MONATS-O(H)RGASMUS JANUAR 2010 - TORI AMOS
ANNO
24 - Dezember 2009
In der Nacht, in der ALLES möglich ist,
wollte ich Euch von meiner grossen Liebe erzählen.
Die erste sanfte Berührung eines Engels,
könnt IHR Euch noch daran erinnern - habt IHR es in Euren Herzen bewahrt?
Diese innere Bessessenheit, dieses Leiden, diese Hoffnung.
... nur ein Wort und so wird meine Seele gesund ...
Mir erging dies so mit einer Dame, welche als exzentrisch verschrien ist,
ein Faible für High Heels hat, und vom Schicksal in viele dunkle Ecken geschleudert wurde.
Meine platonische Liebe zu dieser Frau, zu ihrer Einzigartigkeit - soll hier zum Ausdruck kommen.
Ihre Verletzlichkeit und zugleich Stärke, haben es mir angetan - in ihrer Musik, als auch in ihrem Leben.
Folgt mir in das Reich der Winterkönigin, hat sie doch gerade eine Weihnachts-CD veröffentlicht.
Ganz besinnlich und doch ganz SIE selbst ... doch dazu mehr am Ende der Seite ...
... FOLGT MIR ZU DEN AUEN von ANSPRUCH, KUNST, MUSIKALITÄT, STIL und LEID ...
TORI wartet
GESCHICHTE
Myra Ellen Amos wird am 22. August 1963 in Newton, North Carolina geboren.
Sie wächst gut behütet als dritte Tochter von Mary Ellen Amos und Edison Amos,
eines Methodistenpfarrers auf. So ist ihre Erziehung auch konservativ-christlich ausgerichtet.
Doch fühlt sich Myra eher den Traditionen ihres Großvaters mütterlicherseits verbunden.
Er ist Cherokee und praktiziert deren Traditionen. Dies beeinflußt Myra spirituell so stark,
dass sie sich 1983 den Namen TORI als Vornamen wählt.
Myra ist so etwas wie ein musikalisches Wunderkind.
Bereits mit zweieinhalb Jahren beginnt sie Klavier zu spielen, angeblich auf Telefonbüchern sitzend,
da der Klavierhocker noch zu klein war.
Mit 4 Jahren spielt und singt sie im Kirchenchor.
Mit 5 Jahren erhält sie ein Stipendium am renommierten "Peabody Konservatorium für Musik"
in Baltimore und ist bis heute die jüngste, jemals angenommene Schülerin.
Ihre Eigenart ist es, darauf zu beharren Musik zu "hören" und nicht nur zu "lesen".
So studiert sie klassischen Gesang und Klavier, möchte Konzertpianistin werden.
Doch durch ihre "Eigenart" auch klassische Musik nach ihrem "Gehör" zu variieren,
stößt sie immer wieder bei ihren Lehrern an Grenzen.
Mit 10 Jahren beendet (in gegenseitigem Einverständnis) sie schließlich das Studium, weil zu trocken.
Sie wendet sich Anfang/Mitte der 70er Jahre dann lieber der vorherrschenden Populär Musik
- Beatles, Led Zeppelin, Jimi Hendrix - zu.
Mit 13 Jahren schließlich bekommt sie ihr erstes Engagement - in einer Schwulenbar in Georgetown.
Die nächsten 8 Jahre verbringt sie auf diese Weise in Nachtclubs,
zu Beginn noch unter Aufsicht ihres Vaters.
1984 beschließt sie dann ihr bisheriges Leben umzukrempeln und zieht nach Los Angeles,
um dort ihre Karriere neu zu entfachen, denn bisher hatte sie ziemlich unbeachtet und ohne Erfolg bereits einige Demo Bänder aufgenommen.
1985 gründet sie die Band Y KANT TORI READ und ergattert 1986 sogar einen Plattenvertrag bei Atlantic Records, wo
1988 das gleichnamige Debut Album erscheint.
Wohl einer der größten Flops der Musikgeschichte. Es werden 7.000 Exemplare verkauft.
Interessant auch die Vermarktungs-Strategie der Plattenfirma.
Bilder aus der Zeit zeigen Tori als Rock-Luder. 1988 löst sich die Band auf.
Heute liegen die Preise für eine dieser raren Aufnahmen bei bis zu 1.000 €.
Ihrer musikalischen Perspektive beraubt besorgt sie sich wieder ein Klavier und beginnt sehr reduzierte, persönliche Stücke zu schreiben.
Dank ihrer Bühnenerfahrung wird sie einfach von ihrer Plattenfirma nach England verfrachtet, um dort die Songs einem neuen, unvoreingenommenen Publikum vorzuführen.
Durch die allmählich einsetzenden positiven Resonanzen ermuntert, werden zunächst
"Me and a gun" und danach "Silent all these years" im Jahre 1991 als Singles
veröffentlicht.
Diese sehr authentischen Songs (über leider sehr dunkle persönliche Erlebnisse - mehr in der CD Betrachtung unten), werden tatsächlich zu Chart Erfolgen.
Zurück in Amerika wird 1992 ihr Debut "Little Earthquakes" veröffentlicht und als grandiose
Singer/Songwriter Scheibe abgefeiert.
Die Geburt einer schillernden Persönlichkeit in der weiten Musikwelt ist vollzogen - der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.
DISCOGRAPHY
STUDIO
1992 Little Earthquakes
1994 Under The Pink
1996 Boys For Pele
1998 From The Choirgirl Hotel
1999 To Venus And Back
2001 Strange Little Girls
2002 Scarlet's Walk
2005 The Beekeeper
2007 American Doll Posse
2009 Abnormally Attracted To Sin
Little Earthquakes 1992
Tracklist
1. Crucify 5:00
2. Girl 4:07
3. Silent All These Years 4:11
4. Precious Things 4:27
5. Winter 5:42
6. Happy Phantom 3:15
7. China 5:00
8. Leather 3:12
9. Mother 6:59
10. Tear In Your Hand 4:38
11. Me And A Gun 3:44
12. Little Earthquakes 6:52
Gesamt-Spielzeit 57:07 min
So gering waren sie gar nicht - die "Kleinen Erschütterungen", die Frau Amos da auf die unvorbereitete Hörerschaft losließ.
Das Album wird immer noch als ihr erfolgreichstes ausgewiesen - mehr als 2 Millionen Exemplare sind bis dato verkauft. Außerdem enthalten ihre Live-Sets immer mal wieder Stücke dieses
Albums.
Tori selbst zeigt schon zu Beginn ihrer Solo-Karriere was SIE will - ist bei 5 von 12 Stücken als Co-Produzentin genannt, ein klarer Fall
ihres Selbstverständnisses, ihres Selbstbewußtseins.
Castings, mit Nichts-sagenden Klonen bekannter Songwriter waren gedanklich noch in weiter Ferne.
Von der versammelten Musik-Kritikerschaft hervorragend aufgenommen, enthält das Album mit "Crucify", "Precious Things",
"Silent All These Years" und "Winter" bereits mehrere Klassiker.
Und es zeigt diese enorm intime Atmosphäre auf, die zwischen Tori und ihrem Klavierspiel herrscht, diese Verbundenheit - untrennbar.
Es scheint, als ob das eine nicht ohne das andere bestehen, gar existieren kann.
Das ist immer sehr eindringlich, im Spiel mit ihrem Klavier auf betörendste Weise "hoch-erotisch", manchmal einfach nur romantisch. Obwohl recht leichtfüssig angelegt, ist dieses Album niemals platt - oft schwingt eine Schwermut in den Singer-Songwriter-Stücken mit.
