MONATSO(H)RGASMUS JUNI 2010 - AMY MACDONALD
ERNSTHAFT - GLAUBHAFT - FABELHAFT
Dazu diese unglaublich GROSSEN Augen.
Denkt bitte jetzt nichts Falsches, denn wir reden nur von Frauen, oder besser DER Frau.
Die Sängerin, welche mich die letzten 2 bis 3 Jahre, bei den Newcomern mit am stärksten berührt hat
- AMY MACDONALD.
Sie zählt gerade einmal 22 Jahre (geb. 25. Aug. 1987), und doch hat sie bereits 2 sehr starke Singer/Songwriter-Alben im entfernten Dunstkreis der Pop/Rock Musik veröffentlicht.
Weit weg von den üblichen Plastikerscheinungen, entdeckte sie Nischen für sich, welche ehemals von Folk-/Songwriter-Ladies der Marke TRACY CHAPMAN oder SHERYL
CROW aufgetan wurden und heute von jungen Damen wie KATIE MELUA (etwas mehr Pop als Amy), MARIT LARSEN (etwas mehr Fröhlich- und Unbekümmertheit) oder
TAYLOR SWIFT (mehr Country Style) besetzt werden.
Sie alle schreiben ihre eigenen Songs, haben Lebensfreude, Träume und ihre Gitarre.
Sie alle zeigen fast gänzlich ungeschminkt das Bild der selbstbewussten Frau im Folk/Pop/Rock Biz auf. Sie alle haben so wenig zu tun mit der aufdoktrierten Pop-Schein-Welt, das es wohl tut.
BIOGRAPHY
Schottland ist nicht gerade der Nabel der Musikwelt, als Amy 1987 das Licht dieser herrlichen Landschaft erblickt. Und doch wieder nicht, denn sie stammt aus Glasgow - eher eine
Arbeiterstadt.
Wie so manche Karrieren eben starten - es war alles Zufall.
Niemals mit dem Wunsch Musikerin zu werden beschäftigt, kauft sie sich mit 12 Jahren das Album
"The Man Who" der Band TRAVIS und wird von dieser Musik verzaubert. Die Begeisterung gipfelt darin, erst einmal die
Gitarre ihres Vaters zu bearbeiten. Sie beginnt - autodidaktisch - sich das Spielen selbst beizubringen, mit eisernem Willen und jeder Menge innerem Antrieb.
Sie schreibt erste Songs, und wird schließlich von einer Vereinigung junger Musiker - "Impact Art" - entdeckt, welche an den Schulen nach Talenten Ausschau halten.
Ihnen verdankt sie weitere Kontakte und kann so ihre Songs auf der Bühne präsentieren.
Der Wendepunkt wird ausgerechnet in einem Buchladen erreicht .
Hier werden Freitags immer "OPEN MIC" Abende durchgeführt - jeder kann kommen und seine Songs einem geneigten Publikum vorführen. Amy traut sich und erhält so viel Resonanz, dass
ihr immer weitere Auftritte angeboten werden - sie ist 15 Jahre alt.
Nach Beendigung der Schule beschließt sie ein Jahr Pause zu machen, um sich ganz der Musik zu widmen. Dabei warten zwei Universitäten auf Sie (eigentlich möchte sie Sozialwissenschaften
studieren), allerdings auch die lockende Welt der Musik und jede Menge Ansporn.
Derart ermutigt beginnt sie Demos ihrer Songs zu verschicken und bekommt ein halbes Jahr später einen Plattenvertrag.
2007 erscheint ihr Debutalbum - der Siegeszug beginnt ...
