ROCK HARD FESTIVAL, 25.-27. MAI 2007
ALLEIN, ALLEIN - keiner meiner Kumpels hatte es dieses Jahr geschafft frei zu bekommen -
von Job oder Familie. Der mächtige Krieger kämpft stets allein - hatte ich mir gedacht - und zog allein
(und jetzt ist dann auch gut mit ...) 'gen Ruhrpott.
Seit der RockHard Mark II Festival-Reunion von 2003 (wo ich mir den Sonnenbrand meines Lebens geholt habe - doch das ist eine andere Geschichte, welche ein anderes Mal erzählt wird), bin ich jedes Jahr dabei.
Damals wohnte ich noch in Trier - also musste eine Unterkunft her. Zum Zelten war ich wieder einmal zu faul ( in Wahrheit hatte ich Angst vor Frostnächten, Bloodsuckern und tief-fliegenden Alkohol-Leichen - Ihr versteht?). Mit etwas Glück fand ich ein Zimmer in Altenessen, von wo aus ich zu Fuss das Gelände erreichen konnte.
Die Tage vor dem Festival sind immer die schlimmsten, oder?
Man wartet, es könnte eigentlich losgehen, das Gefäß war bereit aufzunehmen, doch die Tage scheinen gerade dann immer länger zu dauern. Der innere Spannungsbogen wird allmählich überstrapaziert, das Blut kommt in Wallung - und man WARTET, verdammt in einer selbst geschaffenen Hölle - voller Ungeduld und steigender Aggressivität.
Als endlich der Samstag erreicht war (den Freitag musste ich mir leider auch auf Grund meines Jobs schenken), war der Kessel zum Platzen voll, bereits die Fahrt musste zum Abbau von Stress-Hormonen herhalten, METAL INQUISITOR - DEATH ANGEL - ARMORED SAINT waren meine Hintergrund Symphonie auf der Brachialfahrt über dem, unter mir wegdonnernden, schwarzen Asphalt des Highway.
In Altenessen angekommen, begrüßte mich gleich morgens um 10.00 Uhr, an der um die Ecke meiner Unterkunft gelegenen Trinkhalle, der erste Rückwärts-Esser, ich war im Pott - und es war gut.
Schnell Gepäck aufs Zimmer - und es konnte losgehen.
Ca. 1 Stunde Fussweg hatte ich vor mir - für ungeduldige Möchtegern-Coole, ein langer Weg.
Doch oh Wunder - mit jedem Schritt wurde ich ruhiger, der Weg durch Wohngegend, Industrie-Viertel, Aussenbezirk und zum Schluss Nordstern-Park, erhöhte eine Vorfreude ganz anderer Art.
Das Wissen wieder einmal etwas Besonderem beiwohnen zu dürfen (wie jedes Jahr), beruhigte die Synapsen, ließ innere Ruhe und Ausgeglichenheit einkehren, sowie die ersten zarten Ängste, dass es wahrscheinlich wieder schneller vorbei sein würde, als erwartet.
Das gleiche Gefühl hatte ich zum Start des dritten Teils von "Herr Der Ringe" - endlich war er da, kann ich ihn sehen, doch was kommt danach, wenn er unwiederbringlich zu Ende ist - in welch tiefes Loch werde ich wieder fallen.
Wer das Open-Air-Gelände kennt wird mir sicher zustimmen - es gibt nicht viele solcher herausragender Locations. Da ich über den rückwärtigen Teil des Nordsternparks komme, laufe ich jedes Jahr zuerst am Campingplatz vorbei - das erste richtige Highlight des Festivals.
Diese vom Freitag tief gezeichneten Gestalten - Nachschatten Gewächse, bleiche Gerippe,
liebe Todesengel, Trueness Chaoten, Augenringe tragende Bewegungs-Legasteniker,
ich war zu Hause - dies ist meine Familie - mein Leben.
Kommt man über den Einlass zum Rund, öffnet sich der Blick ins Amphitheater.
Im Hintergrund der Rhein-Herne Kanal, davor die luftige, offene Bühne, der Innenplatz, sowie die aufsteigenden Ränge der Location.