Inspiriert wird Sie hier von Begebenheiten, die sie selbst betreffen, welche sie erlebt, oder mit denen sie sich auseinandergesetzt hat. Die Texte sind oft fast poetisch zu nennen.
Manchmal schon an Pop erinnernd, in der Stimme zu der Zeit stark an KATE BUSH angelehnt,
trägt die Melange doch unterschwellig oft subtile, bedrohliche Töne in sich.
Der Song "Me And A Gun" handelt beispielsweise von der Verarbeitung einer
Vergewaltigung,
welche ihr im Alter von 21 Jahren selbst angetan wurde.
Auf der Heimfahrt nach einem Gig wird sie mit der Pistole von einem Fan bedroht und misshandelt.
Sie schreibt den Text auf dem Weg zu einem Auftritt in der U-Bahn, verarbeitet nach 4 Jahren ihr Leid, und führt das Stück noch an diesem Abend auf - das Ganze A-Capella, und beendet dann so
lange Zeit ihre Konzerte.
Die Texte über Sexuelle Unterdrückung (z.B."Silent All These Years"), Schwangerschaft; allgemein
- die menschlichen Abgründe der Seele, kommen oft unglaublich intensiv und ausdrucksstark rüber,
was natürlich an dieser reduzierten Klavier-Stimme-Kombo liegt.
Die Stücke "Me And A Gun" und "Silent All These Years" werden dann auch 1997 zu den Titelsongs der Kampagne "Unlock The Silence" der Organisation RAINN (Webpage), die sich um die Opfer und Überlebenden von sexuellem Missbrauch kümmert (gegründet 1994 u.a. von Tori Amos).
Das wohl mit typischste TORI AMOS Album, mit den meisten eingängigen Nummern und Hits
und doch unkommerziell - ein wahrer Klassiker. DIE GEBURT EINER GÖTTIN ...
Noch nie zuvor gelang es einer Künstlerin auch nur annähernd, Schönheit und Anmut,
Gefühl und Betroffenheit so intensiv darzustellen wie Tori Amos.
Under The Pink 1994
Tracklist
1. Pretty Good Year – 3:26
2. God – 3:59
3. Bells for Her – 5:22
4. Past the Mission – 4:06
5. Baker Baker – 3:18
6. The Wrong Band – 3:03
7. The Waitress – 3:10
8. Cornflake Girl – 5:07
9. Icicle – 5:47
10. Cloud on My Tongue – 4:43
11. Space Dog – 5:12
12. Yes, Anastasia – 9:33
Gesamt-Spielzeit 56,46 min
Das Nachfolgealbum wurde ähnlich erfolgreich, wie "Little Earthquakes".
Tori gibt Gas - die auf dem Debut eingestreuten Streicher-Passagen, dort eher einfach gehalten,
werden nun durch echte Streicher-Arrangements ersetzt.
Außerdem wird hier zum ersten Mal ihr musikalischer Lebenspartner eingesetzt
- der Bösendorfer-Flügel (hier ein kleiner Bericht dazu).
Von nun an ist er im Studio, als auch Live untrennbar mit ihrer Vision verbunden.
Das Image der elfenhaften, zarten Songwriterin wird folgerichtig aufgebrochen.
Songs, wie "God" oder "The Waitress" zeichnen sich durch den Einsatz von dissonanten Tönen
bzw. einer gewissen Schrägheit aus - sind nahe am Progressiven angelegt.
Dies jedoch immer mit dem voluminösen Klang ihres Klavierspiels, als auch ihrer aussergewöhnlichen Stimme. Der Kult-Status der kleinen Sängerin hat begonnen.
Auch ein weiterer Ruf, der der Sängerin anhaftet, wird hier offensichtlich - Sie streitet mit ihrer Plattenfirma, wegen der Produktion (alle späteren Alben werden erst einmal von ihr alleine
produziert), wegen der Reihenfolge der Songs auf dem Album, wegen den Songs selbst (sie droht sogar damit sämtliche Masterbänder zu vernichten), TORI weiß genau, was TORI will und was Sie ausmacht.
So entstehen Songs, wie ihr wohl bekanntestes Stück (wurde ein Welthit !) "Cornflake Girl"
- ein herrliches Folk Lied, das mit TRENT REZNOR (Nine Inch Nails) in Zusammenarbeit komponierte "Past The Mission", oder das herrlich gegensätzliche "Pretty Good Year" - ein eher leicht dahinfließender Track und doch zutiefst emotional, da er die Leidensgeschichte eines Fans behandelt.
Auch hervorheben muss man unbedingt "Yes Anastacia" - ein rund 10 Minuten andauernder Klavier-Epos - fast schon improvisiert, zeigt er die Experimentierfreude
der Künstlerin.
Überhaupt wird dieses Abum zum "Spiegelbild der Weiblichkeit" und weist darüberhinaus noch Songs (Reflektionen) über die Schriftstellerin
ALICE WALKER, sowie die Künstlerin GEORGIA O'KEEFE auf.
Überhaupt werden die Texte diesmal hauptsächlich von Dingen beeinflusst, die von "Aussen" auf Tori einströmen, während auf dem Debut eigene Ereignisse die Texte beeinflussten.
So zeichnet sich dieses Album durch einen gehörigen Tiefgang aus, Tori setzt ihre Stimme nicht nur als Leaderin der Songs ein, nein - ihre späteren Trademarks kommen stärker zum Einsatz.
Sie formt Stimmen-Solo-Teile, sie doppelt ihre Stimme, sie setzt sie rhythmisch ein - unglaublich variabel. Auch verschwindet hier allmählich das Kate Bush Syndrom - sie wird damit noch
eigenständiger - selbstbewusster.
Einsam dahinschwebende Pianotöne - gehauchter Gesang - Symbolik und Poesie in den Texten,
oft kryptisch eingesetzt - Percussion-Sounds (ein weiteres später immer wiederkehrendes Stilmittel)
- schon fast harte, explodierende Pianoklänge - Temperament und gleichzeitig eine gewisse Fragilität
- dies zeichnet Tori aus.
So wird der geneigte Hörer belohnt mit einer sehr abwechslungsreichen, herrlich atmosphärischen Scheibe, die so gekonnt Emotionalität, Anspruch und Leichtigkeit miteinander verbindet,
wie wohl keine zweite CD von Miss Amos.
EIN ZEITLOSES MEISTERWERK
Zusatz:
Amos wird 1994 Mitbegründerin von RAINN (Rape, Abuse and Incest National
Network), der bis heute einzigen amerikaweiten kostenlosen Notrufhotline für Vergewaltigungsopfer (insbesondere für Frauen und Kinder).
Boys For Pele 1996
Tracklist
1. Beauty queen/Horses 6,07
2. Blood Roses 3,56
3. Father Lucifer 3,42
4. Professional Widow 4,31
5. Mr Zebra 1,07
6. Marianne 4,09
7. Caught a little sneeze 4,26
8. Muhammad my friend 3,49
9. Hey Jupiter 5,11
10. Way down 1,13
11. Little Amsterdam 4,30
12. Talula 4,08
13. Not the red baron 3,50
14. Agent Orange 1,25
15. Doughnut Song 4,20
16. In the springtime of his voodoo 5,33
17. Putting the damage on 5,15
18. Twinkle 3,11
Gesamt-Spielzeit 70,23 min
Von der "normalen" Musikwelt als sehr schwierig eingestuft, wird dieses Album oft von eingefleischten Amos Fans als herausragend angesehen. Dies liegt unter anderem an der Verweigerung der Künstlerin, die bereits auf den Vorgänger-Alben beschrittenen Pop-Pfade weiter zu verfolgen. Vielmehr werden hier kaum feste Strukturen in der Musik geboten, es herrscht immer wieder eine eher atonale, dissonate Note in der Musik vor.
