ROCK HARD FESTIVAL, 21.-23. Mai 2010

Es war eigentlich wie jedes Jahr - wir fieberten unserem wahr gewordenen Traum der musikalischen Flucht aus dem tristen Alltag entgegen, und standen dicht vor der Abreise zu unserem diesjährigen Festival Höhepunkt.

Die Vorfreude war seit Wochen immer weiter gewachsen, die wichtigsten Absprachen getroffen worden, die Mails jagten hin und her, das Kribbeln im Bauch nahm wieder zu.


So manche CD und Vinyl-Scheibe wurde noch mal aus den Tiefen der verstaubten Schränke gezogen. Wie klangen die noch mal?

Was werden die wohl spielen? Wieso habe ich nichts von ... IHR kennt das bestimmt.

 

Die Foren dieser uns umgebenden Welt waren prall gefüllt mit Ansprüchen, Weisheiten, Plattheiten und der einen oder anderen Anekdote zum Schmunzeln.

 

Es war eigentlich wie immer ...

... die Fans sind immer die besseren Trainer.


WIR HATTEN UNS TIERISCH GEFREUT

 

Und doch war plötzlich alles anders geworden. Unsere heile Welt zerbrach.

Ein medialer Aufschrei am 16. Mai verbog die Wirklichkeit ins Groteske.

 

Dementi - Hoffnung - Gewissheit.


Der Tod einer der grössten (für mich DER grösste) Hard Rock Sänger der Welt

erschütterte mein Weltbild - RONNIE JAMES DIO musste gehen.

Er erlag seinem Krebsleiden - im Beisein seiner Frau, seiner Familie und seiner Freunde.

 

So wird zwangsläufig wohl auch dieses Festival für mich auf ewig mit ihm verbunden sein.

(Nicht vergessen möchte ich hier auch PETER STEELE).


Doch die vorherrschende Melancholie, der runterziehende Schwermut wandelte sich in diesen Tagen

- hin zum gemeinsamen Verarbeiten, zum ehrenhaften Andenken und zur grössten, stilvollen Metal-Abschiedsfeier, die man sich nur wünschen konnte.

 

Es wurden 3 Tage voller Respekt, Toleranz und stiller Freude ...

Die Beschwerden über Line-Up und Co- bzw. Headliner, waren uns zwar auch den einen oder anderen Satz wert, jedoch eher im Stillen und für uns, sind doch letztendlich die Atmosphäre, das Umfeld und die gemeinsamen 3 Tage mit gleichgesinnt Verrückten (eigentlich fast) wichtiger geworden, als die Bands selbst.

 

Es ist und bleibt ein Statement unserer Einstellung, ein gewaltiges Treffen und schlicht die liebste Party des Jahres für mich.

 

Als ob dies RONNIE und PETE unterstützen wollten, brach der Himmel für genau diese 3 Tage auf und bescherte uns den Früh-Metal-Sommer.

 

Dies alles sorgte für ein absolut entspanntes Festival, wo ich weder Schlägerei, heftige Auseinandersetzung, nicht einmal einen derben Streit beobachten konnte.

 

Das zum ersten Mal auch vom WDR ROCKPALAST aufgenommen wurde (2 Stunden Dokumentation folgt vom 25. auf den 26. Juli - WATCH OUT),

spricht für die Wertigkeit der Veranstaltung.

 

Oder einfach: WER NICHT DA WAR HAT DEFINITIV BESONDERES VERPASST - ÄTSCH!!!

Irgendwie schien IHR Geist stets präsent zu sein ...

FREITAG, 21. Mai:

 

Ich hatte mir für die Fahrt extra einen Sampler gemacht, wollte unnötige Sentimentalität im Vorfeld des Festivals vermeiden. So peitschten mich Songs von NILE, DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT, DARK FUNERAL, GORGOROTH, PATH OF COLCONDA, aber auch OVERKILL oder HEATHEN durch den sonnigen Morgen und über den Asphalt der nahezu leeren A 43.

FAZIT: Ich war wieder viel zu schnell und traf so gegen 11.15 in Altenessen ein.

 

Da die Vermieterin noch das Zimmer bereitete, bin ich noch auf 'nen Trip durch Altenessen aufgebrochen - aah, der Pott - herrlich in seinen intimen Facetten.

 

Bei der Suche nach KREATOR's Spuren, wandelte ich alsbald durch einen (verwunschenen?) Park.

