JUNI 2009

 

The Clash of the Titans ...

 

 

 

ALLEN / LANDE


Nachdem wir im April einen kleinen Schlenker in die Tiefen des Musik-Universums unternommen haben, um uns mit ARK zu beschäftigen, welche zwar nicht die erste, aber die damals sicherlich interessanteste Stelle eines Nachwuchs-Sängers mit Namen JORN LANDE war, wollen wir diesmal das Kapital ALLEN/LANDE genauer beleuchten.

War ARK (hier nachzulesen - im Monats-Thema April) mit ihrem ersten Album zunächst grundlegend progressiv-trocken angelegt, machten Sie mit ihrem zweiten Album den Schritt hin zum songdienlicheren Hard Rock.
Nach der Trennung von ARK war Jorn in einigen Gruppen involviert, u.a. BEYOND TWILIGHT,

die bekannteste war aber sicherlich MASTERPLAN, weiter veröffentlichte er hier schon Solo-CD's.
Inzwischen als einer der besten (möglicherweise sogar der kompletteste) Nachwuchs-Sänger anerkannt, waren seine Dienste gerade im Hard Rock / Melodic Metal Bereich heiß begehrt.

Wir schreiben inzwischen das Jahr 2005.
Ein weiterer Sänger, welcher eine besondere Achtung genoß war RUSSELL ALLEN von der Band Symphony X, einer Progressive Metal Band aus den USA, die gerade 2002 mit dem Album

"The Odyssey" mächtig für Furore gesorgt hatten, ein mächtiges, progressives, kraftvolles Werk.
Die Credibillity, die man diesem extrem kräftig, jedoch auch hochmelodisch singenden Kerl entgegenbrachte war enorm.

Und doch ist der eigentliche Protagonist ein ganz anderer.
MAGNUS KARLSSON - Gitarrist solcher Bands, wie LAST TRIBE und STARBREAKER. (Aktuell ist Magnus Gitarrist bei PRIMAL FEAR und schrieb die aktuelle Scheibe von BOB CATLEY - "Immortal" von 2008, welche er auch gleich mitproduzierte und seltsamerweise die Keyboards, nicht aber die Gitarren Spuren einspielte). Magnus stammt aus Schweden und hatte solch einen kreativen Output, das er unbedingt ein Projekt aus der Taufe heben wollte.

Da ihm schon beim Komponieren der Stücke diese zwei Sänger vorschwebten nannte er das Projekt ALLEN/LANDE. Er schrieb sämtliche Stücke für dieses Projekt, hat alles komponiert und produziert, trotzdem steht sein Name nur bescheiden in kleinen Lettern auf der Rückseite der beiden CD's, welche bisher unter diesem Projekt-Namen erschienen.

 

Discographie
2005 The Battle
2007 The Revenge


Damit entstanden zwei wunderbare Melodic Rock/Metal Scheiben, die immer noch zur Speerspitze dieser Musikrichtung gehören. Die zwei Stimmen der beiden Ausnahmesänger harmonieren hervorragend. Während LANDE etwas souliger, bluesorientierter, und doch sehr kraftvoll singt, eher dem Hard Rock zuzuordnen ist, ist ALLEN der wuchtigere, eher dem Metal-Lager entstiegene Shouter, der aber trotzdem sehr viel Gefühl mit einbringt.
Dies ist für mich auch das verbindende, sowie herausragende Element dieser beiden Scheiben.
Die Stimmen harmonieren eben aufs Beste miteinander, sind kraftvoll, aber immer auch gefühlvoll.

Unterscheiden in der Klasse der Songs kann man die beiden Alben kaum.
THE BATTLE ist etwas AOR-lastiger, THE REVENGE etwas druckvoller und knackiger.

Doch lasst uns einsteigen in die Welt des MAGNUS KARLSSON - Melodic Rock/Metal auf höchstem Niveau erwartet uns.