Aufgenommen wird die Scheibe in einer Kirche in Irland und weist einen eher düsteren Sound auf.
Tori tritt hier als alleinige Produzentin auf und nutzt ihre Freiheiten konsequent. Als Tontechniker an ihrer Seite fungiert nun an Mark Hawley, der nebenbei
bemerkt, später auch ihr Ehemann wird.
Der Name PELE bezeichnet hier übrigens nicht etwa bekannte Fussball-Größen, sondern ist der Name der Vulkan-Göttin von Hawaii. So handelt dieses Album, als fortlaufende
Geschichte angelegt, von ihrem Weg zur leidenschaftlichen Frau. Sich selbst von einer Lebenskrise befreiend, wird in den Texten und Bildern schonungslos abgerechnet.
Die Männer, die in ihrem Leben ihren Weg kreuzten gelten hier als Opfer, denen sie ihr "Feuer" stiehlt, um so Begierden und Bedürfnisse zu befriedigen, Liebe zu erfahren, um so "Frau" zu werden -
alleinstehend und unabhängig, geprägt vom Leben selbst - so kann Tori auch dem religiösen Vorbild der Frau (Jungfrau Maria) überhaupt nichts abgewinnen und läßt dieses folgerichtig auch nicht als
modernes Leitbild der Frau zu.
Sie trennte sich im Vorfeld von Erick Rosse (nach 7 Jahren Beziehung, war er auch ihr Co-Produzent gewesen).
Die Texte selbst sind wieder sehr stark "lyrisch" verpackt und fordern zum genauen Betrachten ein.
Das Textkonzept erklärt sich somit leider nicht von alleine, sondern bietet vielmehr jede Menge Raum für Interpretationen.
In diesem Zusammenhang sorgt Tori auch für gewaltiges Aufsehen mit einem Bild, welches im Booklet der Scheibe abgedruckt wird. Man sieht sie dort mit einem säugenden Ferkel an ihrer Brust
- Moralapostel dieser Welt liefen sogleich Sturm.
So werden bildlich, aber auch musikalisch - das von den Fans aufgebaute Bild der unschuldigen, elfenhaften Sängerin aufgebrochen und umgekehrt.
Musikalisch bricht sie ihre Bösendorfer-Welt auf.
So wie in "Caught a lite sneeze" - der ersten Single-Auskopplung (angeblich übrigens der erste Song, welcher jemals kostenlos ins Internet gestellt wurde -
auch dies zeigt ihre konsequente Ablehnung des traditionellen Mainstream-Gedankens) kommt verstärkt in einigen Songs auch ein Cembalo zum Einsatz.
In anderen Songs werden ein Harmonium oder ein Clavichord eingesetzt. So klingen die Songs trotz der vorherrschenden Piano-Melodien musikalisch recht vielseitig. Trotzdem kann einen dieser hier
eingesetzte "Spinett-hafte" Klang, in unruhigen Momenten fast zum Wahnsinn treiben.
Band-Ensembles, wie Blechbläsersätze, als auch Gospelchöre werde zum Einsatz gebracht.
Tori haucht, singt und nölt dazu ihre Texte, in seltsam kratzigen Melodien, die nur selten von gewohntem Wohlklang abgelöst werden. Emotional werden so viele Gefühle zum Ausdruck gebracht, das
auch schon von "Wahnsinn" die Rede war.
Auf jeden Fall leidet man mit, lässt sich von der (zugegebenermaßen selten vorkommend) Fröhlichkeit anstecken, erfährt viel Wut und Trauer und wird oft von der sehr melancholischen Stimmung
gepackt. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle wird so konsequent auf keinem anderen Album der Künstlerin deutlich.
Und so wird offensichtlich, was eigentlich allen Alben der Künstlerin, hier aber noch verstärkt innewohnt - Ihr Gesamt-Ausdruck, ihre Musik und ihre Texte, sind doch eher für menschenleere
Räume und für das Allein-Sein gedacht und gemacht, und nicht für den geselligen Abend unter Gleichgesinnten.
Das Erfahren steht im Vordergrund und nicht die Berieselung.
Auch durch die fehlende Hitdichte des Albums läuft diesmal der Verkauf sehr schleppend, bis ein Remix der Single es bis auf eine Nummer 1 Platzierung in den Dance Charts schafft.
Nach verschiedenen neuen Versionen des Albums (mit Remix, anderem Remix, ohne Remix etc.),
wird es später doch noch mit einer Platin Auszeichnung geehrt.
Das wohl schwierigste Album ihrer Karriere - nur für Musik-Kopf-Hörer.
Hat man sich "durchgebissen", lässt das Album später ruhen, um es irgendwann immer mal wieder hervorzukramen, wird man allerdings, möglicherweise urplötzlich,
mit einem spannenden und zutiefst emotionalen Album belohnt.
Definitiv die "KUNST"-Scheibe der elfenhaften Tori.
From The Choirgirl Hotel 1998
Tracklist
1. Spark 4,13
2. Cruel 4,07
3. Black-dove (January) 4,38
4. Raspberry swirl 3,58
5. Jackie's strenght 4,26
6. Iieee 4,07
7. Liquid diamonds 6,21
8. She's your cocaine 3,42
9. Northern lad 4,19
10. Hotel 5,19
11. Playboy mommy 4,08
12. Pandora's aquarium 4,45
Gesamt-Spielzeit 54,03 min
Tori geht weiter zielstrebig IHREN Weg - eigen und unbeirrt.
Sie nimmt zum ersten Male mit einer kompletten Band auf, integriert sie in das Komponieren der Songs
- pumpt moderne Rhythmen hinein - oft elektronisch verstärkt oder mit Samples.
Schlagzeug und Percussion nehmen einen dominanter Platz ein - im Sound-Gefüge der Dame
- eine fast rockig zu nennende Ausrichtung herrscht hier vor.
So wirkt Sie unorthodoxer und radikaler denn je
- die gewohnt fragilen Songs rücken der Welt-Musik nahe - bergen Tribal-artige Rhythmen,
sind Ausdruck ihres neuen Selbstbewusstseins - wirken erdig, aber auch düster - ohne Zweifel.
Wieder wurde Sie Opfer des nehmenden Schicksals - im 3ten Monat schwanger erleidet sie wenige Monate vor Aufnahme der CD ihre zweite Fehlgeburt. Depressionen sind
die Folge.
Immer wieder betont sie fortan - diese Erfahrung habe sie emotional reifen lassen und sie habe es geschafft sämtliche Liebe und Energie, die in ihr wohnte und dem neuen Leben gewidmet war,
nun in das neue Album zu transportieren.
Doch so verwirrend und emotional fordernd, wie ich mir diesen Verlust vorstelle klingt auch dieses Album. Ihr Innenleben und der Ausdruck ihrer Gefühle lässt dieses Album pulsieren.
Es wirkt dicht - getragen von atmosphärischen Keyboard-Sounds.
So bekommt man hier mit dem gefühlvollen "Spark" oder der fetzigen Nummer "She's your Cocaine" (alte Beatles Tage lassen
grüßen) sehr stimmige Songs geboten.
Nummern wie die sparsam instrumentierten Balladen "Jackie's strenght" und "Northern lad" weisen auf ihre Vergangenheit
hin, sind stimmlich einfacher gehalten und reichen so dem verdutzten Hörer die Hand, der sich erst an experimentellere Nummern, wie "Iieee" oder
"Liquid diamonds" gewöhnen muss.
Doch auch einen Ohrwurm hat sie wieder verewigt - "Raspberry swirl" packt mit Groove und Rhythmik.
