DREAM THEATER

 

 

                               Metropolis Pt. II - Scenes from a memory 1999

 

 

Die Gefahr, dass einem eine gute Beziehung aus dem Ruder läuft - dass man im Laufe der Zeit die Bezugspunkte verliert - Sie lauert immer im Hintergrund.
Schleichend oft ist dieser Prozess - in den Tiefen verändert er die Dinge, unbewusst und unerkannt.

Gerade erst hat man jemanden kennen gelernt, das erste Kribbeln beginnt.
Und dann explodiert diese unbeschreibliche Macht in Einem, die Sinne verändern sich, wir nehmen wahr mit all unserem Sein. Ohne Gegenwehr - entwaffnet.

Die Abgründe des Alltags sind vergessen, leuchtende Wege tuen sich auf, führen uns in bisher unbekanntes Gebiet. Wir fühlen uns der Welt, ja der Existenz selbst überlegen - wer kann uns schon stoppen.

Doch dann prüft die Zeit selbst unser Geflecht, zupft hier und da einzelne Fäden aus unserem Gespinst, lockert und entwirrt. Man entdeckt neue, bisher unbekannte Wesenszüge am Anderen,

man ist nicht mehr immer einer Meinung, und urplötzlich steht er im Raum - DER ZWEIFEL.
Er verändert die Dinge, nagt an der eigenen Überzeugung und verführt uns zur Dunkelheit.

Immer wieder gibt es aber auch die lichten Momente, in denen wir an die Wiederkehr der reinen Gefühle glauben möchten, bevor dann der Tiefpunkt einen ereilt - plötzlich, schonungslos, unerbittlich.

So verändert sich die Beziehung - ist sie noch erstrebenswert?
Ist es nicht besser loszulassen - uns neu zu orientieren?
Doch irgendetwas hindert uns - Reste der einstigen Pracht, welche wir gesehen haben?
Dieses Bild, inzwischen in weiter Ferne, ist es, welches wir begehren, wieder haben wollen.
Doch lohnt es den Aufwand? Lohnt der Kampf - die Arbeit daran?


Die Entscheidung darüber muss jeder für sich selbst treffen, und ja, eine Beziehung geht immer von beiden Seiten aus, doch lest selbst.
Wie sich alles fast von alleine zusammenfügte, das überwältigende Element wieder hervorkam, und mit sich brachte einen Glanz und eine Pracht, wie ich sie bis dato (musikalisch), fast noch nie erlebt hatte.

Dieses KRIBBELN verspürt habe ich 1989 bei - WHEN DREAM AND DAY UNITE
Und HINGEGEBEN habe ich mich dieser neuen Welt 1992 mit - IMAGES AND WORDS
Die VERÄNDERUNGEN, neue WESENSZÜGE waren zu erkennen 1994 mit - AWAKE
Die HOFFNUNG machte sich breit 1995 mit - A CHANGE OF SEASON
Der ZWEIFEL hätte mich fast überwältigt 1997 mit - FALLING INTO INFINITY

Und so war es das Jahr 1999, das das Schicksal meiner Beziehung zur Band prüfte, aber auch Prüfung und Schicksal für die Band selbst war. Taucht mit mir gemeinsam hinab, in eine Zeit der Befreiung, des neu definierten Anspruchs, der Muse und der ENTSCHEIDUNG.

Dream Theater 1999

 

 

Geschichte
1985 machten sich ein paar Musikstudenten daran hinauszutreten, aus der Phase des Lernens -

hin zur Phase des Weitergebens.
Ihre Namen waren John Petrucci (Gitarre), Mike Portnoy (Schlagzeug) und John Myung (Bass).

 

Alle drei stammen aus dem Raum New York und besuchten das Berklee College Of Music, ein angesehenes und unabhängiges College in Boston. In Zeiten, in den sich die Musik-Colleges auf das Vermitteln von klassischen Inhalten versteiften, öffnete sich das Berklee College den Inhalten von Jazz und Rock. Die Kunst des Komponierens, der Technik, der Produktion, sowie des Managements sind hier Grundbausteine der Ausbildung.
Illustre Namen, wie Al Di Meola, Steve Vai, Melissa Etheridge, Jan Hammer, Pat Matheny, Howard Shore oder Quincy Jones waren hier Gast.

