nicht mitmachen, so dass man die Tour mit verschiedenen

„Ersatz-Leuten” durchzieht, inkl. aller dazu gehörenden Höhen und Tiefen.
Auf jeden Fall zerfiel so der Kern der Band ein weiteres Mal.

NEW DAWN
Im Sommer 2004 treffen sich Tom und Trevor um für das neue Album zu proben.

Die weiteren Bandmitglieder bekommen die erarbeiteten Teile der Songs dann per MP3 zugeschickt.
Diese Vorgehensweise schont die Nerven aller Beteiligten und war wohl ziemlich fruchtbar, so dass bereits im April 2005 mit der Produktionsphase begonnen werden konnte und doch dauerte es bis spät ins Jahr 2009 bis das Album veröffentlicht wurde.

Zum einen wurde das Album zum größten Teil von Tom finanziert, der irgendwann am Ende seiner finanziellen Möglichkeiten stand, zum anderen ist er als Perfektionist bekannt, der ewig an den Dingen feilen kann.


Außerdem machte sich Tom klar, dass er das neue komplexere Material nicht so ohne weiteres als Gitarrist und Sänger begleiten konnte – so wurde 2008 der neue Sänger RAIN IRVING in die Band geholt. Ein Glücksgriff, wie er wohl nicht besser zur aktuellen Musik der Band passen könnte ...

 

DISCOGRAPHY - Hauptwerke
Lovesongs of the Forsaken EP     1995
Sorrow of the Angels                  
1998
Chapter One: 1989-1999            
  2002
Of Empires Forlorn                      
2003
Vast Oceans Lachrymose             
2009

 

Doch bevor wir hier zum aktuellen Werk der Band kommen, zum Geniestreich mit RAIN IRVING,

lasst uns erst noch ein wenig bei "Of Empires Forlorn" verweilen, der Scheibe, mit der mein Einstieg in die Welt dieser Band begann.

 

Viele der Songs entstehen über lange Zeiträume, oder werden über die Zeit hinweg verändert.

"In Aeternum" zum Beispiel war auch schon auf der ersten E.P. vertreten, allerdings in einer anderen Version.

 

So sind diese beiden Outputs "Of Empires Forlorn" und "Vast Oceans Lachrymose" wohl auch als Hauptwerke anzusehen.

Wer danach noch tiefer einsteigen möchte, sollte sich die Compilation "Chapter One" zulegen.

 

Doch nun endlich - AUF IN DIE GANZ EIGENE, MAGISCHE WELT VON WHILE HEAVEN WEPT ...

 

 

 

 

While Heaven Wept - Of Empires Forlorn 2003

Tracklist
1. The drowning years  5,42
2. Of empires forlorn  7,51
3. Voice in the wind  6,23
4. In aeternum  7,31
5. Soulsadness  7,23
6. Epistle No. 81  3,24
7. Sorrow of the angels  5,01
Gesamt-Spielzeit   43,12  min

WISSENSWERTES

Stil
Epischer Doom Metal

Tendenzen
Candlemass, etwas alte Fates Warning,
Sprenksel von U.S.-Metal und traditionellem Metal

Anspiel-Tipps
Of Empires Forlorn, In Aeternum,
Soulsadness, Sorrow Of The Angels

Label
Rage Of Achilles Records

Die Band
Tom Phillips        Gesang, Gitarre, Keyboards
Scott Loose         Gitarre
Jim Hunter           Bass
Jason Gray          Drums

EINDRUCK
Leises Wellenrauschen eröffnet den ersten Song bevor, untermalt von breiten, sphärischen

Keyboard-Sounds, Glockenschläge zu hören sind. Doch dann steigen die Gitarren mit wuchtigen,

schweren Riffs der Marke CANDLEMASS / early BLACK SABBATH ein.
Zwiestimmige Harmonien, die weiche Stimme von TOM PHILLIPS - episch, as EPICS can be

- erste Anflüge von GÄNSEHAUT.