Manches wirkt tatsächlich etwas überfrachtet und scheint mit zuviel Ballast behaftet, doch im Gesamtbild ergibt es doch ein abwechslungsreiches Album mit Ecken und Kanten.
Ein Album, welches sich erst auf den zweiten oder dritten Blick hin öffnet.
Zu dieser Zeit tritt Tori auch eher als Rockband auf. Sie spielt Live nun auch Synthesizer zum Klavier,
hat viele Licht und Soundeffekte integriert.
To Venus And Back 1999
Tracklist
CD 1: Studio
1. Bliss 3,42
2. Juares 3,48
3. Concertina 3,56
4. Glory of the eighties 4,03
5. Lust 3,53
6. Suede 4,58
7. Josephine 2,29
8. Riot proof 3,28
9. Datura 8,25
10. Spring haze 4,44
11. 1000 Oceans 4,19
Gesamt-Spielzeit 47,45 min
CD 2: Live
1. Precious things 7,38
2. Cruel 6,47
3. Cornflake girl 6,31
4. Bells for here 5,42
5. Girl 4,15
6. Cooling 5,09
7. Mr. Zebra 1,17
8. Cloud on my tongue 4,58
9. Sugar 5,10
10. Little earthquakes 7,37
11. Space dog 5,46
12. Waitress 10,24
13. Purple people 4,11
Gesamt-Spielzeit 75,25 min
TORI bringt hier eine Doppel-CD auf den Markt, welche zum einen ihre eher zurückhaltende Art zeigt, andererseits aber auch ihre Live-Qualitäten auf den Punkt bringt.
Auf der Studio-CD dominieren reduzierte Stücke, in sparsamer Instrumentierung, ohne trivial zu wirken. Es wird wieder verstärkt auf Gesangs-Arrangements Wert gelegt, die Refrains sind
präsenter.
Allerdings wandelt sie ihren Sound erneut ein wenig und wirkt hier etwas kühler und steriler als bisher, fügt weitere elektronische Elemente dem Sound bei.
Trotzdem kommen die Stücke ziemlich interessant und spannend rüber
- ein Song der Marke "1000 Oceans" würde auf jedem Album von Amos eine gute Figur machen.
Manche Stücke wirken hier auf den ersten Eindruck hin etwas glatt, es fehlen ein paar Ecken und Kanten.
Fast schon dem entgegengesetzt werden auf CD 2 - 13 Stücke der Plugged-Tour von 1998 verewigt.
Hier dominiert dann das erdige Bandgefüge, welches sich inzwischen herauskristallisiert hat.
Klassiker in neuem Gewand, wie "Cornflake girl" oder "Little earthquakes" sind genauso vorhanden,
wie auch eine ganze Reihe von Songs, welche nicht unbedingt im Bewußtsein der Hörerschaft lagen.
Vor allem die Versionen von "Cloud on my tongue" oder "Waitress" sind allemal das Geld wert.
Außerdem gibt es mit "Cooling" und "Purple people" zwei bisher unveröffentlichte Stücke.
Ein (bewußt ?) zweischneidiges Schwert, welches sich am Ende aber doch ergänzt.
Strange Little Girls 2001
Tracklist
1. New Age (Velvet Underground) 4,37
2. '97 Bonnie & Clyde (Eminem) 5,46
3. Strange little Girl (The Stranglers) 3,50
4. Enjoy the silence (Depeche Mode) 4,10
5. I'm not in love (10cc) 5,39
6. Rattlesnakes (Lloyd Cole) 3,59
7. Time (Tom Waits) 5,23
8. Heart of gold (Neil Young) 4,00
9. I don't like mondays (Boomtown Rats) 4,21
10. Happiness is a warm gun (The Beatles) 9,55
11. Raining Blood (Slayer) 6,22
12. Real Man (Joe Jackson) 4,07
Gesamt-Spielzeit 62,09 min
Die Probleme mit ihrer Plattenfirma Atlantic Records wurden für Tori zur unüberbrückbaren
"Never-Ending-Story". Um ihren Vertrag zu erfüllen, musste noch ein weiteres Album eingespielt werden.
Tori in ihrer ganzen Unnahbarkeit, weigerte sich neue Songs für die Erfüllung ihres Vertrages zu schreiben und nahm einfach ein Album voller Coversongs auf.
Noch dazu nahm sie es größtenteils in England auf und produzierte dort.
Die Songs waren ausnahmslos von männlichen Songwritern.
Doch Tori macht aus jedem der Songs etwas "EIGENES".
Manchmal sehr minimalistisch - bei der Eminem Nummer nimmt sie beispielsweise fast den kompletten Groove raus, bei Depeche Mode macht sie durch ihr reduziertes
Arrangement die Nummer nur noch melancholischer, immer wieder kommt ein E-Piano zum Zuge.
Aus der Sicht von Frauen interpretiert - dies war ihr Anliegen, weswegen sie auch mit verschiedenen Frauen über die Songs sprach.
"Ich fand es immer schon faszinierend, wie Männer bestimmte Dinge sagen und wie das bei Frauen ankommt" - so Tori in einem Interview.
Der Text des Songs sollte im Mittelpunkt stehen - konsequenterweise wurde zu jedem Song dann auch ein Foto ins Booklet genommen, wo Tori dem jeweilige Lied durch Optik und Kleidung Ausdruck
verleiht.
Mit dieser Scheibe darf man die Gefühlswelt von Tori Amos eigentlich nicht betreten.
Wer die Original Songs kennt, der wird unweigerlich erst einmal seine Probleme damit haben.
Und doch ist es mächtig intensiv sich mit dieser Scheibe auseinanderzusetzen
- allerdings erst, wenn man schon gefestigt in ihrer Welt steht.
Dann wiederum erblühen die Songs in ganz neuem Licht,
zeigen Interpretations-Kunst auf ganz hohem Niveau - höchst unkommerziell, aber wieder sehr intim.
DIE WOHL MUTIGSTE SCHEIBE DER LADY
Scarlet's Walk 2002
Tracklist
1. Amber Waves 3:42
2. A Sorta Fairytale 5:32
3. Wednesday 2:32
4. Strange 3:09
5. Carbon 4:38
6. Crazy 4:30
7. Wampum Prayer 0:46
8. Don't Make Me Come To Vegas 4:54
9. Sweet Sangria 4:05
10. Your Cloud 4:33
11. Pancake 3:58
12. I Can't See New York 7:18
13. Mrs. Jesus 3:08
14. Taxi Ride 4:04
15. Another Girl's Paradise 3:38
16. Scarlet's Walk 4:20
17. Virginia 3:59
18. Gold Dust 5:56
Gesamt-Spielzeit 74,42 min
Zunächst fällt einem die absolut edle Aufmachung auf. Als Box Set aufgemacht (es gibt allerdings auch eine "normale" CD-Veröffentlichung), haben wir ausser der CD, auch eine Landkarte (auf der
die Stationen der Reise aufgezeigt werden), verschiedene Bildmotive zum Aufkleben, ein Bilderkaleidoskop (wie eine Postkartensammlung mit Tori-Motiven aufgemacht), einen Halskettenanhänger, sowie
eine DVD-Single (mit zwei Songs: "Gold dust" und "A sorta fairytale" - dazu noch ein paar Bilder und einen zuschaltbaren
Audio-Kommentar der Künstlerin) erworben.
Tori ist in der Zwischenzeit endlich Mutter geworden (nach drei zu erleidenden Fehlgeburten vorher) und dieses emotionale Glück färbt auf das Album ab. Es ist
eine ruhige, erwachsen klingende Pop-Reise geworden. Und eine Reise ist es auch inhaltlich.