Doch bereits der Weg zur Namensfindung gestaltet sich schwierig. Ergänzt durch Kevin Moore (Keyboards) und Chris Collins (Sänger) war die Bandfindung eigentlich beendet.
Unter dem Namen MAJESTY sollte die Welt erobert werden - ein Demo war eingespielt, doch es stellte sich schnell heraus, dass dieser Namen schon vergeben war.
So benannte man sich in Dream Theater um. Dieser Name entstand aus dem Vorschlag von Mike Portnoys Vater heraus. Es gab ein Kino mit gleichem Namen, von dem er sich inspirieren ließ.

Nun endlich in den Startlöchern zeigte sich immer stärker die Unzuverlässigkeit von Chris, so dass man sich von ihm trennte und Charlie Dominici anheuerte.
In dieser Besetzung nimmt man das Debut - WHEN DREAM AND DAY UNITE auf.
Die Verkaufszahlen halten sich jedoch in überschaubaren Grenzen, sodass man den gerade erst erworbenen Plattendeal schnell wieder los wird.
Als auch noch der gerade erst gefundene Sänger die Band verlässt, stehen die Jungs bereits vor einer ernsten Zerreissprobe.

Doch beeindruckender und künstlerischer, als es Dream Theater mit ihrem zweiten Album

IMAGES AND WORDS schaffen, kann man sich wohl nicht über solch eine Krise hinwegsetzen.
Mit James LaBrie wird nach langer Sängersuche der Sänger von Winter Rose verpflichtet.

Zuvor hatte man viele bekannte Namen (darunter auch Ray Alder von Fates Warning) angetestet.
LaBrie hat eine Ausbildung zum Opernsänger und ein umfangreicheres Tonvolumen als sein Vorgänger.

Die neuen Stücke sind komplex und doch nachvollziehbar, druckvoll produziert und stets hochmelodisch. Dabei finden so viele technische Kabinettstückchen statt, und doch tragen alle Songs wahre Ohrwurm-Refrains in sich.
Mit "Pull me under" schafft man gar einen Clubhit. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Europa Tour des Quintetts nahezu ausverkauft ist.
Das Album erreicht Gold Status und erreicht die TOP TEN der US-Billboard-Charts - es werden über 600.000 CD's verkauft. Der Durchbruch ist nach gerade einmal 2 Alben geschafft.
Die Jungs werden als Erneuerer der Musikszene anerkannt und im Progressiven Metal Bereich als Götter verehrt, zu einzigartig scheint ihr Können.

Als 1994 dann AWAKE das Licht der Welt erblickt, sehen wir eine runderneuerte Band, der Sound ist moderner geworden und härter.
Auch gibt es keinen Song, der sich als Single Auskoppelung eignet - die Folge, in den USA bricht der Markt ein - nur noch ca. 200.000 Einheiten werden abgesetzt.
Weltweit ist der Status der Band jedoch ungebrochen und doch geraten sie erneut unter Druck.
Dann verlässt auch noch Kevin Moore die Band (er gründet sein Projekt Chroma Key), um sich musikalisch zu verändern.
Als Nachfolger wird Derek Sherinian engagiert, der bereits Erfahrungen bei Alice Cooper und Kiss sammelte.

Man spielt zusammen eine EP ein: A CHANGE OF SEASONS, deren Grundstruktur noch aus Majesty Zeiten stammt. Ein 23 Minuten andauerndes Progressiv Meisterwerk.

Doch dann entscheidet (wird entschieden) man sich ein Album einzuspielen, welches die Fangemeinde spalten wird. 1997 erscheint FALLING INTO INFINITY - ein kommerzielleres Werk, ohne rechte Ecken und Kanten, ohne die bekannten Überraschungsmomente.
Von der Plattenfirma unter Druck gesetzt und mit einem Produzenten versehen - Kevin Shirley

(u.a. tätig für Bon Jovi und Aerosmith), welcher zwar namhaft, jedoch auch klar falsch für die Band ist, entsteht ihr für mich schwächstes Werk. Kompromisse müssen eingegangen werden.

