MONATS-O(H)RGASMUS DEZEMBER 2009 - SHADOW GALLERY

Unaufdringliches, ja eher zurückgezogenes Verhalten prägt diese Band.

Eine Gemeinschaft von Musikern, denen die Musik - und nur die Musik wichtig ist.

Eine Band, die es mit ihren Kompositionen immer wieder schafft mich zu berühren,

und dies gleichzeitig durch die musikalische Wertigkeit - den hohen Anspruch an sich selbst,

als auch mit ihren weiten, bombastischen Arrangements, wahnsinnigen Melodiebögen und phantastischem Gesang.

 

Warum sich nun dies änderte und doch wieder gleich bleibt - lest selbst und begleitet mich hinab

in die GALERIE DER SCHATTEN ...

WITH HONOR

 

Ehrenhaft ist ein Begriff, dem ich immer etwas skeptisch begegne.

Wer definiert, wer verleiht solch einen Begriff - dieses Etikett, dem meist etwas militärisches, staatliches anhaftet - wie ich finde.

 

Und doch ist es angemessen hier von einer ehrenhaften Band zu sprechen, im Sinne von

"... immer das Gesicht gewahrt ...". Denn für ihre Sache eingestanden, ja das ist diese Band zweifelsohne.

 

Als sich 3 Musiker der ehemaligen Coverband SORCERER (u.a.: Rush und Yes Songs), im Jahre 1990 entschlossen, unter dem Namen SHADOW GALLERY eigene Songs zu komponieren, war der Grundstein für eine der musikalisch sicherlich wertigsten, aber auch wegweisendsten Karriere gelegt. 

 

Diese atmosphärische Dichte in den Kompositionen, diese einzigartige Verbindung von opulenten Melodien und musikalischem Anspruch findet man in der weiten Welt der Musik nur sehr selten.

Die Verarbeitung der Einflüsse aus dem AOR / ROCK / METAL / PROGRESSIVE ROCK und teilweise Pop, gelingt kaum einer Band so gut. PUNKT.

 

VENOM

 

So wurde während des langen Weges, den die Band bisher bestritt, mehr als einmal der Vergleich zu einem anderen Vertreter des Progressive Metal gezogen - DREAM THEATER.

Der Vergleich hinkt insofern, dass einerseits DT wesentlich früher am Start war, aber eben auch beide Bands die Grenzen der Stilart immer weiter ausgelotet haben.

DT eher in Richtung Härte, SG eher in Richtung AOR / BOMBAST / SYMPHONIC ROCK.

 

Man warf DT mehr als einmal emotionslose Technik-Schrubberei vor - natürlich auf höchstem Niveau, jedoch irgendwie auch seelenlos. SG waren als die besseren DT bekannt.

Die Fanlager waren immer etwas gespalten.

 

Die Bands selbst tangierte dies nicht.

Und nun im Jahre 2009 legten DT mit ihrem besten Album der Neuzeit vor, entdeckten ihre Seele wieder. Shadow Gallery ziehen insofern nach, dass sie ein rockendes Album, voller ausufernder Kompositionen schrieben, mit allen Stärken der Band.

 

PAIN

 

Am 29. Oktober 2008 verstirbt der Sänger MIKE A. BAKER unerwartet an einem Herzinfarkt.

Die Band hatte schon Songs für das neue Album geschrieben, es gab schon Gesangsharmonien

und -melodien. Es gibt zwei Dokumente dieser Aufnahme-Session, welche der Lim. Edt. der CD

als Bonus-Songs beigegeben wurden. Doch dazu später mehr ...

 

Ein Teil der Musiker ist zu diesem Zeitpunkt bereits 25 Jahre zusammen, wie überhaupt das Besetzungs-Karussell der Band eher selten rotiert.

SHADOW GALLERY steht für Freundschaft - für musikalische Vision - für Größe und Seele.

 

"For 25 years we made music - and then silence. Your unique and passionate voice still resonates with a hauntingly powerful emotion that demands we listen then lingers.

 The loss of your talent is great - and the loss of your spirit greater. Indeed, forever your shadow will remain. God bless."

 

so die Band im Booklet.

GOLD DUST

 

Die Band ist nicht gerade bekannt für schnelles Songwriting - gut Ding will Weile haben,

scheint die Devise, ihre Alben:

 

Shadow Gallery 1992

Carved in Stone 1995

Tyranny 1998

Legacy 2001

Room V 2005

Digital Ghosts 2009

 

sind Ausrufezeichen in einer hektischen Welt - für mich unbestritten (bis auf das Debut)

ALLESAMT KLASSIKER DES GENRES PROGRESSIVE ROCK / METAL.

