JULI 2009
Diesen Monat wollen wir Euch wieder einmal eine Solo CD vorstellen:
HEAVEN & HELL - The Devil You Know 2009
Die Band im Jahre 2009
EINLEITUNG
Möchtet Ihr nur zur Beschreibung dieser CD, dann scrollt einfach nach unten.
Falls Ihr allerdings etwas Zeit mitgebracht habt, und erfahren möchtet, warum doch manche Outputs möglicherweise anders zu bewerten sind, als das Gros der Masse, oder man sie sogar anders bewerten
MUSS, dann lehnt Euch zurück, und folgt meinem bescheidenen Ansatz einer Erklärung.
Vielleicht mit einem Glas dunklem Rotwein (wäre absolut passend), einem tiefgoldenen, torfigen Whisky (die Essenz der ihn gebärenden Erde), oder anderen Sinnes-erweiternden Dingen
- egal, auf jeden Fall mit Ruhe ... anschnallen, denn ... die ZEITREISE beginnt ... JETZT !
VERSUCHUNG
Wir schreiben das Jahr 1983 - ein heißer Sommer war übers Land gezogen, die Tage immer noch angefüllt mit seiner drückenden Wärme. Um meinen Hunger auf Musik zu stillen, nahm ich
immer eine ca. 25 minütige Busfahrt in eine größere Stadt auf mich.
Dort war der Dealer meines Vertrauens - ein kleines, aber feines Schallplatten-Geschäft.
Bereits die unruhige Fahrt, die Vorfreude, die Erwartungshaltung, war mehr als aufregend.
Was würde man diesmal entdecken. Denn so richtig vorbilden, Artikel wälzen, Platten Reviews lesen
- nun, das war nicht. Nein, vielmehr ließ ich mich von den Covern begeistern und einfangen.
Das Artwork machte einen großen Teil des Kaufreizes aus.
Es kamen ja auch nicht jeden Monat an die hundert Veröffentlichungen auf den Markt.
Die Bands ließen sich doch meistens etwas mehr Zeit, um gute Produkte zu kreieren.
Und wir mussten diese Zeit ungeduldig abwarten, keine Downloads zur eiligen Verfügung.
Wie auch immer, beim Stöbern in dieser aufregenden Welt der Bilder (reinhören war auch in den seltensten Fällen möglich), fiel mir ein doch recht seltsames Cover in die Hände.
Eine fast psychedelisch anmutende Farbgestaltung - ein rotes Etwas (Dämon oder Teufel) mit langen, gelben Fingernägeln und Zähnen, auf blauem Hintergrund, dazu eine verschnörkelte Schrift:
BLACK SABBATH - BORN AGAIN.
1983 - Das Cover des Albums "Born Again"Der Name versprach mir irgendetwas, zwar noch nicht direkt greifbar, aber doch lockend.
Irgendwer hatte mir auch schon einmal erzählt, die wären wohl ganz gut - ich kannte die Band zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Die Scheibe wurde verhaftet, doch nun begann die schlimmste Zeit - die laaaange Fahrt nach Hause.
Ungeduldig wurde dann immer schon einmal penibel das Preisschild entfernt, das Cover noch mal genau studiert, Songtexte (falls vorhanden) angelesen, etc.
Zu Hause angekommen war ich dann eigentlich immer unansprechbar, bis die neueste Errungenschaft auf dem Plattenteller angetestet war.
An diesem Tage wartete ich aber ausnahmsweise einmal bis zum Abend ab, da noch Freunde zu Besuch kommen wollten. Denen sollte natürlich erst einmal stolz die neueste Scheibe vorgeführt werden.
BEGEGNUNG
Wir waren zu fünft - einer meiner Kumpels und 3 Mädels unserer Clique - Opfer, um mit den neuen Sounds zu missionieren. Dies war und ist mein Anspruch - gute Musik weiter zu empfehlen.