Herrlich anzuschauen, klasse Blick von allen Plätzen, guter Sound sind die Eckdaten des Festivals.
Abgerundet wird das Ganze durch einem seitlich, am oberen Rand gelegenen Autogramm Zelt,
wo wieder fast alle Bands, sich fleissig die Finger wund schrieben, für Photos bereit waren, oder nur Rede und Antwort standen.
Gute Essens-Möglichkeiten, Metal Market, Merchandise- und Promotionstände, etc. runden das Gesamt Paket überaus gelungen ab. Näheres unter www.rockhardfestival.de
Noch ein Wort zur Herangehensweise meiner Betrachtung.
Es gibt Dinge für mich im Leben, die ich nicht unbedingt nur rational bewerten möchten - dagegen WEHRE ich mich. Dazu gehört in erster Linie die Musik - und zwar in all ihren Facetten - ich bin Liebhaber, Verrückter, Fan.
So versuche ich immer Open-Minded zu bleiben, erfasse eher mit dem Bauch, als mit dem Kopf, gebe Chancen, bewerte die Dinge emotional. Doch genauso sollte es meiner Meinung auch sein
- MUSIC WAS MY FIRST LOVE ...
Natürlich gibt es Musik, die auch ich nicht mag, die einfach schlecht ist, und doch versuche ich mir immer noch den Zauber zu bewahren - etwas neu zu entdecken, überrascht zu werden, mich überzeugen zu lassen.
Doch jetzt auf - zu den 2 Tagen WAHNSINN unter Gleichgesinnten:
Samstag, 26. Mai
Unter grauen Himmeln, aber noch trocken, packten:
Metal Inquisitor
ihre vom 80er NWOBHM beeinflussten Sahne-Stücke aus.
1 - 2 Songs bis zur guten Laune - dann cooler Auftritt, das Rund leider nur etwa halbvoll.
Für mich schon ein kleines Highlight des Festivals.
Maroon
haben es schwer - fast die Hälfte der Anwesenden verläßt die Location (Innenraum).
Sehr schade, denn sie haben einen genialen Sound (ich sitze wie jedes Jahr direkt vorm Mischpult) und brachiale Stücke (dazu covern sie Sodom's "Ausgebombt").
Nieselregen setzt ein - Schade dass unsere hochgelobte Toleranz scheinbar doch Grenzen kennt.
Turisas
haben eine geile Party am Start, das Rund ist plötzlich wieder zu 2 Dritteln gefüllt.
Superzusammenspiel zwischen Geige/Akkordeon und Restband, im Publikum 4 grün gekleidete Orks - Sklave/Tier/Dämon/Krieger.
Herrliche Show, genau richtig zu dem Zeitpunkt, die stärkste Szene: alle sollen aufstehen im Rund (bis auf ein paar Verweigerer gelingt dies auch - Cool)
Korpiklaani
hier ist noch mehr los als bei Turisas, zum Einsatz kommt auch ein irischer Dudelsack - vor der Bühne tanzen so ziemlich Alle.
Um 16.00 Uhr kommt der Song "One Beer" und ich
bestelle mir mein Erstes, bewege mich auch auffallend rhythmisch - und finde es gut.
Ross The Boss
Götz reckt beide Arme in den Himmel, bangt wie besessen,
ich stehe auf der anderen Seite des Runds - ganz oben vorm Mischpult und habe (ehrlich!) Tränen in den Augen, aber der Reihe nach.
"Kill with Power" war schon geil, fast eine Intensität wie damals Overkill's "Rotten to the Core",
aber "Gloves of Metal" bringt viele Emotionen hoch, berührt, strahlt Stärke und Erhabenheit;
ich atme Metal.
Vader
2-3 Songs bis zum Killersound und zur Eingewöhnung,
danach Schutt und Asche - Schutt und Asche ... verbrannte Erde,
und zum Abschluß "Reign in Blood" - das Festival erbebt !
Armored Saint
Bester Basser des Festivals ? Bester Sänger ?