Da war es wieder - das Gefühl zu Hause zu sein.

Jeden-Tag-Bank-Sitzer mit der festgewachsenen Bierflasche in der Hand,

Rabauken-Teenie-Hämpflinge mit Prollhose und doofem Spruch,

Porno-Fingernägel-tragende Jungfern voller selbst gestrickter Weisheit.

Was soll ich sagen - Reflexionen unserer Zeit - die Zeit verging wie im Fluge.

 

Wir waren dieses Jahr zu zweit - Treffpunkt 12.00 Uhr war kein Problem

(obwohl Daniiiee aus dem Großraum Heilbronn kommt).

Schnell die Bude bezogen; 2-Männerappartement, ca. 12 qm, incl. Dusche und WC.

Wir freuten uns jetzt schon auf die erste gemeinsame Nacht - OHNE Frauen.

 

Doch nun endlich auf - ein 1-stündiger Fussmarsch durch Altenessen, Industrieviertel und Nordsternpark erwartete uns. Und danach wusste ich endlich wieder, wieso ich die eigentlich fast neuen Schuhe aussortiert hatte - auf jedem Fussballen blühte eine 2 Euro Münze große Blase -

es fing also gut an.

 

Bändchen geholt, eine Prise Kuschel-Sex beim Abtasten am Eingang, Begrüssungsbier holen ...

... hey, da war schon der erste Bekannte, am Bierstand stand Thomas, der Fürden,

standesgemäss eingeschwenkt - Bierchen geordert - erste Erzählrunde konnte starten.

Und dann ... ging es endlich los ...

KETZER

 

... kannte ich nur von den Songs auf deren MySpace Seite her.

Fast schon erwachsen klingender Jung-Spund Thrash'n'Black aus deutschen Landen

- kompetent vorgetragen, recht harsch, Sound ging für den Opener in Ordnung, die ersten Matten flogen - die Entjungferung hatte geklappt, doch für ernster gemeinte Dunkelheit waren

 

NECROS CHRISTOS

 

zuständig - schwerer Death'n'Doom erschütterte plötzlich das Rund.

Recht old-school, recht interessant, recht nischenhaft - man merkt dem Publikum den fehlenden Zugang an, doch uns gefällts. Vor allem der nach Priester aussehende Gitarrist und das Backdrop,

wo ich verwundert die neue Zahl des Tieres lese 999, huch, lebe ich seit Jahren nach der verkehrten Lehre, oder ist dies Absicht (bitte um Aufklärung).

 

KATATONIA

 

als unangefochtener Tages-Sieger zelebrierten fragil-wuchtige Hymnen der Düsternis im hellen Nachmittagslicht ... und es funktionierte.

Die feinen progressiven Strukturen kommen bei geilem Sound umwerfend auf uns zugerollt.

Der Wechsel zwischen atmosphärisch-ruhigen Momenten und live noch wuchtigeren Parts kommt phänomenal an - die Meute nimmt es begeistert auf - ein verdienter Triumph, welcher von

 

 

SABATON

 

musikalisch nicht wiederholt werden kann

- Party-Power-PlastikSynthie-Pop-Metal,

was ham' wir uns gefreut. Aber die Menge geht ziemlich steil und der dauergrinsende Basser, sowie der dauerposende Sänger kommen mit ihrer Meute bisher am besten an, auch wenn der stärkste Song immer noch "Gutter Ballet"

- Entschuldigung, natürlich "Cliffs Of Gallipoli" heißt. Also ergeben und PARTY ON bis

 

 

 

BLOODBATH

 

mit Akerfeld's Charisma und der 3/5-tel Besetzung von Katatonia uns das metzelige Fürchten lehrte.

Death der gemeinen Sorte, zwischen technischer und stumpfer Spielart pendelnd, und die zwei "Hits"

- "Mock the cross" und "Eaten". Ein Leckerbissen für Genrefans - alle anderen hatten nach zwei Songs Maulsperre, erzwungenes Mattenschütteln oder fluchtartig den kurzen Weg in den Biergarten angetreten. Viel trinken ist bei warmem Wetter ja nie verkehrt und so mancher musste sich auch verwundert am ergatterten Bierbecher festhalten als

 

THE DEVIL'S BLOOD

 

die Bühne enterten ... nee, eher sich hinstellten ... und stehen blieben ... mmmmhh. Ich mag die Band wirklich sehr und kann bis zu einem gewissen Punkt auch ihre Verweigerungs-Haltung verstehen, aber hier zementierten sie eigentlich nur ihren Ruf eine Super Club-Band zu sein - Schade ... sehr Schade.