Ich wohnte direkt unterm Dach - komplett holzverkleidetes Zimmer - meine Faves mit A1 Postern an den schrägen Wänden: meine Helden waren zu der Zeit:
IRON MAIDEN - JUDAS PRIEST - AC/DC, aber auch SAGA - MARILLION - MANFRED MANN.
Wer so ein Zimmer mal bewohnen durfte, weiß wie sich diese Kammer nach einem übermäßig warmen Spät-Sommer-Tag aufheizen konnte. Wie im Herzen des Schicksalberges waren wir gefangen in diesem
Backofen. Also wurde das Fenster sperrangelweit aufgestoßen. Doch die Luft stand auch draußen still - erstarrte auch Sie, auf Grund dessen, was uns alle erwarten sollte?
Es war die Zeit des Abends, in der sich die ersten Sterne am Himmel zeigen - kaltes, silbernes Licht verbreitend. Am Horizont war noch der letzte ersterbende, glutrote Strahl der untergehenden Sonne zu sehen. Die Luft trug das ferne Versprechen eines aufkommenden Spät-Sommer-Regens mit sich.
In dieser Stimmung wurde bereits der Opener "Trashed" zu einem Erlebnis.
So eine Musik hatte ich bisher noch nie gehört. Doch als dann das fordernde Intro "Stonehenge" erklang, verstummten unsere, bis dahin noch leise geführten,
Gespräche abrupt. Lauter gedreht und "Disturbing The Priest" erklang. Längst war das Licht im Zimmer gelöscht worden - der fahle Ausschnitt des Fenster im
Hintergrund, konnte die sich im Zimmer scheinbar manifestierenden Schatten längst nicht mehr vertreiben. Alte Stätten - Ruinen - gefallene Engel - Dämonen - verrottete Priester, eine neue Welt tat
sich auf. Dann "The Dark" und "Zero The Hero" - sie schienen Angst und Verdammnis in perfekter Vertonung zu beinhalten. Die
Mädels hatten längst unsere beruhigende Nähe gesucht, doch waren wir es selbst die Trost suchten - WAS FÜR EIN ERLEBNIS.
Später erfuhr ich, dass diese Scheibe eigentlich verpöhnt war.
Dass Ian Gillan - ein minderwertiger (und auch noch von DEEP PURPLE) kommender Sänger war,
und es eigentlich nur die Frage zu klären galt, ob Ozzy (leibhaftig besessen?, schräg, leicht verdrehte Harmonien, spleenig, und launig) oder Dio (sicher einer der
technisch besten Sänger der Szene), der einzig wahre Shouter für die Band sei.
Nun, für mich war dies DIE Scheibe, auf die ich gewartet hatte - Ozzy und Dio kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Zwei Monate später starb ein guter Freund von mir bei einem Motorrad-Unfall.
Und es war der Song "Born Again", der wieder und immer wieder erklang, als seine Freundin in dieser folgenschweren Schicksals-Nacht, in meinen Armen lag, wir
beide uns gegenseitig Halt gaben, tränenüberströmt und am Boden zerstört. Das unbarmherzige Leben nahm uns mit - auf seine unvorhersehbare Art und Weise. Verstehen konnten wir es nicht.
Ihr mögt selbst ermessen, wie tief diese Musik in mein Leben schnitt.
1989 - Das Cover des Albums "Headless Cross"DER DUNKLE RITTER
Dann kam (nach 2 Alben, die eher Iommi Solo Scheiben waren - trotzdem sehr gut), die Zeit von "Headless Cross" und "Tyr"
- den melodischen Alben mit Tony Martin.
War das erhaben, unvorstellbar - und doch immer mit einer Portion Dunkelheit versehen.
Wir (meine Freundin und ich) wollten unbedingt auf dieser Tour ein Konzert der Band sehen.
Da wir zu spät von der Tour erfahren hatten und der Vorverkauf für unser ausgesuchtes Konzert bereits beendet war, fuhren wir einfach zur Halle
(über 200 km), um noch an der Abendkasse Tickets zu kaufen. Wir kamen sehr spät an, die Abendkasse war bereits am Schließen und außer uns beiden einsamen, verlorenen Seelen war niemand mehr vor der Halle.