Die millionenschwere Industrie gewinnt - Songs werden gekürzt und ein Longtrack, der als Nachfolger von Metropolis Part I geplant war, wird gestrichen.
So wird aus der veranschlagten Doppel-CD eine einfache, die für kontroverse Diskussionen sorgt und die Fanlager spaltet.

So sieht es nicht sonderlich gut aus für die Zukunft der Band - die Ideale wurden verkauft,

die Ideen auf Sparflamme zurückgeführt. Die Jungs besinnen sich und verändern sich erneut.

Mitgebracht von einem Side-Projekt, wird Jordan Rudess in der Band installiert.
Sein Stil ist fast gitarrenorientiert - er spielt viele Feinheiten, hat kompositorische Ideen.

Derek Sherinian muss die Band verlassen.


Dream Theater sorgen in Diskussionen mit ihrer Plattenfirma für absolute künstlerische Freiheit für ihre neuen Kompositionen. Ideen aller ihrer Phasen werden gebündelt, verwoben mit Neuerungen im Textkonzept und man geht gemeinsam weiter als je zuvor.

So ist der Raum gegeben für ein Progressives Jahrhundertwerk -

 

METROPOLIS PT II - SCENES FROM A MEMORY

Tracklist
1.     Regression  2:07
2.     Overture 1928     3:38
3.     Strange Deja Vu  5:12
4.     Through My Words  1:02
5.     Fatal Tragedy     6:49
6.     Beyond this Life  11:23
7.     Through her Eyes  5:29
8.     Home  12:53
9.     The Dance of Eternity  6:14
10.    One Last Time     3:47
11.    The Spirit Carries On  6:38
12.    Finally Free  12:00
              Gesamtlaufzeit    77:06

Wissenswertes

Einordnung
Technischer Progressiv Metal

Tendenzen
DT spielen technisch auf höchstem Niveau, oft mit langen Instrumental Passagen,
der Sänger singt recht hoch, hat ansonsten aber eine weiche Stimme,
die Musik ist oft schnell und hart, gleichzeitig hochmelodisch

Anspiel-Tipps
ALLES - Konzeptalbum
   
Label   
Eastwest Records

Besetzung
Mike Portnoy         Drums
John Petrucci         Gitarre
John Myung           Bass
James LaBrie         Vocals
Jordan Rudess       Keyboards

Gäste
Theresa Thomason  Vocals bei "Through her eyes" und "The spirit carries on"
Gospel Choir           bei "The spirit carries on"

Eindruck
Dream Theater entwickeln für diese CD ein durchgehendes Textkonzept, dem sich dann die Musik unter- bzw. zuordnet. Sich optimal ergänzend - auf einander abgestimmt.
Aufgebaut in 2 Akten, die aus insgesamt 9 Szenen bestehen,

wirkt das Ganze wie ein fiktives Theaterstück - DREAM THEATER.

Das Konzept stammt von Mike Portnoy und John Petrucci, angelehnt an einen Film von 1991               Schatten der Vergangenheit.
Von Ihnen stammen bis auf zwei Ausnahmen auch alle Texte. Die Musik wird gemeinschaftlich erarbeitet - jedoch ohne den Sänger James LaBrie.

Schon die Anspielungen auf Metropolis Pt I (von Images And Words) sind grandios, Untertitel damals - The Miracle and The Sleeper.

Die Protagonisten
Nicolas - Victoria Page - Der Hypnosetherapeut (The Hypnotherapist) - Julian (The Sleeper) - Edward (The Miracle)

Die Handlung
Sie findet statt in Gegenwart und Vergangenheit.
Erzählt wird die Geschichte von Nicolas - ein Mann gequält von immer wiederkehrenden Träumen und Visionen. Um sich dieser Träume bewusst zu werden und um Hilfe zu erlangen wendet sich Nicolas an einen Hypnosetherapeuten. Bei der zu Grunde liegenden Sitzung erfährt Nicolas in Trance, dass die Seele einer jungen Frau in Ihm wiedergeboren wurde.