Die Musik, meines Erachtens etwas zu laut (und leider etwas undifferenziert), war ziemlich grandios

(eine 20-Minuten Version von "The Heavens Cry Out For The Devil's Blood" bekommt man nicht oft),

aber auf einem Open Air überhaupt keinen Kontakt zum Publikum zu suchen, keinerlei Ansagen zu machen, komplett unnahbar zu sein, halte ich für verkehrt.

 

Leider sahen dies auch viele der Besucher so ... das Rund leerte sich doch etwas.

Dann war es auch seltsamerweise "Christ Or Cocaine" am Ende des Sets, welcher mit seiner Rock Attitude am ehesten punkten konnte. Die Kerzen (je ein großer Leuchter rechts und links)  waren schnell aus, die Show sehr starr und irgendwie ... Sorry für die Plattheit ... BLUTARM.

 

Dafür war dann der Heimweg, auf Grund meiner lädierten Füsse, genau das Gegenteil ...

SAMSTAG, 22. Mai:

 

Daniiiee verpflichtete sich Brötchen zu holen und verbindet dies mit einem 10 km Langlauf Programm morgens um 08.30 Uhr - sind die im Süden des Landes eigentlich alle so???

Ich dusche, mache mich hübsch und extrastarken Kaffee - bin also die Frau.

Dabei hat er eigentlich den Spitznamen FRAUEN-VERSTEHER - verkehrte Welt.

 

Der Fussmarsch schmerzt, ist aber, ob unserer musikalischen Weltansicht, die wir uns gegenseitig um die halbtauben Ohren hauen, doch recht kurzweilig.

 

Wir freuen uns auf die Gang - gestern kamen noch Christiane (bessere Hälfte von Thomas - ehrlich), Jürgen (rasender freier Journalist - oder war es reisender?) und Sohn Erik dazu.

 

Eine kleine Anmerkung zur Security:

Bei dem einen oder anderen Ausflug zur Bühne konnte man wieder einmal die professionelle, oder eher freundschaftliche Einstellung der Jungs (Chefin allerdings - holla) bewundern.

Die sprinten förmlich zur Absperrung, sobald auch nur ein fetter, schweißiger Körper auf sie zu schwebt, um ihn einer Feder gleich zu Boden gleiten zu lassen.

Gut, bei so mancher, nur halb so schwerer, spärlicher gekleideter Frau, schienen sie dies sogar noch schneller zu tun ... und zu mehreren - wahrscheinlich nur Einbildung.

Bei Mambo Kurt sangen sie mit (ich hab's genau gesehen) und ein sachtes Kopfnicken bei einigen Bands war auch zu sehen. Wahrscheinlich würden die sogar einem älteren Herren wie mir aufhelfen

... klasse Mannschaft - den imaginären Hut zieh'.

 

Doch nun auf ...

ORDEN OGAN

 

warteten und polarisierten.

Blind Guardian, Running Wild im Sinn - das Headliner-würdige Intro gestartet, und erst mal mit Feuer eingeheizt. Pyros, Knalleffekte, Piratenflagge schwenkende reizvolle junge Dame.

Wir fanden den Auftritt der deutschen Melodic-Power Band wirklich kurzweilig, das Engagement der Jungs wirklich beachtlich, und den Sound wirklich bombig (nach anfänglichen Schwierigkeiten)

- SPASS NICHT VERGESSEN, IHR NÖRGLER

Doch dann kam Väterlein THRASH in da House, und los ging's mit  

 

EVILE

 

die sogar die ersten Circle-Pits starten konnten. Cooler Auftritt. Gute Resonanzen im Publikum.

Bay Area / early-Metallica-Slayer Thrash, vorgetragen von einer DER Nachwuchshoffnungen,

was man von

 

BULLDOZER

 

nun wirklich nicht mehr sagen kann.

Ewig am Erfolg vorbei, machten die Italiener mit ihrem räudigen Thrash auf mich einen sehr guten Eindruck. Als UNICEF-Befürworter, Inter Mailand Gegner (aber die Bayern Sprechchöre haben leider nicht geholfen) und Unikate der Szene lasen sie uns die metallische Messe - effektiv.