Doch da schickte uns der schon dunkel gewordene Himmel (?) einen (gefallenen ???) Engel.
Ein Reporter, der eben auch noch schnell in die Halle wollte, sah uns, bemerkte unser Problem UND ... hatte noch zwei Karten übrig, welche er uns
dann SCHENKTE.
Das waren noch Zeiten - wir mussten wohl schon ziemlich down ausgesehen haben.
Oder war es die Schicksals-Göttin, die hier ihre verworrenen Fäden spann?
Auf jeden Fall standen wir alsbald in der Halle und zwar auf der Seite auf der später Tony Iommi stehen sollte. Ich habe das gesamte Konzert im Rausch erlebt und das ohne Alkohol
und Drogen.
Dieses Charisma - Der Dunkle Ritter war mir erschienen.
Sympatisch, zurückhaltend, ein klein wenig unnahbar - aber mit Riffs gesegnet, die mich komplett plätteten - der Riff-Gott war herniedergestiegen, und ich hatte seine Ankunft miterlebt.
Meine tiefe Überzeugung, selbst eine Band gründen zu müssen und Gitarre zu spielen, wurde in diesem Konzert geboren.
VERGANGENHEIT
Danach beschäftigte ich mich endlich mit dem Back-Katalog der Band, waren mir doch einige Songs des Konzertes unbekannt gewesen.
"What is this, that stands before me ... " - fragte mich Ozzy ein paar Tage später.
Ich wusste es auch nicht, aber die Ursprünge von Black Sabbath zerbombten mein musikalisches Weltbild. Das Reich des Okkulten - des Verborgenen offenbarte sich mir.
Schatten waren nicht mehr Ableger des Lichtes, sondern eigenständig, veränderbare Zonen voller Ahnungen und Befürchtungen. Die Dunkelheit war in mein Leben getreten - und
ich hieß Sie willkommen.
Was waren das für Songs "War Pigs", "Iron Man", "Sabbath Bloody Sabbath".
Ich wußte nun, warum unsere Szene ohne Black Sabbath anders geworden wäre.
Pioniere - Urväter - Dunkle Götter.
Geezer Butler - Tony Iommi
Welche Namen, Welche Persönlichkeiten - Was für charismatische Menschen/Musiker waren das?
Der Riff-MagierÜberhaupt : TONY IOMMI
Für einen Gitarristen eigentlich unvorstellbar, was diesem Mann wiederfahren ist.
Er ist Linkshänder, greift mit der rechten Hand also die Akkorde auf der Gitarre.
Als er bei einem Unfall in der Stahlfabrik die Kuppen von Ring- und Mittelfinger der rechten Hand verliert, scheint es vorbei zu sein mit seiner Karriere als Musiker.
Doch mit eisernem Willen eignet er sich seine ureigene Form des Gitarren-Spiels an.
Er lässt sich Fingerkuppen aus Plastik anfertigen, benutzt nur noch ganz dünne Saiten, um weniger Druck ausüben zu müssen und außerdem werden die Saiten heruntergestimmt, damit sie nicht mehr so viel
Wiederstand leisten.
Möglicherweise sind es gerade diese Veränderungen, die den ganz eigenen Sound von Black Sabbath begründen.
DER SCHAMANE
Danach habe ich erst sehr spät die Scheiben mit Dio entdeckt. Solo kannte ich ihn recht gut,
doch mit Black Sabbath war er mir fremd. Irgendwie anders als die Frühwerke, aber gut, sehr gut teilweise, mir aber zu der Zeit nicht kräftig genug - nicht herausragend, fand ich. Es war das
Zeitalter der heranwachsenden Black Metal Szene, auf die ich mich eher versteifte - Bands der Marke MERCYFUL FATE waren jetzt meine Helden. Düster und Das Sein selbst negierend. Da
kam ein "Heaven And Hell" oder ein Album wie "Mob Rules" nicht mit - wie ich mich damals
täuschte.
