März 2009
DIESMAL Ein All-Star-Project der besonderen Art
Stil: Retro-Prog
Die Band
Neal Morse Vocals, Keyboards, Guitars
Roine Stolt Guitars, Vocals, Percussion, Mellotrons
Pete Trewavas Bass
Mike Portnoy Drums, Percussion, Vocals
Die Altvorderen wollten es richten, es Allen zeigen.
Eine illustre Schar Musikbesessener wandelt auf den Spuren der Vergangenheit.
Ist doch die Musik stark an den Großen der 70er Jahre angelehnt, ohne Kopie zu sein.
Bands, wie Yes (wohl in erster Linie), EmersonLakePalmer, Genesis, Jethro Tull und sogar die Beatles (was den famosen Chorgesang angeht), standen Pate bei diesem Projekt,
bei dem 4 herausragende musikalische Persönlichkeiten der Neuzeit Tribut zollen.
Neal Morse (ehemals Kopf, heute ex-Spock’s Beard), ist einer der Ideengeber und Gründer der Band. Multi-Genie, Sympathie-Bolzen, Antreiber.
Mike Portnoy (Dream Theater), der zweite Gründer-Vater. Dynamik-Perpetuum-Mobile, Timing-Gott, Präzisions-Uhrwerk, Power und Groove.
Beide wohl gleich extrovertiert – da brauchte es zwei Gegenpole der ruhigeren Art, um den Output zu kanalisieren, zu lenken.
Roine Stolt (The Flower Kings), war eigentlich nur Ersatzmann für den terminlich verhinderten Jim Matheos (Fates Warning). Gefühls-Mensch, Steve
Howe / Yes-Anhänger, zurückhaltend und Breitwand-Harmonie-Denker.
Pete Trewavas (Marillion), Ruhepol und unaufdringlich, aber wohl die eigentliche Entdeckung des Ganzen, da er sich hier in bester Chris Squire / Yes-Manier, am Bass ausleben kann.
Takt- und Melodiegeber, roter Harmoniefaden in der frickelig-umwerfenden Welt von TRANSATLANTIC.
So gründet sich diese Band im Jahre 1999, nur um sich nach zwei Alben im Jahre 2002 wieder aufzulösen. In diesem Jahr trennte sich Neal Morse von Spock’s Beard, um sich mehr Christlicher Musik zu
widmen, Transatlantic bricht auch auseinander.
Kurz war die Zeit und doch bringt sie uns zwei ganz wunderbare Alben, welche in verschiedenen Versionen zu erwerben sind.
Beide gibt es in den hier erwähnten Special Editions – als CD-Buch aufgemacht, absolut lohnend,
als auch in einer Single-CD Version.
Darüberhinaus gibt es zwei Livealben (auch als DVD), einen Remix von Stolt zum ersten Album und ein Making-Of des Zweiten.
Alles nett, ohne jedoch Neues zu den beiden Alben zu liefern.
Gerüchteweise wird immer wieder über eine Reunion spekuliert.
Sollte dabei auch nur ansatzweise etwas Vergleichbares, als die vorliegenden Studio-CD’s entstehen können, so wäre dies mehr als wünschenswert.
CHRONOLOGIE
Studio-CD's
2000 SMPTe
2001 Bridge Across Forever
Live-CD und DVD's / Alternativ CD
2001 Live In America
2003 SMPTe - Remix von Roine Stolt
2003 DVD - Live In Europe
2006 DVD - Building The Bridge And Live In America
SMPTe (Doppel-CD) 2000
Disc 1:
1. All of the above 30,59
2. We all need some light 5,45
3. Mystery train 6,52
4. My new world 16,16
5. In held (twas) in I 17,21
Gesamtspielzeit 77,13 min
Disc 2:
1. My new world (Lead Vocals by Neal)
2. We all need some light (Lead Vocals by Stolt)
3. Honky tonk woman (Studio Jam)
4. Oh darlin’ (Studio Jam)
5. My cruel world (Original Jam)
Das erste Ausrufezeichen der Band ist doch etwas Neal Morse lastig ausgefallen, vieles klingt nach Spock’s Beard Großkompositionen, allerdings auf bestem Niveau.