Die Melodien im Gesang, die Keyboard-Untermalung, die feinen Gitarrenharmonien

- alles in sehr gemäßigtem Tempo - feierlich, fast sakral anmutende, musikalische Erhabenheit.
"The drowning years" - ein Lehrbeispiel für EPISCHEN DOOM METAL - am Ende noch mal mit instrumentaler, fast schon symphonisch anmutender Breitwand-Emotionalität.
Nicht sonderlich hart, eher ruhig angelegt, trotz der Metapher DOOM METAL.

Dann das Titelstück "Of empires forlorn" - die Riffs formieren sich hier näher in Richtung alte

FATES WARNING. Der Gesang ist nicht sonderlich kraftvoll, nicht shoutend, sondern mit klarer Stimme vorgetragen, doch bei genauerem Hinhören - absolut charismatisch und passend.
Im Gegenteil - allmählich ertappt man sich dabei, dass einen die Emotionalität des Vortrags packt

- langsam, stetig, aber unausweichlich.
Für dieses wahrhaft epische - aber immer die Klippen des überzogen Pathos umschiffende - Liedgut,

ist diese Art des Singens absolut passend. Nicht im Vordergrund, sondern fast schon als eigenständiges, melodienmalendes Werkzeug im Gesamtsound untergebracht.
Immer wieder gehen die Strophen schrittweise in höhere Tonlagen - langgezogene Endungen.
Am Ende plötzlicher Einsatz von Growls - ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen.
Der Druck der Gitarren nimmt etwas zu, bevor wieder diese unvergleichlichen, epischen Strukturen Einzug halten - der Song klingt langsam auf Keyboardflächen aus.

Die hier eingesetzten YouTube Beispiele sind leider nur als Audio Stream vorhanden,

sie geben trotzdem einen guten Einblick in die Musik.

Allerdings sollte man wissen, dass der tatsächliche Sound des Albums natürlich besser ist.

 

 

"Voice in the wind" ist eine ruhige Nummer, mit starker Keyboard Untermalung.
Die Gitarren sind eher punktuell eingesetzt, der Gesang - der VOICE IN THE WIND - klingt irgendwie auch so. Etwas verloren, klagend, einsam und leidvoll - "... the sorrow never ends ..."

Die Songs sind meist (wie in der Biography nachzulesen) über einen langen Zeitraum entstanden.
Ein Teil war schon auf anderen Veröffentlichungen der Band vertreten und wurde hier noch einmal überarbeitet.
Außerdem stehen mit "Epistle No. 81" einem schwedischen Volkslied und dem besagten

"Voice in the wind" einem Text von KLAUS HESS (Album "Between Heaven And Hell" 1977 - Band Jane aus Hannover), auch zwei Cover auf der Scheibe.

Und doch kann man sich dieser Magie, welche hier entfaltet wird, unmöglich entziehen.
Im Gegenteil - je länger dieses Album andauert, umso stärker greifen die einzelnen Elemente ineinander über. Die warmen Sounds des Keyboards, die epischen Strukturen der Songs, die niemals aufdringlichen Gitarren, welche jedoch so feine Stimmungen einbringen.
Und natürlich der emotionale, leidende, schwermütige Gesang von TOM PHILLIPS.
Bass und Drums sind eigentlich eher unspektakulär und doch unterstützend, werden meist erst auf das zweite Ohr wahrgenommen, sind aber unabdingbar für den Sound.
Und dann ertappt man sich dabei, plötzlich wieder auf den Bass zu hören - kein Wunder, denn hier ist immerhin ein TWISTED TOWER DIRE Mitglied am Start.
Interessant allerdings auch, dass die Songs - textlich voller Verzweiflung und Leid,
und die Musik - trotz Doom-Charakter - eher positiv und leicht, einen gemeinsamen Weg finden.