So hatte ich nun sämtliche erschienenen Alben drauf, die Band allerdings war verschwunden.
Bis eben 1992 das Album "Dehumanizer" erschien.
Man hatte sich wieder einmal vom Sänger getrennt und nun kam also DIO zurück.
Die Scheibe fand ich eigentlich recht zwiespältig, irgendwie fehlte mir das Feeling darin.
Sie war hart, ja und teilweise schleppend, ja - aber für mich nicht so gut wie früher, fast schon zu modern. Alles was danach noch folgte, hat mich nicht mehr groß berührt.
Seltsamerweise wuchsen aber in dieser Zeit die beiden frühen Alben mit DIO immer stärker.
"Die Young" und "Children Of The Sea" konnte ich inzwischen selbst dann singen, hätte man mich zu später dunkler Stunde,
mitten in der Nacht aufgeweckt.
Der Erfinder der Pommes-Gabel2006 sollte DIO dann Headliner auf dem
RockHard Festival (Bericht von 2009 ist hier) sein.
Und wo viele Musiker nicht aufgetreten wären,
er tat es. Sein Herz muss wahrlich groß sein.
Denn kurz vor dem Festival verstarb seine Mutter, und der kleine, große Sänger trat trotzdem auf.
Ein Profi durch und durch.
Ich möchte nicht wissen, wie er sich dort gefühlt hat.
ERKENNTNIS
Inzwischen waren die Verhältnisse für mich doch recht eindeutig verschoben.
Hier der Alkohol- und Drogenabhängige MTV Klon.
Ein ehemaliger Held war er für mich gewesen, jetzt nur noch farbloses Abziehbild, welches sich zum Fremd-Schähmen eignete. Dort der inzwischen über 60-jährige kleine Mann, mit der immer noch
phantastischen Stimme, die einfach nicht schlechter werden wollte.
Ein Magier der Gesten und Worte - ein sympathischer Sänger und Mensch.
Eine Persönlichkeit.
Als dann 2007 das Reunion-Konzert der ehemaligen Streiter aus "Dehumanizer"-Zeiten in der Radio Music City Hall aus New York aufgenommen wurde, war ich der Erste der die DVD haben wollte und es
waren inzwischen eher die Songs aus der DIO-Ära, die ich hören wollte (natürlich immer noch mit dem einen oder anderen Klassiker der Vorphase versehen).
Hier war dann auch all das zu spüren, was ich mir immer in der Tiefe meines Herzens vorgestellt hatte.
Songs voller Emotionen - Riffs jenseits des Rock'n'Roll Heaven - Pure Magie
So stehe ich nun hier, vor der für mich großen Herausforderung, das neue Album zu besprechen.
Sagt selbst - kann man das, mit dem Wissen und der Erfahrung, mit der gebotenen Neutralität?
Seit 40 Jahren gibt es nun diese Band. Gründer-Väter - Pioniere - Aushänge-Schilder der Szene.
Dunkelheit - Charakter - Tiefe - Emotionen - Epik - Schwere, und auch Licht
Hier muss einfach auch Respekt und eine gewisse Ehrfurcht eine Rolle spielen dürfen.

Heaven & Hell - The Devil You Know 2009
Tracklist
1. Atom And Evil 5,13
2. Fear 4,46
3. Bible Black 6,27
4. Double The Pain 5,24
5. Rock And Roll Angel 6,02
6. The Turn Of The Screw 5,00
7. Eating The Cannibals 3,35
8. Follow The Tears 6,10
9. Neverwhere 4,33
10. Breaking Into Heaven 6,53
Gesamt-Spielzeit 53,59 min
WISSENSWERTES
Stil
Old School Doom
Tendenzen
Nur Sie selbst
Label
Roadrunner/Warner
Anspiel-Tipps
Atom and evil, Bible black, Rock and Roll angel, Eating the cannibals, Follow the tears
Die Band
Ronnie James Dio Göttlicher Gesang
Tony Iommi Riffmeister der Tiefe
Geezer Butler Pumpwerk der Verdammnis
Vinnie Appice Schlagzeug Macht
Eindruck
17 Jahre sind seit "Dehumanizer" vergangen und genau diese BLACK SABBATH Besetzung von damals, spielte nun unter dem Banner HEAVEN & HELL die neue Scheibe ein.