Dies liegt wohl daran, das der gute Neal mit einer wahren Fülle, an nicht zu verwerfenden
– da zu guten, Ideen zum eigentlichen Songwriting Prozess ankam.
Er kam – sah – und siegte offensichtlich.
Und doch ist es dieses unglaublich tighte Zusammenspiel, dieser 4 Ausnahmekönner, die dann diese Kompositionen verändern, transportieren und auf ein unglaublich hohes Niveau führen.
Hier kann man die Lust und die Freude der Musiker am Zusammenspiel fühlen. Geprägt von hochmelodischen Strukturen, Tempo Variationen und Taktwechseln, wird hier ArtRock vom Feinsten geboten. Die
Gesang-Parts werden aufgeteilt, mit Hauptgewicht bei Neal Morse, dessen Variationen im Ausdruck einfach umwerfend sind. Doch auch gerade Roine Stolt, mit seiner möglicherweise etwas weicheren,
traurigeren Stimme, trägt zur Atmosphäre dieses Werkes bei.
Mit der Abfahrt "All Of The Above" startet man gleich in die
weite Welt des ProgRock durch.
Hier werden unterschiedliche Songteile geschickt miteinander verwoben, nachvollziehbare Breaks in der Musik schaffen Interesse, der Bass groovt knackig, es wird immer wieder soliert – Gitarre und
Keyboard, und so entsteht ein facettenreiches Epos, mit traumhaftem Refrain - bestes Kopfhörer-Futter. Etwas weniger verspielt möglicherweise, als bei den Bärten - europäischer in Songführung und
Melodik.
Die Gitarrenarbeit Stolts strotzt vor YES-Remineszensen (Steve Howe), und man kann an die Leichtigkeit des Seins wirklich wieder glauben, wenn man Morse singen hört.
Die Farben sind sanft und warm, Behaglichkeit spürend können wir dem Song folgen, zu Sphären des Glücks, Harmonien welche uns tragen. Das ist ArtRock vom Feinsten, mit Jam-Strukturen, wiederholenden
Grundthemen in Text und Musik, und wenn zum ersten mal nach 12 Minuten das Leitthema auf der Gitarre vorgetragen wird, geht unweigerlich das Herz auf.
Und dann eröffnet uns Neal in Part 5 das Hauptthema - Undying Love, naive Blauäugigkeit oder nur erstrebenswertes Ziel - egal, es packt. Und das Thema wird zurückgeführt zum Anfang des Songs in Text
"...this has never been before - while the sun burns bright as day - light the sky - hold back no more..." und der wunderbaren Melodieführung von Minute 12, inclusive Variationen, der Song gleitet
sanft zu seinem Ende - ja, ich möchte fühlen, mich ergeben - DANKE für diese Musik.
Dann eine kleine pittoreske Akustik Gitarreneinlage bevor wieder wärmend Neal's Stimme erklingt, erzählt von Traurigkeit, Hoffnung und Licht "We All Need Some
Light".
Eine wunderschöne Ballade, zart, sanft - mit einem exzellenten Gitarrensolo, Glockenklang -
...turn on the light and wash the darkness away...
"Mystery Train" erinnert gar an die alten Prog Helden King Crimson, es wird gejamt und in den Gesangslinien findet man gar eine Prise
Beatles.
Nicht ganz so zwingend wie die ersten beiden Songs, trotzdem gut.
Und dann "My New World" - von Roine Stolt geschrieben, und damit doch recht nahe an den Flower Kings. Ein Cello begleitet einen in diese Neue
Welt, um von Synthies abgelöst an die Gitarre zu übergeben, jubilierend, episch-erhaben, zeitlos. Frickelig, breakig nach vorhergegangenem eher ruhigen Mittelstück. Am Ende dann monumentales, sehr
spannendes Finale.
