PROGRESSIVE NATION TOUR 2009 - LUDWIGSBURG, 19. Oktober

 

 

Hunde, wollt ihr nicht mehr ewig spielen ...

Wie beschreibt man einen Konzertabend, an dem man so zwiegespalten nach Hause fährt ?

Am besten erst einmal gar nicht. Man legt sich 2 Wochen mit einer schweren Bronchitis zu Bett.


Dabei war alles perfekt angerichtet. Die Karten waren gekauft, Alben vorab ausgiebig gehört, Vorfreude stieg stündlich. Verwirrung stiftet nur die Eintrittskarte.
Beginn 18:55 Uhr - Ende 23:30 Uhr. Das für 4 Band´s von solchem Kaliber ?
Leichte Zweifel schlichen sich ein und wurden niedergerungen.

 

Der euphorisierte Zweimannlauschangriff betritt kurz vor 19 Uhr gut gelaunt die Arena in Ludwigsburg. Als erstes springt uns ein wandelndes Bierfass entgegen. Das ist zwar lieb gemeint, doch wir möchten unsere Sachen erst einmal abgeben. Fehlanzeige, keine geöffnete Garderobe !

Wir haben Temperaturen um die 7°C, dazu die entsprechende Kleidung.


Das ist unverständlich, da die Halle neu ist und entsprechende Bedingungen vorhanden sind.

Einen ganzen Abend mit einer um den Bauch gebundenen Jacke herumzustehen ist nicht die bequemste Art Musik zu genießen. Egal. Kurz nach 19 Uhr betreten wir die Halle, wo Bigelf schon zu Gange sind.

 

Bigelf

Ein kurioser Haufen steht dort auf der Bühne. Langhaarige Männer mit Equipment,

welches aussieht wie aus einem Trödelladen.

Diese Jungs sind kompromisslos auf ihrer Reise in die 70-iger. Das macht Spaß.

Dieser Sound ist so etwas von „warm” und organisch.

Diese alten Orgeln berühren mich derart mit ihrem Klang, daß ich es bedauere, nicht 10 Jahre früher auf einem anderen Kontinent geboren zu sein.

Das sind Black Sabbath, Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple. Man glaubt etwas Pink Floyd zu hören und doch sind es immer Bigelf.

 

Leider ist der Typ hinter dem Mischpult eine Oberpfeife. Es dröhnt in der Halle, der Bass kommt zu dominant, die Gitarren sind schlecht zu hören. Schade, mit einem ordentlichen Mixer hätte die Band sicher viele Fans gewonnen.

Trotzdem, für mich ist das Album

„Cheat The Gallows” der nächste Pflichtkauf.

 

Opeth

Eigentlich sind mein Freund und ich voll auf Unexpect geeicht. Doch schon die ersten Klänge lassen mich spontan jubeln. Das sind Opeth und der Sound ist um Welten besser. Meine Begleitung ist was Deathmetall angeht sehr abgeneigt. Dafür, daß er die Band gar nicht kennt, zappelt er aber ganz schön wild neben mir. Ich glaube, irgendein Song verfolgt ihn wohl bis heute (übrigens "Deliverance").

 

Opeth sind natürlich ganz großes Kino. Obwohl ganz reduziert auf einer kleinen Bühne und ohne großes Licht oder Videounterstützung fangen sie (wieder einmal) das Publikum ein. Mikael Åkerfeldt und seine Jungs sind wieder derartig gut gelaunt und spielfreudig, daß sie mir langsam unheimlich werden.

Stücke aus „Watershed” und „Ghost Reveries” funktionieren perfekt nebeneinander

und ich will mehr, mehr, mehr !!! So geht dieser intensive Gig viel zu schnell vorbei.

Die lauthals geforderte Zugabe des Publikums wird leider nicht erfüllt. Sehr schade.

OPETH

 

Dream Theater

Die lange Umbaupause lies es ahnen. Unexpect sehen wir heute wohl nicht mehr.
Dann fällt der Vorhang und die Bühne wird dermaßen weit, daß ich fast erschrocken bin.
Da geht ein imposantes Feuerwerk von Lichtspiel ab, da werden Leinwände aufgefahren.

Das ist vom ALLERFEINSTEN ! So habe ich Dream Theater noch nie gesehen.

 

War der Sound von Opeth schon gut, so legen Dream Theater noch einmal eine ganze Schippe drauf.

Das bläst einem richtig ins progressive Herz. Nur der Bass könnte etwas mehr vertragen.

John Myung sieht man fast nur spielen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt was die Qualität der nächsten 90 Minuten angeht.