Nach den Reunion Shows spürte man eine altbekannte Vertrautheit untereinander - die Magie der frühen Tage war wieder da, so die Band. Musikalisch und menschlich wieder zusammengewachsen, wäre es an
diesem Punkt einfach nicht richtig gewesen aufzuhören. Und doch war der Anspruch nur dann noch ein Album auf den Markt zu werfen, wenn man noch etwas zu sagen hätte.
Reproduktion des eigenen Back-Katalogs kam für die gestandene Band nicht in Frage.
Unter dieser Vorgabe begann man mit dem Komponieren.
Und der erste vorzeigbare Song war dann "Bible Black" - da wusste man, das die Vorgabe erfüllt werden konnte.
Ronnie James Dio - Tony Iommi - Geezer Butler - Vinnie Appice
So klangvolle Namen schlagen sich auch in der Professionalität nieder.
Das Album wurde gerade einmal innerhalb zwei bis drei Wochen eingespielt.
Es galt keinesfalls die Songs tot zu komponieren oder zu produzieren.
Nein - im Vordergrund sollte das Gefühl des Songs stehen - der Vibe.
"If you capture that feeling, that's all you need." so Geezer Butler.
Dies ist mehr als gelungen.
Zunächst fällt die überaus wuchtige Produktion auf - hier klingt nichts angestaubt. Ganz im Gegenteil. Wuchtige Drums eröffnen "Atom And Evil", abwärtsgerichtete
Gesangslinien führen in dieses Album, die nach unten führende Spirale - in unvorstellbare Tiefen - des Raums und der Seele hat begonnen.
Ein dröhnender Koloss voller Kraft erstrahlt - sofort ist sie wieder da - die MAGIE der Songs.
Was Geezer Butler hier an wummerndem Bass-Spiel präsentiert ist einfach wunderbar. Direkt in den Magen - gnadenlos drückend.
Vinnie Appice spielt einmal mehr hart und präzise. Einer der Schlagzeuger, die noch vollkommen mit Punch und Kraft spielen - ein Techniker, der immer wieder Struktur gibt und vorgibt.
Und dann Tony Iommi - er wuchtet seine Lava Riffs bedrohlich in den doomigen Untergrund, tonnenschwer. Klassische Riff-Arbeit, inspirierte Kunst des schwarzen Ritters. Was erzeugt dies für einen
Druck - unglaublich.
Damit sind sie in Sphären, die Candlemass heute beackern und zeigen auch gleich einmal, wo das Original zu finden ist. Und er soliert wieder - immer die Songs erhebende Ströme von unentbehrlichen
Noten, alles passt, keine egozentrische Kunst, sondern unabdingbare Teile der Songs.
Die Finsternis lauert stets am Rande des Sichtkreises.
Darüber schwebt DIO's Gesang - der Mann ist 67 Jahre alt und singt besser denn je.
Ausdrucksstark und kraftvoll intoniert er seine Texte über mystische Begebenheiten, Fantasy Bilder, das Reich der Finsternis. Sie ist allerdings nie plakativ, wie so häufig im heutigen Black Metal,
sondern subtil, Dinge erahnen lassend, Andeutungen streuend, Pfade im Dämmerlicht.
Die Gesangslinien sind auffallend tief angesetzt, seine hohen Gesangslagen werden nur in wenigen Momenten eingestreut.
So entsteht eine einzigartige Atmosphäre, voll von schleppenden Doom Riffs, eher der unheilvollen Vergangenheit der Frühphase von Black Sabbath zuzuordnen, als der eigentlichen Heaven & Hell Zeit
zu Dio. Und doch gibt es auch diese Momente "Rock'n'Roll Angel" gar, ist nahe an Dio zu Solo Zeiten. So verbinden sie die besten Momente ihrer Band-Phasen,
allerdings mit dem Hauptgewicht auf absoluter Schwere - Du wirst unweigerlich ins verschimmelte Polster deiner zerfallenen Couch gedrückt, den Blick 'gen Himmel gerichtet - doch Erbarmen wirst Du
heute nicht finden.