Das letzte Stück ist ein Cover von Procal Harum "In held (twas) in I" - keine Ahnung, was das bedeutet, aber der Song ist auch wieder geprägt von
Spass und Spielfreude.
Hier darf jeder noch einmal bestimmte Gesang-Parts übernehmen. Die Hammond Orgel tönt, es wird gerifft, gebreakt und wieder zur Ruhe zurückgeführt.
Am Schluß dann fast schon in eine Art Marsch (Hochzeit - hörts Euch an).
Irgendwie spassig und damit Leitlinie dieses Album, welches mit Sicherheit zu den Besten des Jahres 2000 gehört. Und somit eigentlich unverzichtbar für jeden aufgeschlossenen Musik-Konsumenten, halt
– nein, schneller Konsum steht hier nicht im Vordergrund.
Bridge Across Forever (Doppel-CD) 2001
Disc 1:
1. Duel with the devil 26,43
2. Suite charlotte pike 14,30
3. Bridge across forever 5,32
4. Stranger in your soul 26,06
Gesamtspielzeit 72,51 min
Disc 2:
1. Shine on you crazy diamond 15,05
2. Studio chat 4,51
3. And I love her 7,56
4. Smoke on the water 4,24
5. Dance with the devil 9,07
6. Roine Demo Bits 9,00
7. Interactive Section
Ein Cello erklingt, zarte Melodie - das Grundthema des Songs wird vorgestellt, um dann von Gitarre und Synthies weitergetragen zu werden, verwandelt sich in die erste instrumentale Prog Abfahrt des zweiten Albums, ehe nach 4,40 min zum ersten Mal der Gesang von Neal Morse einsetzt.
"Have you woke up screaming in the silence of the night ?
- You wish you could start dreaming in clouds of white,
But everything could change tonight
- when you duel with the devil living in your mind"
Willkommen im ersten Teil (von Fünf) des Longtracks "Duel with the devil" - "Motherless children".
Trägt dieser erste Teil klar Spock's Beard in sich, wird im zweiten Teil "Walk away" eher die Stolt Schiene gefahren, danach entwickelt sich der Song mit Riffs, Hammond-Orgel und
Schlagzeug-Dominanz zu einem druckvollen Instrumentalstück, welches überleitet in eine sehr feine Gitarrensolo-Einlage, ein Saxophon erklingt, um wieder mit der ersten Textzeile des Songs (s.o.) in
den dritten Teil überzuleiten "Silence of the night".
Eine kurze Gesangsnummer mit leidendem Gesang von Neal, ehe im vierten Teil "You're not alone" sich Hoffnung breit macht. Eine entspannte Nummer, fast jazzig, mit klugem Bass und
Schlagzeugspiel, sanften Backgroundvocals und dann nach 18,40 min entwickelt sich die zarte Hauptharmonie aufs Neue, entrückt und schwebend. Darauf folgt noch einmal eine kleine Demonstration
modernen Progs, Mike darf mit seinem Schlagzeugspiel überleiten in den fünften Teil "Almost home". Hier wird unterstützt vom Elite-Choir noch einmal das textliche Thema von Motherless
Children aufgegriffen und im Background immer weiter transportiert, während der Song langsam an Fahrt und Bombast gewinnt.
Und dann ist wieder das Hauptthema im Vordergrund, frei und ungezwungen, monumental und ergreifend, Hoffnung verbreitend - Ausblick gebend auf Zuversicht. GROSSE
KLASSE.
BRIDGE ACROSS FOREVER ist eine Fortführung der ersten Scheibe, wir haben wieder diese unnachahmlichen Longtracks, wir haben die zu erwartende feine Ballade, wir haben wieder Spass am
Musizieren.
Trotzdem gibt es Unterscheidungen. Diesmal sprechen wir von Transatlantic Kompositionen, die Songs entstanden stärker im Zusammenspiel der beteiligten Musiker.
Alleine Bridge Across Forever trägt als Credit - Morse und Prince (eine Frau aus Neals Umfeld UND nicht der Pop-Kastrat der 80er!).