DISCOGRAPHY
2007 This is the life
2010 A Curious Thing
Amy MacDonald - This Is The Life 2007
Tracklist
1. Mr. Rock & Roll 3,35
2. This is the life 3,06
3. Poison prince 3,29
4. Youth of today 4,00
5. Run 3,51
6. Let's start a band 4,05
7. Barrowland ballroom 3,59
8. L.A. 4,07
9. A wish from something more 3,46
10. Footballer's wife 5,07
Gesamt-Spielzeit 39,00
WISSENSWERTES
Stil
Folk/Singer-Songwriter
Tendenzen
Pop
Anspiel-Tipps
This is the life, Youth of today,
Run, Footballer's wife
Label
Melodramatic Records
EINDRUCK
Ein Easy-Living Lied zum Start - geradezu beschwingter Bass-Rhythmus im Untergrund, Amy an ihrer fast zu großen Akustik-Gitarre, mit ihren wahnsinnig großen Augen, singt über die Erfahrungen
ihres bisher kurzen Lebens - sie ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade einmal 20 Jahre alt. Doch sie tut dies überzeugender und mit mehr Tiefe, als vergleichbare Kameradinnen der
Spielwiese MTVIVA.
"This is the life" - ja, so ist das Leben, wie es sich einer aufgeweckten, mit offenen Augen durch die Welt gehenden Musikerin zeigt.
Der Song dazu war einer DER Hits der letzten 2 Jahre - urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht, begeistert die Lady mit handgemachter Musik, einer Folk-Attitüde, sich einfach mal
mit Akustik-Gitarre vors Publikum stellend.
Frisch und unverbraucht klingt auch die Musik - wir haben viele frohe Songs, die positive Energie übermitteln. Sich eigentlich stets auf ein folkartiges Gitarren Gewand stützend, werden diese
Songs jedoch sehr rhythmisch dargeboten. Hier mal ein paar lockere E-Gitarren Griffe und Töne, auch mal ein paar Keyboard-Tupfer, Pianoklänge, Saxophon, Percussion.
Und doch steht eindeutig IHRE Stimme und IHRE Gitarre im Vordergrund.
Und wenn dann mit Song 4 "Youth of today" zum ersten Mal ernste Töne angeschlagen werden,
dann hört man gebannt zu, möchte erfahren, was Sie uns sagen möchte:
"And maybe if you had a true point of view, I would listen to you
- but it's just your one sided feelings ...
and you don't know a single thing, about the youth of today
- stating your opinion making it ring in my head all day"
Ein unheimlich intensives Stück Songwriter-Kunst, eine Erzählung der musikalischen Art,
ein selbstsicheres Statement ihrer Gedankenwelt.
"Run" danach, ein offenes, weites Lied, mit unheimlich zwingendem Refrain, mit dynamischem Aufbau und breitem Sound - der unstillbare Durst nach Leben.
"Let's start a band" fast schon sehnsuchtsvolles Flehen:
"Give me a guitar, and I'll be your Troubadour
Give me a stage, and I'll be your Rock and Roll Queen
Give me a festival, and I'll be your Glastonbury star"
ausgestattet mit Background-Sängerin und Trompete kommt diese Sehnsucht ausdrucksstark zur Geltung, bevor wie losgelöst "Let's start a band" ständig wiederholt wird
- Befreiung, Triumph, Verlangen, Lebenslust.
Wie überhaupt die Aussage der jeweiligen Songs immer sehr gut an der Instrumentierung und dem Spiel abzulesen sind.
Der "Barrowland ballroom" kommt mit Barpiano daher, flotte Mischung aus Dixieband/Ska-Rhythmus.
"L.A." eine kleine romantische Nummer über Mr. Right, einem wunderbar melodischem Refrain,
eine losgelöste ruhige, fast besinnliche Bridge, bevor wieder der Refrain übernimmt.
Am Schluß folgt dann mit "Footballer's wife" eine kleine ironische Betrachtung der Queen selbst.
Groß angelegter Einstieg des Songs, wie er einer CHRISTINA AGUILERA zu Gesicht stehen würde, bevor eine ruhige Akustik-Gitarren Melodie
übernimmt, unterstützt durch melancholische Streicher im Background - warme Basstöne unterstreichen die schwermütige, nachdenkliche Atmosphäre.