Routinierter Nostalgie Trip mit vielen "Hits" der Band - "Raising Fear - March of the Saint -
Can U deliver - Last train home - Long before I die".
Sie wurden stark bejubelt, grandioser Auftritt, aber nicht meine Nr. 1 - die kam danach.
Death Angel
and Festival goes "Fuckin' Thrashin' Bay Area Nirvana Mad" - intensiv und außergewöhnlich.
Bei der Hälfte des Gigs kommt die Sintflut (mein Gott, was waren wir nass), stört mich aber nicht, denn ich bewege mich in meinem eigenen, von der aufpeitschenden Musik geschaffenen Kosmos.
"Mistress of pain - Seemingly endless time - The Ultra-Violence - Veil of deceiption und und und ..."
Bezaubernde Aggression - Wilde Erhabenheit - technisch höchst anspruchsvoll - eine der TOP 3 Bands des Festivals, danach zolle ich dem Wetter Tribut und wandere ab (Taxi) und verpasse leider Amon Amarth.
Wie eine Wasserleiche aussehend, betrete ich mein Zimmer, schaffe es gerade noch alle durchweichten Klamotten von mir zu werfen, und falle in einen tiefen und traumlosen Schlaf.
Sonntag, 27. Mai
Die "Mistress of pain" hatte sich wohl meinen Kopf als Übernachtungs-Möglichkeit ausgesucht.
Weh, oh weh - ich weiß gar nicht, ob ich die Idee, der Bier-Container-tragenden Gestalten, welche irgendwann durchs Publikum wanken, um uns nachzuschenken, noch gut finden, oder verdammen soll.
Doch schnell ein paar starke Tassen Kaffee drauf gegossen und wieder Haltung angenommen.
Der Weg durch die "gute" Luft des Potts tat sein übriges dazu, und als ich am Amphitheater angekommen war, war ich wieder bereit ...
Sabaton
die Menge mag's, wahrscheinlich genau richtig als Opener des zweiten Tages.
Sehr melodischer Power Metal - mit wenigen Ecken und Kanten, aber Hymnen Charakter, mir eine Spur zu rund, als Auftakt aber nicht schlecht.
Hardcore Superstar
"Rock 'n' Roll Alarm", die 80er Sleaze Rock Brigarden sind zurück.
Gun's 'n' Roses - Skid Row - Mötley Crüe sind Namen, die einem unweigerlich in den Sinn kommen, aber mit gutem Biss - o.K.
Dew-Scented
als "Ersatz" für Naglfar, welche auf Grund eines Streiks Ihrer Flugfirma nicht kommen können.
Auf die 12 Thrash, kompetent und gut - leider regnet es bei den ersten 3 Bands des Tages, so daß hier auch recht wenig passiert. Gut und intensiv - aber nicht mehr.
Dark Funeral
und als die Erde sich verdunkeln sollte,
bricht tatsächlich der Himmel auf!
Die Jungs mit Corpse-Paint und schwarzen Hymnen bewaffnet schreien aber mächtig dagegen an.
Die Menge bewegt sich irgendwo zwischen Irritation und Ehrfurcht, und so zieht der gehörnte Gott wieder ab, ohne Opfer zu verlangen.
Tankard
Frankfurt is in da house. Simpel, aber der Motor springt an - die Menge johlt.
Gerre zeigt Bauch und Humor. Klasse Auftritt. Und bei "Empty Tankard" feiert das Rund sich selbst und das Festival, und alles, was nicht schnell genug auf die Bäume kommt.
Kleine Anekdote: Gerre und Bobby feiern direkt vor mir Wiedersehen (1 Meter), lustig wie Sau, und Gerre gibt anschließend auf der Bühne die Verlobung bekannt.
Paul Di'Anno
Iron Maiden, angereichert mit "Faith Healer" von Alex Harvey, sowie Ramones Songs; das geht mächtig steil. Stärkste Resonanzen im Publikum (positiv, wie negativ) und auf der Bühne, aber als die Hymne des Festivals ausgepackt wird: "Running Free" - mit Götz und Stratmann an den Vocals (Lead und Back), plus diverse andere Musiker, ist die Bühne voll und huldigt (Clive Burton/ Dimbag Darell Memorandum).