Dann das bereits erwähnte "Bible Black" - langsamer balladesker Anfang,
ruhig und gefühlvoll, mit feinen Bass-Linien, bis zur ersten Eruption
"Don't go round - Put it back - You're reading from the Bible Black".
Dann schwermetallische Riff-Kaskaden, Rhythmus Arbeit vom Feinsten.
Hier haben sie definitiv einen weiteren Klassiker der Bandgeschichte kreiert,
"Let me go - I've seen religion - but the light left me blind
- take me back - I must have the Bible Black".
Diese unnachahmlichen Soloparts von Iommi prägen den Mittelteil, bevor wieder dieses treibende Element des Songs übernimmt - herrlich, kraftvoll, atmosphärisch wie Sau, unwiederstehlich groovend, episch, majestätisch - der WAHNSINN.
"Rock'n'Roll Angel" dann der erwähnte Brückenschlag zur DIO Zeit - mit sehr schönem atmosphärisch-ruhigem Solo-Teil, inklusive einer Akustik-Gitarre. Später kommt gar noch eine Spanische Gitarre zum Einsatz. Hier zeigt sich die Inspiration der Band recht deutlich, eine interessante Mischung ihres Schaffens bieten zu wollen.
So gibt es dann folgerichtig auch mit "Eating The Cannibals" eine schnellere Up-Tempo Nummer.
Fast schon überrascht ist man, nach den ganzen Doom-Monstern und dem bisher vorherrschenden schleppenden Nummern. Es rockt - es kracht - es knallt, flott voranpreschende Riffs des Meisters, knackige Bass-Linien - mit Sicherheit, einer der zukünftigen LIVE-Kracher.
"Follow The Tears" wuchtet dann wieder mit ausgezeichnetem schweren Bass-Spiel und diesen heftigen, doomigen Riffs, bevor sich der Song in einer Bridge den melodischen Gesangslinien von Dio öffnet - Kompositions-Kunst vom Feinsten. Aber diese Riffs ! - Mein Gott (darf man das hier überhaupt sagen) - so schwer und fett habe ich schon lange keine Rifforgien mehr vernommen.
Und zum Schluss steht dann mit "Breaking Into Heaven" noch einmal ein epischer Song,
mit langgezogenen Harmonie-Linien im Gesang. Doch auch hier wird der latent vorhandene Hard Rock Flair mit den schweren Riffs von Iommi bepflastert. Die Haupt-Protagonisten im ewigen Duell.
Gut gegen Böse - die Schatten gegen das Licht, der Kreislauf aus Verzweiflung und Hoffnung.
Dies waren und sind die Eckpfeiler dieser Band - zumindest für Mich.
FAZIT
Ein wuchtiges, absolut zeitloses Dokument. Komplex und vielfältig.
Ein Opus voller stimmiger, hämmernder Songs.
Melodisch - Tonnenschwer - Szene dominierend.
Überirdisch schöne Kunst - Abgrundtiefe Atmosphäre - ein Koloss der Musik.
Heaven & Hell im Netz
Und auf MySpace
SCHLUSS
40 Jahre - wie ein guter alter Whisky entwickelt die Band sich immer mehr
zu einem Ehrfurcht gebietenden, nur flüsternd erwähnten, magisch angehauchten Klassiker.
Immer variantenreicher, tiefer und komplexer wird das Erscheinungsbild.
Immer geschmackvoller der TASTE.
Hier möchte ich die Verbindung herstellen - zu meiner oben geschriebenen Einleitung.
WIE bitte - soll und kann man hier objektiv bleiben.
Oder in den Worten der Band ...
"The world is full of kings and queens - Who blind your eyes and steal your dreams
It's heaven and hell, oh well"
DARKEN TOM