Scarlet (Tori?) wandert durch die verschiedenen Regionen der USA und erfährt auf diesem Trip viel unverständliches und unbequemes - ein Roadtrip der ganz besonderen Art.
Alle Songs sind nach dem 11. September entstanden und durch die dadurch erfahrene, neue Verwundbarkeit des Landes, sind auch die Stationen auf dieser CD von Demut und leisen Tönen erfüllt.
Da gibt es Akustic Songs, Percussion, sanfte E-Gitarren - kaum noch elektronische Spielereien,
dafür wieder mehr Piano-lastige Lieder.
Dieser (elektronische) Weg scheint für ihre Selbstfindung, ihren Stil ausgereizt.
So baut sie eine epische Pop-Reise, eingängig - aber erwachsen. Emotionale Schwingen ausbreitend, umhüllt sie uns mal traurig, mal fröhlich, oft nachdenklich, aber immer sehr stimmungsvoll.
Fast schon kommerziell ausgerichtet und doch niemals zu eingängig oder platt,
findet man gefühlvolle Melodien vor und stimmige Arrangements.
Bereits der Opener "Amber waves" begeistert mit Tori PUR - Klavier und Stimme,
das Eintauchen in ihre Welt ist diesmal sehr einfach.
Mit "A sorta fairytale" schafft sie gar wieder einen kleinen Hit.
"Wampum prayer" wird acapella dargeboten, "Strange" ist eine radiotaugliche Ballade und bei
"Mrs. Jesus" singt Tori so variabel, dass ihre Stimme ein ums andere Mal wohlige Schauer erzeugt.
So pendelt dieses Album hauptsächlich zwischen Balladen und Stücken in Mid-Tempo, offenbart schöne percussion-lastige Rhythmik, und zaubert so einfach mal Alltagsstress und Unruhe aus unserem
Denken. Durch die eher ruhige Ausrichtung wird auch ihre aussergewöhnliche Stimme wieder hervorragend zur Geltung gebracht.
Scarlet erfährt die Lebenslügen eines Molochs von Land. Der Umgang mit der Trauer des 11. Septembers entlarvt sie als naiv und doppelbödig in seiner Alltagsmoral.
Ihre Reise führt sie, ausgehend von Los Angeles, nicht nur zu verschiedenen Orten des Landes,
sondern auch durch die Zeit. So trifft sie auch auf ihre indianischen Wurzeln, erfährt das Schicksal ihrer Vorfahren, bei Begegnungen mit den Ureinwohnern.
Die Beziehungen zu Männern, Gewalt und Ungerechtigkeit, sind genauso Themen der Scheibe,
wie Rassentrennung und Ausbeutung des lateinamerikanischen Kontinents.
Aber auch die Geschichte eines schwulen Freundes findet Platz.
So sind es doch wieder unbequeme Geschichten geworden, mit denen ihre Landsleute möglicherweise ihre Probleme haben werden. Doch durch die ruhige Erzählweise des Albums wird einem diesmal die
geöffnete Hand entgegen gehalten - Freundschaft angeboten.
Trotz der Tatsache das jeder Song eine eigene Geschichte erzählt, wirkt das Album in sich geschlossen und ungemein dicht. Die Verbindung von Pop, Rock, Folklore und nahezu Acapella Stücken zeigt
die vielen Facetten eines riesengroßes Landes.
Und auch Scarlet erfährt am Ende ihres Weges emotionalen Frieden, hat ihre Wurzeln entdeckt und findet zu sich selbst. Sie entdeckt die Wahrheiten in der Geburt ihres Kindes - "Gold dust", Werte von bleibender Natur, entgegengesetzt der Vergänglichkeiten, den von der Gesellschaft aufdoktrierten Werten. Den eigenen Weg finden und begreifen -
dies ist wohl eine starke Kernaussage dieser Scheibe.
DIE WOHL RUHIGSTE UND EINGÄNGIGSTE CD VON TORI AMOS
- WARMHERZIG UND ENTSPANNT
MIT IHR DARF MANN DURCHAUS SEINE REISE IN DIE WUNDERBARE WELT
DER AUSSERGEWÖHNLICHEN SÄNGERIN BEGINNEN
EXKURS:
Es gibt noch ein paar zusätzliche Songs "Scarlet's Hidden Treasures" genannt,
welche sich auf einer DVD Veröffentlichung von 2004 befinden.
Es handelt sich hierbei um "Welcome To Sunny Florida" - einem einfachen Mitschnitt,
der am 04. September 2003 im Amphitheater von West Palm Beach aufgenommenen Show.
SONGS AUDIO
(Scarlet's Hidden Treasures):
1. Ruby through the looking-glass 4,55
2. Seaside 3,25 3. Bug a martini 5,04
4. Apollo's fool 8,14
5. Tombigbee 4,27
6. Indian summer 7,43
Gesamt-Spielzeit CD: 33,43 min
SONGS DVD:
1. A sorta fairytale 2. Sugar
3. Crucify 4. Interlude #1
5. Cornflake girl 6. Bells for her
7. Concertina 8. Interlude '2
9. Take to the sky 10. Leather
11. Cloud on my tongue 12. Cooling
13. Interlude #3 14. Your cloud
15. Father Lucifer 16. Professional widow
17. I can't see New York 18. Precious things
Gesamt-Spielzeit DVD: (incl. Extras 179 min)
Zur CD:
Die 6 Songs sind als "Hidden Treasures" zu "Scarlet's Walk" gedacht.
Auch hier finden wir sehr ruhige, reduzierte Stücke vor. Einfache, schöne, fliessende Songs.
Oft nur mit Klavierbegleitung singt Tori sehr eingängige Songs, mit Ausnahme des Stückes "Bug a Martini", dies ist von einer Piano/Jazz-Bar-Atmosphäre
durchdrungen und mit Bandbegleitung.
Die Produktion der Songs ist wieder einmal hervorragend gelungen, viele Feinheiten beim Gesang sorgen für wohlige Kopfhörer-Sessions.
Und wenn beim abschließenden "Indian summer", die Stimme über den Kopfhörer, abwechselnd von links oder rechts einschmeichelnd ins Gehör dringt, kann man sich
die farbenfrohen Landschaften direkt vorstellen.
Eine schöne Ergänzung zu "Scarlet's Walk".
Zur DVD:
Das Konzert hat eine Spieldauer von über 2 Stunden und wird durch einen Interview Block mit Tori,
sowie einem Tour Yearbook abgerundet.
Nun - was soll man sagen, es handelt sich NUR um einen einfachen Mitschnitt,
es ist keine mit 127 Kameras und 39 Blickwinkeln aufgenommene Supershow,
aber es gibt das Phänomen TORI AMOS sehr gut wieder.
Der Sound ist klasse (5.1 Dolby oder Stereo wählbar), die Songauswahl prächtig, Tori und ihre Mannschaft sind in Spiellaune. An dieser Stelle darf man auch einmal diese Backband loben.
Seit Jahren sind sie nun schon dabei: MATT CHAMBERLAIN an den Drums und JON EVANS am
Bass. Sie unterlegen die Kompositionen mit immer wieder fazinierenden Rhythmen, und das sieht man erst LIVE so richtig. So flüssig und in positivem Sinn unauffälliger Art
und Weise geschieht dies in den Songs.
Nur 3 Leute auf der Bühne, dabei Schlagzeug und Bass naturgemäß auch noch im Hintergrund.
Zentral steht der Bösendorfer Flügel schräg zum Publikum, im Gegenüber HammondOrgel und Synthie. Dazwischen befindet sich das Reich von TORI
AMOS.
Ihr zuzusehen, schon das kleine (Gebets-) Ritual vor der Show, das langsame Eintreten in IHR Reich, lässt Spannung aufkommen.
