NIGHT OF THE PROG 2009

Freitag, 10. Juli 2009

Endlich, endlich Freitag. Die Taschen sind gepackt. Alle und alles ist / sind organisiert,
die Vorfreude am oberen Anschlag. Nur der Wetterbericht bereitet etwas Sorge.

60 - 80 % angesagte Regenwahrscheinlichkeit für den ersten Tag lassen auf ein feuchtes Vergnügen „hoffen”. Dafür soll der Samstag trocken und sonnig werden.


Eine Stunde früher als erhofft starten wir von Stuttgart 'gen musikalischer Glückseeligkeit ?
Die “Darkentomer” haben irgendwie ein urlaubsplantechnisches Blackout (Spanien) gehabt und so sind wir diesmal mit einer Rumpfmannschaft auf der Loreley. Dafür ist Sohnemann dabei und alles spricht für ein schönes Familienwochenende.


Bis auf die Baustelle, die uns zielsicher an der geplanten Ausfahrt vorbei führt (danke ihr Noobs von der Baustellenplanung - ein einziges Hinweisschild hätte genügt), verläuft die Hinfahrt ohne große Hindernisse.

Familie Zimmermann empfängt uns wie immer sehr herzlich. Noch ein Festival und der Antrag auf Adoption wird eingereicht. Sachen auf´s Zimmer, kurz frisch machen und schon sind wir auf unserem knapp einstündigen Marsch Richtung Loreley, natürlich viel zu früh. Aber bei dieser Landschaft, wir huldigen demütig der Dame auf dem Felsen, vergeht eine Stunde wie im Flug.

16 Uhr
Ticket gegen Bändchen tauschen, Gesichtskontrolle überstehen, Platz suchen.
Das gewohnte, in Fleisch und Blut übergegangene Ritual ist schnell vollzogen.
Leider fügt sich der Technikbau optisch störend in das Halbrund. Der Veranstalter wird seine Gründe gehabt haben. Für das nächste Jahr bevorzuge ich die „alte” Variante.

Wir gönnen uns eine Erfrischung und dann kann es eigentlich schon losgehen.

Also Eden
Die charmante Nathalie (Mrs. Pointer) übernimmt für beide Tage die Ansagen. Da wir inmitten eines internationalen Publikums sitzen, ist dies nicht die schlechteste Idee.
Also Eden kenne ich bis dato überhaupt nicht. Bewußt habe ich mich vor dem Festival nicht mit den mir unbekannten Bands befasst. So haben wir prompt die erste positive Überraschung. Das ist richtig feiner Neoprog. Tolle Stimme, umrahmt von einer wirklich stark aufspielenden Band. Die nehmen das Publikum Stück für Stück für sich ein. Das ist kein „Trallala”, sondern hat richtig Tiefgang. Ein sehr starker Opener, der mehr als nur Höflichkeitsapplaus bekommt und sich seine Zugabe wirklich verdient. Stark!

Arena
Vier Jahre Pause sind eine lange Zeit, für einen Arena-Fan eine gefühlte Unendlichkeit.

Potenziert das mal 3 und ihr habt Familie Kirchner. Und natürlich stehen wir mit ganz vorne.
Können sie es noch ? Ja, und wie ! Man spielt Stücke aus allen Bandphasen, und es ist einfach ein Hochgefühl, wenn ringsherum jede Textzeile mitgesungen wird. Die haben wieder richtig Bock auf einander. Zwischendurch gibt es als Tribut an Michael J. ein taffes „Billy Jean”. „Choosen” habe ich live noch nie so „mächtig” gehört und in diesem Moment spüre ich einen tiefen Seufzer aus Richtung Spanien ("...in Deinem Alter? Beachtlich, beachtlich ..." - DARKEN TOM). Als ich das erste Mal erschöpft und glücklich an meinen Platz komme, sehe ich enttäuschte Gesichter die mit dem Gig nicht so ganz zufrieden sind. Der Sound muss wohl ziemlich dünn angekommen sein und Rob Sowden liegt wohl auch nicht jedem. Natürlich werfe ich mich für die Band ins Feuer- der Anfang von 2 tollen Tagen mit Herbert, Regina und den netten Bekannten aus dem Hessischen.