Gaaanz großes Kino
Spock's Beard
irgendwie fehlplaziert, es kommt nur Stimmung auf als Nick zusammen mit dem neuen Drummer auf 2 Kit's parallel spielt, sonst leider nur Höflichkeitsapplaus - da zu komplex,
Versöhnung allerdings bei der genialen Cover Version von "Whole lotta love", gesungen vom Schlagzeuger, Nick dabei an den Drums.
Axel Rudi Pell
2 Songs zum Einspielen, zum die Technik in den Griff bekommen, dann absolute Weltklasse !
Sound-Licht-Gitarrenspiel-Mond am inzwischen wolkenlosen Himmel - ich hätte es nicht geglaubt, aber es kommt so was von genial. Mike Terrana an den Drums, allen steht der Mund so was von offen (Drum-Solo). Was soll jetzt noch kommen.
Thin Lizzy
Der Mond steht still - man fühlt das Atmen der Welt.
Alles ist friedlich, wie immer. Eine super-schöne Abschlußstimmung breitet sich aus. Und dann sind Sie da - der Sound so gut, wie bei Axel.
Tommy Aldridge an den Drums, fast so gut, wie Mike (Solo mit den bloßen Händen!). Die Twin Gitarren singen um die Wette - doppelläufige Duelle - Gänsehaut - Melancholie.
Und die Songs, meine Herren, nur Hymnen. Der Rock Olymp öffnet sich - ein Klassiker nach dem anderen. Axel wird getoppt - das Festival wird getoppt - hier spielt ein wahrer Headliner.
Eines meiner persönlichen TOP TEN Konzerte aller Zeiten - tiefen Respekt hierfür (und ich lasse hier BEWUSST die Begleit-Erscheinungen des Auftritts aussen vor).
Fazit:
Superabwechslungsreich und jedenfalls für MICH keinesfalls schwächer als vorangegangenes Jahr !
An dieser Stelle erst einmal DANKE ans ROCKHARD TEAM für dieses abwechslungsreiche Highlight meines Musik-Jahres. Für den Idealismus - für das Durchhaltevermögen - den Glauben an unsere Musik.
IHR seid die GRÖSSTEN !!!
Wie immer hatte ich genügend Zeit Kontakte zu knüpfen.
Ein HALLO an die Jungs aus dem Osten, mit denen ich mich während der ersten Bands des Sonntags unter einem Bierzelt-Vordach, über Musik-Historie und Doom Metal unterhalten habe.
Thunderstorm rules - ich weiss.
SERVUS an den Musik-Verrückten Radio Moderator, der uns über außergewöhnliche Bands aus aller Welt informierte. "Alter - eine Ballade auf Russisch, das ist so krass" - Ja, wir haben verstanden.
Und dann waren da auch noch THOMAS und CHRISTIANE, mit denen ich mich jetzt auch schon seit
3 Jahren dort treffe, mich über Katzen, Gott und die Welt, oder diesmal ganz speziell, über Mike Terrana und seinen Drum Workshop unterhielt. Hast Du noch seinen Drumstick, Thomas???
Ich hoffe Euch alle dort dieses Jahr wieder zu sehen.
Zu fachsimpeln, zu feiern, gemeinsam ein paar Glas Wasser :-) hahaha, zu heben (oder so), die Seele wieder einmal baumeln zu lassen, den Kopf wieder frei zu bekommen.
Ehrlich; sind für mich die Bands inzwischen fast zur Nebensache geworden - als Ausdruck meiner Einstellung betrachte ich diese wenigen Tage.
Eine kleine Flucht aus dem beruflichen Alltag - als Treffen mit weiteren (im positiven Sinne) Verrückten -
als grosse gemeinsame Feier - und zwar von uns selbst und unserer Einstellung.
ALSO BIS DIE TAGE ...
29. - 31. Mai 2009 ROCK HARD FESTIVAL PAGE
DARKEN TOM