Der Sound ist dicht, die Produktion ist druckvoll, alle Instrumente sind klar auszumachen, was bei diesen 4 Ausnahmekönnern auch Sinn macht.
Und so entwickelt sich eine Scheibe, welche Spass macht und wohl auch den Beteiligten Spass bereitet hat.
So beginnt der zweite Song "Suite Charlotte Pike" wie aus dem Proberaum heraus aufgenommen, eine flockige, lockere Nummer.
Leichte Beatles Harmonien im Chorus treffen auf eine leichte Atmosphäre, das Leben ist schön.
Hier kommt auch Roine Stolts Stimme hervorragend zum Ausdruck. Gelassenheit regiert.
Auch dieser Song ist in mehrere Teile aufgesplittet - und selbst hier erklingt am Schluss noch einmal das "Motherless Children" Thema.
Dann kommt der Titeltrack "Bridge across forever" - aufgebaut auf Pianothemen entwickelt sich hier eine Schmachtballade allererster Güte.
Neal singt über Hoffnung, darüber das es mehr gibt als Leben und Tod, das man eine Verbindung schaffen kann - zwischen Leben und Tod, zwischen Zukunft und Vergangenheit, zwischen Traum und
Realität.
Dann der Abschluss "Stranger In Your Soul" - wieder ein Longtrack, unterteilt in 6 Abschnitte.
Insgesamt etwas rockiger angelegt, gut nachzuhören im zweiten Teil, wird hier noch einmal eine göttliche Melodie an die andere angereiht. Für mich der beste Song des Transatlantic Schaffens.
Hört die göttliche zarten Textzeilen in Teil 4 - "Awakening The Stranger", die Härte in Teil 2 -"Hanging In The Balance", die Gelassenheit und das Verwandeln derer in Teil 5 -
"Slide",
ehe in Teil 6 - "Stranger in your soul" alles sich zusammenfügt, Neal auf Piano aufbauend, sich eine zu Herzen gehende Textzeile nach der Anderen abringt, von singenden Gitarren
begleitet.
Gefühlvolle Synthies unterstützen diese Kulmination in den wahren Kern des Stückes.
Cello - Mellotron - Bombast - Orkan - Rückführung zur Ruhe.
Das Lied klingt aus auf der Pianomelodie - erschöpft bleiben wir zurück.
Auch darf man hier wieder die absolut herausragende Aufmachung der CD loben. Genau wie die erste CD ist diese Limited Edition wie ein Buch aufgemacht.
Es gibt superbe Bonussongs, Studio-Outtakes und einen umfangreichen Multimediateil.
FAZIT:
So werden einem zahllose "magische" Momente der Modernen (Alten) Rockmusik geboten.
Die Arrangements sind monumental, erscheinen jedoch durch die Aufteilung in verschieden Abschnitte und das immer variantenreiche Spiel nie zu lang.
Und so würde ich "Bridge Across Forever" sogar noch höher bewerten, als den Erstling "SMPTe"
Ganz klar eines der besten Rock / Prog / Musik - Alben zumindest ab der Jahrtausenwende, wenn nicht sogar aller Zeiten. Und so ist mir wirklich kein Grund bekannt diese Album nicht zu besitzen.
Allgemein bleibt festzuhalten, dass nach Anhören eines dieser Alben, stets eine positive Grundstimmung zurück bleibt. Sie packt mich immer wieder.
So bauen diese 4 Großmeister eine Brücke zwischen Anspruch und Emotion.
Eine Brücke zwischen Herz und Seele, zwischen Wärme und Klang.
Bist Du bereit Dich Ihr anzuvertrauen?
ROINE STOLT (Flower Kings) im Netz
PETE TREWAVAS (Marillion) im Netz
DANKE auch für Hinweise an die Webpage www.neal-morse.de, der offiziellen deutschen Neal Morse Community, schaut vorbei, es lohnt sich.
DARKEN TOM