Wenn nach 3,30 min im Stück "In Aeternum" plötzlich alles zur Ruhe kommt, um Keyboards und Akustik Gitarre Raum zu geben,  Tom dazu eher haucht, ein paar Sätze erzählend im Hintergrund darbietet, bevor ein Instrumentalteil anschließt, der wieder eher an FATES WARNING Taten zur Zeit des GUARDIANS erinnert, dann haben wir wirklich greifbar DIE MAGIE vor Augen, welche solche Musik zu weben im Stande ist.

In "Soulsadness" wird es dann wuchtiger, bevor wieder so eine ruhige Gesangs-Passage eingestreut wird, die Instrumente steigen wieder ein.
Pathos - Erhabenheit - Melodieverständnis - stimmungsvolles Leid.
"Drinking away this lonely life - I'm bleeding to death inside,

  Torn apart by bladed words - In sorrow capsized"
Und wenn Tom dann die Worte "Now, I know I will die alone ..." spricht, läuft es mir immer noch eiskalt den Rücken runter. Die leichte Tempoverschärfung am Ende des Songs rundet ab.

Diese Musik schafft es immer wieder einem Herz und Seele zu öffnen, nachdenklich zu stimmen,

Alltag vergessend, fokussiert auf Stimme und Stimmung.
Überhaupt ist der entfesselte Sog des Albums, wenn es dem ENDE zugeht, unwahrscheinlich stark.

Die Spirale aus Leid, Schmerz und Seelenpein hat mich gepackt, wirft mich emotional aus der Bahn.

Die Kirchenorgel ähnliche Stimmung der Keyboards bei "Epistle No. 81".
Der feierliche Gesang - die Vorbereitung auf das Leid der Engel.

Kaum noch beherrschbar der innere Schmerz, kommen die wuchtigen Riffs, wie Schicksalsschläge auf einen hernieder.
"Heaven weeps with my sorrow ... an infinity of angels, share the tearstreams I pour away

   ... love is lost forevermore, you are mourned by this rain ... FOREVER WEEPING"
Und Du kannst in diesen Himmel sehen, wenn am Ende des Songs der Gesang verstummt und das grandiose Finale einsetzt. Eine hymnische Keyboard-Melodie, Akustik Gitarre und dann der letzte leidvolle Stimmungs-Overkill - Wellenrauschen ... und AUS.

ETWAS WEINERLICH - ja, eigentlich schon,
PATHETISCH - natürlich,
EMOTIONAL - 100%,
ABER - soooo schön ...

FAZIT
Die Produktion ist eher etwas flach für heutige Verhältnisse

- aber nicht schlecht, passt irgendwie zum Sound
Die doomige Atmosphäre eher ruhig, denn brachial

- aber emotional aufgeladen und fesselnd.
Der Gesang eher unspektakulär, denn kernig

- aber voller Leid, Verzweiflung und GEFÜHL.

Für diese Form der Musik doch ziemlich vielschichtig und bunt.
Wahrhaft eine Nischenband, welche es wohl den meisten nicht leicht machen dürfte.

Und doch - DIESE MELODIEN, diese unglaublichen Melodien ...

 

RECHTZEITIGE WARNUNG:

Und doch sollte dies nur Zwischenstation sein auf dem Weg zum erst 2009 folgenden MEISTERWERK.

Verzeiht nun meinen PATHOS, aber dem Output MUSS gebührend Rechnung getragen werden.

Lehnt Euch zurück, nehmt genügend Zeit und Wein in die Hand ... der WAHNSINN beginnt ...