Ohren-Schmeichler und Seelen-Wärmer in einer immer schneller dahintreibenden Welt des zunehmenden musikalischen Kommerzes und der Fast-Food-Mentalität der iTunes MP3 Generation.

 

Und doch sind die Ausnahmemusiker immer wieder (fast unerkannt) bei Projekten oder als Gastmusiker am Start. Mullmuzzler (James LaBrie - Dream Theater Sänger Solo Album), Exxplorer's Club und Ayreon sind im Portfolio.

 

Hier bringen sie Glanz, messen sich im Wettstreit mit anderen Könnern, bereichern die kleine Untergrund-Szene des Progressive Rock / Metal.

 

STRONG

 

ZU EHREN MIKE A. BAKER entschliesst man sich dieses Album zu veröffentlichen.

Andenken, Be- und Verarbeitung des Traumas TOD.

Im Gedanken und in Gedanken bei IHM, der die gesamte Karriere der Band mit seiner Stimme

auf so einzigartige Art und Weise geprägt hat.

 

BAKER ist einer dieser Sänger, die einen Song erleben lassen, man klebt an seiner Stimme.

Weich, melodisch - extrem ausdrucksstark - Töne lang haltend, immer im Chorgesang mit den anderen Bandmitgliedern (3 weitere sehr gute Sänger befinden sich in der Band - auch ein wichtiges Trademark).

 

So soll die neue CD zur Verarbeitung der jüngsten Historie beitragen - hören wir rein,

eine Liebeserklärung einer Band an ihren verstorbenen Sänger und zur Musik selbst:

 

Shadow Gallery - Digital Ghosts 2009

 

Tracklist

1. With honour 9,59

2. Venom 6,22

3. Pain 6,22

4. Gold dust 6,45

5. Strong 6,50

6. Digital ghosts 9,37

7. Haunted 9,37

Spielzeit              55,32 min

 

Bei der Lim. Edt. folgen noch:

8. Two shadows 5,07

9. Gold dust (Demo mit Baker) 6,02

10. In your window 2,52

11. World of fantasy (Demo mit Baker) 4,42

Weitere Spielzeit             18,43 min

WISSENSWERTES

 

Stil

Progressive Metal / Melodic Metal / AOR

 

Tendenzen

Dream Theater / Queensryche / Classic Rock Einschübe von Queen / Toto / Styx 

 

Anspiel-Tipps

With honour, Pain, Digital ghosts, Haunted

 

Label

Inside Out

 

Die Band

Gary Wehrkamp      Elektr. und Akkustische Gitarren, Bass, Keyboards, Vocals

Brendt Allmann       Elektr. und Akkustische Gitarren, Bass, Keyboards, Vocals

Carl Cadden-James Bass und Vocals

Brian Ashland         Vocals und Gitarre

 

Gäste

Ralf Scheepers    Lead Stimme bei "Strong"

Clay Barton         Zweite Lead-Stimme bei "Venom"

Vivian Lalu          Keyboards auf "Gold Dust"

Srdjan Brankovic Gitarre bei "Strong"

Joe Nevolo          Drums bei "Venom" und "Gold Dust"

EINDRUCK

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Die GALERIE DER SCHATTEN nimmt ihr Schicksal an. Das Andenken des ehemaligen Sängers MIKE A. BAKER wird mit der neuen Sängerwahl hochgehalten.

 

BRIAN ASHLAND weicht gar nicht so weit vom bisher vorgegebenen Weg ab.

Auch er singt hochmelodisch, vermag einen Song zu formen und an den Stellen, wo er in aller Ruhe ein paar Harmonien auf Akkustik-Passagen setzen kann, erinnert er auf angenehme Weise an einen GEOFF TATE (Queenryche) zu EMPIRE-Zeiten ("Silent Lucidity") - hört Euch nur einmal den Beginn von "Pain" an.

 

Auch mit ihm sind diese erhabenen Chorharmonien möglich, die die Band so phantastisch beherrscht (ähnlich wie Magellan oder sogar die Eagles). Sind doch 3/4 der Band begnadete Sänger.

 

Die Songs strotzen vor Abwechslung - immer wieder werden virtuos eingestreute

Instrumental-Passagen dargeboten, um den Song aufzulockern.

Breaks- und Dynamik-Wechsel tun ihr übriges dazu - DIE KUNST DER KOMPOSITION.

