April 2009


Ein kleiner, unbekannter Prog-Happen zum Wieder-Entdecken ...

 

                                                                      THE ARK



Richtig herausragende Sänger gibt es im Rock/Metal Bereich schon ein paar, doch wenn es darum geht Ansprüchen, wie Stimmvolumen, Phrasierung und Ausdruck, gerecht zu werden - nun, dann lichtet sich das Feld schon etwas.


Schaut man dann noch nach Reputation, Anerkennung von Kollegen, dann sind wir schnell bei Namen angelangt wie Ronnie James Dio, Ian Gillan oder Robert Plant - Helden einer Generation, schon lange dabei - immer noch aussergewöhnlich, doch ein "ENDE" ist absehbar.

Dies soll nicht zu kritisch klingen, doch wo ist hier das nachwachsende Element, wo die Erben dieser Generation?
Gesang und Ausdruck werden heute doch allzu oft verzerrt, mit Technik verändert, oder gar gleich in moderneren Gesangs-Stilen (Kreisch-Grunz-Brüll etc.) eingebracht.
Dies hat in gewissen Musikstilen durchaus seine Berechtigung, doch der Rocksänger als solcher, bedarf anderen Talenten.

So möchte ich Euch heute die Anfänge eines Mannes näher bringen, welcher das Glück hatte, auch eine aussergewöhnliche Band in seinem Rücken zu wissen.

JORN LANDE - mit der Band ARK.

 


Geschichte
Als sich im Jahre 1990, in Norwegen, zwei ungewöhnlich talentierte Musiker bekannter (Undergrund-) Bands zusammentaten, war das Feld bereitet.
Der Gitarrist Tore Ostby (ex Conception) und der Drummer John Malacuso (ex TNT) gründeten gemeinsam die Band Ark.
Die Wahl bei der Sängersuche fiel auf Jorn Lande, welcher bis dato nur bei kleineren Projekten (The Snakes, Vagabond) beschäftigt war.

Jorn ist grosser Verehrer der Whitesnake Schule und so war es interessant drei Musiker mit unterschiedlichem Background unter einen Hut zu bringen, und damit einen eigenständigen Stil zu kreieren.

Die Vorgabe war, die verschiedensten Einflüsse und Stile der Musiker zu bündeln, um mit einer gehörigen Portion Experimentierfreude etwas Neues zu schaffen.
So schufen Sie einen unheimlich interessanten und eigenen Stilmix, der bereits auf dem Debut vorhanden war - hier eher unkommerzieller, während er auf der zweiten Scheibe "Burn The Sun" etwas straffer, kompakter komponiert wurde. Hier ist die Produktion auch moderner und druckvoller.

Den Stil kann man allgemein dem Progressiv Rock/Metal zuordnen.
Trotzdem sind viele Rock und AOR Elemente auszumachen, dazu gesellen sich spanische Einflüsse aus der Flamenco / Gitarren Szene.
Zusammen mit der aussergewöhnlich Schlagzeug-Arbeit, einem Sänger der "alten" Rockschule und dem extrem talentierten Gitarristen wurde so eine Eigenständigkeit erreicht, die von vielen Bands zwar angestrebt, doch leider oftmals nie gefunden wird.

An diese Band möchte ich hier erinnern - leider hielt die Zusammenarbeit nur für 2 Alben, bevor die Band auseinander brach.

 

 

CHRONOLOGIE

 

1999 Ark

2001 Burn the sun

 

 

 

 

Ark - Ark 1999

Tracklist
1. Burning down  5:27
2. Where the winds blow  5:06
3. The hunchback of notre dame  8:54
4. Singers at the world's dawn  6:57
5. Mother love  8:43
6. Center avenue  5:55
7. Can't let go  9:44
                  Gesamtlaufzeit       50:46

 

Wissenswertes

Einordnung
Melodic Rock, AOR, Progmetal

Tendenzen
Jazz, Latino, Flamenco Anleihen
Spannende, abgefahrene Songstrukturen

Anspiel-Tipps
Where the wind blows, Singer at the world's dawn
   
Label    
Rising Sun

Besetzung
Jorn Lande               Gesang
Tore Östby               Gitarre
John Macaluso          Schlagzeug, Perkussion

Gastmusiker
Trond Nagell Dahl     Keyboards
   
Eindruck
"Look where you're going with this my friend ..." - so erklingen die ersten Textzeilen der CD.
Wohin geht sie nun - die Reise. Es gibt Jazz Elemente zu entdecken,

angereichert mit komplexen Strukturen - Progressiv kann man gelten lassen.

Aussergewöhnliche Schlagzeug Rhythmik trifft auf harte Riffs der Metal Schule, garniert mit Schlenkern zur Flamenco Schule. Dazu ein ausdrucksstarker Hard Rock Sänger,

der epische Melodie-Bögen mit einbringt.

Was durchaus etwas wirr klingen mag, wird hier schon auf dem Debut großartig zusammengefügt.

Das meine Damen und Herren ist Innovation.
Die Fähigkeiten der Musiker sind es, die diese Kunst des Schaffens erreichen.