ARTILLERY

 

konnten danach leider nicht wirklich überzeugen, soundmässig recht schwach, waren die Herren doch etwas hüftsteif geworden. Das Publikum ließ sich nicht wirklich anstecken, sodass der Auftritt unspektakulär blieb, was man von

 

RAVEN

 

nicht wirklich behaupten konnte. Die sympathischen Chaoten zogen eine 80er Show durch.

Der Retro Charme waberte durchs Rund, nur zerschnitten durch die hohen Schreie von

John Gallagher. Sein Bruder Mark an der Gitarre ist immer noch hyper engagiert, was allerdings mit der Zeit fast zu einer Selbstkarikatur verkommt - trotzdem recht kurzweilig, doch dann kamen

 

EXHORDER

 

und zerlegten das Rund mit deftigen Thrash Geschossen.

Mosh-Pits sind der verdiente Lohn - fast alle die die Band vorher nicht kannten, werden auch hinterher keine Fans geworden sein. Zu eigenständig, und uneingängig sind die schweren Granaten der Band, aber Rettung naht

 

ACCEPT

 

zelebrieren die hohe Kunst, den hochwertigen Back-Katalog mit neuem Sänger, in phantastischem Sound in den matter werdenden Abendhimmel zu riffen.

"Metal Heart" gibt den Anfang - die Menge ist sofort da - frisst aus der Hand, "I'm a Rebel" - und jeder scheint von sich zu singen, "Balls to the Wall" - Ooohh, Ooh, Oh- Chöre schallen ins weite Umland, "Princess of the Dawn" - und ich habe sie wirklich vor mir gesehen.

Irgendwann schüttele ich Götz begeistert  die Hand, der hinter mir am Mischpult zusieht und riffe weiter auf meiner Luftgitarre, dabei wollte ich ihm doch noch danken für dieses Fest - IHM und der Mannschaft, aber Accept gehen vor, sind Headliner, denn danach kann nichts mehr kommen ... dachten wir ... doch dann kamen die HORDEN DES CHAOS und

 

KREATOR

 

zerlegten mich fein säuberlich - WELCHER SOUND - WELCHE SONGS - WELCHE MACHT !

Sie treiben uns in den Wahnsinn - wir riffen durch die Nacht, schreien uns die Lungenflügel blutig, springen im Takt (oder was wir dafür halten) der Musik. Mille gibt sich Fan-nah, hat fast schon natürliche Ansagen, Licht und Einspielungen auf der Leinwand passen - es ist ein RAUSCH der uns erfasst, wie das gesamte fucking thrashing Rund.

Gibt es eigentlich Nackenmuskeln aus Stahl - sind meine letzten Gedanken, bevor ich komplett ins metallische Universum eintauche, mich den HORDEN stelle, meine PHOBIE besiege, in einer Hand die FLAGGE halte, um dem TORMENTOR zu huldigen.

Ich laufe AMOK, habe SPASS AM TÖTEN, starte eine REVOLUTION - bis ich irgendwann ausgelaugt ins KOMA falle ... ich weiß ehrlich nicht wer diese Raserei bei gesundem Körper überlebt haben kann.

 

Irgendwann sind wir in unserer Bude ... Daniiiee, die Lusche, hat bei Christiane um Mitfahrgelegenheit gebettelt - ICH WÄRE JA GELAUFEN ... EHRLICH.

 

SONNTAG, 23.Mai:

 

Es ist 08.30 Uhr - Daniiiee läuft wieder, wenn auch mit "etwas" weniger Begeisterung als Gestern.

Der Nacken scheint zu halten, die Haut weist seltsamerweise verschiedenste Färbungen auf.

Weiss bis zum Hals, dann krebsrot auf der einen und leicht gebräunt auf der anderen Seite.

 

Wir werden heute sogar mit der Limousine abgeholt - die Herren SUPERSTARS halt - gelle.

Aber wir haben ja auch ein Treffen mit BOBBY, der mit unserem Bruce Dickinson flirtet.

 

Als gestern nach eineinhalb Tagen das Bier immer noch keine Wirkung zeigte (zu dünn, oder Wetter zu heiß), sind wir am Abend auf Cocktails umgestiegen (klasse Stand - unbedingt beibehalten), und haben dabei im Biergarten, mit Freunden und solchen die es wurden, gefeiert und GEROKKT.