 

 

 

While Heaven Wept

- Vast Oceans Lachrymose 2009

Tracklist
1. The furthest shore  15,51
2. To wander the void  6,28
3. Living sepulchre  4,00
4. Vessel  7,48
5. Vast oceans lachrymose  5,02
6. Epilogue  3,13
Gesamt-Spielzeit   42,16 min

WISSENSWERTES

Stil
Epic Doom Metal

Tendenzen
alte Fates Warning

Anspiel-Tipps
The furthest shore, To wander the void, Vessel

Label
Cruz Del Sur Music

Die Band
Rain Irving              Gesang
Tom Phillips             Gitarre, Keyboards, Harmony Vocals
Scott Loose             Gitarre
Jim Hunter              Bass
Trevor Schrotz         Drums
Michelle Schrotz       Keyboards, Harmony Vocals

EINDRUCK
Schon das Cover lässt Hoffnung und Ahnung zugleich in mir erstehen.
Auf stürmischer See, segelt das scheinbar dem Untergang geweihte Schiff, den fernen Ufern entgegen, wo in Licht getaucht - welches aus dunkel-schweren, Schicksal verheißenden Wolken bricht,

der Ort der Rettung, der Verheißung oder des endgültigen Untergangs sooo nahe,

und doch wahrscheinlich unerreichbar scheint.

Doch - haben wir uns geirrt - kein langsames Intro - keine sphärische Sounds.

Wuchtiges Riffing empfängt uns, schwere Schläge der Drums, Mid-Tempo Walze, die sich sogar

urplötzlich ins Stakkato-Riffing steigert. Doch dann erklingen kurz diese eigenen Keyboard-Melodien,

welche die Band so einmalig machen - unter anderem.
Denn da ist auch wieder diese Schwermut, verbunden mit der musikalischen Leichtigkeit des Seins,

der sehnsuchtsvollen Erhabenheit der Meister des Fachs.

VERZEIHT MIR - aber ich musste zur Feier der Stunde, schwer-roten Wein mit zur Rezi bringen.
Unfassbares Liedgut bedarf unfassbarer Methoden der Erklärungsversuche - ach vergesst es.
Einer DER Jahrhundert-Songs prasselt auf uns hernieder, unvergleichliche Anmut,

Göttermelodien, FATES WARNING Riffing der alten Schule.


Diese Harmonien fressen meine Wiederstände sofort auf, diese Gitarren lassen mich niederknien,

diese sphärische Atmosphäre lässt mich schweben, dieser emotionale Gesang lässt mich zerrütet auf mein Wesen blicken.

Die Produktion ist um zwei Klassen besser, als beim vor 6 Jahren erschienen Vorgänger.
Alles drückt, die Drums sind klarer, lassen die feinen Strukturen diesmal zur Gänze sehen, der Bass ist festes Fundament und der Gesang von RAIN IRVING - nichts gegen TOM PHILLIPS - GRANDIOS.

Das Duell der Gitarren mit den Keyboards im Mittelteil, die zweistimmigen Leads, die progressiven Gitarrenläufe (eines der Unterscheidungskriterien zum Vorgänger - die zunehmende Progressivität),

die Harmonien und die Gesangsmelodien - ES IST UNGLAUBLICH,

und doch kommt der eigentliche Hammer dieses fast 16 min. EPICS erst noch.


Doch zunächst die Textzeile ".. so long ago ..." immer wiederholend, langgezogene Wörter

- dann die aufbrechenden Lichtstrahlen, durch den Keyboardeinsatz.
Ruhe - Akustik Gitarre - im Wechsel mit brachialen Rifforkanen, die dann weiterstürmen,

dem fernen Gestaden entgegen, so schnell waren WHILE HEAVEN WEPT selten.
Doch dann, DOCH DANN ... kurzes Feuerwerk - Wiederholung des Hauptthemas

- reine Atmosphären-Keyboards und Ruhe ...

... eine Akustik Gitarre klingt im leeren Raum, die tiefen Emotionen sind greifbar, zerfetzen meine metallische Panzerung, legen Gefühle frei, längst verloren geglaubt.
Fast wie eine Western-Atmosphäre zunächst, werden die Harmonien von den sphärischen Keyboards unterlegt, die Sologitarre läuft kurz an, nur um von erhabenen Gesangs-Spuren verdrängt zu werden:


"Washed ashore, succumb to the sea - the waves force upward my lifeless eyes,
  To watch the sun set for the last time - only in death, would peace be mine"


Welch Pracht, der Himmel öffnet sich, strahlender Glanz schimmert durch dunkle, schwere,

Regen-verhangene Wolken, JOHN ARCH - typische Aaah-Aaah-AAAAHHHH Tonfolgen

dringen durch mich hindurch, nehmen mich mit auf die Reise - Wiederkehr, Entgültigkeit,

Schicksal - Ergriffenheit - ich weiß es nicht.