Ihr Markenzeichen ist das Zuwenden zum Publikum, während sie spielt und singt. Tori sitzt deswegen selten ruhig am Flügel, denn so würde sie den Fans nur ihre Schulter präsentieren können. Nein,
das Mikro ist vielmehr stets schräg am Flügel angebracht, so dass sie ins Publikum schauen kann.
Entweder spreitzt sie dabei ein Bein hinter der Sitzbank ab, wippt hin und her, oder sie sitzt gleich mit dem Unterkörper dem Publikum zugewandt, die Beine weit geöffnet, lasziv-erotisch,
sinnlich-obszön gar. Eine Göttin, ein Racheengel, eine Geliebte, eine Frau.
Sie geht Beziehungen ein - zu ihren Instrumenten, als auch zum Publikum.
INTIMITÄT ist das Zauberwort.
Die ganze Magie wird allerdings erst durch die Mimik der Lady erzeugt.
Sie blickt in die Kamera und man ist hin und hergerissen.
Verletzlichkeit, Stolz, Verführung, Wut und Hingabe, kaum eine Künstlerin transportiert so viele,
und so intensiv die Gefühle, allein mit ihrem Blick. Dies ist der eigentliche Zauber von TORI AMOS.
Unweigerlich wird man so in ihren Sog gezogen, gibt sich ihr hin oder lehnt ab - Ignoranz lässt Tori nicht zu. Akzeptanz zumindest, muss IHR
eigentlich jeder Musik Kenner entgegenbringen.
Dann, wenn sie eben mal den Song "Crucify" in ein über 10 Minuten dauerndes Monster ausdehnt.
Dann, wenn Sie Flügel und Orgel parallel bedient, fast zwischen den beiden zu schweben scheint, losgelöst von aller irdischen Schwerfälligkeit (und dazu noch singt).
Dann, wenn sie die schwierigsten Klavierläufe, so eben mal zum melodisch schwierigen Gesang,
mit einer Leichtigkeit abruft, die schier unmöglich scheint, dabei noch mit der erwähnten Mimik aufwartet - IST UND BLEIBT SIE EINZIGARTIG.
The Beekeeper 2005
Tracklist
1. Parasol 3,54
2. Sweet The Sting 4,14
3. The Power Of Orange Knickers
(feat. Damien Rice) 3,35
4. Jamaica Inn 4,02
5. Barons Of Suburbia 5,20
6. Sleeps With Butterflies 3,35
7. General Joy 4,12
8. Mother Revolution 3,58
9. Ribbons Undone 4,30
10. Cars And Guitars 3,44
11. Witness 6,03
12. Original Sinsuality 2,02
13. Ireland 3,47
14. The Beekeeper 6,49
15. Martha's Foolish Ginger 4,21
16. Hoochie Woman 2,34
17. Goodbye Pisces 3,38
18. Marys Of The Sea 5,08
19. Toast 3,42
Gesamt-Spielzeit 79,08 min
Das zweite Themenalbum nach "Scarlett's Walk" erzählt die biblische Geschichte der GENESIS
- der Erschaffung, aus Sicht der Frauen, am Beispiel der Biene - wenn das mal nicht abgefahren ist.
Die MUTTER (-Gottheit, -der Schöpfung) steht hier im Mittelpunkt und setzt so eben einfach mal,
das ansonsten vorherrschende religiöse Weltbild ausser Kraft.
Es ist ein weiteres Mal ein sehr eingängiges Album geworden, und punktet vor allem mit der Annährung an die Mainstream-Stilrichtungen des Pop/Rock, ohne natürlich deren oft vorhandene
Ausgelutschtheit zu erreichen - gehaltvoll UND zugänglich.
Dazu kommen diesmal allerdings auch Versatzstücke aus R&B und Soul, wie beispielsweise in "Witness" oder Anleihen aus Gospels, sowie in den Songs der
Marke "Mother revolution" eine starke Nähe zu KATE BUSH.
Das bekannteste Stück der Scheibe "The power of orange knickers" bietet jedoch immer noch diese einzigartige Tori, die es mit ihren Sounds und ihrem
Stimmeinsatz schafft, stets ein gewisses Gefühl der Ungewissheit und der Bedrohung auszustrahlen, sehr subtil allerdings.
Aufgelockert werden diese Pole durch eine neue Form der Leichtigkeit,
des Easy-Living-Feelings solcher Nummern, wie "Hoochie woman".
Songs, wie das eher düsterer gehaltene Titelstück oder die "überhübschte" Nummer "Ireland" sorgen für weitere Abwechslung, während Ohren-Schmeichler der Marke
"Original sinsuality", "Toast" oder das famose "Sleeps with butterflies" einfach nur
sanft vor sich hin fliessen und eine tiefe Zufriedenheit beim geneigten Zuhörer auszulösen vermögen.
Musikalisch werden wieder interessante Rhythmen geboten und das Augenmerk liegt auf der Verbindung von Klavier (Bösendorfer Flügel) und "Organ" (Hammond Orgel).
"Mit meiner rechten Hand an ihrer Orgel und meiner linken auf den Klaviertasten hat mich die Beziehung zwischen diesen wunderbaren Geschöpfen, dem Bösendorfer-Klavier und der Hammond
B3-Orgel, verändert". so AMOS in einem Interview.
So ummantelt Tori ihren ureigenen Stil mit einem Schuss Radio-Kompatiblität, setzt mit AOR Einflüssen und kommerzielleren Stücken bewusst auf
eine Prise Massentauglichkeit.
Mit weniger progressiven Strukturen und stärker fokussierter Stimme, ohne die gesanglichen Eskapaden und Augenmerk auf schlüssige Songs.
Und das ist auch gut so, öffnet sich doch so diese grandiose Musik stärker dem
WANDERER DURCH DIE VERSCHIEDENEN WELTEN DER MUSIK, kann als TOR zum Verständnis des Phänomens TORI AMOS gelten, eher noch als zu Beginn ihres Schaffens (zumindest als Einstieg),
oder speziell zu den Zeiten ihrer mittleren Phase (1996-2001).
Je öfter man dieser Scheibe die Möglichkeit gibt, in Ruhe und innerer Zufriedenheit auf einen einwirken zu können, umso häufiger wird man sich beim verträumten Zuhören erwischen.
Die Lady ist reifer geworden - in jeder Hinsicht
American Doll Posse 2007
Tracklist
1. Yo George (Isabel) - 1:25
2. Big Wheel (Tori) - 3:15
3. Bouncing Off Clouds (Clyde) - 4:06
4. Teenage Hustling (Pip) - 4:02
5. Digital Ghost (Tori) - 3:50
6. You Can Bring Your Dog (Santa) - 4:04
7. Mr. Bad Man (Isabel) - 3:18
8. Fat Slut (Pip) - 0:41
9. Girl Disappearing (Clyde) - 4:00
10. Secret Spell (Santa) - 4:04
11. Devils and Gods (Isabel) - 0:53
12. Body and Soul (Pip und Santa) - 3:56
13. Father’s Son (Tori) - 3:59
14. Programmable Soda (Santa) - 1:25
15. Code Red (Tori) - 5:27
16. Roosterspur Bridge (Clyde) - 4:01
17. Beauty of Speed (Clyde) - 4:06
18. Almost Rosey (Isabel) - 5:26
19. Velvet Revolution (Pip) - 1:19
20. Dark Side of the Sun (Isabel) - 4:16
21. Posse Bonus (Tori) - 1:45
22. Smokey Joe (Pip) - 4:19
23. Dragon (Santa) - 5:03
Gesamt-Spielzeit 78,40 min
Tori erschuf für dieses Album 5 weibliche Charaktere, angelehnt an Göttinen der griechischen Mythologie, denen sie dann verschiedene Rollen (Songs) zuteilt:
ISABEL (HisTORIcal) - nach dem Bilde Artemis, Göttin der Jagd
PIP (ExpiraTORIal) - nach dem Bilde Athene, Göttin der Weisheit, aber auch des Krieges
CLYDE (CliTORIdes) - nach dem Bilde Persephone, Göttin der Unterwelt
SANTA (SanaTORIum) - nach dem Bilde Aphrodite, Göttin der Liebe und der Leidenschaft
TORI (TerraTORIes) - nach dem Bilde Demeter und Dionysos, Göttin der Fruchtbarkeit
Alle zusammen bilden die "American Doll Posse", 5 verschiedenste Personen,
und doch ein gemeinsames Ganzes.