 

"WITH HONOR" - unheilvoll klingende Keyboards, dann Marsch-Rhythmik-Drums

und die ersten Gitarren Eruptionen.

Ein Progressive Metal Stück, welches durch immer neue Gitarren Riffs geprägt wird, getragene Chorharmonien, Akustik-Mittelteil mit hervorragender Gesangsstrophe, fast schon Beatles-artige Ahaah-Chöre,  ein komplexes Schlagzeugspiel und ein RUSH Teil führen in hymnische, elegisch ausufende Gitarrenharmonien und einem Solo, welches schon im Eröffnungsstück die Klasse der Gitarristen zeigt. Im Untergrund wabert ein Bass im Yes-Stil.

Dann werden Magellan Satzgesänge, ganz losgelöst von instrumentaler Begleitung in den Vordergrund gebracht, bevor der Song wieder Fahrt aufnimmt, am Ende bestimmen Melancholie und Piano das Bild.

Der Song klingt allmählich aus - nur EIN Beispiel für die große Gabe der Band atmosphärisch dichte, ausufernde, emotional packende Songs zu schreiben.

 

Das Album ist allgemein wieder etwas härter geraten, der Progressive Rock/Metal kommt energisch und druckvoll rüber (auch wenn die Produktion nicht ganz so stark ist, wie gewohnt), der Anteil an Dream Theater Melodik ist spürbar, der Anteil an Magellan Stimmvielfalt auch, doch dazu kommen eine Portion Bombast, der fast schon spielerisch wirkende Ideenreichtum in den Kompositionen und dieses unheimliche Gespür für Melodien, Melodien und wieder Melodien.

Das Ganze kommt jedoch absolut unkitschig rüber, erzählt durch kunstreiche Arrangements.

 

Schon fast symphonisch-orchestral leitet der Song in "VENOM" über.

Ein eher straightes Stück Progressive Metal - die Gitarren sind diesmal dominant,

geben den Takt vor. Die Härte nimmt zu, die Dream Theater Rhythmik herrscht vor,

um nach 3,30 min einem, von einem herrlichen Gitarrensolo eingeleiteten Mittelteil, Platz zu machen. Dann Soloeskapaden - pfeilschnelle Anschläge, treibende donnernde Drums, Hammond Keyboardsolo und wieder Gitarre - das galoppierendste Stück des Albums.

 

"PAIN" erlöst mit Akustik-Gitarre und GEOF TATE (Queensryche) Gesang, dazu spielt das Piano

eine leise Weise.

Nach etwas mehr als einer Minute wird der Song dann zu einem schleppend beginnendem, immer wieder von Akustik-Einsprenkseln unterbrochenem, sehr atmosphärischen Stück.

Eine Mischung aus Halbballade und Melodic Metal Stück.

Und immer wieder diese famosen Gesangsharmonien und Chorgesänge.

YouTube-Video

Bei der Nummer "STRONG" ist dann RALF SCHEEPERS (Primal Fear) als Gastsänger vertreten,

die Nummer ist zunächst verhalten, erinnert mit ihrer griffigen Struktur an einen catchy AOR/ROCK Song, bevor sie später in progressivere Gefilde führt.

 

"DIGITAL GHOSTS" - der Titeltrack, alleine die Eröffnung ist ganz große Kunst. 

Schwurblige, schnelle Gitarrenmelodik trifft auf hymnische Keyboardsphären und dann weiter führende elegische Gitarrenmelodien - WAS IST DAS GENIAL.

 

Der Gesang setzt ein:

"I believe in the Afterlife - we walk the ancient pathways of the sky ..."

Die Hommage an Baker - ein Song der nicht mehr loslässt.

 

Jeder, der sich mit Progressiv Rock / Metal beschäftigt, sollte sich dieses Lehrbeispiel besorgen.

Das Spiel zwischen sich verändernder Dynamik, ruhigen Passagen und Gesangsmelodien ist einfach unwiderstehlich, dazu Piano-Läufe, gefühlvolle Gitarren-Licks und wandelbares Schlagzeug-Spiel.

Und immer dann, wenn es einem etwas süßlich erscheinen könnte, turnen unsere Instrumental-Akkrobaten auf dem Grundgerüst des Songs herum, als wäre es das Leichteste der Welt.

Im Mittelteil dann auf einmal ein lockerer TOTO JAZZ / ROCK / FUSION Abschnitt, nur um anschließend in klasse Gitarrensolo zu münden. Diese technischen Raffinessen so spielerisch erscheinen zu lassen - die große Gabe dieser Band.