Nun werden wir hinabgesogen in die lange vergangene Welt eben jener jungen Frau - Victoria Page.
Sie ist mit Julian Baynes liiert. Doch auf Grund dessen Spiel- und Alkoholsucht trennt Sie sich von Ihm. Ihr Tröster in der Not ist dessen Bruder Senator Edward Baynes.

Man erfährt von der immer noch vorhandenen Liebe Victorias zu Julian.
Ein geheimes Treffen wird arrangiert, bei dem allerdings beide Protagonisten von Julians Bruder überrascht und getötet werden - an einem Freitag im Jahre 1928.
Er schafft es die Tat als Liebesmord von Julian an Victoria aussehen zu lassen. Daraufhin hätte Julian Selbstmord begangen. Er selbst wäre nur am Tatort angekommen, nachdem er das Geschrei gehört habe und musste hilflos zusehen. Man glaubt ihm und die Tat bleibt ungestraft.

Von der Geschichte überwältigt fährt Nicolas nach der Sitzung nach Hause. Betrübt und traurig wegen Victorias Ermordung - aber glücklich darüber, dass Ihre Seele wiedergeboren wurde.

Zu Hause angekommen wird Nicolas von seinem Therapeuten überrascht, welcher Ihn mit den Worten "Open your eyes" überrascht. Dies waren auch die letzten Worte in seiner Traum-Geschichte mit der Edward den Mord an Victoria verübte. Ist nicht nur die Seele Victorias in Ihm, sondern auch die Seele Edwards in seinem Therapeuten wiedergeboren?

So endet diese letzte Szene, die ein Werk vollendet, welches in seiner musikalischen Ausdruckskraft, seiner Weite, seiner technischen Feinheiten immer noch unerreicht für mich bleibt.

Der Worte sind genug gewechselt - machen wir uns auf zu der Stadt, die immer wieder für Mythen und Legenden Pate stand - das magische METROPOLIS.

Die Musik
Act I:
Szene 1:

"Close your eyes and begin to relax ..."
- dies sind die ersten Worte, die man vernimmt -

begleitet vom Ticken einer Uhr. Beruhigende Worte, Geborgenheit.
Ein junger Mann begibt sich durch die Anleitung eines Hypnotiseurs in Trance.
Eine Akustik Gitarre erklingt - LaBrie singt entspannt von einem Traum, nur begleitet von der Gitarre und ein paar wenigen Keyboard Untermalungen.

Szene 2:
Die "Overture 1928" erklingt, die Band setzt ein, sphärische Synthie-Sounds, Keyboard Bombast paart sich mit hochmelodischen Gitarrenharmonien und bereits jetzt vorhandenen komplexen Strukturen und Läufen.
Dies beinhaltet Momente und Themen aus dem 7 Jahre alten Metropolis Part I, welche hier aufgegriffen werden, weitertransportiert werden, sich neu entfalten.


Der Gesang LaBries bleibt weich und behaglich, nicht übertrieben hoch, was ihm früher als Kritik entgegengebracht wurde. Dies mit dem eingebrachten Bombast von Jordan Rudes sind die wesentlichen Neuerungen dieses Albums.


Das bereichert den Sound, erzeugt in Verbindung mit dem Power-Drumming, den pumpenden Bassläufen, der zwischen melodiösen Licks - hyperschnellen Solo Abfahrten, und aggressiven Riffs, sowie den überragenden technischen Fähigkeiten der Musiker ein so eigenständiges Fundament, wie es zu der Zeit (und wohl auch heute) keine weitere Band erschaffen hat.


Im zweiten Teil "Strange Deja-Vu" wird es härter und krachiger. Das Tempo wird angezogen, unterbrochen vom Metropolis Thema, welches auch in das Ende des Songs überleitet.
Ruhige Piano Klänge führen uns weiter.

Szene 3:
Es wird wieder gefühlvoller "Through my words" ist nur ein kurzes Zwischenspiel und geht nahtlos über in "Fatal tragedy".