Der Song killt mich, bringt mich um, wirft mich aus der Bahn und zerstört meine aufgeblasene Selbstherrlichkeit. Diese Melodien zum Ende, wenn es instrumentalen, melodischen Wahnsinn mit der ganz großen Kelle gibt, es ist UNFASSBAR ...
... und die Töne erheben sich zu einem CHORAL VOLLER GLANZ UND GLORIA

Leute dies ist EPOCHAL -EINZIGARTIG - ERHEBEND - GÖTTLICH , und doch erst der erste Song !!!

Schnell einen Schluck aus dem geduldig wartenden Glas

- es ertönen die ersten Riffs und Läufe zu "To wander the void".


Wieder schwer, kräftig, WAS IST DAS ... RAIN IRVING steigt ein,

wie JOHN ARCH zu AWAKEN THE GUARDIAN Zeiten,  PRELUDE TO RUIN Melodien,

wir schreiben das Jahr 1986, der Gesangs - Gott scheint wiedererstanden zu sein.


Schwere Riffs peitschen den Song unweigerlich nach vorne, die Keyboards werden nur selten eingesetzt (eine weitere Unterscheidung zum Vorgänger), sie können sich später noch austoben.
Feine Sologitarren übertönen die schweren, treibenden Riffs

- dann wieder diese Band-eigene Erhabenheit in der Songstruktur - der WAHNSINN.

"Living sepulchre"
- der progressivste Song des Albums, voller quirliger Gitarrenläufe, treibenden Drums und verdrehten, zweistimmigen Gesangslinien. Oft schnelle Fahrt aufnehmend

(der nächste Unterschied zum Vorgänger - hier wird doch öfter mal Gas gegeben),

im Mittelteil gar mit kleinen Double-Bass Einlagen.
Psychotic Waltz Gitarren Spielerei kurz vor Schluss, bevor die Akustik Gitarre aus dem Song hinaus ...

... und wieder hinein führt - wir sind bei "Vessel" angelangt, und ich garantiere für nichts mehr.
Jetzt schon mental erschöpft, wird nun der Gnaden-Stoss versetzt.


Zu Beginn noch fein auf Akustik Gitarre aufgebaute, leichte Weise, werden sofort wieder die zweistimmigen FATES WARNING Gedächtnis Gitarren angeworfen.
Die erste Strophe klingt bereits wie ein vor Melodien strotzender Refrain - wo soll das hinführen.
DER REFRAIN BRICHT SICH BAHN - erstrahlt in hellstem Licht, zwei- oder dreistimmig vorgetragenes Ereignis: "Tonight, will you sail away, with open arms and eyes ablaze?"

Es ist eine dieser Textzeilen, die einen ein Leben lang verfolgen wird.


Doch dann der Stich ins weit geöffnete Herz "BELIEVE ... IN ME ..." - noch erhabener,

noch grandioser geht nicht. Nach kurzer Zwischenstrophe wird gleich wieder dieser Refrain ohne Gleichen ins Hirn geschossen ... diese Harmonien - ICH KANN NICHT MEHR
Dieser musikalische Farbenrausch bezwingt, dieser Refrain ist sowas von erhaben, es gibt mich nicht mehr, ich habe mich in dieser Musik verloren ...

... und doch kommt eine weitere Steigerung, die Keyboards setzen ein, im Zusammenspiel mit einer

von wenigen Tönen getragenen Mittelbridge. Wieder eine kurze Strophe, nur um sich wieder in die ungeahnten, melodischen Höhen dieses Refrains aufzuschwingen.