Reflektionen über das Leben - den schönen Schein - und die selbst erfahrende Wirklichkeit
"There's so much more to see, I don't believe this is how the world should be"
Ein wirklich beeindruckender, großer Abschluss einer frischen, unverbraucht klingenden Scheibe.
Amy McDonald - A Curious Thing 2010
Tracklist
1. Don't tell me that it's over 3,16
2. Spark 3,07
3. No roots 4,30
4. Love love 3,17
5. An ordinary life 3,36
6. Give it all up 2,56
7. My only one 3,32
8. This pretty face 3,57
9. Troubled soul 4,47
10. Next big thing 3,31
12. Your time will come 4,32
13. What happiness means to me 9,21
Gesamt-Spielzeit 50,17 min
WISSENSWERTES
Stil
Pop
Tendenzen
Folk / Songwriter
Anspiel-Tipps
Don't tell me that it's over, An ordinary life,
My only one, Next big thing
Label
Melodramatic Records
EINDRUCK
Schottlands finest Export lässt uns ein weiteres Mal an ihrem Seelenzustand teilhaben.
"Don't tell me that it's over" - die Single-Auskopplung, beschwingt, großes Arrangement, Streicher, unwiderstehlicher Refrain - eindeutig der Ohrwurm des
Albums.
Mit "Spark" werden dann die ersten melancholischen Harmonien ins Rennen geworfen, und doch fallen auch hier die "Hollywood" Produktion und die großen
Arrangements auf.
Amy wird zweifellos erwachsen.
Man hat das Potential der kleinen, quirligen Sängerin schnell erkannt - lässt sie mit großem Sound erneut ihre Songs performen. Alltags-Geschichten, voller Gedankengänge über Beziehungen, die
Welt und weitere Begebenheiten. Dies haben andere auch schon gesungen. Was also ist hier anders?
Zuerst muss man die Einstellung loben. Wieder sind alle Songs von ihr selbst geschrieben und auf der Gitarre produziert, welche sie natürlich auch wieder selbst spielt (die akustische
wohlgemerkt).
Auch dies haben andere Künstlerinnen vor ihr auch schon geschafft.
Aber im Pop-Buisness (dem sie musikalisch gar nicht sooo sehr angehört - ich möchte es mal Folk Songwriter Style mit Pop-Appeal nennen), werden momentan nun mal eher die großen anonymen
Ghostwriter auf die jungen, Geld versprechenden Damen angesetzt, um ihnen Gesichts-lose,
uniforme Songstrukturen aufs naive Auge zu drücken.
Außerdem ist die gedankliche Tiefe der Songs doch größer, als es die meisten anderen jungen Lady's auf ihrem beschränkten Horizont haben.
Und dann haben wir natürlich ihre Stimme. Eher unangepasst, nicht zu glatt in der Interpretation.
Klar und kräftig, dieses typische Kippen der Stimme von Brust- auf Kopfton, bei den höheren Tönen.
Wir haben dieses unverschämt gut ausgesprochene Scotisch-Englisch, eine ausgezeichnete Wortmelodie, und gute Melodien die nicht nur während der Refrains zuschlagen, sondern auch schon die
Strophen beseelen.
Ja - Musik mit einer gehörigen Portion SEELE - das ist es.
Die Begleitmusiker sorgen für einen rockigen, nicht zu glatten Sound - die Drums sind nicht zu flach und dürfen durchaus auch mal dominanter sein.
Die Gitarren sind überall zu vernehmen - akustische und elektrische im steten Wechsel oder mit gemeinsamem Ziel.
Keyboards und Piano werden eher dezent eingesetzt - wie auch die Streicher nur bei wenigen Gelegenheiten auftauchen.
So ist die Nähe zu Acts, wie TOM PETTY viel stärker ausgeprägt, als die Vergleichbarkeit mit internationalen Pop-Größen.
"Love love" verbreitet einfach nur gute Laune.