 

"HAUNTED" - dieses Stück zeigt dann noch einmal das Genie der Band.

Im ersten Teil sehr ruhig und balladesk, nimmt es nach 4 Minuten allmählich Fahrt auf, um in eine Prog-Abfahrt überzugehen. Satzgesänge, Gitarrensoli, drückender Bass, komplexes Schlagzeug -

nur um in einen GOTT-TEIL überzugehen.

 

Die Melodien werden hymnisch, die Gesangsharmonien weisen nach oben, weiter und immer weiter - der Sound explodiert im Bassbereich (Vorsicht bei billigen Boxen!). Die Gitarren werden weiter und weiter auf ihre Reise geschickt - DICH zu fesseln, zu umgarnen, einzufangen, zum Schluss ertönt gar eine kleine PARADISE THEATER Reminiszenz (STYX - für Eingeweihte!).

 

Die Produktion ist eine Spur rauer als zuletzt, der immer latent vorhandene catchy Einfluss der Band ist mit genügend Härte kompensiert - ein weiteres strahlendes Juwel der Prog-Szene.

 

Zu spüren ist diesmal auch ein gehöriges Mass an Melancholie - das Erbe der Band verändert sich

- zwangsläufig begleitet einen eine Spur Düsternis durch dieses Werk.

Und wenn dann zum Ende "WORLD OF FANTASY" erklingt (lim. Edt.) - einer der zwei Songs,

den Mike A. Baker noch eingesungen hat (eine ruhige Ballade), dann hält mich der

(in diesem Fall willkommene) Tränen-Drücker fest umklammert:

 

"So many miles away from me - so many miles afar

 - If you believe in me then hear what I say - I love you ...

 

 I always knew that you were there - when I was all alone I felt your hand - as if we danced ...

 and all the fear that followed me - fell like an angel - into open arms and open eyes

 I can't believe the way you make my life - alive with light

 

 day after day I dream the dream - I'm on my way now, I'm not too far

 - soon I'll be home to start a fire, and warm by your side - I love you

 In a world of fantasy, that's the way it will be - Oh, how I love you."

 

Als ob er es geahnt hat ...

 

Mit freundlicher Genehmigung der pixelio community

DIGITAL GHOSTS

 

So bin ich einerseits froh, dass die Band es ein weiteres Mal geschafft hat mich grenzenlos zu überzeugen - mit ihrer Art von Musik.

Und doch ist immer etwas Wehmut im Spiel, sobald ich dieses Album auflege.

 

Der Geist von Mike A. Baker schien zunächst übermächtig, was waren in den Foren für Hoffnungen laut geworden - "SG machen ein neues Album ? Ja, wirklich ? GEIL, GEIL, GEIL ..."

Diese Euphorie über ein neues Lebenszeichen der Band - unbeschreiblich.

 

Und dann eben das Verlöschen des Lebenszeichen von Baker:

"WAS !!! Der Sänger ist gestorben .. nichts wird mehr so sein wie früher ..."

Die Entäuschung - das Mitfühlen - die Verzweiflung.

 

Die Band tut gut daran - ihren langjährigen Wegbegleiter zu ehren, aber auch schnell weiterzugehen.

Zu gebend ist ihre Musik - zu tröstend die Seelen ergreifenden Melodien - zu groß ihr Schaffen.

 

Hier sei auch einmal das phantastische Booklet gennant, in dem Mike A. Baker neben "seinem" Songtext, ganz nach der '95er Scheibe "in Stein gemeisselt" dargestellt wird.

 

Doch was fehlt ...

 

HAUNTED

 

... die Band war meines Wissens noch nie in Europa auf Tour,

(war sie überhaupt schon einmal auf Tour?), die Abrundung des GANZEN fehlt bisher.

 

Immer wieder wache ich nachts Schweiß gebadet auf, weil ich (ALP-) träumte den einzigen Deutschland-Gig (natürlich ein 3-Stunden Monster-O(h)rgasmus), den die Band jemals spielt,

zu verpassen - aus irrational Angst heraus.

 

Wer es schafft diese Band nach Deutschland zu holen, der bekommt von mir

lebenslang den Arsch gewischt - ich trage Sie/Ihn auf Händen - werfe mich vor DIR in den Staub ...

 

Haste gehört FRANK - GÖTZ - HOLGER - MICHAEL - verdammt werdet tätig ...

... und macht UNSER Fest für MICH zur Mutter aller FESTIVALS ... D-A-N-K-E.

 

                                                                                                             DARKEN TOM

 

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