DAS KRIEGST DU TAGE NICHT MEHR AUS DEM KOPF ... diese Gitarren, diese Stimme,

diese STIMMUNG und ATMOSPHÄRE ... "BELIEVE IN ME - BELIEVE IN ME - BELIEVE IN ME ..."

Zerrüttet liege ich am Boden, aufgewühltes Herz und unruhige Seele wund,

unerträglich phantastisches Liedgut ertragen musste ich ...

 

Sound auch hier leider nur suboptimal - aber der Eindruck zählt,

und Nun stellt Euch dies in PERFEKTEM SOUND vor - METERDICKE GÄNSEHAUT ...

 

 

... und so schleppte ich mich mit letzter Kraft, an fernen Gestaden, an den von jeder Seele verlassenen Strand, nur das offene Meer und der weite, nächtliche Sternenhimmel waren meine stillen Begleiter.
Und ich träumte von meiner sehnsuchtsvollen, mich verlassenen Liebe, mit der Hoffnung auf Rückkehr, die Zeiten kamen und gingen, wie die Wellen, leise plätschernd in der Nacht,
"Yet I've become stone, watching worlds dying, negating the solace I've never known."

Der fünfte Song, das Titelstück, weist zwar einen Text im Booklet auf, ist aber ein rein instrumentaler Song, der Dich langsam aus dem Erlebten hinausbringt, langsam erwachen lässt,

dein müdes Haupt bettet auf hymnischen, weiten Melodien - prachtvollen Harmonien.
Ein Lied voller flächigen, warmen Keyboards, himmel-jauchzenden Gitarren,

voller Pracht - voller Epic - VOLLER SEELE.

Die Hälfte des Weges ist geschafft - doch noch bin ich nicht zufrieden, immer noch nicht gänzlich beruhigt ist mein Wesen - "Epilogue" - die abschließende, wieder rein instrumentale Nummer, beginnt mit Wellenrauschen, bevor die Keyboards eine ruhige Klangwiese vor einem ausbreiten.
Endlich zieht Frieden in mein Innerstes - das Atmen wird ruhiger - die Emotionen flacher 

ICH BIN ZUHAUS ...

 

FAZIT
Ein ganz und gar NOBLES und EDLES Schaffens-Werk
Voll stolzer Erhabenheit und tief bewegender Momente

ABSOLUT AUSSERGEWÖHNLICH ... AN DRAMATIK NICHT ZU ÜBERBIETEN,

VERZEIHT DIE PLATTHEIT ... ABER - ZUM STERBEN SCHÖN ...

 

VERTONTE POESIE

 

 

 

Unbedingt erwähnt werden muss die Tatsache, dass BEIDE Alben einen ungemeinen Sog entwickeln

und in der Gesamtheit viel besser noch funktionieren, als herausgehobene einzelne Songs.

 

Es ist ein Erlebnis sondergleichen - eine Kunst so zu arrangieren.

Diese Reise, auf welche man sich hier einlässt - sie prägt, sie verändert, sie fordert.

Aber sie behütet auch, sie umschmeichelt, sie tröstet ...

 

... und sie birgt trotz der emotionalen, eher depressiven Ausrichtung, seltsamerweise

eine ganz starke positive Ausstrahlung in sich ... zumindest nehme ich dies immer so wahr.

 

Ich kann hier nur von GENIESTREICHEN einer grundehrlichen,

tief dem Untergrund verbundenen Band sprechen.

Der Beweis das TIEFE EMOTIONEN auch - oder gerade im Metallischen Parallel Universum,

einen festen Bestandteil bilden sollten - nein, bilden MÜSSEN ...

 

Und bevor ich hier noch weiter schwafle, Euch auf den Zeiger gehe, ihr mich für verrückt erklärt ...

Es gibt ein Wort, welches selten so zutrifft, wie hier: EPOCHAL ...

 

Gute Nacht .................

 

Webpage der Band  

                                                                                                                             DARKEN TOM