 

Denn die Cover-Band ROKKEN war wieder da und hat neue Talente gesucht.

SCHRÄG der Junge der Painbringer, ääh "Painkiller" versuchte - Kopf hoch, war trotzdem cool.

KLASSE der Auftritt von PATRICK ("Aces High"), der später auch verdient Sieger wurde.

BEWEGEND das Wiedertreffen mit TANJA ("Holy Diver"), spätere Zweite, welche uns wieder an DIO erinnerte.

 

Überhaupt fanden wir es klasse, das in den Umbaupausen ausschliesslich DIO, bzw. Songs mit PETE STEELE gespielt wurden, ausserdem war die Schweigeminute am Freitag wirklich Gänsehaut pur und der Auftritt von RAGE ... aber dazu später mehr ... denn erst waren

 

SACRED STEEL

 

an der Reihe. Man kann ja vom traditionell ausgerichteten Werk oder von der "Trueness" der Band halten was man will, aber das die Jungs dies überzeugt vorbringen und Gerrit (Sänger) ein wirkliches Unikat ist, kann man eigentlich nicht bezweifeln.

Dieser Mann lebt, atmet und scheißt Metal, bis die Schüssel zerspringt.

Es gibt kurze Anekdoten zwischen den Songs, Gerrit wandelt gar ins Publikum, um sich seine Band von unten anzuschauen und singt dabei gleich, auf den Stufen sitzend den Song inmitten der Fans zu Ende, die auch mal kurz ins Mikro reinblöken dürfen.

DAS ist Metal Entertainment. DAS ist Kommunikation mit den Fans. DAS ist extrem kurzweilig.

Klasse Opener und Vorbereiter für

 

KEEP OF KALESSIN

 

die einzige "Prog" Band des Festivals - hahaha.

Was die Jungs dann auf das Rund loslassen ist lupenreiner blackmetallischer Sturm.

Progressiv angehaucht und mit epischen Gitarrenstrukturen versehen - intensiv bis Anschlag.

Die Hälfte der Leute schaut leicht irritiert, einige allerdings können sich nach zwei, drei Songs den Respekt vor der Leistung der Band nicht verkneifen - zu stark die Instrumentalleistung der jungen Norweger - ganz starke Vorstellung, was man von

 

CRASHDIET

 

nicht gerade behaupten kann - GELSENKIRCHEN, 25 Grad, die Frisur sitzt.

Uninspiriert, lahm, lasches Posing - irgendwie lustlos, und dann auch noch mit schwachem Sound.

Sie zeigen mir gnadenlos auf, warum ich (bis auf wenige Ausnahmen) den Hairspray-Metal nicht mag

... und ich war vorher durchaus geneigt Spass zu haben, GOTT SEI DANK kamen dann

 

ORPHANED LAND

 

aber sofort erklärte KOBI FARHI den visuellen Auftritt der Band mit religiös-kulturellem Background,

nur um danach ein tiefes "... and NO, I'm not Jesus ..." ins Mikro zu hauchen - Shit aber auch

und ich hatte doch so auf Vergebung und Erleuchtung gehofft.

Aber der Auftritt war bockstark, guter Sound, wuchtige Klänge, interessante Rhythmen, immer wieder von ruhigen Momenten unterbrochen - ORIENT METAL. Bei "Sapari" kommt eine Bauchtänzerin mit auf die Bühne und danach gibt es gleich mit "Ocean Land" den zweiten "Hit" der Band.

Aussergewöhnlicher Farbtupfer des Festivals, welches man von

 

VIRGIN STEELE

 

auch erwarten durfte. Leider war Ernüchterung angesagt.

Einiges war Konserve, dazu nervte die Songauswahl (der Überhit "Burning of Rome" fehlte), und die fast durchgehende Double-Bass Spielart des Drummers nervten - fast jeder Song im gleichen Strom.

Nee - geht definitv besser ...

NEVERMORE

 

... bewiesen dies mehr als eindrucksvoll.

Druckvoller Sound, endlich ein zweiter Gitarrist, WARREL DANE in Bestform und DIESE SONGS:

wir wurden "Born", "The godless endeavour" zwang uns in die Knie und als man "The heart collector" anstimmte, gab es kein Halten mehr - tausendfacher Unterstützungs-Chor im Rund.