Klavierklänge umschmeicheln den ruhigen Gesang.
Dann Dramatik im Wechsel mit hymnenhaften Elementen - Rhythmuswechsel und die erste Prog Abfahrt, harte Riffs, akzentuiertes Schlagzeug, bevor Petrucci das Tempo weiter anzieht und sich mit Rudess im Solo duelliert - meine Güte, welche Brillanz - was für Ausnahmekönner.
Selbst in der Rückschau - ich höre das Album gerade im Hintergrund - wer errreicht diese Kunst? UNFASSBAR.

Szene 4:
"Beyond this life" - beginnt noch härter als das bisher Gehörte.


Mächtige Powerchords - schnelles Schlagzeug, immer wieder unterbrochen von balladesken Momenten, psychedelischer Atmosphäre, bevor in der Mitte des Songs die Grundstruktur verändert wird - es wird gerockt, gefrickelt, gegroovt - hier ist Zeit auch einmal Myung hervorzuheben.


Was der Basser leistet wird wahrlich unterschätzt - schaut Euch Dream Theater live an und beobachtet Myung, unauffällig steht er auf seiner Seite, aber was er spielt!
So schnelle Finger habe ich selten gesehen - solche Bass Akkord Folgen - diese technische Feinheiten, wahrlich ein ganz Großer - der Kleine.


Und so groovt das Stück vor sich hin, immer wieder unterbrochen von musikalischen Feinheiten,

Soli - der Verbund aus Ausnahmetalenten zeigt einen Höhepunkt nach dem Anderen.
Und doch soll es erst der Anfang sein - Aufstieg zu jenen Höhen, die später noch folgen.
Der Song wird am Ende überführt ins Hauptthema des Songs, harmonisch leitet er uns weiter -  

die Akustikgitarre erklingt und dann ...

Szene 5:
... Theresa Thomason übernimmt mit Gospelgesang "Through her eyes".


Warme Keyboards, weiche Bassläufe, eine klare Gitarre erklingen. Ruhe kehrt ein.
LaBrie übernimmt die Fortführung, singt eine Strophe untermalt von Akustik-Passagen, bevor zum ersten Mal diese sensible, singende, in der Seele wiederhallende Sologitarre von Petrucci erklingt.


Hier habe ich all meine Liebe zu dieser Musik wiederentdeckt. Die Stimmung ist so unkitschig und doch ergreifend - sie packt Dich, lässt Dich nicht so schnell los.


Und so klingt dieser Song aus, der von der Trauerbewältigung Nicolas' handelt, bevor der nächste Act folgt, und damit ...

Act II:
Szene 6:
... "Home" - eine Sitar erklingt, Bass und Schlagzeug unterstützen diese orientalische Färbung des Songs. Dann explodierende, krachige Gitarren - treibendes Schlagzeug, weitere orientalische Einsprengsel. Hypnotischer Aufbau. Stampfender Rhythmus, dramatischer Gesang, Keyboards - Home, Home, Home.


LaBrie singt hier von der Beziehung der beiden Brüder zueinander und zu Victoria.
Der Song bleibt treibend, immer wieder durch die grandiosen Gesangsmelodien aufgelockert, bevor die Sitar in der Mitte des Songs wiederkehrt. Samples werden eingestreut, eine stöhnende Frau ist zu hören - und dann beginnt die nächste große Abfahrt der Frickelkünstler.


Rückführung in die Refrainstrukturen, die orientalische Grundmelodie wird aufgegriffen, die Sitar erklingt wieder und der Song leitet über zu einem der besten Instrumentals aller Zeiten

Szene 7:

"The Dance of Eternity" - ich weiss wirklich nicht, wie viele Bands dies reproduzieren könnten.
Der Wahnsinn greift um sich - immer neue Takt- und Rhythmuswechsel werfen einen direkt in eine geistige Hölle erster Güte. Vertracktheit, in wilder Ehe mit verspielten Keyboards (incl. Ragtime Solo). Verschiedenste Tempi (hört Euch die Bassabfahrt in der Mitte einmal genau an), ein Zusammenspiel der Extraklasse.


Dieser Song fordert, ob man je alle Feinheiten heraushören wird, sei zumindest in Frage gestellt.