Diese "Multiple Persönlichkeit" möchte in einem uninformierten, unpolitischen Amerika ihre Stimme, gegen die rechten Strömungen des Landes
erheben und fragen wohin die Reise Amerikas wohl geht.
„Wir haben es in den USA mit einer monotheistischen, patriarchalischen Lobby zu tun, die alles andere will als eine matriarchalische, demokratische Kraft wie im griechischen Pantheon. Die
feminine Rolle wird schon viel zu lange auf Maria und Maria Magdalena eingegrenzt, aber Frauen sind keine eindimensionalen Wesen, sind nicht entweder Heilige oder Hure, also sollten sie ihre
Stimmen erheben.” so der Wortlaut eines Interviews.
Sicherlich ein Knaller für jede Plattenfirma - stelle ich mir zumindest vor.
Nach viel Überredungs- und Überzeugungskunst wird das Album dann tatsächlich veröffentlicht.
Im Booklet werden die verschiedenen Persönlichkeiten vorgestellt und anhand von Bildern verdeutlicht (für uns schwerfällige Männer wahrscheinlich).
„Zu jeder Stimme gehörte ein kompletter Charakter. Jede Persönlichkeit hatte ihr eigenes Aussehen und ihren eigenen Stil. Und jede Frau hatte etwas Wichtiges zu sagen über ihre Rolle in
einer Welt, die immer noch vom Patriarchat bestimmt wird und über die Fesseln, die ihr angelegt wurden und die ihr nicht erlauben, ihr wirkliches Ich zu zeigen.” so Tori.
Konsequent (andere sprechen auch gerne von einer Form der Exzentrik), wie Tori nun mal ist,
werden für die 5 Frauen sogar verschiedene Internet Blogs eingerichtet
(mit eigenen zeitgenössischen Biographien etc.) und gepflegt.
Bei der anschliessenden Tour werden die jeweiligen Konzerte auch gerne immer wieder mit einer anderen Persönlichkeit eröffnet, was zu immer neuen Songreihenfolgen führt und der Begleitband so
einiges abverlangt haben dürfte.
Diese verbildlichte Komplexität ihrer Figur und ihres Schaffens sagt viel über die
KÜNSTLERIN TORI AMOS aus - ausserdem komponiert/produziert sie dieses Album auch noch alleine.
So ist es natürlich enorm facettenreich ausgefallen, progressiver Pop sozusagen.
Kompromisslose Kunst auf TORI-Niveau eben.
Musikalisch werden wir diesmal mit verstärktem Einsatz von E-Gitarren belohnt, etwa bei
"Teenage hustling", "You can bring your dog", oder dem verschlossenen "Code
red".
"Big wheel" ist eine rhythmisch stampfende Nummer, "Bouncing off the clouds" besticht durch breit gefächerte
Keyboardsounds. Und immer wieder ereilen einen diese warmen, ruhigen Tori-Kompositionen, wie in "Father's son" oder "Girl
disappearing", wo mit Streichern gearbeitet wird.
Bei "Programmable soda" erahnt man die Beatles in den Harmonien
und bei den sanften "Bösendorfer"-Stücken, z.B.: "Yo George" und "Almost Rosey",
wird das Klavier spielende Mädchen plötzlich wieder greifbar.
Diese eher intime TORI, in Verbindung mit üppiger Band-Pracht.
Diese getragene Sanftheit und zugleich verschrobene Verspieltheit,
dieses zugängliches Liedgut und ihr progressives Denken.
Dies sind die Eckpfeiler dieser Scheibe - nicht ganz leicht und nicht als Einstieg in ihre Welt zu empfehlen, aber wieder einmal stetig wachsend in der Ruhe des Zuhörens.
Abnormally Attracted To Sin 2009
Tracklist
1. Give 4,13
2. Welcome To England 4,06
3. Strong Black Vine 3,27
4. Flavor 4,05
5. Not Dying Today 4,02
6. Maybe California 4,24
7. Curtain Call 4,52
8. Fire To Your Plain 3,01
9. Police Me 3,55
10. That Guy 4,04
11. Abnormally Attracted To Sin 5,33
12. 500 Miles 4,06
13. Mary Jane 2,42
14. Starling 4,02
15. Fast Horse 3,52
16. Ophelia 4,42
17. Lady In Blue 7,12
Gesamt-Spielzeit 72,10 min
Bedrohliche Klänge eröffnen dieses Album - unterlegt von kräftigen, fast hypnotischen Schlagzeug-Rhythmen, bevor Tori Amos mit ihrer unnachahmlichen Stimme die "sinnliche" (sünd-behaftete) Regie
übernimmt. "Give" - eine nächtliche erotische Phantasie in Moll - die im Hintergrund laufende, orientalisch angehauchte Gitarren Melodie sorgt für eine sehr
feine Harmonie - unterschwellig, subtil - Tori PUR.
Tori beschäftigt sich mit der Sünde, mit der Rolle der Frau in der postmodernen Gesellschaft und mit Themen der Religion.
Das heilige Element, welches in der sakralen Welt zu finden ist, sowie das fleischliche
in der Erotik
- dies zusammen akzeptieren, in untrennbarer Verbindung, ist ihr Anliegen. Nicht Sünde sollte dies sein, sondern der Anspruch, den Frau haben kann, ohne verurteilt zu werden. Der Vorwurf an das Patriarch, welches diese Trennung quasi schon mit Adam und Eva einführte, ist allgegenwärtig.
Dazu passend pendelt das Album zwischen moderneren, souligen Stücken und samtweichen Klavier-Balladen, wie beispielsweise in "Ophelia", wo sie dann auch wieder sehr klar und rein singt. Dies schafft sofort wieder die gewohnte Eindringlichkeit und Intimität, wie sie eigentlich nur Tori erschaffen kann.
Dann "Welcome to England" - die "Hit-Nummer" - leichte, lichte Harmonien, elektronisch angehauchte Drums, Gitarren im Mike Oldfield Stil, doch nur sehr dezent
eingesetzt. Einsatz ihres Bösendorfer-Flügels, ein paar Streichereinlagen - ein weiterer Ohrwurm der Amos'schen Schmiede.
"Flavour" - betörend einfach, ein mit unschuldiger Stimme vorgetragener Song
- sparsam instrumentiert, elektronischer Beat und Klavier.
"Ein Werkzeug zum Überleben", so spricht Tori von diesem Album.
In einer Zeit voller schlechter Nachrichten, ist dieses Album Tröster und Ausweg zu gleich.
Die wunderhübsche Ballade "Maybe California", ist mit Streichern unterlegt,
dazu ein akzentuiertes Klavier - am Schluß, das offene Ende.
Das Album nähert sich wieder stärker dem Mainstream, als der direkte Vorgänger "American Doll Posse", gibt sich zugänglicher und auch
eingängiger.