Eindeutig einer DER Momente des Festivals. Auch die 4 gespielten Songs aus dem neuen Album,

ergaben keinen Bruch im "Flow" und mit "Emptiness unobstructed" wurde mindestens ein neuer

Soon-To-Be-Classic präsentiert.

Wie sagte doch die 9-jährige ANNALENA aus Duisburg so richtig "Die werden bestimmt mal richtig gut" Eindeutig stärkster Zuspruch des Tages, die hätten meinetwegen noch ewig spielen können,

aber es wartete schließlich der Co-Headliner

 

SONATA ARCTICA

 

die jedoch mit der Situation nach Nevermore auftreten zu müssen reichlich überfordert wirkten.

Viele verließen den Innenraum, die Band wurde immer lustloser - klassischer Fall von fehlplatziert.

Allerdings hätte es wohl jede Band nach dem Auftritt von Nevermore schwer gehabt.

 

Allmählich wurde mir doch wieder etwas wehmütig ums Herz. Eine leichte Abschiedsstimmung machte sich breit, der Mond erschien am abendlichen Himmel. Die Bands waren bis auf den Headliner durch - kennt ihr diese melancholische Stimmung, wenn ihr zwar noch mitten dabei seid, aber bereits wisst, dass es bald vorbei sein wird?

 

Doch zunächst wurden mit Hilfe der Band ROKKEN - geile Band (auch wenn einer der Gitarristen sich bei MATTHIAS REIM prostituiert - ich bin entsetzt), klasse Sängerin (auch heiser noch ein intensives "Stand up for Rock'n'Roll" der Band AIRBOURNE rausgerotzt.

Wieviele Herzen bricht die eigentlich an so 'nem Wochenende - STEFFI, DU BIST 'NE RAMPENSAU - die 2 Gewinner der KARAOKE Veranstaltung gekürt. PATRICK (wie der junge Bruce Dickinson) und TANJA durften noch mal ran. Hier war dann auch mit "Holy Diver" noch einmal eine entgültige, finale Würdigung des Schaffens von RONNIE JAMES DIO angebracht, dessen Geist wohl die 3 Tage mit uns im Rund verbracht hatte, wie sonst war wohl die immer friedliche Stimmung zu erklären.

 

Danach war eindeutig MAMBO KURT Zeit.

Der Heimorgel-Fetishist sollte die längere Umbaupause für das-Rage-Orchester überbrücken.

Er tat dies unnachahmlich mit flotten Sprüchen, Songs der Marke "Jump" - VAN HALEN,

"Final Countdown" - EUROPE, "South of Heaven" - SLAYER, "Killing in the name of" - RAGE AGAINST THE MACHINE, "Paradise City" (Song für Gelsenkirchen) - GUNS 'N' ROSES, machte zwischendurch einen Crowdsurf Ausflug ins Publikum, welches immer wieder per Polonaise durch den Innenraum zog, und stellte uns gegen Ende des kurzen Sets vor die kaum zu beantwortende Frage "Highway to Hell" - AC/DC via Heimorgel oder doch lieber den Hip-Hop Klassiker "Ice, Ice Baby" via Commodore C 64 Computer ("was anderes als Hip Hop kann man da einfach nicht programmieren").

Wir wählten HIP-HOP und groovten durch die hereinbrechende Nacht.

RAGE

 

Ich hatte mich sehr auf diese Band gefreut, da ich seit AVENGER Zeiten eine Anhänger der Jungs bin und die immer wieder eingestreuten Orchester Parts der letzten Jahre sehr zu schätzen weiß.

Diesmal wurde eine neues Orchester zusammengestellt - 31 Personen stark!

 

Wieder wurden Songs umarrangiert - eine phantastische Leistung von VICTOR SMOLSKI.

Als Gastsängerin hatte man einmal mehr JEN MAJURA von den BLACK THUNDER LADIES engagiert.

 

Es wurde ein eindrucksvoller, absolut würdiger Abschluss des Festivals.

Ob "From the cradle to the grave", das "Medley älterer Stücke" oder "Empty hollow",

die klassischen Umsetzungen fanden mein Herz.