 

Eigentlich begreift man Dream Theater nur ansatzweise wenn man sie „live” sieht. Das ist nicht von dieser Welt. Egal welche Abteilung man aus der Band herausnimmt - besser geht es nicht - Punkt.


Und hier möchte ich einmal eine Lanze für James LaBrie brechen. Es kann schon sein das dem ein oder anderen seine Stimmlage nicht zusagt. Aber niemals ist dieser Mann ein schlechter Sänger !

Der ist so gut bei Stimme, trifft jeden Ton, absolute Weltklasse. Und eigentlich ist er ein armes Schwein, weil er neben diesen Musikern bestehen muss - und es mit Bravour tut.

An dieser Stelle mal ein ganz großes Dankeschön an James LaBrie. Tolle Leistung.


Mit „A Nightmare to Remember” eröffnen DT den Abend und das neue Album nimmt dann auch folgerichtig einen Großteil des ersten Parts ein. Bis auf „Whiter” bin ich mit der Zusammenstellung auch sehr glücklich und genieße einfach mit all meinen Sinnen.


Jordan Rudess
spielt simultan zu einem Alter Ego in Zeichentrickform, welcher gelegentlich mit einem versenkbaren Monitor zu ihm aufsteigt.

John Myung bearbeitet seinen Bass derart, daß ich mich wieder frage, wie viele Finger besitzt dieser Mann?
John Petrucci, ein Gitarrist nicht von dieser Welt. Und neben all der Technik mit soviel Gefühl beim Spiel.  Sein Pendant dazu sitzt hinter ihm am Schlagzeug.

Was Mike Portnoy hinter seiner Schießbude abzieht (neben Faxen machen und Gesang) ist so etwas von abartig, daß man manchmal gar nicht glauben möchte, hier trommelt einer allein.

Doch trotz aller technischen Spielerei, trotz Licht und Leinwand: es ist immer noch die Musik,

die Dream Theater so einmalig machen.


Dann ist der erste Teil auch schon vorbei. Unter frenetischem Jubel steigt die Band in den Zugabenteil ein. Ich vermisse ein paar ältere Stücke, aber bei diesem Angebot an „Ware” kann man es nicht jedem recht machen. Dann ist der erste Zugabenblock vorbei und ..... es ist zu Ende.


Ich stehe da, wie ein Kind zu Weihnachten, welchem man gerade das Geschenk wieder entrissen hat.

Ich kann es immer noch nicht glauben, daß die Zeit an diesem Abend dermaßen verflogen ist.

Trotzdem bin ich heute noch ob der verweigerten zweiten Zugabe bockig !

DREAM THEATER

Fazit
Eigentlich ein toller Abend. Aber alles irgendwie zu wenig.
Eine Band verpaßt (Unexpect spielten während des Einlasses),

eine mit beschissenem Sound. Progressive Nation passt da als Titel nicht ganz.
Zwei mit zu wenig Spielzeit. Ich bin glücklich - unglücklich. Würde ich wieder gehen ?
Definitiv - Ja !

 

 

Was noch zu sagen wäre...

Liebe Security.
Der allgemeine Musikliebhaber härterer Gangart ist nicht permanent gewaltbereit. Das nicht gerade freundliche und teilweise absonderliche Abtasten im Intimbereich (beim gleichzeitigen Vergessen der Kontrolle der Hosenbeine) fördert NICHT !!! das Zwischenmenschliche. Ein freundliches „Guten Abend” kann man erwidern. Schaut Euch mal beim RockHardFestival um. Wir sind Kunden, keine Feinde.

Lieber Veranstalter.
Der allgemeine Musikliebhaber härterer Gangart spaziert bei tiefherbstlichen Temperaturen nicht barfuß mit T-Shirt auf ein Konzert, um sich sinnlos zu betrinken. Zwei bewegliche Bierfässer eingespart und dafür eine Garderobe eingerichtet, hätten dem Bierkonsum nicht so sehr geschadet und eventuell eine neue Einnahmequelle erschlossen.

Lieber Schreiberling der Stuttgarter Zeitung.
Du hattest eine halbe Seite um über diesen Abend zu berichten. Du hast es geschafft, ein Drittel davon mit einem Foto vollzupflastern. Du hast es wunderbar geschafft über die neue Arena in Ludwigsburg zu schreiben. Ach, bevor ich es vergesse, irgendwo in Deinem Artikel stand dann auch etwas über die Musik des Abend´s. Und das war totale Grütze.
Such Dir einen neuen Job !

 

                                                                                                                     DARKEN HARTMUT