Bei dem Song "Where The Wind Blows" gelingt es gar, dies in einen Ohrwurm Rock Song zu bündeln. Ansonsten herrscht hier eher eine nüchterne Art vor, Songs zu komponieren, wo man auf Feinheiten in der Spieltechnik achten kann.

Dazu trägt auch die Produktion bei.
Das Schlagzeug trocken und ziemlich in den Vordergrund gemixt. Immer neue Elemente einbringend, technisch auf sehr hohem Niveau.
Hier werden selten Strukturen wiederholt, immer wieder neue Taktfährten gelegt, nur um den geschaffenen Pfad wieder aufzubrechen. Grandios.

Es sind kaum oder keine Bass Spuren zu vernehmen, die Keyboards auch eher sporadisch und nur zur Unterstützung einzelner Passagen.
Darüber wird diese schnelle, frickelige, aussergewöhnliche Gitarrenarbeit gelegt.

So entstand ein enorm spielfreudiges, komplexes Stück Musik.
In Stil und Ausführung enorm weit gefächert, musikalisch unberechenbar, instrumental herrausragend. Allerdings nicht leicht konsumierbar, da der Sound doch recht trocken und nüchtern geraten, den Songs gar keine Anbiederung an kommerzielle Musik innewohnt.

Doch durch die Hinzunahme von Lande wird die Reise stets spannend gehalten, den Songs gar Elemente des AOR beigemischt ("Can't let go").
So entstand ein Album für Fans des Progressiven, des Komplexen.

Auch heute noch wirkt diese CD, als ob Sie auf Trends pfeift - ein großes Kompliment!

Originell und farbenprächtig.


Der etwas klinische Sound wirkt nur im ersten Moment etwas störend, hat man sich daran gewöhnt genau zuzuhören, wird man mit überraschenden Songs von hohem musikalischem Niveau belohnt, garniert mit einem starken Rock Sänger.
Für Entdecker.

 

 

 

 

Ark - Burn The Sun 2001

Tracklist
1. Heal the waters  6:37
2. Torn      3:51
3. Burn the sun  4:34
4. Resurrection  5:31
5. Absolute zero  6:05
6. Just a little  4:36
7. Waking hour  4:15
8. Noose  5:03
9. Feed the fire  3:56
10. I bleed  4:03
11. Missing you  9:04
 Gesamtlaufzeit   57:35

 

 

Anspiel-Tipps

Heal the Waters, Just a little, Burn the sun

 

Die Band
Jorn Lande       Gesang
Tore Ostby       Gitarre
John Macaluso  Schlagzeug
Randy Coven    Bass
Mats Olausson  Keyboards

Eindruck
Hier wurde durch die Zunahme eines echten Bassisten in die Band, zum Einen ein vollerer, wärmerer Sound erzielt. Auch sind die Keyboards präsenter, tragen stärker zum Soundbild bei.
Das Schlagzeug ist nicht mehr ganz so klinisch, auch nicht mehr so sehr in den Vordergrund gemixt, als auf dem Debut.


Die Stimme von Jorn wird dafür mehr in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt, so dass "Burn The Sun" eher als Rockscheibe durchgeht.


Er singt sehr variabel, gibt den Songs so eigene Färbungen mit auf den Weg.
Vergleiche zu STING in "Feed The Fire", zu PETER GABRIEL in "Waking Hour" oder sogar BJÖRK in "Absolute Zero" sind auszumachen.
Hier ist "Burn The Sun" seinem Vorgänger eindeutig überlegen.

Trotzdem sind die Trademarks der Band weiterhin auszumachen. Es wird auf sehr hohem Niveau gezockt. Da sind die abgefahrenen Instrumentalteile inklusive der Flamenco Gitarre - "Just a little".
Da ist das innovative Drum-Spiel - hervorragend in "Absolute Zero".

Trotzdem wirken die Songs nun kompakter, sind weniger ausufernd im Stil, eingängiger.
Die Songs tragen stärkere Ohrwurm Qualitäten in sich. Sind trotzdem enorm anspruchsvoll.
Was Gitarre und Drums zaubern hat absolut eigenständigen Charakter.

Hier hat die Band einen Prog Meilenstein geschaffen - schwer zu kategorisieren und dadurch mit einzigartigem Stil. Es herrschen Atmosphäre und Emotionen, gleichberechtigt neben technischem Anspruch und musikalischer Leistung. Manchmal düster, manchmal experimentell, immer auf sehr hohem Niveau und meist ungewöhnlich.

War das erste Album eher für Entdecker, für Technik Fetischisten, so haben wir diesmal ein absolut rundes Album, welchem zwar etwas die Originalität vom Vorgänger fehlt, doch dafür besitzt es fliessende Melodien, Ohrwürmer und den besseren Sound.

Somit ist es songdienlicher, ohne Klischees - ist progressiv, ohne zu frickelig zu sein - verspielt und trotzdem auf den Punkt.

EIN KLASSIKER des Genres.


Über den Drummer John Macaluso

 

Über den Gitarristen 

 

Über Jorn Lande

 

                                                                                                                              DARKEN TOM

 

Es ist doch immer wieder interessant, was man beim Wühlen in der Vinyl/CD Sammlung

für "Vergessene" Perlen ans Tageslicht befördert.

 

Viel Spass beim Erhören ...