 

Und ich nahm persönlich Abschied von RONNIE JAMES DIO und PETER STEELE beim Gitarrensolo des Parts "No regrets" der LINGUA MORTIS SUITE (welche den Beiden gewidmet wurde)

- welch ein gefühlvolles Weltklassesolo da in den Nachthimmel gezaubert wurde,

die reine, strahlende Verbindung von UNS zu IHNEN, die gegangen waren.

 

Hier hatte ich dann Tränen in den Augen und schämte mich ihrer nicht - es war gefühlte MAGIE.

Es war aber auch ein langsames Loslassen, ein Wegdriften von Trauer und Schmerz - BEFREIUNG.

Das Festival war zu Ende und dieser eher hochmelodische und wertige Ausklang mit RAGE entsprach haargenau meinem inneren Gefühl - phantastisch.

 

Wir machten uns auf den Weg zurück - wie immer restlos bedient und restlos zufrieden.

Auf dem Weg durch den nächtlichen Nordsternpark wurden wieder einmal epochale ERKENNTNISSE ausgetauscht und ich gebe nur wieder (auch wenn ich bei fast allen der gleichen Meinung bin):

 

- rote Lederhosen sind out

- Hosen mit Fellresten auch

- einen 90 Minuten Auftritt von Rage komplett verstrahlt durchzuquasseln ist nicht lustig, schon gar

  nicht für die "Nebensitzer"

- wir ALLE sind so ziemlich verrückt

 

 

Die SONGS DES FESTIVALS waren:

 

SOUTH OF HEAVEN von MAMBO KURT - der schrägste Moment

NO REGRETS von RAGE - der bewegendste Moment

HEART COLLECTOR von NEVERMORE - der intensivste Moment

BALLS TO THE WALL von ACCEPT - der nostalgischste Moment

HORDES OF CHAOS von KREATOR - der fuckin' thrashigste Moment

Schon diese Aufzählung zeigt die weite Bandbreite der vertretenen Gruppen und Stilrichtungen.

Einmal mehr ist es gelungen etablierte Bands, Newcomer und Untergrund fein zu mischen.

Das hier nicht immer und nicht für jeden die "Ideal-Combo" herauskommen kann ist doch klar.

Ausserdem ist es mir wichtig auch für mich neue Bands entdecken zu können.

 

Aber es zeigt doch auch deutlich unsere bunte Mischung, unsere verschiedenen Gesinnungen, letztendlich auch unsere Toleranz und unseren Respekt untereinander - dies sind die Gründe, warum wir immer wieder mit Kribbeln im Bauch hier aufschlagen.

 

Dafür MUSS an dieser Stelle auch mal ein FETTES LOB für die Veranstalter der ROCK HARD her.

Ich weiß nicht, was hier für Entbehrungen zu entrichten, zeitlicher Aufwand zu betreiben und Wiederstände zu brechen sind.

 

Aber auch SECURITY (immer freundlich), STAGE-CREW (pünktlicher geht wohl nicht),

bis hin zur "kleinen" KLOFRAU (bei dem Andrang alles so in Ordnung zu halten).

 

Die verschiedenen Verzehrmöglichkeiten, den Metal Market etc, etc, etc.

 

UNSEREN TIEF EMPFUNDENEN RESPEKT HIERFÜR !

 

SO werdet ihr uns nicht los - BIS ZUM NÄCHSTEN JAHR

 

                                                                                                                            DARKEN TOM

 

 

 

P.S.

Auf der Fahrt nach Hause am Montag dann,

hat sich der Kreis für mich entgültig geschlossen.

 

Denn hier habe ich das DIO Live-Dokument  

"INFERNO-LAST IN LIVE" von 1998 gehört.

 

Und ich tat dies nun nicht mehr mit Schmerz und Trauer,

sondern vielmehr konnte ich jetzt SEIN Andenken

wieder genießen, mit einem feinen, subtilen Lächeln um den Mund zwar, immer noch leicht melancholisch - zugegeben,

aber mit guten Gedanken und freiem Herzen.

 

MÖGEST DU FRIEDLICH RUHEN - WHEREVER YOU ARE

 

Hallo und Danke an:

DARKEN DANIIIEE - der mich wieder mal ertragen musste

CHRISTIANE und THOMAS - unser nächtlicher Fahrdienst und Freunde aus Bottrop

JÜRGEN und ERIK - fachsimpelnde Gegenspieler vom Bodensee

ANGELA und ANNALENA - hat Spass gemacht mit euch, Gruß nach Duisburg