Agents of Mercy
Roine Stolt´s neuestes Projekt, ursprünglich mal als Instrumentalalbum geplant, scheint sich schnell verselbstständigt zu haben. Das Ganze hat einen Touch der frühen 70-iger Jahre, ist dann auch gelegentlich entsprechend sperrig (liegt mir wie erwartet nicht ganz so, bin aber begeistert von der Instrumentierung und dem sehr guten Gesang). Das fachkundige Publikum feiert die Band auch entsprechend ab und wir sagen artig danke für eine qualitative Lehrstunde in Sachen Prog.

Riverside
Was lange währt, wird endlich live. Da habe ich brav die letzten 3 Alben im Wohnzimmer abgefeiert und die Herren noch nicht vor meiner Haustür gesehen. Über die Optik muss ich dann leicht schmunzeln. Da stehen links auf der Bühne 2 bulligere Glatzköpfe in roten/rot-weißen Shirts (Schlagzeug, Gitarre) und rechts 2 dünne langhaarige ganz in dunkel gekleidete Herren. Das ist natürlich absolute Nebensache, aber eigentlich auch der Kontrast, der der Musik von Riverside innewohnt und die mich immer wieder begeistert. Dieses Raue und doch Zerbrechliche, diese Melange transportiert die Band mühelos auf die Bühne und begeistert mich von der ersten Note an. Glatzkopf Nummer 3 (ich) läßt dann auch ordentlich die Rübe kreisen. Dieser härtere Farbtupfer steht, wie Pain of Salvation im letzten Jahr, dem Festival sehr gut zu Gesicht. Bisher ein absolut perfekter Festivaltag. So stark hatte ich es in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.

 

Gazpacho
Letztes Jahr für mich die große Überraschung, dazu ein neues phantastisches Album am Start.

Klasse Tour im Frühjahr. Doch reicht das für einen Auftritt als Headliner? Funktioniert das Ganze auch vor einem großen Publikum zu dieser Uhrzeit?


Die lustigen und äußerst sympatischen Fans aus Norwegen vor uns sind schon den ganzen Tag in Vorfreude, und auch in mir gärt eine gewisse Nervosität. Irgendwie wünsche ich mir noch 3 Daumen die ich für die Band drücken kann. Und es funktioniert !


Wie erwartet spielt man „Tick Tock” fast komplett am Stück. Bei „Desert Flight” hat man noch mit ein paar Problemen zu kämpfen. Der Sound ist dünn und Jan Hendrik's Stimme klingt irgendwie gepresst. Ab „The Walk” wird aber die pure Gazpacho-Magie entfacht. Was in den nächsten 2 Stunden musikalisch und optisch umgesetzt wird ist dann einfach nur ganz große Klasse. „Dream of Stone” kommt in dieser Kulisse so mystisch-hypnotisch, dass selbst Loreley heute auf ihrem Felsen schweigt.

 

Ziemlich genial die Bilder auf der Videowand.  (wäre schön wenn es die irgendwo als Poster gäbe)
Am nächsten Morgen sind Gazpacho auch noch großes Thema. Da wird geschwärmt und man sieht auffällig viele Bandshirts. Danke Jungs, ein ganz großer Abschluss eines perfekten Tages.

GAZPACHO

>Kleine demutsvolle Wortmeldung:

 

An mehreren Stellen klingt es wohl durch - wir hatten uns planungstechnisch mit unserem Urlaub verspekuliert, so dass wir erst wieder am 12. Juli in die Heimat flogen.

 

Besucht hatten wir unseren Dunklen Bruder, den DARKEN ROLF auf seiner erwählten Insel GRAN CANARIA.

 

Glaubt mir - täglich tat ich Buße, senkte reuevoll mein Haupt, nicht dabei sein zu können war grauenhaft, und es wurde mit jedem Tag schlimmer.

 

Am 10. Juli habe ich dann mit Rolf einen "Männerabend" durchgeführt. Immer dabei war der Gedanke ans Festival - "Jetzt ist es bestimmt schon losgegangen ...", "Wer wohl gerade spielt...", usw.

Wir waren am Strand, auf einem Vulkan-Krater und um 21.30 Uhr fuhren wir zurück nach Telde, um dort noch einen kleinen Billard-Abend einschieben zu können.

 

Auf der Fahrt hörten wir dann auch standesgemäß GAZPACHO's "TICK TOCK" Album.

Zwei alte Kumpels driften und cruisen durch eine laue Nacht mit weitem Himmel und voller Sterne.

Es war bewegend und es war grausam zugleich.

 

Doch auch wir hatten unseren Spass - in der alten spanischen Location gab es gegen 23.00 Uhr sogar noch Live-Musik, es war JAZZ-Fest auf Gran Canaria. Grauenhaft - Grauenhaft ...