Trotzdem gibt es wiederum viele Facetten der Sängerin und ihrer Band preis.
Eine melancholisch-düstere Stimmung ist genauso auszumachen, wie die zarte, reine Klavier-Seele.
Im Gesang fast noch intensiver, als in der Vergangenheit, erstrahlen die Stücke bei näherer Betrachtung. Allgemein eine Mischung aus rockigeren Tönen und den reduzierten Singer-Songwriter
Stücken.
Das einem Filmsoundtrack ähnelnde "That guy" etwa
- ein getragenes, fast schon melodramatisches Stück, unterlegt mit Cello und Streichern.
Tori selbst dazu: „Ich wollte einen Schatz kreieren; etwas, was den Menschen etwas bedeutet”.
Und doch streut sie ab und an auch wieder vertrackte Stücke ein, die man sich erarbeiten muss und die auf den ersten Hör-Eindruck weh tun. Sie komplementierten schon immer die Alben von Tori.
Hier sei "Police me" genannt, eine Nummer, die unbequem auf Drums und E-Gitarre baut, dabei sphärische Klänge einbringt.
Die dezent eingesetzten, Kirchenorgel ähnlichen Stellen, im ansonsten auf elektronischem Rhythmus Teppich aufgebauten Titeltrack, ist so ein Beispiel.
Dazu kommt die Produktion - edel und warm - bringt sie die vielen Facetten ihrer Stimme,
aber auch ihres Sounds hervorragend zur Geltung.
Eines ihrer anspruchsvollsten Alben, da sie es hier schafft den Anspruch sehr geschickt in eingängiges Liedgut einzusetzen.
Das kann zugleich intensiv und auch verträumt wirken, ist gefühlsbetont und doch anspruchsvoll. Die Tendenz zum"Sich-fallen-lassen" - in die Musik und in die Welt von
TORI AMOS ist hier auf diesem Album wieder sehr ausgeprägt.
Eine kleine musikalische Traumreise für Liebhaber,
welche am besten bei Nacht, und unterm Kopfhörer wirkt.
Midwinter Graces 2009
Tracklist
1. What child, Nowell 3,45
2. Star of wonder 3,50
3. A silent night with you 3,22
4. Candle: Coventry carol 3,17
5. Holly, Ivy and Rose 4,44
6. Harps of gold 3,10
7. Snow angel 3,43
8. Jeanette, Isabella 4,28
9. Pink and glitter 4,57
10. Emmanuel 2,59
11. Winter's carol 5,19
12. Our new year 4,13
Gesamt-Spielzeit 47,57 min
Winterschlitten, Glöckchenklang, eine Fahrt durch tief verschneite Landschaften
- die vollkommene Stille der heraneilenden, magischen Nacht wird nur durch die leicht angeraute Stimme eines singenden Engels zart zum Vibrieren gebracht.
Tori Amos lässt sich herab, um uns ein schön-kitschiges Winteralbum zu präsentieren.
Das dies natürlich gehaltvoller ausfällt, als 99% der Konkurrenz,
ist ihrem Gespür für Anspruch und Musikalität zu verdanken.
Dann etwa, wenn in "Star Of Wonder" eine an Loreena McKennitt anmutende Rhythmusarbeit unter den Song gemischt wird. Oder die Interpretation von "Es ist ein
Ros' entsprungen" - hier "Holly, Ivy and Rose", die zuerst dem bekannten Traditional folgt, um dann in einen ganz eigenen Song zu münden, ehe am Ende wieder
in das Traditional zurückgeführt wird.
Überhaupt ist dieses Album (natürlich) nicht nur ein Sammelsurium bekannter Weihnachts- oder Wintersongs, sondern hat auch noch Eigenkompositionen zu bieten.
Es variiert in der Stimmung - mal herrlich melancholisch oder besinnlich, mal luftig leicht,
mal positiv aufgeladen bis zum Anschlag.
Es variiert im musikalischen Ausdruck - diesmal dem Thema verschuldet, natürlich viel Klavier und Glockengeläut, aber auch rhythmische
Percussion- und Schlagzeugarbeit.
Da gibt es viel Synthie-Einsatz, meist breit gefächert, aber auch Streicherarrangements,
oder etwa Swing, inkl. Bläsersatz und herrlich lasziver-erotischer Stimme in "Pink and glitter".
Eine Mischung aus klassischen Momenten, mit leicht moderner Rhythmik, Pop-artigen Stellen und variantenreicher Stimme.
Und es variiert vor allem in der Stimme - es gibt aktuell kaum eine Sängerin, die so gefühlvoll und zart singen kann, dabei jedoch stets
voluminös rüberkommt (eine Gabe, die kaum eines, der momentan hochgelobten Küken da draußen besitzt).
Dieses Album ist glaubhaft und authentisch - die klassische Ausbildung von Tori macht es dazu
- ihr unglaubliches Gespür für Stimmungen und Gefühl macht es dazu.
Auch wenn es eher schlicht und einfach scheint, nur "schöner Musik" verpflichtet ist - so transportiert es doch mehr als gekonnt die vorstechende Grundaussage - GEFÜHL, GEFÜHL, GEFÜHL ...
In der musikalischen Welt von TORI AMOS ist es wohl das Werk
mit der geringsten Komplexität und des einfachsten Anspruchs.
Damit ist es allerdings nur wieder eine neue Überraschung der engelsgleichen Lady - zurücklegen, Gefühle zulassen und einfach mal geniessen ...
ESSENZ
Tori ist stets eine Herausforderung für mich - an manchen Tagen kann ich sie nicht ertragen.
Manchmal berührt sie mich so tief, wie kaum eine andere es vermag, meist geschieht dies per Kopfhörer, wenn ich selbst mit mir im Reinen bin, in Ruhe und innerem Gleichgewicht.
Dann erfüllt mich ihre Stimme mit solcher Macht, dass ich mich auf weiter nichts konzentrieren kann.
Diese Stimme, welche gleichzeitig so klar und rein sein kann, doch immer mit einer ahnungsvollen subtilen Bedrohung darin. Und doch ist sie voluminös und tief, füllt den Raum komplett, lässt
keine Flucht zu. Stets voller Ausdruck, nuancen- und wendungsreich, filigran-zerbrechlich und doch (Ur-) gewaltig. Und das macht sie so einzigartig - birgt Gänsehaut-Momente en masse.
TORI AMOS bedeutet für mich stets MEHR als nur Musik.
Falls es wirkliche Kunst in der Musik gibt, so kommt ihr TORI so nahe, wie kaum eine andere Sängerin.
Von der Frühphase
- des Seelenstriptease und der zu überwindenden Traumata, des bloßen Offenlegens von tiefen Gefühlen.
Über die Mittelphase
- der Sinnsuche, der künstlerischen Weiterentwicklung und des Experimentierens.
Bis zur vorherrschenden Phase
- des sich Findens, der Verschmelzung ihres Schaffens, der dargereichten Hand und der Harmonie.
TORI ist Hure und Heilige, Erschafferin und Zerstörerin, Mutter und Opfer.
Sie gibt und fordert gleichermaßen, sie klagt an und hinterfragt, lässt Raum
und entführt doch immer wieder in ganz eigene intimen Welten.
TORI ist Kunst und Anspruch - Pop und Kommerz
- progressiv und weiter gehend, als alle anderen.
TORI ist schlicht eine charismatische Sängerin und eine enorm starke Persönlichkeit.
Einst sagte Tori in einem Interview: "There are places you go when you play music,
you can't compare to any other places in your life."
Dem ist nichts hinzuzufügen
- ausser dem Dank an die Künstlerin, dass sie mich immer wieder dorthin mitnimmt.
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