 

ALLEN/LANDE - The Battle 2005

Tracklist
1. Another Battle  5,19                  (Jorn & Russell)
2. Hunter's Night  5,39                  (Russell)
3. Wish For A Miracle  4,41            (Jorn & Russell)
4. Reach A Little Longer  5,26        (Jorn)
5. Come Alive  4,53                       (Jorn & Russell)
6. Truth Of Our Time  4,48             (Jorn & Russell)
7. My Own Way  4,47                     (Jorn)
8. Ask You Anyway  5,11                (Russell)
9. Silent Rage  4,24                       (Jorn & Russell)
10. Where Have The Angels Gone  4,44     (Jorn)
11. Universe Of Light  5,24             (Russell)
12. The Forgotten Ones  5,24          (Jorn & Russell)

        Gesamt-Spielzeit      60:33 min

Label
Frontiers/Soulfood

Anspiel-Tipps
Another battle, Reach a little longer, My own way, The forgotten ones

Eindruck
Bereits der erste Eindruck ist hier ausschlaggebend. Ein wunderhübsches Artwork des langjährigen MAGNUM - Cover Gestalters RODNEY MATTHEWS (hier geht's zu seiner ausgezeichneten Web-Seite), stimmt uns ein. Fantasy Elemente in kräftigen Farben.

Kraftvoll auch die Musik. Getragen von den beiden phantastischen Stimmen, wird hier ein Feuerwerk des Melodic Metal abgebrannt. Grosse Melodien - Grosse Emotionen.

Langsam steigen wir mit sphärischen Keyboard-Sounds in die Scheibe ein, ganze 90 Sekunden lang wird Spannung aufgebaut, ehe "Another Battle" mit Gitarren Riffs und fettem Schlagzeug explodiert, so den Weg ebnet für die erste Gesangspassage der beiden Protagonisten.

Die Produktion ist angenehm, nicht überzüchtet, lässt Instrumenten und Gesang genügend Raum,

hat trotzdem knackigen Biss.

Gitarrenläufe, Keyboard-Teppiche, wuchtige Drums - eine ideale Scheibe, um mal wieder den Lautstärke-Regler auf 11 zu drehen.
Refrains, die zum Mitsingen einladen, ob laut, ob schief - egal, mitleiden, mitfeiern muss man,

mit guter Laune beladen sein - dies sind die Emotionen dieser Scheibe.

Und dann haben wir die Balladen - meine Güte, immer kurz am Kitsch entlang geschrammt -

und doch wesentlich gehaltvoller. "Reach A Little Longer" ist so ein Beispiel.
Eine Piano Melodie eröffnet den Song, Jorn Lande transportiert die Strophen, und intoniert - voller Inbrunst. Die Melodien wabern gegen Himmel voller Farben - niemals zu pathetisch, doch oft mitten ins Herz - Gänsehaut pur.

Das muss einem nicht gefallen - ist es doch keine Scheibe für den engstirnigen Metaller.
Doch Klasse und Anspruch sollte man zumindest erkennen können.
Gitarren Soli aus der weiten Welt der Guitar Heroes - hier sind sie vertreten, jedoch niemals

im Ego-Gewichse versteckt, sondern songdienlich.

Und dann doch: "Come Alive" - heavy Riffing der Zakk Wylde (Ozzy Osbourne) Schiene, kraftvoll bratend und wuchtig. Dazu wieder diese erhabenen Refrains - dies unterscheidet die CD von herkömmlichen Hard Rock Acts.

Hier ist majestätisches Feeling, erhabene Gesangs-Parts, rockige Solo Arbeit (alles von Magnus eingespielt - Ausnahme ist hier nur das Schlagzeug). Die Refrains sind zwar eingängig, aber nie überladen, nein stets zielgerichtet. Sie packen Dich - unweigerlich.

"I'm gonna find my own way home" - aus "My Own Way" mag hier als Beispiel dienen.
Eine Textzeile, die jedem von uns uns doch aus der Seele spricht. Das berührt, wühlt emotional auf, ist tiefer gehend, als so manche überfrachtete Emo-Platte.
Weil ehrlich vorgetragen, aus dem Innern kommend - dies kann ich akzeptieren.

So treffen wir hier auf eine Melodic Rock/Metal Scheibe, verwurzelt irgendwo im 70er/80er Jahre Hard Rock,  garniert mit AOR Einflüssen, solcher Bands wie JOURNEY zu Rock-Zeiten (siehe die grandiose Abschluss-Nummer "The Forgotten Ones".

FAZIT

Eingängige, durchaus gefühlvolle, ehrliche Rock Songs.
Durchweg sehr hochklassige Refrains treffen auf knackiges Songwriting.
Zwei Ausnahme-Sänger im gemeinsamen Wettstreit.
Zurück bleibt eine ungemein positive Stimmung - die Schlacht ist vorüber - Schade.