Kurz bevor man sich ergeben muss ...


... haben wir "One last time" erreicht. Die Erlösung - eine Pianomelodie bringt uns BACK TO EARTH.


LaBrie singt hochmelodisch über die Erkenntnisse seines (Nicolas') Unterbewusstseins.
Das Lied bleibt eher ruhig und getragen, um dann wieder etwas Fahrt aufzunehmen, bevor wieder eine der Metropolis Hauptthemen auf dem Piano den Song beendet und überleitet ...

Szene 8:
... "The Spirit Carries On".
Was kann man hierzu objektiv schreiben?
Eine der besten Balladen aller Zeiten vielleicht? Herz-Schmerz auf allerhöchstem Niveau?

Musikalität par excellence?
Dazu eine leichte, relaxte Atmosphäre, und dann Petruccis hervorzuhebende Gitarrenarbeit.
Was dieser Mensch an verschiedensten Facetten aufbringt, welche tiefen Gefühle auf seinem Instrument er zu Vermitteln im Stande ist.


Wenn dann der Gospelchor einsetzt und LaBrie die Textzeile "Safe in the light that surrounds me ..." singt, glaubt man an Wahrheit, an Gerechtigkeit, daran das alles gut wird, es immer weitere Wege geben wird, Hoffnung und Zuversicht - man glaubt daran das es etwas, wie einen großen Plan gibt.
Erschöpft könnte man nun diese CD beschließen - doch hier zeigt sich die wahre Größe des Konzepts - der Band und deren Musik.

Szene 9:

"Finally Free".
Nicolas erwacht aus der Hypnose, fährt nach Hause.


Orchestral beginnt es - eine Pianomelodie begleitet die Auflösung des Mordes.
Der Song steigert sich, kumuliert in Text und Musik, wird intensiver, fordernder.
Glocken läuten - Schüsse fallen, Rückführung auf die reduzierte Melodie-Linie, diesmal vorgetragen durch Petruccis Akustik-Gitarre. Der Song steigert sich, wird wieder intensiver, um dann den Raum zu geben für Portnoy.


Hier zeigt er seine ganze Klasse - obwohl schon während der gesamten Spielzeit ein Former, wird er hier fast zum Solisten - spielt sich in Wirbel und Drumfolgen, prägt ungemein ...


... bis dass Nicolas zu Hause ankommt, man hört eine Autotür schlagen, Schritte, das Öffnen der Tür, einen Nachrichtensprecher im Radio, es wird ausgeschaltet. Nicolas gießt sich einen Drink ein, startet eine Schallplatte ... neue Schritte und die Worte "Open your eyes" fallen, ein kurzer Schrei ...

der Plattenarm kratzt über die Scheibe ... und nur noch das Krachen des Tonabnehmers steht im Raum.

Soweit eine rein subjektive Betrachtung, eines objektiv betrachtet -

wirklich herausragenden Werkes der Musikwelt.

 

Man kann sich über Text-Konzepte, über Konzeptalben, über die absolut einzigartigen technischen Fähigkeiten von Musikern sicherlich streiten.

Was ist Progressivität - wo fängt Kommerz und Anbiederung an?

Doch was bleibt sind Kompositionen jenseits der Norm - eine Kunst die seinesgleichen sucht.
Über 77 min. ohne Ausfall - nur hochwertige Melodiebögen, die sich im Kopf und Unterbewusstsein einbrennen, einen nicht mehr loslassen.


Ein Vortrag in absoluter Balance - zwischen Härte und Bombast, Melodie und Rhythmus, Inhalt und Anspruch, genialer Spieltechnik und Komposition.

 

FAZIT: Ich kann, auch heute, hier noch keine ernstzunehmende Konkurrenz erkennen.

            Zu Eigen das Geschaffene, zu dominant die Musikalität dieses Werkes.

            Zu hoch das Niveau Ihrer Kreativität.
            Große Gefühle und Spannung, ein Manifest für die EWIGKEIT.

 

Dream Theater im Netz

 

DARKEN TOM

 

Ein absolutes Jahrhundert-Album entlohnt die Suchenden ... METROPOLIS wartet.

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