Das darauf folgende "An ordinary life" offenbart dann schon wieder mehr musikalische und textliche Tiefe, ein nachdenkliches Lied über ihre momentane
Entwicklung.
Der Zwiespalt, welcher sie bewegt, einerseits berühmt zu sein und doch eigentlich nur den Wunsch zu verspüren ein normales Leben zu leben.
Ein klasse Refrain, fast schon kleine epische Gitarrenmelodien im Hintergrund - einer der großen Songs des Albums
- voller Emotionen und Nachdenklichkeit.
Bei "Give it all up" erinnert sie gar zu Beginn an Künstlerinnen der Marke DOLORES O'RIORDAN.
"My only one" - eine melancholische, eher folkige Ballade, mit schönem Streicher Arrangement in der Mitte, welches ihre klare Stimme wunderbar
unterstützt.
"This pretty face" startet fast wie eine Honky Tonk Nummer, Barpiano inklusive, offenbart dann aufs trefflichste ihr Wesen:
"I don't care who does her hair or what clothes she wears
I don't care if it's YSL, I don't care if it's Chanel,
What matters to me is a strong belief, all this beauty it is skin deep
Don't care about hair, don't care about eyes,
It's about what's inside ... This pretty face don't work no more"
- was bleibt vom schönen Schein?
Das Album bleibt so stets abwechslungsreich, bemüht sich innerhalb seines Genres um genügend Finesse, um eigenständig bestehen zu können. Nicht jeder Song ist ein Killer - ganz klar, und dennoch
ist es kurzweilig, zeigt eine Künstlerin auf hohem Niveau, deren Stimme und Talent zu begeistern vermag.
"Troubled soul" klingt fast wie eine RUNRIG Nummer im Songwriter Style.
"Next big thing" punktet dann wieder mit gehörigem Drive, leichter U2 und KILLERS Kante im Gitarren Stil.
Zum Schluß dann der Longtrack "What happiness means to me" - mit über 9 min.
Zunächst eine ruhige, würdige Abschlussnummer, doch nach bereits 4-einhalb Minuten klingt sie aus.
Danach folgt Stille, nur um nach 6 min. in den Hidden Track "Dancing in the dark" zu münden.
Ein Cover Song von BRUCE SPRINGSTEEN - ganz reduziert als Folk Song dargeboten und LIVE.
Nur Amy und ihre akustische Gitarre UND ihre phantastische Stimme - hier zweifle ich auch jedes Mal,
ob mir Amy reduziert nicht doch besser gefällt, als die gut produzierte Vorzeige-Heldin.
FAZIT
Immer noch frisch und unverbraucht - aber diesmal mit großer Produktion
Immer noch eher für besinnliche, ruhigere Momente gedacht - trotz der Uptempo Nummern
Immer noch die große Stimme - obwohl der Bonus Song beweist, dass reduziert auch nicht unbedingt schlechter ist.
Für Fans von weiblichen Stimmen wieder unverzichtbar - alle anderen hören vorher rein.
Ich sehe sie gerne, höre ihr zu, wenn sie ruhig und eher bescheiden von ihrem Leben erzählt.
Manchmal voller Elan, doch meist eher etwas nachdenklich.
Sie wirkt fast unauffällig in Interviews, zurückhaltend, sich nicht sofort öffnend.
Doch sobald das vermeintlich SCHEUE REHLEIN vor einem Mikrophon steht
- mit weit offenen Augen, fest entschlossen im Blick - und ihre Gitarre in der Hand hält,
beginnt die Wandlung der kleinen, zierlichen Songwriterin.
Mit kräftiger, selbtsicherer Stimme ...
mit sympathischer, unaufgeregter Ausstrahlung ...
... erzählt sie uns Geschichten aus ihrem Leben, von Dingen, welche sie bewegen.
Nur um zwischen den Songs wieder eher schüchtern zu wirken.
So spricht die Musik für die Künstlerin und nicht andersherum - und so soll es doch auch sein.
Irgendwie beruhigend, dass es auch das noch gibt.
DARKEN TOM