 

ALLEN/LANDE - The Revenge 2007

Tracklist
1. The Revenge  5,51                   (Jorn & Russell)
2. Obsessed  4,47                        (Russell)
3. Victory  5,02                            (Jorn & Russell)
4. Master Of Sorrow  5,54             (Jorn)
5. Will You Follow  5,17                 (Russell)
6. Just A Dream  5,40                   (Jorn & Russell)
7. Her Spell  4,47                         (Jorn)
8. Gone Too Far  4,48                   (Russell)
9. Wake Up Call  4,47                   (Jorn & Russell)
10. Under The Waves  5,32           (Jorn)
11. Who Can You Trust  4,55         (Jorn & Russell)
12. When Time Doesn't Heal  6,13 (Jorn & Russell)

           Gesamt-Spielzeit      63:28 min

Label
Frontiers/Soulfood

Anspiel-Tipps
Master of sorrow, Under the waves, When time doesn't heal

Eindruck
Die Unterscheidungen des zweiten Albums sind vor allem in der Produktion und der Ausrichtung der Songs begründet.

Die Produktion wurde noch druckvoller gestaltet, etwas "Metallischer". Die Songs daraufhin auch etwas "härter" ausgerichtet. Als Beispiel können hier die Fast-Metal-Nummern "Will You Follow" und "Obsessed" dienen.


Ausschlaggebend hierfür dürfte die Hinzunahme von Sound-Mixer DENNIS WARD (Basser von

Pink Cream 69) sein, der der Scheibe wirklich einen wuchtigeren Anstrich verpasst hat.

Dies heißt jedoch nicht, dass sich grundsätzlich etwas am Songmaterial geändert hätte - nein.
Die Songs leben immer noch durch diese wirklich phantastischen Refrains - hört Euch hier nur einmal den Song "Her Spell" an. Die Gitarren liefern wieder so manche Gänsehaut-Melodie.

"Under The Waves" - vom Piano vorbereitet, von der Gitarre weiter transportiert - große Seelen-Streichler warten auf Euch.
Die Balladen sind unkitschige Gefühls-Monster "Master Of Sorrow" - knackig und kraftvoll.
Und die krachigeren Songs drücken ungemein, laden zum Mitgröhlen ein, haben grosse Gitarren-Solo Parts -  "Who Can You Trust".

Trotzdem ist die Grundstimmung der Scheibe etwas härter, etwas weniger AOR-lastig als das Debut.
Die Sänger gehen stärker aus sich heraus, als noch auf "The Battle", sind bissiger und bringen sich noch stärker ein, falls dies überhaupt möglich ist.

So entstanden wieder Gänsehaut-Momente, grandiose Hooklines, packende Arrangements.
Und wenn dann am Schluss wieder die Mega-Ballade, diesmal mit dem Titel "When Time Doesn't Heal" ausgepackt wird,  meine ich teilweise fast an seligste ASIA Momente erinnert zu werden (Strophen und Bridge), natürlich im stärkeren Hard/Melodic Rock-Gewand.

FAZIT

Packende Riffs - herausragende Soloarbeit - grandiose Sänger.
Große Melodic Rock / Metal Songs.
Die Messlatte liegt auch heute noch sehr hoch für diese Musik-Sparte.

 

Magnus Karlsson
Russell Allen
Jorn Lande

 

 

So wurden zwei Vorzeige Scheiben dieses Genres geschaffen.


"The Battle" hat möglicherweise die etwas eingängigeren Songs, ist AOR-lastiger.
"The Revenge" ist in der Grund-Aussrichtung härter und druckvoller.

Doch beiden Werken wohnt eine Leichtigkeit inne - in Songwriting und Gesangs-Leistung.


Beide Werke sind emotional packend - gefühlvoll und intensiv.


Für Freunde dieses Genres MELODIC ROCK/METAL (und aller angrenzenden Genres, wie

HARD ROCK / AOR / ROCK) unverzichtbar - denn beide Werke ragen unbestritten aus

der Masse heraus.


Doch der eigentliche Künstler, Erschaffer und Tauf-Pate dieser Scheiben ist MAGNUS KARLSSON

- vor IHM muss man den Hut ziehen - CHAPEAU !!!

 

                                                                                                                     DARKEN TOM