 

Doch danach wurde die Nacht mit Hilfe von Jose und Leonardo ein voller Erfolg.

Billard - Wein - Cuba Libre, die Zeit wurde nebensächlich, und als wir so gegen 04.00 Uhr nach Hause wankten, waren auch wir emotional berührt.

Ein Abend, der in unsere Geschichte eingehen wird ... DANKE nach Gran Canaria.

 

Wie Ihr seht - WIR HATTEN AUCH SPASS

(... und trotzdem hätte ich dieses Festival gerne gesehen, verdammt noch mal, BUÄÄÄHH

... Gruß an MARINA)

                                                                                                                         DARKEN TOM<

 

 

Samstag, 11. Juli 2009

Etwas erschlagen quälen wir uns aus unseren Betten und genießen ein schönes Frühstück.

Zwar hatte ich heute morgen (gestern Nacht? - die Zeit verschwimmt mal wieder) auf dem Heimweg etwas von ausschlafen und in Ruhe loslaufen gesagt (angeblich), trotzdem drängelt es schon wieder in mir.


Früher als von mir erwartet (Motivation durch Entsetzen), starten wir unseren 5 Kilometer Fußmarsch. Irgendwie sind wir gut zu Fuß, das muss wohl am fantastischen Wetter liegen.

(und nicht an den neuen Laufschuhen Bettina !)


So nach und nach treffen unsere ganzen Bekanntschaften vom Vortag ein. Da wird natürlich erst einmal der gestrige Tag noch einmal zelebriert und ausdiskutiert.


Die erste kleine Hiobsbotschaft erreicht uns dann auch. Pure Reason Revolution müssen wegen Erkrankung absagen. Was mich erst ein wenig traurig stimmt, wird sich im Laufe des Tages als ein richtiger Glückstreffer erweisen.

Subsignal
Die Nachfolger von Sieges Even haben die schwere Aufgabe den Tag zu eröffnen. Das Rund ist natürlich noch nicht ganz gefüllt, aber die Jungs legen mit soviel Spielfreude und Engagement los, dass die Müdigkeit des Vortages minütlich schwindet. Arno Menses ist ein cooler Fronter. Mit seinen netten Ansagen und dem Dauergrinsen gewinnt er schnell das Publikum für sich. Dazu noch diese innovative  Mucke, angelegt zwischen kräftigem ProgRock und Melancholie. Das ist wirklich großes Kino am frühen Morgen.
Durch den Ausfall von Pure Reason Revolution bekommt die Band mehr Spielzeit und wir genießen einfach die Show. Regina bringt es auf den Punkt - Die können laut, leise, schnell und langsam und immer klingt es gut - Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

The Pineapple Thief
Warum diese Band bisher völlig an mir vorbei gegangen ist, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Schon nach den ersten Klängen treibt es mich nach vorne an die Bühne. Das sind abwechslungsreiche und spannende Songs, die live sehr druckvoll herüberkommen. Hier knallt es auch mal heavy, aber immer mit sehr schönen Melodien.
Man spürt zu keiner Sekunde, dass die Band mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Angefangen vom Wind, der Notenblätter wegbläst, über ein Gizmo welches seinen Geist aufgibt, bis hin zum Kabel, welches ein gewisses Eigenleben in Form einer Schlange entwickelt. Nach der grandiosen Zugabe bin ich sehr schnell am Merchandise und damit glücklicher Besitzer von „Tighly Unwound” welches ich uneingeschränkt empfehlen kann.
Die Ananasdiebe haben an diesem Tag mein Herz gestohlen, geiler Gig.

Lazuli
Es hat schon eine gewisse Ironie, dass Franzosen auf einem deutschen Festival als einzige Band Ansagen in unserer Muttersprache machen. Der Sänger tut dies so charmant, dass man sofort positiv eingenommen ist (interessant, auch einmal den Hintergrund zu dem ein oder anderen Titel zu erfahren). Da geht der Daumen steil nach oben. Die Jungs sind optisch schon der Hingucker überhaupt, dazu kommt eine ungewöhnliche Mischung von Instrumenten.
Eigentlich weiß ich gar nicht, wie ich die Musik beschreiben soll. Die ist in erster Linie einmal sehr anspruchsvoll und fordert den Hörer. Diese Mischung aus unterschiedlichsten Musikstilen ist sehr, sehr interessant und fesselt ungemein. Das ist dann zuweilen auch mal schwer eingängig, mal fröhlich beschwingt oder auch tragend (aber nie langweilig). Das Publikum dankt mit tosendem Beifall und Rufen nach Zugaben. Als der Sechser dann (gemeinsam) Xylophon spielt, ist das einer der großen Momente die eigentlich nur die Loreley hervorbringt. Merci beaucoup, Monsieurs !

Pendragon
Pendragonkonzerte sind entweder so lala oder großartig. Heute jedoch ist die Band gigantisch.

Was Nick Barret und seine Jungs hier abliefern, ist Spielfreude in Rheinkultur (kleines Wortspiel).

Das neue Album „Pure” ist live der Hammer, „Indigo” und  „Freakshow” die absoluten Kracher.
Ist es der neue Drummer, der den Jungs neues Leben eingehaucht hat? Der geht hinter seiner Schießbude dermaßen ab, daß das Tier in der Muppetshow vor Freude weinen würde. Überhaupt legt die Band eine Spielfreudigkeit und Leichtigkeit an den Tag, die einfach nur ansteckt. Das ist eine echte Energieleistung, die das ganze Rund begeistert.
Ich habe Pendragon noch nie so gut gesehen. Um es mit dem letzten Titel zu sagen:
„We are a Band of Brothers.... It´s only me It´s only me...”

Nach der Show fragt mich mein Sohn:
„Wo sind Tom und Uli hingefahren?”  (Pendragonfans)
Ich: „In ein Dritteweltland.”
Er : „Und wohin genau?”
Ich: „Nach Spanien.”
Er : „Das ist aber kein Dritteweltland.”
Ich: „Doch, jetzt schon !”

Steve Hacket & Band
Der Großmeister scheint ein Komiker zu sein. Den ersten Titel würde ich unter progressives Instrumente stimmen und Einspielen für Fortgeschrittene zählen.
Bin ich hier auf einem Jazzfestival? Völlig verschreckt begebe ich mich in Richtung Verpflegung und gönne mir mit meiner Frau einen schönen Kaffee.
Als der Radau vorbei ist, gibt es Beifall und eine Bekannte die uns entgegenkommt, meint empört:
„Jetzt klatschen die auch noch alle - da spielt der doch nur so ein Zeug!”
Tut er nicht, die nächsten 2 Stunden sind ein absoluter Tribut an die Musik. Ich kenne keinen Gitarristen, der so gefühlvoll an der Gitarre arbeitet. Und dazu diese Band! Was für grandiose Musiker.

Das ist große Kunst. Hier wird eine ganz feine Klinge geschlagen. 
Da braucht es keine Posen, da spricht die Musik für sich. Ein ganz großer Moment.

Marillions Script for a Jester´s Tear Show
Jetzt wird es schwierig für mich. Als junger Mensch war es immer mein Traum, Marillion einmal live zu sehen. Natürlich habe ich das nach der Wende nachgeholt. Aber eben nie die Mutter aller Marillionalben. Entsprechend aufgewühlt bin ich also schon vor der Show und hole mir sicherheitshalber noch ein Bier.


Und dann beginnt für mich der Flug der Gefühle. Ich kenne jede Note, jeden Takt. Nur mit Mühe kann ich Tränen zurückhalten (danke Honecker - DU ARSCH !) und dann will ich einfach nur noch mitsingen und feiern. Schön zu sehen, wie mein Sohn neben mir steil geht. Noch schöner zu sehen, wie die Jungs auf der Bühne Spaß haben. Das sind Fans mit Gründervater und die leben „ihre” Musik.


Es scheint, als würde diese Bühne sehr weit werden, sich Zeit und Raum ausdehnen, das Rund

im Takt atmen. Ein Sternenhimmel und ein neugieriger Mond sind zu Gast.

Tausende Stimmen sind „Market Square Heroes” und in jedem von uns wohnt heute ein Jester.

EIN ECHO AUS VERGANGENER ZEIT ... MIKE POINTER'S MARILLION

Nachtrag
Viel zu schnell sind diese 2 Tage wieder verflogen.

Der Alltag hat uns wieder. Selbst nach einer Woche reden wir noch begeistert über dieses Festival. Schade, dass so wenige Besucher dieses Event besucht haben.

Wir sind in Vorfreude auf 2010, in nicht ganz so rosigen Zeiten ein strahlender Lichtblick.

 

                                                                                                                DARKEN HARTMUT